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Thema: Die Ottonen

  1. #1
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Theophanu und die Kapetinger

    987 billigte Theophanu, ihrerseits Kaiserin-Witwe, ein westfränkisches Königtum unter Hugo von Capet und verzichtete somit auf die karolingische Dienstfolge der Westfranken, die fortan in einem eigenen Herrschaftsbereich schalten und walten konnten, wie es ihnen gefiel.

    Das ist der eigentliche Anfang Frankreichs, ein von Gnaden einer Byzantinerin in absento des Kaisers vollzogener Akt. Machen wir ihn rückgängig und zwingen die Franzosen zurück in die Dienstfolge unseres Königs! Notwendigerweise brauchen wir dazu einen Kaiser, der in der Rechtsnachfolge Ottos stehen muß.

    Dumm gelaufen.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Post Die Ottonen

    961 zog Otto zum zweiten Male über die Alpen. Der König von Italien wagte keine Schlacht gegen seinen einstigen Schwiegersohn, Otto, und zog sich zurück. Otto marschierte nach Rom, Papst Johannes XII. in einem Streit zu helfen. Der krönte daraufhin Otto zum Kaiser. Otto bestätigte urkundlich die karolingischen Schenkungen (die Bestätigung der Konstantinischen Schenkung) und sicherte dem Papst Unterstützung gegen dessen Feinde (in Italien) zu: In Abwesenheit des Kaisers sollte fortan der Papst herrschen.

    Merkkasten: Reichskirchensystem

    - unter Otto I. erhielten die Bischöfe das Recht des Königsbannes, d.h. sie durften Recht sprechen, besaßen Gerichts- und in ihrem Bezirk auch die Regierungsgewalt
    - 953 kritische Phase der Kirche gegenüber Liudolf → neuer Herrschafts- und Regierungsstil Ottos mit Rückgriff auf die Reichskirchenidee
    Voraussetzungen zur Durchführung dieser Idee:
    → Legitimation durch sakrale Würde des Königs, eine Einheit von sakraler und weltlicher Sphäre, wie sie aus dem Frühmittelalter bekannt war
    → das ostfränkische Reich war weniger als das westfränkische entwickelt beziehungsweise organisiert, es waren noch starke germanische Stammesbindungen vorhanden, kaum feudale Umwandlungen wie im Westen
    → genauere rechtliche Fixierung der den Bischöfen verliehenen Grafschafts-, Münz- und Befestigungsrechte
    → Fixierung der servitium regis, des Reichsdienstes
    → institutionelle Vernetzung der Domkapitel mit der Königsherrschaft an der Spitze; Aufbau einer Hofkapelle mit Reichsdienst leistenden Bischöfen → die Folge davon war die Einstaatung der Kirche zugunsten der Königsherrschaft
    - das Reichskirchensystem wurde insbesondere vom Episkopat getragen, das vom König bestimmt wurde → es entstand eine bessere Nutzung der Kirchengüter und seiner Reserven für die Königsherrschaft, selbst Heeresdienst mußten die Bischöfe leisten

    Doppelcharakter der Machtverhältnisse:


    1. Einzelkirche steht zu König und Reich in besonderem Rechtsverhältnis
    2. die universale Kirche fungiert als Ganzes innerhalb des Reichsverbandes → das ist der fundamentale Unterschied zur karolingischen Reichskirche, die den Klöstern außerordentliche Rechte zuwies
    Das bedeutete die Oberhoheit des Kaisers über den Papst. Es ist allerdings nicht deutlich zu klären, ob Otto Ludwigs des Frommen Diktum, daß der Kaiser den Papst bestimme, erneuerte. Die Freundschaft mit Johannes hielt nicht lange. Kaum war Otto weg, verbündete sich der Papst mit Ottos einstigem Schwiegervater, dem italienischen König Berengar. Man stieß den römischen Stadtfürsten vom Thron und setzte einen Sohn Berengars ein. Otto eilte zurück und revidierte das. Und nun zeigte er, wer die Macht hatte: Er schickte den Papst nach Hamburg, Buße tun. Statt dessen setzte er einen Laien auf den Papststuhl, Leo. Ein Affront gegen das Selbstverständnis der hieratischen Kirche! Dann wandte er sich wieder nach Hause. Auf halbem Wege erfuhr er, daß man Leo vom Stuhl Petri gestürzt hatte. Da kehrte er wieder um... Diesmal bekämpfte er Berengar rigoros und nahm ihm den Königstitel: Deutschland und Italien wurden unter Ottos Herrschaft vereinigt. Der Widerstand der Römer war gewaltsam gebrochen. Vorerst. Der Kampf würde weitergehen, und die Frage, wer nur den Bischof von Rom (Papst) einsetzte, war längst nicht entschieden, zu selbstbewußt waren die Römer, zu weit weg von Rom war Otto in seinem Magdeburg, zu lange währte schon der Dünkel Roms mit seinen adligen Familien, die sich bis aufs Blut bekämpften, aber in einem doch einig waren: den Barbaren nördlich der Alpen würde man die Investitur des Bischofs von Rom nicht gestatten. Abgesehen davon wuchs die Macht des römischen Bischofs mit jedem neuen Christen und wurde somit Zielpunkt vieler Abenteurer. Der deutsche König hatte es sich zum politischen Ziel gesetzt, das Papsttum zu reinigen und das Recht vorzubehalten, den Papst zu bestimmen, was zugleich bedeutete, daß er die Herrschaft über das deutsche Episkopat (Investiturrecht des Kaisers) festigte. Das mußte zu Konflikten führen, einerseits bedeutete das für den deutschen König, ein moralisches Vorbild abzugeben, was im schmutzigen Geschäft der Politik kaum durchzuhalten war und andererseits führte dies zu einer Südorientierung der Deutschen, die sich verheerend auf die deutsche Innenpolitik auswirken mußte, früher oder später.

    „Allenthalben richtete sich damals in Ost und Nord [Europas] über der Stammeszersplitterung ein einheitliches christliches Großfürstentum empor, das im Bunde mit der Kirche die am Heidentum festhaltenden Elemente bezwang und ihre kriegerische Kraft nach außen ablenkte. So in Böhmen, wo die Przemysliden [böhmisches Adelsgeschlecht] ihre letzten Rivalen vernichteten; so in Polen, wo der Piast [polnisches Adelsgeschlecht] Misika sein Reich bereits dem römischen Stuhl zinspflichtig machte und der Nachfolger Boleslaw Chobry seine Erobererlaufbahn begann; so auch in Ungarn, wo der Arpade [ungarisches Adelsgeschlecht] Geisa I. das Königtum seines Sohnes Stefan des Heiligen in Anlehnung an das Papsttum vorbereitete. Im Norden war es das eher verbindende als trennende Meer, das – wie es um das Jahr 1000 schon die Möglichkeit einer ersten Entdeckung Amerikas durch den Isländer Leif bot – die Ballung weiterreichender Reiche zu einer Großmacht gestattete. Denn auch die skandinavischen Länder teilten jene Entwicklung von zersplitterter heidnischer Kleinherrschaft zum christlichen Einheitskönigtum, und bald sollte das wegfallende angelsächische Reich dem dänischen Eroberer Sven Gabelbart zufallen und in Vereinigung mit Dänemark unter dessen Sohn Knut dem Großen (seit 1017) über Norwegen und die südliche Ostseeküste zu einer Großmacht ersten Ranges anschwellen.“ (Karl Hampe: Blüte und Verfall des Mittelalters. Berlin 1935. S. 339.)

    Betrachtet man die historische Entwicklung des Christentums bis zu diesem Zeitpunkt, so kann festgestellt werden, daß sich die christliche Lehre keineswegs das Ziel innerweltlicher Herrschaft gesetzt hatte und auch von keiner Verchristlichung der Staatsgewalten ausging, sich sogar von diesen distanzierte. Der Bischof von Rom, der in seinem Amt immer mehr in die praktische Politik hineingeriet, mußte auf jüdische Traditionen einer Verflochtenheit von Staat und Kirche zurückgreifen und so seine Position stärken. Man griff auf die Salbung zurück, wie sie jüdische Könige erfuhren hatten und wies auf Stellen im Alten Testament hin, die das thematisierten. Daß Christus im Neuen Testament und den Jahrhunderte später abgehaltenen Konzilen zum Vater erhoben wurde, half bei diesem Trick. Alle weltliche Königsherrschaft im christlichen Lebensbereich mußte sich nun daran messen lassen, ob ihr König gesalbt sei. So erhielt das Königtum einen geistlichen Amtscharakter und geriet zugleich in eine unheilvolle Verbindung zum Bischofsamt.
    Otto war kein Mann verquaster Überlegungen, er handelte und legte fest. Widerstände brach er. Nach seinem Marsch auf Rom konnte er seinen Lieblingsplan umsetzen: die Schaffung eines Erzbistums Magdeburg. Das kostete Mainz und Halberstadt Einflußsphären, auch in Magdeburg regte sich Widerstand: das Moritzkloster mußte seinen Landbesitz dem neuen Erzstift übergeben. Und so ausgestattet wurde Magdeburg zum Ausgangspunkt der Ostmission, der Erweiterung des nunmehr deutsch zu nennenden Einflusses auf das Gebiet östlich der Elbe. Im Südosten des Reiches erledigte das Erzbistum Salzburg diese Aufgabe, im Norden Hamburg als Vorposten Bremens. Von Magdeburg ausgehend wurden andere Bistümer gegründet, die wie ein Keil ins slawische Land wirkten und diese Gebiete allmählich dem ottonischen Machtbereich einverleibten, kurzum: sie wurden deutsch. Brandenburg, Havelberg, Merseburg, Posen. Der König benutzte die neuen Kirchenprovinzen zur Sicherung seiner Macht, besetzte die Bischofsstühle mit Getreuen aus Familie und Freundeskreis und baute die Herrschaft des Reiches kontinuierlich nach Osten aus. Das Reichskirchensystem der Ottonen leistete hier gute Dienste.
    Es kann diskutiert werden, ob Otto durch eine Konzentration auf die Ostexpansion ohne römischen Beistand hätte setzen können, ob er das als deutscher König nicht besser hätte organisieren und leisten können als dadurch, stets die römischen Angelegenheiten im Auge halten zu müssen, was nur mit großem Kraftaufwand geleistet werden konnte. Sicher ist, daß es den Deutschen nicht schadete, von den Romanen staatsmännische Kunst, Literatur oder auch zivilisatorische Errungenschaften zu lernen oder zu übernehmen. In Maßen. Die Deutschen sind keine Romanen, haben andere Vorstellungen über Gott und die Welt und sie besitzen den verhängnisvollen Charakterfehler, eigene Leistungen entweder in den Himmel zu heben, so daß alles andere darüber verblassen muß oder eben sich selbst zu verleugnen. Sie biedern sich entweder an oder beherrschen rigoros. Das Maßhalten ist keine deutsche Erfindung, bis heute nicht. Otto nun gehörte zum Herrschertypus. Unter ihm wurde nichts Deutsches geschrieben; er selbst war des Schreibens wohl nicht mächtig, verstand kein Latein und besaß keinen künstlerischen Ehrgeiz.
    Die Nachfolgeregelung: Otto konnte seinen Sohn nicht zum Nachfolger bestimmen, er schlug ihn den Fürsten vor. 961. Die nahmen an, zu groß waren die Leistungen des Vaters gewesen, als daß sie ihm das abschlagen konnten. Die letzten sechs Jahre seines Lebens verbrachte Otto in Italien. Die Sicherung des Kaisertums für seine Familie wollte er nun mit dem byzantinischen bewerkstelligen. Er verheiratete seinen aus der Ehe mit Adelheid stammenden Sohn Otto mit einer byzantinischen Prinzessin, Theophanu. 972. Nachdem das erledigt worden war, kam Otto über die Alpen zurück in seine Heimat, suchte das Kloster Memleben auf und starb dort 973. Im magdeburger Dom, dessen Grundstein er selbst 962 gesetzt hatte, wurde er beigesetzt.
    Otto II. hielt sich an das politische Testament seines Vaters. Wieder regte sich Widerstand in Bayern. Ottos Vetter Heinrich war mit der Rangfolge im Reich nicht einverstanden und begehrte auf. Otto schickte Heinrich nach Holland in die Verbannung. Das verwaiste Bayern gab Otto seinem Neffen Otto, Sohn seines 956 gestorbenen Bruders Ludolf.
    Das sind Nebenschauplätze gegenüber der politischen Hauptaufgabe Ottos II.: das Reich schützen und die Sarazenen vertreiben. Diese hatten sich Stützpunkte in Italien und Frankreich errichtet und bedrohten die politische Macht der Ottonen. Sizilien, Sardinien und Korsika waren schon unter ihrer Herrschaft; es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sie auch auf das europäische Festland ausgriffen. Otto kam nicht mehr zur Ausführung eines Planes, der die Heiden hätte vertreiben können; er starb, kaum 28jährig, 983 und wurde in Rom beigesetzt. Sein Sohn, dreijährig, trat die Herrschaft an, dessen Mutter, die griechische Prinzessin Theophanu, wurde Regentin, die Königin-Witwe, Adelheid, wirkte als Graue Eminenz. Otto II. hatte es nicht versäumt, wie sein Vater mit ihm, seinen Sohn auf einem Reichstag zum Nachfolger wählen zu lassen.
    Da regte sich Heinrich aus Holland wieder, sah seine Chance. Er entführte Otto III. und beanspruchte die Krone für sich. Der Mainzer Erzbischof mußte vermitteln, er brachte Adelheid, Theophanu und Heinrich an einen Tisch. Man beschloß, Heinrich Bayern zurückzugeben. Dafür verzichtete der auf die Krone. Theophanu regierte fortan nördlich der Alpen, Adelheid südlich davon.
    Die Machtbasis beider war das Rittertum, nicht das Beamtentum. Rittertum basiert auf militärischer Stärke und auf Landgewinn beziehungsweise –besitz. Der Ritter ist heimatgebunden. Beamtentum basiert auf Bildung, Recht und Korruption. Es ist heimatlos. Die Ottonenzeit ist Ritterzeit. Wenn wir hier von Schlachten sprechen, so können wir nicht annehmen, daß sich auch nur Zehntausende gegenüberstanden. Quellen des Mittelalters dürften meist gefälscht sein, zumal die Ritter in den seltensten Fällen schreiben konnten, also auch kein Verhältnis zu numerischen Größen besaßen. Wenn Otto mit 2000 Mann den Zug nach Italien machte, werden es viele gewesen sein. Entscheidend war die Qualität der Kämpfer. 2000 deutsche Ritter konnten mühelos 10000 Ungarn beherrschen, wenn es zum Nahkampf kam. Wir erinnern uns der Schlacht auf dem Lechfeld, die gewonnen wurde, weil Otto die überlegene Reitkunst der Ungarn nicht zur Entfaltung kommen ließ. Ähnliches mußten Ottos Nachfolger gegenüber den Sarazenen erreichen.

    „Jesus aber sprach zu ihnen: 'Die weltlichen Könige herrschen, und die Gewaltigen heißet man gnädige Herren.'“ (Lukas 22, 25)
    „Pilatus: 'Bin ich ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet. Was hast du getan?' – Jesus antwortete: 'Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden drob kämpfen, daß ich den Juden nicht überantwortet würde; aber nun ist mein Reich nicht von dannen.'“ (Johannes 18, 35-36)

    Otto nahm nach seiner Schwertleite die Regierung selbst an. Er fühlte nicht mehr wie seine Ahnen, sondern wurde Träger des Gedankens der Universalmonarchie, wie ihn vorher Alexander der Große oder Augustus besessen hatten. 996, mit sechzehn Jahren und mündig, ließ sich Otto von seinem 24jährigen Vetter Gregor aus Kärnten, den er zuvor zum Papst – Gregor V. – gemacht hatte, zu Kaiser Otto III. krönen. Man kann sich vorstellen, wie sehr das die Römer kränken mußte. Empörten sich die Römer in seiner Abwesenheit kehrte Otto III. zurück und hielt Strafgericht. Aber er hielt nicht nur Strafgerichte, sondern gestaltete auch die politische Gegenwart. Das von Ottos III. Großvater geschaffene Lehnssystem wurde modifiziert: Otto III. zog Lehen ein, deren Lehnsleute gestorben waren. Diese Güter fielen an die Kirche zurück. Das blieb auch unter Gregors Nachfolger Sylvester II. so, einem magdeburger Naturwissenschaftler, den Otto III. zum Papst machte.
    Otto III. besann sich seines ottonischen Erbes und setzte die Ostmissionierung wieder auf die politische Tagesordnung. Er schloß Freundschaft mit dem Herzog der Polen und forcierte mit dem die Missionierung des heidnischen Ostmitteleuropa: Breslau, Kolberg und Krakau wurden Erzbistümer. Polen wurde vom Reich abgekoppelt, obgleich das wichtigste polnische Bistum Posen Magdeburg unterstellt blieb, doch war die Missionierung erfolgreich durchgeführt, mithin der Zug deutscher Ritter in dieses Gebiet nicht mehr notwendig. Otto III. konnte sich neuen Zielen zuwenden. Die Ungarn wurden seßhaft und nahmen das Christentum an. Otto III. bewerkstelligte eine Heirat zwischen einer Tochter des streitbaren bayrischen Heinrich und dem ungarischen Herrscher Waik, der sich fortan Stephan nannte. Noch weiter im Osten kamen die Russen zum Christentum, denn ihr heidnischer Herrscher Wladimir heiratete eine byzantinische Prinzessin, die ihre Glaubensgrundsätze gegenüber Wladimir durchsetzen konnte. Den großen slawischen Stämmen folgten alsbald die kleinen: Kroaten, Slowaken, Ruthenen (Weißrussen) usw..
    Otto III. kam nicht mehr dazu, seine Universalreichpläne umzusetzen. Er starb, 22jährig, ohne einen Erben hinterlassen zu haben. 1002. Er wurde von seinen Getreuen nach Aachen gebracht, wo er neben Karl dem Großen eine Ruhestätte fand.

    Fußnote der Weltgeschichte
    : Sylvester II. überlebte seinen kaiserlichen Freund um ein gutes Jahr, dann starb er an einer Vergiftung. Die letzte Zeit seines Lebens befaßte sich dieser Papst mit der Konstruktion eines Globus. Das auf dem Konzil von Nikaia als Dogma festgelegte Ptolemäische Weltbild, das die Erde als eine Scheibe definierte, interessierte ihn offenbar herzlich wenig.

    Heinrich aus Bayern kam nun doch noch zur Krone. Über seinen Sohn. Denn dieser Sohn, Heinrich wie sein Vater geheißen, war der einzige Ottone mit Anspruch. Es ist nicht auszumachen, ob Heinrich II. noch Sachse oder schon Bayer war. Wann wird man Angehöriger einer Volksgruppe? Nach zwei, nach drei Generationen? Heinrich II. mußte sich gegen den Meißner Eckard und gegen den Schwaben Hermann durchsetzen. Er zog durchs Land und nahm der deutschen Fürsten Huldigung. Das ging nicht ohne Kompromisse, capitulatii, wie man das damals nannte. Heinrich II. mußte zwölf Jahre mit vielen Gegnern kämpfen, bis er sich als der Stärkste erwiesen hatte und Kaiser werden konnte. Kraft dieses Titels besaß er die Herrschaft über die Kirche, also auch die mächtigen und reichen deutschen Bischöfe. Heinrich II. investierte Landschaften mit Getreuen, gab Bischofsstühle an Verwandte, das ottonische Reichskirchensystem. Weltliche Herrschaften wurden vererbt, kirchliche fielen an den Kaiser zurück. Es lag für Heinrich II. also nahe, weltliche Herrschaften mit geistlichen Fürsten zu besetzen, so konnte er diese Gebiete bei Bedarf wieder einziehen oder sich verpflichten. Dieses Prinzip kam nur in Deutschland zur Anwendung, anderen Ländern ist es fremd.


    Aufgaben:


    1. Vermute Gründe für Ottos I. Engagement in Italien! (II)
    2. Warum war die Gründung des Erzbistums Magdeburg für Otto I. bedeutsam? (II)
    3. Kläre die wichtigsten Begriffe des Abschnitts! (I)
    4. Zeichne die Grundrisse eines Klosters und bestimme die wichtigsten Bestandteile eines Klosters am Beispiel des Moritzklosters von Magdeburg. (II)
    5. Differenziere Ritter- und Beamtentum als Herrschaftsprinzipien! Welches entspräche eher dem der Postmoderne? (III)
    6. Vermute Folgen für die europäische Politik, die sich aus der verschiedenen Ausprägung bei der Annahme des Christentums im Osten Europas ergeben könnten! (II)
    7. Erläutere Ottos III. Wunsch, neben Karl bestattet zu werden! (I)
    8. Erkläre, wie Heinrich II. die Macht des Kaisers in Deutschland stärkte! (II)



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