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Thema: Wolkenstein-Manifest

  1. #51
    axel
    Status: ungeklärt

    AW: Wolkenstein-Manifest

    (übrigens gibt es die WIEDERGEBORENEN CHRISTEN, Bob Dylan bezeichnet sich als einen von ihnen.)


    Das ist es, was ich meine, oder bin ich einfach unfähig, 'einen einfachen deutschen Satz so zu lesen, wie er zu lesen ist' ?


    Ob sich Dylan als solcher bereichnet, ist kein Beweis für die Existenz Wiedergeborener (Christen). Man mag ja glauben, an was man will, aber die Todesstrafe durch den Glauben an die Wiedergeburt zu sanktionieren, ist für ein solch umstrittenes Instrument etwas dünn; was, wenn der Glaubende irrt?

  2. #52
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    AW: Wolkenstein-Manifest

    Ich habe mich nicht als wiedergeborenen Christen bezeichnet. Was Bob Dylan glaubt, ist seine Sache. Ich kenne ihn nicht, kann mich nicht über ihn und seinen Glauben äußern. Manche seiner Lieder mag ich, zum Beispiel Blind Willie McTell.

    Wenn ich von zu bestrafenden Straftätern spreche, insbesondere ausländischen Straftätern - weil ich Deutschen die Staatsbürgerschaft nach einer Anzahl x an Verbrechen abspreche - dann ist das keine Sanktionierung. Ich sanktioniere die Todesstrafe damit nicht, Axel, indem ich sage, daß es Menschen gibt, die an Wiedergeburt glauben. Ob es eine Wiedergeburt gibt, ist in diesem Sinne inadäquat. Ich fasse das Leben in einem metaphysischen Sinne als Mittel auf, nicht als Zweck des Menschen. Daraus leitet sich meine Fürsprache für die Todesstrafe ab; sie ist in ganz genauem Sinne keine für den, der sie bekommt, sondern für die anderen, die ähnliches planen, wofür derjenige verurteilt wurde, der sie bekommen hat. Aber, und das bitte ich jetzt sehr wohl zu bedenken: Sie hat in meinem Manifest eine regulative Funktion, so merkwürdig das auch klingen mag. Denn de facto wird sie wohl kaum zur Anwendung kommen. Ein Kanzler muß schon einen ungerechten Krieg anzetteln, um dahin zu kommen, ein Richter mutmaßlich und bösartig das Gesetz brechen, ein verbrecherischer Ausländer hat einen langen Weg vor sich, dahin zu kommen und kann seine Staatsbürgerschaft dann immer noch ablegen, um NUR eine Freiheitsstrafe zu bekommen... - das aber bedeutet für viele sehr viel; all das sind Indizien dafür, daß die Todesstrafe niemals (sehr unwahrscheinlich) Anwendung finden wird, aber sie hat eine regulative Funktion, die den Parlamentariern und Angeklagten und dem einfachen Bürger das Gefühl großer Macht gibt. De iure ist sie nämlich möglich. Und das ist entscheidend.


    Kyra, wenn Du mir schon zugestehst, daß ich denken kann oder was gedacht habe, dann versuch doch mal hinter den tieferen Sinn zu kommen, wenn Du den offensichtlichen schon nicht erkennen kannst. Du bist mit Verurteilen sehr schnell bei der Sache, beschimpfst und beleidigst mich in einer Tour, was Dich sehr unsympathisch macht. Argumente bleibst Du schuldig; ich kann irgendwie nicht entdecken, auf welche Stellen meines Manifestes Du Dich beziehst, was Du denn zu kritisieren hast als die Todesstrafe und meine Auffassung der politischen und gegebenen Macht des Ausländers. Deine Einwände sind auf einen Gedankengang zu reduzieren: Weil ich für die Todesstrafe bin, taugt das Ganze nichts. Und ich hab's jetzt auch satt, mit Dir darüber zu streiten. Wenn Du keine anderen Einwände zu machen hast, dann zieh Leine.


    Ausländer sind vielleicht in Deiner Vorstellung schlechtergestellte Menschen, in meinem Manifest sind sie das nur für zwei Bereiche: 1. politische Mitbestimmung und 2. gegebenenfalls soziale Absicherung. (aber auch dieser zweite Teil ist für den Ausländer leicht zu umgehen, indem er seine Staatsbürgerschaft quasi abgibt und als Staatenloser in Deutschland leben kann, mit dem Existenzminimum; allerdings ist da mehr Verantwortung bei den Gebietskanzlern, die hier vielleicht Zuzugsbegrenzungen bestimmen, doch das müßte man der Wirklichkeit überlassen, wie das geregelt wird, daß es da nicht zu unnötigen sozialen Spannungen in der Bevölkerung kömmt; weiß ich jetzt nicht, wie ich das paraphrasieren soll)
    Nicht schlechtergestellt sind sie in einem wirtschaftlichen Sinne, denn die Besteuerung ist für alle gleich. Ich glaube, es gibt kein Land auf der Welt, in dem ein Ausländer die gleichen Mitbestimmungsrechte hat, die ein Inländer hat. Das wäre gegenüber den Inländern ausgesprochen ungerecht. Bei mir werden aber auch diese Rechte des Inländers nivelliert, weil die Welt ein Ort ist, in dem man (also jeder Mensch) sich befindet. Aber es braucht eine gewisse Zeit, bis sich da was angleicht. Nach fünf Jahren bekommt bei mir der Ausländer das Recht, Inländer werden zu dürfen. Und diesen Quatsch namens "Asylrecht" gibt es nicht, denn jeder darf bleiben, solange er will und sich an die Gesetze hält. Was ist daran ungerecht?


    Ich kann mich erinnern, daß Du Dich vehement dagegen ausgesprochen hast, diese Freizügigkeit zu verstatten. Du hast Angst vor Millionen Chinesen und Russen u.a., wie Du so schön schriebst - steht weiter oben -; ich nicht. Meinetwegen können hier fünfzig Millionen Russen und fünfzig Millionen Chinesen leben, die Welt gehört allen. (Aber würde das denn geschehen? Ich glaube, nicht.) Das gleiche trifft auf Staatenlose zu, auch die sind bei mir nicht schlechtergestellt. Ich überlege, ob man ihnen nach einigen Jahren und einer Prüfung den Status des Europa-Bürgers gibt, doch da ich bei mir keine Staatsbürgerschaft brauche, um einfach nur leben zu können, muß das sorgfältig durchdacht werden, inwiefern das veritabel ist.

  3. #53
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Wolkenstein-Manifest

    Mein erster Eindruck:
    Für mich ist das Manifest ein Versuch, aus dem Destruktivismus der Nachkriegsliteratur hinauszufinden, mit ihr abzuschließen und neue Wege aufzuzeigen. Es entwirft eine Idee, nein, viele Ideen oder Visionen. Gedankengut.
    Es ist angreifbar wie jede Vision, jedes Modell, das vielleicht rational entwickelt und doch emotional niedergeschrieben wurde. Doch das wurde doch zuallererst vom Autor selbst erkannt. Es steckt für mich sehr, sehr viel Selbstironie in dem Manifest. Köstlich die Einschübe, die mich immer wieder versöhnt haben. Was nun allerdings nicht heißen soll, ich hätte dieses Buch nicht ernst genommen. Nein! Ich sehe es als Aufforderung zur Diskussion und Reflexion über die Zustände der Literatur in diesem unseren Lande und - was noch wichtiger ist - es bittet, nicht höflich aber klar, selbst konstruktiv zu werden.

  4. #54
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    AW: Wolkenstein-Manifest

    Hallo Trist,
    ....Es steckt für mich sehr, sehr viel Selbstironie in dem Manifest.

    wo bitte? Also das wäre das Letzte was mir zu diesem Text einfiele. Ob nun Visionen oder nicht, aber Selbstironie?


    Doch, ich habe ihn gelesen.


    Kyra

  5. #55
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    AW: Wolkenstein-Manifest

    am rande: auch inhuman ist nur ein wort.
    es sei an dieser stelle von meiner seite festgehalten: stimmt schon, das perfekte (= reibungslose) system braucht wahrscheinlich die todesstrafe. selbst unser körper als zellverband kennt sie.


    und solange das augenmerk auf das system als solches gerichtet bleibt, solange die idee dieses systems das ziel ist, wird die todesstrafe auch befürworter finden.


    der wird sie vielleicht auch befürworten, der eigentlich dagegen ist, im stil von: der zweck heiligt die mittel.


    der aber wird sie nicht und unter keinen umständen befürworten können, der eine vision hat von einer besseren welt und diese vision lebt.


    die todesstrafe ist ein gedanke, der soweit reicht wie der blick, der am horizont endet. dass hinter diesem horizont noch was ist, wer glaubt das? ich hoffe einige. aber das braucht kraft dann, zumindest vorstellungskraft.


    Mr. Jones

  6. #56
    rodbertus
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    AW: Wolkenstein-Manifest

    Es ist bedauerlich, Jonathan, daß unser gemeinsamer Weg hier endet. Ich lasse mich ungern als inhuman beschimpfen, von mutmaßlichen Weggenossen schon gar nicht.

    Ich bin zudem ein entschiedener Gegner dieses Gedankens: "Der Zweck heiligt die Mittel." Wenn Du das bisher nicht mitbekamst, dann Schande über Dich. Aus beinahe allen meinen Lektoratsarbeiten schimmert dieser Grundgedanke meines Daseins hervor: Sprache ist ein Mittel, das selber angemessen eingesetzt werden muß - nicht nach Belieben oder zu einem (beliebigen) Zwecke. Humanisten sind das in der Regel, also Gegner der Mittelheiligung, denn der Zweck kann nur so gut wie seine Mittel sein. Alles andere ist unmoralisch und zu verwerfen. Allerdings war seinerzeit das ein Streit zwischen Luther und Erasmus: Werkheiligkeit.

    Todesstrafe hat in Deinem Kontext nur eine immanente Bedeutung. Kann sie dort auch nur haben. In meinem System - das ein offenes ist, weil es sich allen öffnet, die an ihm teilhaben wollen und es gestalten wollen - benötigt es die Todesstrafe als Regulativ, nicht als Konstitutiv. Du solltest Dir die Mühe machen, meinen Text lesen, drüber nachdenken, dann noch einmal etwas dazu sagen. Die Todesstrafe ist nicht mein Thema, sie ist ein Mittel. Das (schöne) Leben ist aber nicht der Zweck meines Systems.

    Darüber könnte man streiten, ob das akzeptabel ist, für einen postpostmodernen Menschen wie unsereiner nämmich.

    Okay, genug. Keine neuen Aspekte. Warte ich weiter.

  7. #57
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Wolkenstein-Manifest

    Im Folgenden nur einige Stellen, die ich als Selbstironie oder Selbstkritik gelesen habe:




    Seite 7: "Das gelegentlich benutzte WIR zeigt an, daß der Autor nicht allein verantwortlich gemacht werden will, sondern sein Begreifen unzähligen Gesprächen, dem Studium manches Altvorderen und langem Nachdenken schuldet. Das Buch ist nicht für Professoren oder Politiker geschrieben, denen zumeist nicht mehr geholfen werden kann. Es ist meistenteils lesbar und beinhaltet nachvollziehbare Gedanken eines Mannes, der selbst Volk ist und nicht zu den 722 Selbsterwählten gehört, die weise sein wollen und Welt lenken... "


    Seite 8: "So auch verhält es sich mit neuen Denkansätzen für unser Jahrhundert, in dem es darum gehen muß, eine gerechte Welt zu schaffen...
    Aber diese haben mit der Entgottung ihres Ich und der daraus folgenden Annahme einer entgotteten Welt zu kämpfen und stehen als Mensch zumeist neben sich."


    Seite 11: Das Comic "Ich will!"


    Sämtliche Einschübe über Rodbertus, besonders doch der letzte im Dialog mit Lilith




    [Diese Nachricht wurde von Trist am 15. Dezember 2002 editiert.]

  8. #58
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    AW: Wolkenstein-Manifest

    rodebertus, du schreibst: "Die Todesstrafe ist nicht mein Thema, sie ist ein Mittel. Das (schöne) Leben ist aber nicht der Zweck meines Systems."


    zum ersten satz: ich denke, trotz zugegebener unmöglichkeit dieser forderung, jedes mittel müsste thematisiert werden, bevor es als mittel verwendet wird.


    zum zweiten satz: genau das habe ich darzulegen beabsichtigt, ja. das leben kann eben nicht zweck deines systems sein. das system an sich nur kann zweck deines systems sein. gerade deshalb, mit verlaub, sehe ich keinen grund, dein manifest lesen zu wollen.
    und darum ist es so: ich habe es nicht gelesen, kein wort davon.


    ich frage dich: wie sieht denn deine welt und wirklichkeit aus? ich nehm dir die antwort ab: gesichtslos, abstrakt. unüberschaubar ist der staat, und dürrenmatt etwa weiss genau, was er meint, wenn er schreibt: "das drama schillers setzt eine sichtbare welt voraus, die echte staatsaktion, wie ja auch die griechische tragödie. sichtbar in der kunst ist das überschaubare." er meint damit, dass der heutige staat anonym und bürokratisch ist. es gibt recht eigentlich kein gericht, aber der prozess läuft auf hochtouren. wer repräsentiert heute die macht?


    dürrenmatt schreibt, und ich finde das bedenkenswert: "in der wurstelei unseres jahrhunderts gibt es keine schuldigen und auch keine verantwortlichen mehr." ja, er hat recht, alle können nichts dafür und haben es nicht gewollt, es geht wirklich ohne jeden.


    verstehst, rodebertus? das system, was immer das auch sein mag, ist unser pech, nicht unsere schuld. "schuld gibt es nur noch als persönliche leistung, als religiöse tat", schreibt dürrenmatt. unsere welt ist am zusammenpacken, so sehe ich das. wir haben nichts mehr zu sagen, gar nichts. weder du noch bush noch der samichlaus.


    schreib du dein manifest, brauch dabei die todesstrafe. aber indem du diesem monster, das ich system nenne, ohne zu wissen, wie es eigentlich aussieht, wenn du diesem monster gestatten willst, die todesstrafe zu benutzen, dann hat der einzelne endgültig ausgespielt. hat er eh schon. aber er bleibt am leben, so oder so. wenn er will. wenn ihn nicht ein anderer mensch umbringt, oder sonstwas.


    verstehst denn wirklich nicht, rodebertus? du kommst daher und brüllst, die todesstrafe sei nicht dein thema, aber dein mittel. du lieferst die menschlichkeit aus, und das einem unmenschlichen apparat. ach, wo bleibt bloss der übermensch, den nietzsche prophezeit!


    ganz egal, wie dein manifest auch lauten mag. das leben ist nicht zweck deines manifestes, deines systems. darum, verzeih, denke ich, es ist es wertlos, und schlimmer.


    dennoch frage ich dich: was, bittschön, ist der zweck deines systems?


    ja, ich weiss, ich bedaure es auch, keine neuen aspekte, wieder nicht. warte weiter, rodebertus. warte auf argumente, wo es keine geben darf. aber merk dir vielleicht, guter rodebertus: ich hab die hoffnung noch lange nicht aufgegeben, dass du dein manifest ändern wirst in punkto todesstrafe!


    greetings,
    Mr. Jones

  9. #59
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Wolkenstein-Manifest

    jones. bleib bei dürrenmat und frisch. hier andere welt. noncompliance

  10. #60
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Wolkenstein-Manifest

    Was Dürrenmatt da über Schillers Theater schreibt - auch über die Griechen - ist Schafscheiß. Das Gegenteil ist der Fall: Schillers Stücke wirken dadurch, daß hinter dem Offensichtlichen eben die Haupthelden immer einen geheimen Plan in sich tragen, der sich meist in den Charakteren der Antipoden entwickelt und dann in dialektischer Verschränkung auf die Ursächler zurückwirkt, was diese sterben läßt. Das war in den Räubern bereits so, eigentlich in allen Dramen des Meisters. (weil ihn genau dieser geheime Punkt unseres Selb interessierte, schrieb Schiller auch keine Komödien; eine positive Wendung wäre ihm unvorstellbar und unrealistisch geworden) Ich nehme an, Du hast Dein Urteil über Schiller gefällt, bevor Du seine Werke lasest? Das muß eine neue Volkskrankheit sein, sich Meinungen über Autoren herauszunehmen, deren Werk man nicht kennt.

    Der Zweck meines Manifests, eigentlich jedes Manifests, ist es, ein System der Freiheit zu entwickeln. Freiheit ist nur möglich, wenn die Grenzen fixiert sind und zugleich den in den Grenzen Lebenden größtmögliche Entwicklungsmöglichkeit gewährleistet wird. Um das mit der Todesstrafe deutlich zu sagen: Der Schrecken der heute ausgeübten Todesstrafe liegt darin, daß andere Menschen die Schuld eines anderen Menschen prüfen und sich zum Richter über Leben und Tod machen. Dieses System der Todesstrafe lehne ich ab. Ich lasse hier auch nicht das Hauptargument der Todesstrafenbefürworter gelten: Opferschutz vor Täterschutz. In meinem Systemvorschlag bringt der Todesstrafenbestrafte diese selber ins Spiel - durch seine Entscheidungen. Das ist ein fundamentaler Unterschied.

  11. #61
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    AW: Wolkenstein-Manifest

    Zitat:
    julika: ... hier andere welt. ...
    jones: eben leider nicht, wir leben alle in derselben.
    eule:... aber jeder flieht in die seine.


    ...wo er die anderen wiedertrifft, so oder so.

    dennoch frage ich dich: was, bittschön, ist der zweck deines systems?

    rodebertus, deine antwort nimmt mich schon wunder. und, nachdem ich so pathetisch ward in diesem ordner, hab ich sie mir, denk ich, auch redlich verdient, deine antwort. am liebsten hätt ich sie übrigens in der art eines werbeslogans. alright?

    noch eine frage, wenn du magst: ist die todesstrafe ein wesentliches element deines systems, oder liesse sich letzteres auch ohne ersteres funktionierend denken?

    nach beantwortung halt ich mich wieder zurück, versprochen.

    Mr. Jones

  12. #62
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Wolkenstein-Manifest

    Keine Ahnung, ob es ohne funktionieren würde; ich weiß ja nicht mal, ob es mit funktioniert. Ein Regulativ sollte immer ersetzt werden können. Vielleicht ließe sich die Todesstrafe durch anderes ersetzen, sagen wir durch ein lebenslanges Schweigegelübde? Das wäre aber auch eine Todesstrafe für manch einen. Das Konzept der Bestrafung ist ja sowieso umstritten. Sagen wir mal so, andere Sachen sind mir viel wichtiger als die Durchsetzung der Todesstrafe.
    Ich schrieb über die Funktuation der Todesstrafe in meinem politischen System-Entwurf, der, wie Du Dir sicherlich denken kannst, nur ein (streitbares und diskutables) Mittel für mein eigentliches Ziel ist, den Menschen zu sich selbst kommen zu lassen und in Freiheit zu setzen, nicht diese westliche Freiheit, sondern eine, die den ganzen Menschen erfaßt. Aber das bedeutet für ein politisches System: Es muß dem Menschen die Möglichkeit geben, in einer gerechten Welt Entwicklung seiner selbst zu urständen, wie es mein Lieblingstheologe Böhme gesagt hätte. Lies ihn, den hier verorteten Text, wenn Du dann noch DIESE Fragen hast, dann werde ich Dir vielleicht den Gefallen tun und mich wiederholen. Vielleicht. Wahrscheinlich ist das nicht, denn ich wiederhole mich nur ungern.

  13. #63
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    AW: Wolkenstein-Manifest

    hab ich so getan, rodebertus. bin schlauer und doch nicht. ist vermutlich so: man muss das verflixte ding lesen, will man sich ein bild machen. de iure bist du für die todesstrafe, lässt aber hintertürchen offen, weil es nicht darum geht zu töten. soviel hab ich kapiert. und vielleicht noch ein bisschen mehr. hmmm. eines tages les ich es, dein manifest. vielleicht. im augenblick beruhigt es mich, dass sie nicht notwendig zur anwendung geraten kann und muss, die todesstrafe. merci für deine antwort.


    Mr. Jones

  14. #64
    rodbertus
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    AW: Wolkenstein-Manifest

    Ich glaub's nicht. Da läßt sich einer von den Nicht-Lesern dazu herab, zuzugestehen, daß man einen Text gelesen haben muß, bevor man ihn kritisiert/bespricht.
    Und dann bekomm ich noch eine geistreiche und gebenedeite Antwort, daß eben das Angenannte nicht das Belängliche sein muß, daß, wenn ich schreibe Ich bin eine Fliege! ich dies de facto nicht sein kann, mir aber de iure zuzugestehen ist, daß ich es sein will. Ich will mich einmal so ausdrücken: Wer bei mir der Todesstrafe anheimfällt, der hat sie gewollt. (Man könnte jetzt darüber diskutieren, inwiefern Selbstmord strafbar ist, ob also Selbstmordabsichten nicht dadurch bestraft werden sollten, daß man den Intendenten weiterleben läßt? Wenn, wie lange, denn des Menschen Wille ist sein Himmelreich... Doch diese Fragen wollen wir jetzt nicht wirklich vertiefen, sie sind ein wenig zu rabulisitisch. Auch ließe sich fragen, wie zurechnungsfähig einer sein kann, der sich in den Bereich der Möglichkeit begibt zu sterben. Aber dann ist jedes Lebensrisiko eine Frage der Imputabilität.


    Soviel ein Aspekt um das schwierige Thema: Regulative und Konstitutive.

  15. #65
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    AW: Wolkenstein-Manifest: der Kritik-Ordner


    eulenspiegel
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    erstellt am: 05. November 2002 15:39
    --------------------------------------------------------------------------------
    ach ja, was ich noch sagen wollte:
    bei allen vorbehalten gegen viele äusserungen Roberts im manifest und in seinen postings - was form und inhalt betrifft - ich halte versuche, ihn bei jeder gelegenheit in die nazi-ecke zu stellen, für schwachsinnig und unappetitlich. das scheint überhaupt zur zeit gang und gäbe zu sein, dass man, wenn man keine argumente hat oder zu faul ist, welche zu suchen, die nazi-keule auspackt. das wird weder den zahllosen opfern dieser unsäglichen ideologie gerecht noch dem, den man treffen will.


    gruss eule.



    wer von den forumsbesuchern mein obiges statement so interpretiert, dass ich der meinung wäre, Robert sein ein nazi, der möge sich bitte zu wort melden. wer aber einen deutschen satz so versteht, wie er dasteht, der müsste eigentlich das gegenteil daraus lesen.


    ich halte Robert weder für einen nazi noch für einen inhumanisten. ich halte aber viele seiner thesen in seinem manifest für indiskutabel - auch das habe ich bereits hier geschrieben - und mit dem erreichten standard der menschenrechte für inkompatibel. und deshalb lehne ich sie ab. hinter die menschenrechtserklärung darf niemand zurückfallen. das ist ein disqualifikationsmerkmal.


    punktum. basta.


    gruss eule.

  16. #66
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    AW: Wolkenstein-Manifest: der Kritik-Ordner

    Darüber werden wir ein Buch zu machen haben, ob MENSCHENrechtsdeklarationen auch nur die Spur einer Chance haben, Gerechtigkeit hervorzurufen. Ich wage das entschieden zu bezweifeln.


    Und damit es auch der Dümmste begreift: Ich bin nicht gegen Menschenrechtsdeklarationen, wohl aber gegen den üblen Gebrauch derer durch die Stärkeren.


    Bestes Beispiel: Am Anfang des Jahrhunderts ließ sich für Briten und Amerikaner die Freiheit der Meere und des Handels leicht fordern, weil sie nun einmal die Stärksten waren. Sie bestimmten die Preise und gegebenenfalls wurde eben blockiert oder invasioniert/interveniert/Krieg geführt... Das allgemeine Menschenrecht, Handel zum Zwecke des Erwerbs treiben zu dürfen, wurde vorgeschoben.
    Konsequenterweise müßte dieser passus nun gestrichen werden, denn er führte zu verschiedenen Ungerechtigkeiten.
    Womit ich beim entscheidenden Fragepunkt bin: Worum geht es in Menschenrechtsdeklarationen?
    Ich denke, es geht darum, Grundprinzipien für eine gerechte Welt zu schaffen, in der jeder leben will und darf. Wer kann da schon dagegen sein?
    Der Teufel steckt im Detail. Es scheint de facto nicht möglich zu sein, diesen kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden, so daß die Bestandteile, die (um nur ein Beispiel zu nennen) unverzichtbar sind, nicht für jedermann gelten können - wie umgekehrt in anderen Fragen. Weil es RECHTE berührt, also Einklagbares.


    Ich spreche mich nicht gegen Menschenrechte aus, sage aber entschieden, daß sie nur dann eine Berechtigung besitzen, diesen Namen zu tragen, wenn ALLE (und ich meine damit alle und nicht nur zweiundsiebenzig oder neunundneunzig Prozent) sie tragen. Und das ist nicht der Fall bei den letzten Erklärungen. Somit sind sie als solche hinfällig.


    Wie wäre es mit einem kleinsten gemeinsamen Nenner?

  17. #67
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Wolkenstein-Manifest: der Kritik-Ordner

    "hinter die menschenrechtserklärung darf niemand zurückfallen"


    Ach Robert, Thema verfehlt. Wenn Du sie nicht gelesen hast- naja. Aber wenn Du nicht mal von der "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte" gehört hast...


    Nun, sie iss ja auch erst 50 Jahre alt, und Du bist ja gerade mal dabei, den 1.Weltkrieg aufzuarbeiten.

  18. #68
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    AW: Wolkenstein-Manifest: der Kritik-Ordner

    Da bin ich in der Tat noch nicht, ich treibe mich (historisch betrachtet) gerade so bei Theodor Lessing herum, bin in den 20er Jahren, die mich ein paar Jahre beschäftigen werden. Thema kann ich nicht verfehlen, weil ich es bestimmt habe. Was mir dann im nachhinein in den Mund geschoben wird, dafür bin ich nicht verantwortlich. Doch eines, Peter, sag mir rasch: Gab es nicht bereits im 18. Jahrhundert Menschenrechtserklärungen? Und sind wir heute nicht weiter als je davon entfernt, eine von allen Staaten der Welt unterschriebene Charta zu wissen? Liegt das vielleicht daran, daß in einem Akt kulturpolitischen Imperialismus die Weltmächte vorgeben, was für alle gelten solle? Und ist nicht genau das das, was ich kritisiere?

    Wie gesagt, ich lehne Menschenrechte nicht ab, ich bin mir nur nicht sicher, ob alle darunter das gleiche verstehen. Am Ende wird erkannt, daß das kein Gegenstand der Erkenntnis sein kann, sondern nur eines des Geschmacks. Das wäre nicht einmal bitter, sondern nur ein Schritt in die richtige Richtung, nämlich die zu größerer Akzeptanz des anderen. Siehste!

    Doch will ich nicht nur abstrakt fabulieren, darum zu den Menschenrechten, wie sie heute bei amnesty formuliert worden sind:
    Artikel 3 sagt nach dieser Erklärung, daß jeder Mensch ein Recht auf Leben habe, daß also Leben nicht verwirkt werden könne. Das bedeutet im Klartext, daß alle selbsternannten moralisch führenden Nationen/Staaten nach dem zweiten Weltkrieg dieses Recht mißachteten, sofern es ihren politischen Ambitionen widersprach. Diese Staaten wären demnach nicht an einer Durchsetzung der von ihnen formulierten Menschenrechte interessiert, es sei denn, sie nützten ihnen. Seien es die Israelis, Briten, Franzosen, Amerikaner... sie alle sprachen in politischen oder minder politischen Schauprozessen gegen Andersdenkende (und ich möchte das hier klarstellen auch in meinen Augen bösartige Verbrecher) Todesstrafen aus, von Staats wegen, auf dem Recht basierend. Das betraf die Nazis im Nürnberger Prozeß, Eichmann u.a. in Israel, Frauenmörder und Kinderschänder, Verbrecher in Vietnam (vietnamesische und amerikanische), gewalttätige Sektenführer in Indien (durch die Briten), Gueriila-Kämpfer in Mittelamerika, Kopfprämien auf politische Gegner durch CIA, Strafgefangene in Rußland,
    betraf politische Gegner in Frankreich um 1960 (Staatskrise), Ausnahme- und Kriegsrecht hebelte offensichtlich dieses "Menschenrecht" völlig aus (z.B. Polen), usw. usf. Zur Zeit gibt es Abschußprämien auf Saddam, die nicht nur die Amerikaner ausschreiben, sondern auch andere (moralisch) führende Staaten dieser Welt, die alles tun, um auf Menschenrechtsverletzungen in anderen Ländern aufmerksam zu machen. Zur Zeit wird auf Borneo und in Mittelafrika munter gemordet... Und so weiter, immer weiter...


    Es ist schön, ein solches Recht zu fordern, allerdings ist es unsinnig, weil sich die Mächtigen dieser Welt eh nicht daran halten, alle! Das liegt im Aufbau dieser patriarchalischen Welt, weshalb ich diesen Aufbau durch Ansätze in meinem Manifest auch zerstören will.


    Man kann nicht von einem allgemeinen Menschenrecht sprechen, muß es anders formulieren.


    In dieser Erklärung steht drin, daß JEDER Mensch das Recht auf Leben besäße. Jeder, der abtreibt, wird so zum Mörder. Wann ist einer ein Mensch? Sechs Wochen nach der Empfängnis? Zwölf Wochen? Wer will darüber rechten? Zwölf Jahre nach der Geburt? Wann?


    Ich nannte ein paar Dinge, die die Problematik deutlich machen.


    Meine Meinung zu den Menschenrechten: Sie sind nicht formulierbar. Aber man kann einen Kanon aufstellen, wie man sich es vorstellt, was man gerecht FÄNDE. Das ist ein feiner, aber bedeutsamer Unterschied. Und man soll einen, der sagt, daß die Menschenrechtsdeklarationen unsinnig seien, nicht gleich wieder stigmatisieren.


    Fazit: Es geht um alle Menschen, nicht nur die bürgerlich-westeuropäisch konditionierten. Für alle Menschen kann kein durchsetzbares Menschenrecht formuliert werden. Das ist nicht zu halten. Man muß sich darauf beschränken, was veritabel ist. Allgemeine Menschenrechte sind es nicht. Aber ich kann mir vorstellen, wie eine gerechte Welt aufgebaut sein könnte.


    P.S. Die marxistische (und viele andere) Kritik habe ich hier völlig außen vor gelassen, wonach es die Klasseninteressen des an die Macht gekommenen Bürgertums sind, die es veranlassen, Menschenrechte zu formulieren, die nur dem (Produktionsmittel besitzenden) Bürgertum nützen. Damit will ich jetzt niemanden schockieren, was das für Konsequenzen hat, so zu denken. Man sollte nur bedenken, daß somit auch die Marxisten - die doch wohl auch Menschen sind - gewichtige Einsprüche gegen "allgemeine" Menschenrechtserklärungen machen können.

  19. #69
    Slike
    Status: ungeklärt

    AW: Wolkenstein-Manifest

    Mir ist relativ egal wie du deine Folgerungen begründest, da man alles und jedes (auch unterschiedlichste Staatssysteme) so entwerfen kann, dass sie ganz toll funktionieren. In der Praxis hätte dein System die Probleme die ein jedes hat. An diesen zielt dein Entwurf vorbei. Viel Spaß bei der Formulierung deines besserwisserischen süffisanten Kommentars. Hier ist meiner:
    Allein was ich gelesen habe enthält Unsinn in einem Maße, das einen echten Lesegenuss erzeugt. Ich habe aber kein Bedürfnis danach, mehr Zeit in diese Art der Unterhaltung zu stecken, sprich dieses Buch zu kaufen. Einige deiner Ansichten wären erschreckend, wären sie in irgendeiner Weise neu, und hörten Menschen auf sie, die etwas zu sagen haben in unserem - natürlich nicht perfekten, aber jederzeit dem deinen vorzuziehenden - Staat. Die Behauptungen zur Rolle des Deutschen (der Sprache) als praktisch ganz Europa prägend, deinen genauen Wortlaut kennst du besser, sind schlichtweg Quatsch. Deutsche Philosophie etc. hatten und haben einen Einfluß auf Europa und die Welt, aber andere genauso, in oft größerem oder auch oft geringerem Maße. Eine Sonderstellung des Deutschen zu postulieren ist völlig abwegig. Griechen und Römer haben den europäischen Kulturraum früher und sehr nachhaltig beeinflusst, nur als Beispiel.
    Falls dir die Möglichkeit auf Kommentare wie meinen zu antworten, oder Respektbekundungen von Leuten die dir auf den Leim gehen an dem du selbst klebst, nicht mehr reichen, um deinem Leben Freude und Sinn zu geben, empfehle ich dir Computerspiele. Zivilisationssimulationen und so, davon gibt es jede Menge. Da kannst du dich mal wieder so richtig ausleben.

  20. #70
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    Mein Text ist ein Gesprächsentwurf, kein Paradigma, kein Dogma, kein Garnichts. Sollte ich einmal in meinem Leben die Möglichkeit erhalten, dies auch nur in einem Spiel zu spielen (sagen wir in einem Film), dann würde ich ganz sicher das eine oder andere schon für den Entwurf ändern müssen. Oder andere. Das ist bei jedem Entwurf so: Modell und Wirklichkeit klaffen. Mir geht es auch nur um den Entwurf, worum sollte es mir sonst gehen? Ich habe beschrieben, wie ich mir eine gerechtere Welt vorstelle. Was ich da niederlegte, sollte nicht nur für Deutschland gelten, sondern ist moralisch gedacht, also als Entwurf für jedes Stückchen Erde. Für Deutschland nun glaube ich, dies mit Fug und Recht sagen zu können, denn der Deutschen bin ich selber einer. Was ein Ungar, ein Rätoromane oder ein Nigerianer als gerecht empfindet, wage ich nicht zu behaupten. Aber eine Form des K.I. werden auch sie verstehen, andernfalls wäre es kein k.I.
    Die Sonderstellung der Deutschen kannst Du schon an der Geschichte des vergangenen Jahrhunderts erkennen. Die maßgeblichen Mächte der Welt taten sich in zwei großen Kriegen zusammen, um diese Deutschen aus dem Diskurs zu drängen. Und sie haben es geschafft, weil sie es schafften, den latenten deutschen Selbsthaß zu einem offenen zu machen. In Deutschland haben die Leute das Sagen, die sich (und alle anderen auch) hassen. Wie Du es hier auch offenbarst, Slike.

    Parenthese zum Manifest:
    Ein Amerikaner (!) namens Quigley - lehrte an Princeton und Harvard - schrieb 1966 ein unverstandenes Buch: Tragödie und Hoffnung - Geschichte in unserer Zeit, worin er sich u.a. (ist ein Wälzer) über CFR (council of foreign relations) Gedanken macht. Daß die Geschichte ohne Objektivität des Willens Kasperle-Theater spielt, das koennte durch einen Purzelbaum des Denkens bei den Gewichtigen unserer Welt beiseite geschoben werden.
    Seine Quintessenz: Man solle ein Weltsystem finanzieller Kontrolle auf feudaler (!) Basis schaffen, dem es möglich wäre, jedes Land zu beherrschen. Dieses handele konzertiert, und zwar auf Grund von Geheimabkommen...


    Was das alles mit meinem Manifest zu tun hat? Nun, der Mann machte sich Gedanken um die strukturelle Zukunft des Ganzen. Sein Vorschlag zielt auf die Abgabe von Kompetenz der Kleinen.
    Mein Konzept zielt auf die Abgabe von Kompetenz an die Kleinen.
    Das ist der Unterschied.
    Der Grundgedanke der feudalen Basis ist uns gemein.


    P.S. CFR ist - wie das Internet es ist - eine Gemeinschaftsform, die keine territorialgebundene Infrastruktur besitzt/braucht, wie Freimaurer, Staaten, Kirche etc., sondern eine Vereinigung freidenkender Bankiers usw. aus New York.


    wichtiger Nachtrag am 17.Jänner 2003: Das Prinzip der Mehrheit bei politischen Beschlüssen in den Volksvertreterversammlungen (erste und zweite Kammer bzw. Gebietsversammlungen) wird zugunsten eines "Abschieds" aufgegeben. Es wird so lange verhandelt, bis sich alle Vertreter auf einen gemeinsamen Text einigen können. (Das ist möglich, weil die Zahl der Vertreter übersichtlich bleibt und es keine Parteien gibt.)

  21. #71
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    Post Manifestierliches

    universelle aufgaben des dichters:



    1. den musen schönheit spiegeln
    2. den worten schönheit einhauchen
    3. den menschen schönheit singen
    4. quell der schönheit sein
    5. aus der schönheit schöpfen
    6. aus der schöpfung schönheit werden...
    7. siehe 1.



    (fortsetzung folgt. immer wieder.)

  22. #72
    Dennis H.
    Status: ungeklärt

    Post AW: Wolkenstein-Manifest

    Student Dennis H.
    1.Semester MG Soziologie (NF)
    Lehrveranstaltung: Soziologie - Einführung


    Belegarbeit - Thema: Rezension des Buches "Manifest", Knorr von Wolkenstein (Seiten 7-18)


    Vorbemerkung:


    Ich lernte den Autor vor ca. einem Jahr in der Magdeburger Musikkneipe "Roter Stern" kennen. Während ich dort an den Wochenenden als DJ für die Beschallung zuständig bin, verbringt der Autor häufig seine freie Zeit dort, um zu lesen und zu schreiben. Über Gespräche stieß ich auf sein Buch "Manifest", in dem er nicht nur seine umfassenden geschichtlichen und philosophischen Sachkenntnisse sowie jene über Literatur unter Beweis stellt, sondern darüber hinaus durch eine messerscharfe Logik, ein erstaunlich hohes Maß an Kombinationsfähigkeit und eine gesunde Portion an Humor begeistert. Wenngleich das Buch in einem Niveau geschrieben worden ist, das dem Leser große Konzentration abverlangt und mehrmaliges Lesen einzelner Sätze und Passagen erfordert, so habe ich mich doch entschlossen, meine Gedanken zu einzelnen Abschnitten niederzuschreiben. Dies bettet sich ein in die Lehrveranstaltung und soll meiner erworbenen Fähigkeit des wissenschaftlichen Lesens und Bearbeitens von Texten Ausdruck verleihen.




    Rezension:


    Das Buch "Manifest" erschien 2002. Das erste Kapitel trägt den Untertitel bzw. die Kopfzeile "Philosophie fürs 21. Jahrhundert". Es wird eingeleitet mit der Überschrift "Manifest für das dritte Jahrtausend" und beschäftigt sich mit philosophischen Grundfragen, der Erkenntnistheorie sowie Ethik und Logik. Ich werde mich in meiner Rezension mit den "Philosophischen Grundlagen" sowie der "Erkenntnistheorie" dieses ersten Kapitels befassen, mich sowohl um eine inhaltliche Erläuterung als auch um ein eigenes Verständnis und eine kritische Stellungnahme bemühen.
    Ein Manifest stellt ein Programm, eine Grundsatzerklärung dar, erhofft 'Großes', ja Weltbewegendes. Der Autor stellt klar: "Nicht nur Enkel bist Du, Mensch. Sei Ahne!" (S. 3) und führt dem Leser damit vorab vor Augen: "Sei Sand, nicht das Öl im Getriebe dieser Welt". Weltbewegend soll es sein, dieses Buch. Es ist welterklärend - und das bewegt den Leser. Was die Welt ist , was sie zu sein scheint, was innen und außen ist - das wird analysiert, synthetisiert und damit erklärt.
    Abschnitt eins wird eingeleitet mit der Feststellung, dass die Menschheit am Beginn dieses Jahrtausends zwar vor allen Möglichkeiten der technischen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts stehe, neue gesellschaftliche Konzepte jedoch trotz implizierter Notwendigkeit ausblieben. Der Autor unterstellt gar "eine hysterische Verteufelung aller Andersdenkenden" (S. 7) bei gleichzeitiger Schräglage des Menschen zwischen Wollen und Dasein. Diese Provokation erhält ihre Legitimation, wenn sie - wie bei mir geschehen - den Leser selbst zum "Nach-Denker" (S. 8) formulierter Gedanken macht und folglich Nährboden zu neuen Erkenntnissen (an-)bietet, wenn nicht sogar forciert. Als Grund des Übels benennt der Autor unsere schon so oft zitierte postmoderne entmystifizierte Welt, spricht von einer "Entgottung" (S. 8) der westlichen Zivilisationen und ihrer Folge, dass die Menschen neben sich stünden. Die Losung ist klar, wird geradezu herausgeschrien, trotzig und verständlich zugleich: schaffen wir eine gerechtere Welt! Der Autor geht an des Lesers Gewissen, an dessen Verantwortung gegenüber dem eigenen Leben, dass nicht in 'gut' und 'böse' zu teilen sei, sondern in humanistischer Ganzheit erfasst werden müsse. Aus der doch beunruhigenden Unterstellung, der westliche Weg müsse den Menschen verkümmern lassen, weil er ihn spalte und einpasse (S. 9), schlussfolgere ich als Leser die notwendige Öffnung für die östliche (sprich morgenländische) Kultur und dessen Integration. Eine solch angedachte Abkehr von selbstzerstörerischer Verweigerung, stattdessen geistig-kulturelle Öffnung im Sinne von Befreiung setzt die Bereitschaft voraus, die Welt vom Gegenblickpunkt aus zu betrachten. Doch bevor der Leser diese Maxime verfolgen kann, seinen gerechten Weg in die Zukunft einschlägt, braucht es einer "historischen Verortung" (S. 9), und hier beweist sich der Autor als hervorragender Analyst und Hermeneutiker. Das letzte Jahrhundert wird in seinen politischen Verfehlungen beleuchtet, Ursachen beider Weltkriege werden hinterfragt und Wirkungen erklärt. Der Autor stellt Fragen, die ins Herz gehen: Im traurigen und dennoch hoffnungsvollen Fazit steht auch für mich die Erkenntnis Hermann Hesses: "Gegen die Infamitäten des Lebens sind die besten Waffen: Tapferkeit, Eigensinn und Geduld. Die Tapferkeit stärkt, der Eigensinn macht Spaß und die Geduld gibt Ruhe." (Hesse, S. 70f.)
    "Philosophische Grundlagen" ist dann der Titel des zweiten Abschnittes. In diesem Essay geht es zunächst um Erkenntnistheorie. Der Autor greift Fragen auf: nach Wahrheit, Vernunft und Verstand, Wirklichkeit, Bewusstsein und Unterbewusstsein, und dies alles in brillanter Manier. Er besticht durch die Kette seiner Argumentationen, die für mich als Leser schlüssig und nachvollziehbar sind. Der Autor denkt vor, ich denke nach. Er stellt fest: "der empirisch Anschauende kann selbst nur Abbilder erfassen, dem Wesen wird sie/er nie auf die Spur kommen können" (S. 13). Der Leser erahnt, worauf es auch beim Verständnis dieses Textes hinausläuft: er muss von der Wirkung (Empirie) zur Ursache (Anschauung). So staune ich über die Gedankengänge des Autors und zugleich über wachgerufene eigene, denn Erkennen muss "subjektverhaftet" bleiben - das heißt, ich bleibe bei meiner Wirklichkeit und erschließe sie mir zudem neu.
    Der Autor ist Kenner zahlreicher Theorien und Strömungen: Nihilismus, Skeptizismus, Pragmatismus, Materialismus und so weiter und so fort. Doch nicht nur das: Der Autor deckt auch auf - innere Widersprüche, die sich aus der Summe und Kombination der Denkansätze vormaliger Literaten, Philosophen, Menschen ergeben. Die Suche nach der von ihm selbst postulierten einzigen Wahrheit scheint dabei sein edles und vorrangiges Ziel. Sie müssen heraus, synthetisiert und ausgeschaltet werden, so es denn geht.
    "Man muss das Gute tun, damit es in der Welt sei."
    Der Autor hat es mit der Veröffentlichung seiner Gedanken getan, in großartiger historischer Kenntnis und menschlichen Würde, selbstverteidigend und aufrufend.


    Quellennachweis:

    Michels, V. (Hrsg.) (1971): Hesse, H. Lektüre für Minuten. In: Briefe, zweite erweiterte Ausgabe, 1964

  23. #73
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    AW: Wolkenstein-Manifest

    Manifest ist hierüber beziehbar. Preis: 21,30 € plus 2,13 Versand.

    Ich verfolge ein wenig die derzeit herrschende Kapitalismus-Debatte in der Financial Times und in der ZEIT. Die Times steht selbstredend treu zu ihren Klienten und beeilt sich, die Sozialdemokraten gleich als Vaterlandsverräter und Standortvernichter zu titulieren, selbstredend auch als Antisemiten und Proskriptoren und sonst was. Die ZEIT dagegen versucht wohlwollend und doch ein wenig zur "linken" Seite äugend beiden Standpunkten gerecht zu werden.

    Derweil hat sich in Müntefering bloß der gute alte (deutsche) Groll gegen diesen Kapitalismus entladen, der nicht autochthon aus dem deutschen Wesen entsprang, sondern als Eintritt in die umliegende Welt entstand. (Scheler) Die Deutschen sind heute immer noch zu einem Gutteil ein Volk, das dem einstigen Gegenseitigkeitsprinzip der Korporation (mauscheln) frönt. Weltweite Operationen sind dem deutschen Michel suspekt, nicht aber dem Kapitalisten, der diese braucht. Da nimmt es kein Wunder, daß Kapitalisten-Schelte die Nation teilt, und daß Münti vor allem im Osten, wo die alten deutschen Korporationsgedanken noch fröhliche Urständ feiern, Zuspruch findet, von ganz links bis ganz rechts.

    Was tut not?

    Daß wir Menschen des Wortes uns auf die Hinterbeine stellen und Konzepte entwickeln, die diesen Kapitalismus nicht als der Menschheit letzten Ratschluß erscheinen lassen. Das bedeutet ja eben nicht, daß der Sozialismus oder Feudalismus oder anderes aus der Geschichte nunmehr zum Imperativ künftiger Gesellschaftsstruktur werden soll.

    Ich habe im obigen Manifest meinen Gesellschaftsentwurf vorgelegt und würde mich freuen, wenn (außer Paul, mit dem ich derzeit am Manifest-Manuskript: "Fleischwerdung" arbeite) auch andere ihre Vorschläge, die sich auf das Prinzipielle einer postpostmodernen Gesellschaft beziehen, zukommen ließen. Ich garantiere Interesse.

  24. #74
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    AW: Wolkenstein-Manifest

    ich bin übrigens nicht unbedingt ein freund der postmodernen gesellschaft.
    der kapitalismus wie auch das globale dorf stehen auf schwammigen grund.
    s'ist wie ein kartenhaus - streng nach oben und hui ein windzug... .
    ich mags gerne urig.
    und das tut zuweilen auch not.
    der entmenschlichung einen ast ins getriebe zu pfeffern.
    ich hab nix gegen den wind... .
    wenn ich groß bin, schmeiß ich den papst aus dem vatikan und mache daraus ne gemeinnützige einrichtung.
    so ne art herberge für mittelose künstler aus allen herren ländern schwebt mir da vor. auch frauen ländern.
    im stile von andys factory.
    zudem würde ich bush in einen käfig sperren und öffentlich begutachten lassen - auch wenn das mittelalter-methoden sind. seht her, dieser mann ist böse und dumm.
    noch was?
    nö, reicht erst mal...

  25. #75
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    AW: Wolkenstein-Manifest

    boni malique sumus, ergo cogitamus.
    gut sind wir uns schlecht zugleich, deshalb denken wir.


    medien sind fakt. von daher ein stark monarchisches element nötig. informationsgebrauch macht. freiheit nähert hier an telepathie mit der folge eingeschränkter lügenmöglichkeit.


    eines schickt sich nicht für alle: dynamik und wechsel und auswahl zwischen den staatsmodellen, denn die werdung ist nicht linear, sondern benötigt wettbewerb und freien willen. damit auch freie migration.


    krieg erfüllt offenbar bestimmte bedürfnisse, so z.b. den nach dem archetypus des helden. dem ist nachzugehen und sublimationen zu erdenken, die ein maximum an unschädlichkeit aufweisen. nur friedensdenken löst das problem nicht. auch nicht nur gerechtigkeitsdenken. es ist hinzunehmen, daß es eine lust und eine ästhetik des gewaltsamen gibt. geordnete bahnen brauchen sie.


    arbeit heißt nicht mehr produktherstellung, sondern die längere entwicklung eines(!) prototyps, der beliebig leicht und oft vervielfältigt werden kann.
    arbeit wird sich verlagern inhaltlich zum dienst am nächsten und an allen.
    kaufen und verkaufen wird mangels teuer hergestellter produkte uninteressant. darin liegt die große chance, den markt wieder der freien nachfrage zu öffnen, durch die gesuchtes gefunden wird und tausch statt kauf erfolgt. die subjektive wertschätzung entscheidet über die gegenleistung.
    der wegfall der lüge durch annäherungen an telepathie verhindert luftblasen und schäume auf dem marktplatz. ohne echten gegenwert wird nichts getauscht. tausch hat den vorteil, daß nichts gehortet und nichts verzinst wird. das "tägliche brot" und das "tägliche spiel" und der "tägliche dienst" sind lokal vordringlich. wegnahme hat ihren grund im horten, im sicherheitswahn. ihm ist durch örtlich verschiedene polis-modelle zu begegnen.


    andere kunstgebilde fallen weg, darunter der staat in seiner heutigen form. vernetzte kleine einheiten arbeiten global zusammen. wikipolis.
    dadurch begreift sich die menschheit als ganzes, als mehr ihrer diversifikationen in den einzelnen.
    deren würde bestimmt das einzelleben, vom nasciturus bis zum defunctus, als den höchsten wert.
    des einzelnen würde bestimmt den zustand der würde der menschheit als ganzes. leidet ein einzelner, leidet die menschheit. am schwächsten glied muß ihre ethik ansetzen. so ist der einzelne die welt und sie ist in ihm. wer zum glauben findet, darf ihn behalten. attraktion ist hinzunehmen, mission nicht.


    die gleichwichtigkeit aller teile für das ganze ist zu beachten. jeder ist auf irgendeinem gebiet unverzichtbar, und könne er nur verständig zuhören.
    auch das kranke ist in seiner funktion für das ganze wertvoll. ein wichtiger warnimpuls in eine neue dynamik.


    dichter müssen alle berufe kennen und mindestens 9 davon ausgeübt haben.
    ihre jugendwerke aber sind heilig.


    so die großen züge meines konzepts. mehr kerne streue ich nicht, keine angst

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