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Thema: Wolkenstein-Manifest

  1. #1
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Post Wolkenstein-Manifest

    Wir geben uns die Ehre, Zeit zu nehmen für einen neuen Gedanken: Bringen wir den Menschen zu seiner Natur zurück, zu seinem Wollen und Haschen des Geistes, zu seinem Spielen mit dem Ball des Lebens, der sich in allen nur möglichen Facetten zeigt und dem Spiel des Zufalls Raum und Platz gibt. Zerplatzte Bäumung.
    Wir brauchen einen umfassenden und Erfahrungen der Vergangenheit mit einbeziehenden Ansatz, die Geschicke des Menschen fürs neue Jahrtausend in einem neuen Raum placieren zu können. Der Platz ist die Weite, die Zeit wird gedehnt, aus dem Längstvergangenen dringen Erfahrungsschätze wie eine Notwendung zu uns.


    Stellen wir es in einem Rahmen vor: die menschliche Ernährung. Wer kennt nicht das Diktum des Seins aus dem Seyn, des Daseyns aus dem Essen: Man ist, was man ißt! Ernährung führt zu Mutationen des Körpers, der Körper paßt sich an, ändert seine Dünstung, seine chemischen Prozesse sind steuerbar, neurochemische Änderungen führen zu Erweiterungen oder Verengungen seiner Wahrnehmung, ändern schließlich – wenn man's über einen längeren Zeitraum betrachtet – seine Kultur, zumindest sein näheres Lebensumfeld.
    Das Allesessen, welches uns GOtt zumaß, ist Aufforderung und Willenskundgebung zugleich, alles zu probieren, hinsichtlich seiner Wirkung zu erforschen und das Maß zu bestimmen, das andächtig und ruchbar zugleich ist. Man will einander riechen können!
    (Es unterscheidet den Menschen prinzipiell vom Tier, daß er sich wissentlich seine Nahrung zubereitet, daß er ständig sucht, mithin Sucht entwickeln kann.) Der Mensch fand heraus, was seinen Appetit anregt, was ihn mindert, was sättigt, was Energie urplötzlich steigert, was Schmerz lindert oder immun gegen Krankheiten macht.


    In unserer Welt ist der Mensch größtenteils aus diesem „Erkenntnisprozeß“ herausgehoben. Essen und Trinken sind einem Nützlichkeitsdiktat unterworfen, den Rest erledigen die strengen Bestimmungen des Staates, was eben gegessen und getrunken, was zu sich genommen werden darf.


    Demnächst mehr.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Post Wolkenstein-Manifest

    Wichtiger und grundlegender Gedanke: Wir sind keine Enkel (mehr), wir sind Ahnen. Das ist zu begreifen. Daraus folgert die Notwendigkeit der Modifikation des Festen. Was ist fest? Wille? Nein. System? Nein. Streben? Jein. Streben ist Prozeß, aber was treibt welchen Prozeß? Ist es Ahnung? Unendlichkeit will Form. Nicht immer, wenn Unendlichkeit Ahnung ist, wenn sie sich bindet, dann muß im Kern das Unendliche bleiben, aber die Form muß löchrig, besser noch osmophil sein. Das Unendliche würde die Form sprengen. Macht sie sowieso. Also, Modifikation des Unendlichen. Welchen Charakter hat das Unendliche? Es ist Ahnung und Herausforderung, Kraftgenerator. Die Kraft fließt hinein in den Willen, das Unendliche zu suchen und auszuprägen. Im Unendlichen etwas auszuprägen. Einen Gedanken, viele Gedanken, Führerschaft und Welt. Vielleicht durch Güte, Essen, Rotes Kreuz, Weißes Kreuz, Schwarzes Kreuz, Hakenkreuz, Superman und Hakennasen.


    Reicht nicht. Weiter suchen.

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Wolkenstein-Manifest

    Graben, wässern, düngen. Erdnahe Tätigkeiten.
    Warum will das Unendliche Form? Unterliegen wir nicht ohnehin dem Drang nach Zunahme der allgemeinen Unordnung? Zerfasert nicht sowieso alles? Willst Du retten, was nicht mehr zu retten ist? Uns alle, zum Beispiel.
    Und warum kann ein Wille nicht fest sein ("Es ist mein fester Wille...")?
    Aber Bürgerpflicht. Also wirklich. Da landen wir dann ganz schnell wieder bei bb ("Du kannst nicht neutral bleiben, Theresa!") und meinem Lieblingssatz ("Wer sich verteidigt, klagt sich an!"). Der Traum, die Massen zu begeistern (und sei es nur zum Mitdenken, was eine ganze Menge wäre), ist schon bei ganz anderen Riesen böse gescheitert. Kämpfst Du gegen Windmühlen, Du Edler?
    Laut Goodkind ist ein Wolkenstein übrigens ein Zauberfelsen, den ein Magier erster Ordnung zur Meditation, aber auch zum Plausche mit den Ahnen nutzt. Ein schönes Bild, gelle?

  4. #4
    rodbertus
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    AW: Wolkenstein-Manifest

    Liebes dickes Beh! So ganz gegen meine Art muß ich Dich jetzt umarmen und sagen, daß Du auf dem besten Wege bist, zu Deinem Retter zu eilen. Halt Dich umschlungen, Million!


    Das Retten selbst will gelernt sein. Die meisten merken es gar nicht, daß sie gerettet worden sind: Die Erkenntnis kömmt erst sehr viel später.


    Ein Beispiel: Meine Mutter, die Herzallerliebste, warf vor zwanzig Jahren eine meiner Freundinnen aus dem Haus, weil die eine Tasse zu Boden fallen ließ. Der Grund: Meine Schul-Freundin war etwas angesäuselt, meine Mutter arbeitete derzeit in der Fürsorge und haßte Trunkenheit.
    Neulich traf ich die alte Freundin wieder. Sie war inzwischen ziemlich trinkfest geworden, hatte auch wieder mal etwas zu Boden gehen lassen und eilte relativ sturzig in die Küche, kam mit einem Kehrblech zurück und meinte sehr ernst: "Ich muß das jetzt sofort wegkehren, sonst wirft mich deine Mutter raus." A) waren wir nicht bei mir, bei meiner Mutter schon gar nicht; B) hatte ihre Wohnung erst den Verwahrlosungszustand I (von fünf möglichen Punkten) erreicht. Im Kühlschrank gab es kein Bier, nur Schnaps. Nun ja.
    Sie arbeitet übrigens als Software-Entwicklerin bei einer amerikanischen Firma.


    Manche Dinge haften ewig. So ist es mit Manifesten auch. Zu ihrer Lebenszeit werden sie zumeist kaum wahrgenommen, zumal, wenn sie unverstanden bleiben; irgendwann aber denkt einer die gleichen Wege, und wenn dann in dem DING auch noch ein AN SICH zu finden ist, also logische Fehler vermieden, empirische Veränderungen ausgeklammert, dafür aber ethische Grundwahrheiten adaptionsfähig verstehbar sind, dann könnte was draus werden.


    Das dazu. Dienstag mehr.

  5. #5
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Wolkenstein-Manifest

    Dieses Selbstbewusstsein des Menschen, das ihn schließlich seinen Gott schaffen läßt, obgleich der Fromme glaubt, dass Gott den Menschen zu seinem Ebenbilde schuf, hat ihm zweifellos den Anlass gegeben, dass er sich als das vollkommenste Wesen in der Welt wähnt, so dass die Welt auch nach ihm umgestaltet werden solle. Was man in der Religion Gott nennt, ist daher nichts anderes als ein idealisierter Mensch oder, besser gesagt, ein von der Natur (Sinnlichkeit) befreiter, durch und durch vergeistigter Mensch, nämlich ein personifizierter Weltgeist. Gedanken in diese Richtung führen naturgemäß zum Pantheismus, der die Welt von göttlichem Geist durchdrungen sein lässt. Hier sieht man im voraus, was man nur erhofft; die Welt wird dadurch idealisiert, dass der Makrokosmos nach dem im obenerwähnten Sinne vervollkommneteren Mikrokosmos umgebaut wird. Der Glaube will an den Anfang setzen, was eigentlich am Ende erreicht wird, und offenbart feierlich: "Im Anfang war das Wort." Was die Wissenschaft unternimmt, läuft schließlich auf dasselbe hinaus, nur auf anderen Wege. Ideen, Begriffe und Kategorien sind von der irdischen Natur befreite geistige Erzeugnisse, in welche der Wissenschaftler die Welt auflöst und mit denen er sie wieder aufbauen kann, so dass die Struktur der Welt dem menschlichen Verstand anschaulich wird. Die Natur soll sowohl als Ganzes wie auch in ihren kleinsten Teilen dem Geist zugänglich und folglich dem kulturellen Willen des Menschen gehorsam werden.

  6. #6
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Wolkenstein-Manifest

    Pflugschar, das allein reicht nicht. Es tritt noch etwas hinter den Dingen Liegendes in unser Leben, das uns drängt und treibt und an uns zerrt, festhält und furchtsame Blicke zugleich erzeugt.Der Mensch kann aus der Natur treten. Der Mensch kann wollen und schreien: SEHT HER, ICH BIN'S (dieses ICH ist mehr als das buddhistische TAT TWAM ASI, um jedem Vergleich hier vorzubeugen)! Er kann vor seinen Gott treten und diesen herausfordern. Das aber kann (KANN) er nur, wenn er Demut besitzt.
    Die Dinge sind nicht in diesen von dir (figurativ) einfach - ich werfe Dir jetzt keinesfalls eindimensionales Denken vor, vielleicht mechanisches - gehaltenen Kasualitäten zu erfassen, sie sind immer noch mehr, auch mehr, als ich es jetzt erfaßte.
    Trotzdem dank ich Dir für Deine Wortmeldung.


    kurzer Nachtrag: Zum Gottesbegriff


    Ich habe ein Weilchen darüber nachgedacht, was Gott für einen Begriff darstellt. Für Kalle M. ist Gott der Wauwau, der hinter den Kulissen steht und dem die Herrschenden alles in die Schuhe schieben können. Damit wird Gott zu einer Projektion, zu einem Zerrbild des Wünschens, zu einem Gemachten und ist kein PER SE. Ich halte ihn (IHn), wie es mir bei Dir herauszuklingt, nicht für eine Projektion, nicht für ein Gemachtes, nicht von irgend etwas abhängig. Wenn Gott erfunden werden müßte, dann doch nur als ein FÜRSICHSEIENDES! Der Witz aber, Gott KANN nicht bei sich bleiben, er muß hinaus (wobei sich jetzt die Geister streiten könnten, ob er hinaus oder heraus geht/kommt) in die Welt, die er nicht ist. Man behilft sich mit der Denkkonstruktion, daß es Gott selbst nicht war, der die Welt schuf, sondern daß er einen Demiurgen einsetzte (darum ist die Welt nicht so gelungen), den Kalle vielleicht hier anzählt bzw. den die Mächtigen anzählen. Eine Frage der Selbstverwirklichung, dieser Prozeß des Werdens und Vergehens. Gott entwickelt sich, das ist eine seiner Charaktereigenschaften. Das ist schwer zu verstehen, aber darin liegt der Schlüssel für die Werdung des Menschen. Das Verständnis für sein Werden.


    Kurze Pause. Wir müssen sortieren.

  7. #7
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Wolkenstein-Manifest

    Nun leben die meisten Menschen ohne ein Manifest. Andere denken, daß sie eins bräuchten, wieder andere, es sei unsinnig, Manifeste überhaupt nur zu verfassen. Ignoranten, einer wie der andere. Was ist denn ein Manifest anderes als eine Absichtserklärung, die sich in den Schwanz beißt, eine sich hinterfragende oder weit ausholende und weit reichende Hoffnungsprogrammatik? Und, mal im Ernst, hat die nicht jeder Mensch, eine Hoffnung, die ihn antreibt? Ist es nicht vielmehr so, daß die Hoffnung zuletzt stirbt?


    Manifeste leben von der Virulenz ihrer Fragestellungen. Darum Fragen. Manifeste leben von der Eigenart ihrer Formulanten, von deren Impetus und deren Einfallsreichtum bei der Vermittlung. Manifeste leben nicht durch logische Stringenz, die ist eher ihr Tod. Aber etwas Festes haben sie: einen Grund. Da dieser aber in der Hoffnung wurzelt, ist er nur für Gleichgesinnte greifbar, anderen rinnt der Sinn durch die Finger, sie sehen nur, was sie sehen wollen.


    Und dann habe ich noch eine wichtige Mitteilung fürs Schwarze Pferd (ich hab's ihm auch gesagt, aber mündliche Mitteilung ist das eine, etwas schriftlich zu fixieren, etwas anderes): Es ist sehr leicht, sich zurückzulehnen, das eigene Geschriebene als Rotz abzutun und daraus die Berechtigung zu ziehen, anderer Gedanken ebenfalls als unvollkommen zu diffamieren. Das ist immer ein Zeichen verdrängter Komplexe! Verlierer zudem finden kein Ende, fangen vieles an und ziehen nichts durch. Fehler? Na und! Nächstmals sind es ein paar weniger. Wir sind ein Werdendes, seltener ein Seiendes, aber niemals nur ein Gewordenes! Amen.

  8. #8
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    Post AW: Wolkenstein-Manifest

    MANIFEST


    Poeten aller Länder vereinigt Euch!


    1) Die Gedanken sind frei.
    2) Gefühle sind wie Feuer.
    3) Im Anfang war der Fisch.
    4) Im End war das Ungeheuer.
    5) Drum werde Licht, was Schatten wie einst und immerdar!
    6) Am End bleiben nur die Ratten.


    Der Kunst keine Schranken, weil dichten tut Not!

  9. #9
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    Post AW: Wolkenstein-Manifest

    Pascal Brückner schreibt über das Glück in einem neuen Buch: "Glücklich sein möchte schließlich jeder." (Aufbau Verlag Berlin, 2001)



    In vielerlei Variationen durchzieht das Buch die Feststellung, wonach die heutigen Zeitgenossen einem Druck zum Glücklichsein unterlägen und bei Nichterreichen dieses Ziels als Versager mit Verachtung gestraft würden. "Seid glücklich!" - dies sei ein Gebot, gar ein Befehl! Aber ist das so? Wäre es so, handelte es sich um ein problematisches Phänomen mit gesellschaftlichen und politischen Auswirkungen. Indes findet sich in dem Werk kein Beleg für eine solche These: Wer gibt denn den Befehl zum Glück? Existiert irgendwo eine Behörde, die ein solches Gebot verkündet, einen sozusagen offiziellen Plan fürs Glücklichwerden durchsetzen soll?
    Wie war es einst? Die Griechen entwickelten den Begriff des Glücks. Aber Glück war ihnen Tugend. Das Glück war etwas für den Pöbel, Fressen und Saufen und Huren. Und schließlich fettgefressen und alkoholisiert jung sterben, wie Säue. Das Christentum räumte damit auf. Im Mittelalter verlegten Kirche und Religion das Glück ins Jenseits: Lohn für die Abarbeitung der Erbsünde, den tiefen Fall des Menschen aus dem Paradies. Jetzt mußte sich der Mensch im Diesseits bewähren, mußte arbeiten - das Leben war eine Art Strafe. Ein Wort wie Glück war HANS IM GLÜCK, der eben einen Augenblick etwas Schönes erlebte, eine Selbsterhöhung durch besondere Umstände. Aber ein dauerndes Glück? Das wäre für den mittelalterlichen Menschen Häresie gewesen, Gotteslästerung. Dieser Vorstellung setzten die bürgerlichen Revolutionen vom 17. bis 19. Jahrhundert ein Ende: Jetzt galt das Glück als etwas Plan- und Machbares im Hier und Jetzt. Der Himmel konnte warten!
    Bruckner schlägt einen Bogen ins Heute - in eine Welt, in der anders als in früheren Epochen keine zentralen Mächte und Ideologien mehr die Gesellschaft in Beschlag nehmen und in der auch niemand den Mensch zum Glück verdammen kann. Gleichwohl: Der Autor fordert genau dies. Bei näherem Hinsehen meint er freilich etwas viel Einfacheres, was sich eher versteckt im Text findet: Bruckner geißelt die - vor allem in der Werbung und in Lifestyle-Medien vorangetriebene - Unterwerfung vieler Zeitgenossen unter eingeatmete Zwänge wie den Gesundheitsfanatismus, den Fitneßwahn, die Schönheitsdominanz, die irrationale Verheißung des Spirituellen oder den digitalen lnternetkult.
    Voll zustimmen darf man etwa der vernichtenden Kritik an der Zerstörung des sinnlich-kulinarischen Savoir-vivre: "Der Tisch ist nicht mehr nur ein Altar der Köstlichkeiten, ein Moment des Miteinander und des Austauschs, sondern auch ein Apothekertisch, auf dem man minutiös Fette und Kalorien abwiegt und gewissenhaft Nahrungsmittel kaut, die nur noch Medikamente sind." (S. 213) In die Kneipensprache hierzulande könnte man das zum Beispiel so übersetzen: "Schniposa" nicht mehr als deftiges Gericht mit Schnitzel, Pommes und Salat, sondern als materielle Entäußerung einer Nährstoffkombination, die dem körperinternen Verarbeitungsprozess zugeführt wird.
    Solche manchmal belastenden, zuweilen auch bloß spielerischen Dinge des Lebensalltags unter dem Blickwinkel einer Glücksdiktatur zu sichten, ist zu dick aufgetragen. Wer sich im Fitneß-Studio abstrampelt, wird sich kaum sagen, das müsse er machen, um dem Anspruch der Glücksanforderung zu genügen. Vielleicht will sich ja eine Frau ein paar Gramm abtrainieren, um im schick-verführerischen Outfit noch besser zu wirken - und beim Flanieren schauen ihr die Männer im Straßencafe nach. Schöne Momente, geschaffen zum Genießen, einfach so. Die meisten Menschen haben es schon immer so gehalten, und so wird es wohl auch bleiben. Oder war der mittelalterliche Mensch nicht sehr viel einfacher zum Glück zu bringen? Auf ein Später eben.

  10. #10
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    Arrow AW: Wolkenstein-Manifest

    Am besten gefiel mir der Teil, in dem erklärt wurde, daß die alten Griechen Glücksempfinden dem Demos/Plebs überlassen hatten. Warum der Autor sich dann im Populärwissenschaftlichen verliert, bleibt uneinsichtig.

    Schlage ff. Einteilung des Manifestes vor:


    I. Allgemeines
    II. Besonderes
    III. Adaptiertes, Beispiele
    IV. Zusammenfassung


    Bei I v.a. Hauptsätze, syndetische Reihungen; bei II v.a. Vollverb-Konstruktionen, dazu Parenthesen; bei III. Poesie und stilistische Reinheit und bei IV. v.a. Sachlichkeit, gebrochene und kurze Zitate.

  11. #11
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Wolkenstein-Manifest

    zu I.
    Unser Zeitalter ist eines des Umbruchs. Die alten Werte greifen den fortschreitenden Menschen nicht an; er fühlt sich nicht herausgefordert, nicht gestellt, weiß sich schnell zu positionieren. So nicht! sagt er sich. Daß der Mensch dem Menschen nur ein Nützliches sei, darüber muß er sich hintwegsetzen! Daß Schönheit dient, daran will er sich nicht erfreuen. Daß die Väter sündigten, die Großväter mordeten, daran will er keinen Anteil haben.


    Er muß ein neues Lebensmuster hervorbringen, doch die Form, die die Großväter noch besaßen, ist nicht mehr. Eben diese Form haben sie zerbrochen. Und er, der Mensch dieser Tage, ist nicht in der Lage, ein neues Lebensmuster hervorzubringen. Statt dessen übt er nur den aufrechten Gang, solange es ihm keinen Nachteil bringt. Und leidet daran. Und eines ist sicher, der Mensch dieser Tage ist kein Enkel, er ist Ahne. Ihm ist es aufgegeben, eine neue Generation zu befähigen. Er muß vorbereiten. Die gegenwärtigen Ideale und politischen Ziele sind nicht länger tragbar, sie bleiben abstrakt und adipös, besitzen keinen phantasieanregenden Spielraum, bleiben in einem hermetischen Zirkel vernünftelnden Denkens und Handelns, sind sehr überschaubar, erfassen den Menschen nur partiell. Der Raum aber ist. In ihn hinein muß das Neue getragen werden, aus ihm heraus muß der Gedanke erjagt und in die Form gebracht sein. Wer will es wagen, sich in den Ahnungen und Wünschen des Unterbewußten hoffnungsvoll umzusehen?

  12. #12
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    AW: Wolkenstein-Manifest

    im grossen und ganzen stimme ich kolja zu! es wäre besser für die erde und ihre geschöpfe, wenn das abenteuer mensch so schnell wie möglich zu ende ginge. ausser müll werden wir nichts hinterlassen. aus menschlicher perspektive ist das natürlich anders. da kann man von fortschritt, weiterenwicklung, umbruch usw. reden. irgendwie stimmts ja auch, für wenige zumindest. aus globaler sicht entpuppt sich der mensch jedoch als landschaftszerstörer, ressourcenvernichter, massenmörder, tierquäler, ausrotter, kannibale - in dem sinn, dass er seine mitmenschen zwar nicht mehr frisst, sie aber tötet, ausbeutet, quält, foltert ... - und grössenwahnsinniger;
    sieht mans noch etwas globaler, muss man allerdings sagen: der mensch ist eine vorübergehende erscheinung wie eiszeiten, klimastürze oder polsprünge, saurier, mammuts oder säbelzahntiger,


    und aus kosmischer sicht ist der mensch nicht mal ein furz,


    das wars aus eulenperspektive.

  13. #13
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    AW: Wolkenstein-Manifest

    ach hier sitzt also der fisch in der suppe, hab ich bis jetzt kaum beachtet, den "ordner" (ich hasse das wort, ordner, brrrr...), das ist ja tatsächlich von inter-esse... .
    hm, global betrachtet siehts also düster aus - und wer wagt heute schon weiter, als bis morgen zu denken - wenn überhaupt?


    zu Roberts Punkt I:
    kann man erstmal so stehen lassen.
    "Daß Schönheit dient, daran will er sich nicht erfreuen" - eher vice versa, wir sollten vielmehr der Schönheit dienen. Sie ehren, besingen.


    "der Mensch dieser Tage ist kein Enkel, er ist Ahne" - großartig ausgedrückt! Ahnen wir das Licht und dümpeln in der Höhle...


    "wer will es wagen, sich in den Ahnungen und Wünschen des Unterbewußten hoffnungsvoll umzusehen?" - Ich will, ich will, erster!!!
    Allerdings eher hoffnungslos, denn hoffnungsvoll. Ich will. Nur so. Hühott, Rosinante, den Windmühlen zeigen wirs schon...

    "Sprache der Dichtung, Ur-Dichtung der Sprache
    Das UR der Dichtung, DAS WORT, dem der Dichter dient, hat Eigenleben und Allsinn, All-Leben und Eigensinn. Wer Ohren hat, der höre das Wort, das er spricht. Jedes Wort. Wer Augen hat, der sehe das Bild, das er bildet. Jedes Bild. Wer Sinne hat, der sinne den Sinn jedes Wortes. Allen Sinn und Hintersinn und Übersinn!
    Der verbildetet Mensch unsrer Tage ist worttaub und bildblind. Was er liest, das hört er nicht. Was er schreibt, das sieht er nicht. Was er lügt, - das ahnt er nicht. Mit der Zeit und mit der Zeitung hat er sich das Denken abgewöhnt. Die Lautsprecher haben ihm den Rest gegeben, den Rest genommen. Schreien kann er noch. Schreiben kann er schon nicht mehr. Manches hackt er noch in die Tippe. Diese tippt er an und Jenes: Diesseits, Jenseits, Weisheit, Wissen. Und von allem nippt er nur. Und dann kippt er kopfscheu in das leere Nichts.
    Schon das Wort BUCH-STABE erlebt er nicht mehr. Sieht die Buche weder, noch den Stab. Hört die Buche nicht mehr rauschen mit den roten Blättern über seinem Buche mit den weißen Blättern und den schwarzen Lettern. Sieht den Buchenstab nicht mehr, den Zweig vom Lebensbaume. Riecht nicht mehr das frische Gerbholz, Kerbholz, das das Lese-Zeichen trug: - die UR- und LEBENS-RUNE. Liest die heil'ge Rune nicht mehr auf vom Waldesboden seiner Erde innen, seinem Urgrund, seiner Innig-Erde. Liest das Runenwort nicht auf, . kann nicht mehr lesen. Schreibt kein wahres Sinnwort mehr. Kann nicht mehr singen. Volk der Dichter und Denker!
    Heillos geistlos hausen diese Wurzellosen in der Sprache, diese Deutschverderber. Das abgrundtiefe Wort ergreift die Ungründlichen nicht mehr. Darum können sie nicht schweigen, nicht dicht halten, nicht Wort halten. Das Wort der Tiefe ergreift sie nicht. Der Sinn der Höhe erfaßt sie nicht. Sie ergreifen das Wort, von dem sie nichts halten. Versprechen Alles und halten Nichts. Halten reden. Es ver-lautet. Laut und lauter. Man ver-handelt. Nichts geschieht. Immer kommt ein Wicht zuworte. Immer kommt ein Nichts zur Sprache. Aber alle wollen herrschen. Ungeist ist ihr Wille. Lauter Ungeist!
    Das ist die neue Sachlichkeit. Sie sehen kein Urbild mehr. Sie hören kein Urwort mehr. Sie malen kein Urbild mehr. Sie schreiben kein Urwort mehr. Sie nehmen kein Wort mehr wörtlich. Sie machen sich die Sache leicht. Sie machen ihre Mache seicht. Sie setzen nicht das reine Wort. Sie stellen nur die sture Schrift:- schrift-stellern, statt zu dichten. Sie einen nicht. Sie trennen. Gestalten nicht. Beschreiben nur. Erzählen nicht. Beschwatzen nur. Sie können das UR der Sprache nicht mehr heben, - und nennen sich Urheber. Sie vergreifen sich an der Sprache. Sie werden Ver-fasser. Verstellen das Wort, entstellen den Sinn, zersetzen den Satz, zerfetzen das Bild. Verlieren immer Worte. Verfälschen und vereiteln. Mit einem Wort: versagen! Das ist die neue Sachlichkeit!
    Da gibt es keine Sauberkeit. Da gibt es keine Lauterkeit. Da gibt es keine Klarheit mehr. Da wird nichts streng genommen. Da wird nichts ernst genommen. Da wird nie reiner Tisch gemacht. Da ist der Mischmasch obenauf. Da herrscht die Lotterei: die Sinnvernichter-Lotterei. Die Maul- und Klauen-Seuche!
    Der verbildete Mensch unsrer Tage ist worttaub und bildblind. Seine Sinne sind nicht mehr lebendig. Seine Sinne sind nicht mehr lebendig. Denn das Hirn hat alles kaltgemacht. Folglich schwingt nichts mehr in diesen Innen. Tonlos sind sie. Lichtlos sind sie. Farblos, grau ohne Blutgesichte. Formlos, feig und ohne Geistgefüge. Ohne Schau und ohne Spiele. Ohne Räusche aus dem eignen Blute. Ohne Träume aus der eignen Seele. Ohne Räume aus dem eignen All. Ohne Bäume, Steine, Tiere. Ohne Sterne, Meere, Welten. Ohne Sonne, Mond und Liebe. Innen ohne Innenwelten. Innen ohne Sinnenleben. Innen ohne Werdefülle. Innen ohne Wesens-Tiefe. Innen ohne Schicksals-Weite. Innen ohne Erden-Breite. Innen ohne Himmels-Höhe. Das sind keine Vollgeschöpfe. Das sind keine Tänzerleiber. Das sind keine Schöpferwesen. Das sind keine Diesseits-Dichter. Das sind Schemen und Gespenster! Ihre Sinne sind nicht mehr lebendig. Ihre Hirne hassen alles Leben, alles Werden, alle Zukunft.. Ihre Hirne hassen alle Wandlung, alle Weisheit, alle Kunst. Doch das URWORT tötet Schemen. Denn das URWORT ist ein Schwert aus Licht.
    Der Verstand bezweifelt alles. Denn er kann ein All nicht fassen. Denn er selber ist kein All. Denn er ist ein kleines Faß. Unerschöpflichkeit entspricht ihm nicht. Er erschöpft sich mit Begriffen. Er erschöpft sich im Begrenzen. Selber schaffen kann er nicht. Folglich ist er schöpfungsfeindlich. Er verzweifelt vor dem Grenzenlosen. Er verneint das Unbegreifliche in Allem. Aber just das Unbegreifliche ist LEBEN! Unbegreiflich ist das Leben. Unbeschreiblich ist das Leben: unbeschreiblich unbegreiflich. Der Verstand ist lebensfeindlich. Er verneint das Unbegreifliche in Allem.
    das Begreifliche ist nicht das Grenzenlose. das Begreifliche ist das Begrenzte. das Begriffliche ist Eingeschränktes. Ein Begriff ist eine Schranke; eine Schranke vor dem Leben. Der Verstand ist ein Beschränkter: ein Begrenzer. Ein Beschränkter im Geschehen. Ein Erschöpfter im Begrenzten.
    Das Begreifliche ist nicht das All des Lebens. das Begriffliche ist nicht das All der Sprache. Das Begriffliche ist nicht der SINN des Lebens. Das Begreifliche ist nicht der SINN DES WERDENS. Alles Unbegreifliche ergreift uns im Geschehen. Unbegreifliches geschieht in unserem Innern. Jenseits des Verstandes leben wir im werden. Aus den Sinnen leben wir im Diesseits. Jenseits des Verstandes lebt der Mensch im Grenzenlosen. Mit den Sinnen fassen wir das Grenzenlose. Jenseits des Verstandes ist der Mensch ein allbewegtes Wesen. Jenseits des Verstandes lebt der Mensch im All der Schöpfung. Unbegreifliches geschieht: - in uns geschieht Wandlung!
    Das Begreifliche ist nicht das All des Lebens. Das Begriffliche ist nicht das all der Sprache. Ein Begriff ist keine UR-ENTSPRECHUNG. Ein Begriff ist allenfalls ein Ur-Teil: - es entspricht jedoch dem Ganzen nicht. Das Ur-Ganze ist dem Ur-Teil ganz entrückt. Ganz Entrückte sind allein im UR. Die Entrückten ganz allein. Dieses ist der Sinn der Wandlung. Allbesinnung ist die Machtgestalt der Wandlung.
    Jenseits des Begreiflichen geschieht die Wandlung. Jenseits des Begrifflichen geschieht die Dichtung. In der Dichtung sind die Worte dem Vernünfteln ganz entrückt. Ganz entrückte Worte sind allein im Ur der Sprache, die da dichtet. Jenseits des Vernünftelns erst entsprechen sie dem leben, unserm Werden, diesem Dasein. Jenseits des Begrifflichen entspringt das Wort, das UR der Dichtung; - jenseits des Begrifflichen allein: im UR-SPRUNG!
    Ursprung ist der Ur-Satz aus dem Sein.
    Ursprung ist der Ur-Satz in das All.
    Ein Sprung ist ein Satz. Ein Satz ist ein Sprung. Ein kranker Satz kann nicht mehr springen. Gekränkte Worte springen nicht. Verletzte Worte tanzen nicht. das tote Wort bewegt sich nicht. Das tote Wort bewegt uns nicht. Das Wort, das lebt, das springt uns an. Sprungbereit und springlebendig ist das Wort allein im UR-SPRUNG."

  14. #14
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    Weggehen. Das elterliche Haus verlassen. Viele schrecken davor zurück. Sie denken, jemandem weh zu tun. Die Verlassenen empfinden den Schmerz eines Verlustes. Das Gewissen muß rein bleiben beim Weggehen. Es kann nicht rein bleiben, wenn die Nabelschnur nicht durchgeschnitten ward. Körper und Seele müssen verdorren, bleiben sie aneinander hängen. Notwendiger Gang des Ganzen. Ich gehe, weil ich muß. Aber ich gehe mit dem Versprechen, zu gehen, weil mein Platz noch nicht feststehen kann. Ich muß ihn finden. Findung in der Fremde. Ich komme zurück, wenn es anderswo schlechter ist, wenn ich nicht finden kann, was ich suchte, vielleicht nicht weiß, aber wie will ich wissen, was ich suche, wenn ich mich nur um mich selbst drehe? Schlechter ist es dann, wenn ich mich nicht einfinden kann, wenn die Umstände mich zwingen, Umwege zu gehen, die zu immer neuen Umwegen führen, wenn der Alltag nur dazu da ist, meinen Lebensunterhalt zu verdienen, wenn ich hungern müßte, um zu leben. Und das fortwährend.
    Es ist auch Neugier nach der Fremde, Wissensdurst, Fernweh, all das, was treibt, nach außen und zum Außen treibt. Niemand kennt einen. Dort. Denkvoraussetzung.


    SCHWIERIG, HIER EINLASZ INS GEISTIGE LEBEN EINES JUNGEN MENSCHEN ZU FINDEN.

  15. #15
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Post AW: Wolkenstein-Manifest

    Vorgedanken zu einer Poetik

    Wer von Poetik (Regelwerk fürs Dichten) spricht, muß zuerst danach fragen, welche Welten sie in sich zu fassen anstrebt. Unsere Poetik greift in die Welt, faßt sich einen Ausschnitt derselben, aus deren unermeßlichem Fundus. Das ist der Stoff. Der Stoff hat keine Form, die aber muß er besitzen, will er vermittelt werden können. Stoffwahl steht also am Anfang jedes Poetisierens. Der Stoff selbst liegt in der Zeit, kann Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft umfassen, vielleicht auch nur eines oder zwein davon. Dem Dichter ist es aufgegeben, in seinem Stoff das Besondere aufzuzeigen, dieses zu typisieren, aus einem mehr oder weniger zufällig aufgefundenen Stoff dasjenige herauszuschälen, dem nunmehr Thema und Absichten eingeschabt werden können.

    Wie funktioniert das? Einige Möglichkeiten:



    • Der Dichter nähert sich einem Gegenstand, indem er aus einem Gefühl heraus einen Begriff zu entwerfen sucht.
    • Der Dichter nähert sich seiner selber, indem er sein Gefühl zum Maßstab der Betrachtung des Stoffes erhebt. Er sucht sich und seine Wünsche im gewählten Stoff, die er zu denen einer ganzen Generation, zumindest einer Gruppe innerhalb seiner Generation macht.
    • Der Dichter setzt den Akt der Sprachfindung als Befreiungsakt von emphatischer Abhängigkeit. Er löst sich aus dem Grund seines Schreibens, wird zum Schriftsteller, betrachtet ernüchtert, erlangt Freiheit des Geistes von der immerwährenden Gebundenheit der Seele an die Empfindungen des Augenblickes.

    Darin liegt die Antwortung, die Aufgabe des Poeten, Dichter und Schriftsteller gleichermaßen, das Ewige im Zeichen des Augenblicks zu benennen, mitzuteilen.
    Heutige wehren das Ewige mit einer Handbewegung ab: Der Augenblick ist ihnen alles. Alles in ihrem Tun richtet sich auf die Erzeugung von Augenblicken, die dem Leser oder Zuschauer oder Teilnehmer irgend einer Veranstaltung (neudeutsch event) unvergeßlich bleiben sollen. Sie glauben, daß diese Augenblicke mittels verschiedener Techniken immer wieder neu zu erzeugen seien, suchen aus dem Alltag Abbilder des Zeitlichen, die sie überspitzt in die Zuschauer zurückprojizieren, sich nicht selten über das Tagesgeschäft ihrer Zuschauer lustig machen, sich feiern und inszenieren.
    Es geht doch aber um Gleichnisse, daß wir unsere Zeit verstehen und nicht nur nachäffen, was allenthalben geschieht. Es geht um die Bewußtwerdung der Sprache im einzelnen, die Bewußtwerdung der Seele aus dem Tiefsten, das dem Menschen gegeben, das Gefühl für den Nächsten, die Liebe und zum Wunsche: Verweile doch! Komm her! Bleib! Also muß Sprache im Spiel vermittelt werden, sie ist das Tor zu den Wagnissen des Geistes!

  16. #16
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    AW: Wolkenstein-Manifest

    tja, robert, dafür könnt ich dich knutschen... - sehr fein und schön hast du das da hingegeistet!
    nun gut, das ewige im blick neige ich selsbt dazu, den augenblick zu verherrlichen, mit dem hintergedanken, daß mir scheint, daß selbst jener nicht mehr beachtet, zu schnelllebig rast doch die zeit mit uns vorbei - will sagen, mir ist danach zu rufen: STOP! da, die ameise, da der löwenzahn aus der mauer, da, der augenblick... - man muß ihn doch durchaus erkennen, diesen augenblick, und nicht achtlos, handy am ohr, an ihm vorbeihasten... - und, tiefer gedacht, steckt doch in ihm die ewigkeit, mikro-/makrokosmos...undso... -
    das meine ich mit "augenblickshäscherei", was durchaus die aufgabe eines dichters - dem hastenden die schätze aus seinem netz zu offenbaren...- wer harkt denn heute noch sand?

  17. #17
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Wolkenstein-Manifest

    Robert, Deine Ausführungen zur Poetik: Sie treffen absolut ins Schwarze. Weiter so. Quoths Anmerkungen und Zitat von Heidegger würde auch hier trefflich passen.


    Gruß hagen

  18. #18
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    AW: Wolkenstein-Manifest

    Heidegger? Ich hoffe, ihn über Hölderlin - was zwar eine zeitliche, nicht aber eine wirkliche Umkehrung bedeutet - zu erhaschen.
    Danke für die Blumen. Die Grundgedanken der Poetik sind Tino zu verdanken. Ich habe sie nur zugespitzt und ausgeführt.
    Außerdem nehme ich mir die Freiheit, Gedanken aus der Forenwelt zu verarbeiten.
    Die Poetik ist soweit fertig. Jetzt ist die Politik dran.

  19. #19
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    AW: Wolkenstein-Manifest

    oh nein, mu? das sein? politik und geschriebenes wort? macht und schönheit?
    hieße das nicht den schwan mit schmutz bewerfen...?
    reden ohne geschriebenes wort hält doch nur gisy, das weiß man - warum also alte wege begehen...?
    dienen manifeste der revultion?
    dient poetik nicht dazu, gipfel zu übersteigen? zu überfliegen?
    warum durch den matsch hecheln?
    meine gummistiefel sind kaputt.
    es reicht doch die würde zu wahren.
    das ist einfach.
    die zeit rinnt, so faß es wenigstens kurz...

  20. #20
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Wolkenstein-Manifest

    Ja, kurz. Vielleicht zehn Seiten. Dann hat alles ca. 120 Seiten. Ist das bei einem Format von 11 mal 18 cm zu viel? Kaum. Sind ja auch noch bunte Bilderchen dabei.


    Politik:
    1. was ist
    2. was schlecht, was gut ist
    3. Tradition und Fortschritt
    4. Brüche in der Geschichte - warum?
    5. Kurzangabe der Konzepte a la Aristoteles
    6. poetisches Gespräch zur Funktion des Adels
    7. Anfänge und Konzeption der Aristokratie im modernen Gewand --> Namensuche fürs neue Gewand
    8. Abgrenzungen

  21. #21
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Post Metaphysik

    Das mit den 120 Seiten war eine glatte Lüge. Bin jetzt schon bei 138, ein Ende nicht abzusehen.


    Hier eine Ergänzung für den Anfang der Ethik, die Begriffsgeschichte des Begriffes Metaphysik. Ich will hier verständlich sein. Gelungen?


    Im folgenden muß der Begriff der Metaphysik veranschaulicht werden, bevor wir uns dann Folgerungen für die Ethik zuwenden können. Dieser Bereich gehört nicht zur Erkenntnistheorie. Metaphysik entstand nach Dilthey aus folgenden Motiven :


    1. ästhetisch-wissenschaftliche Kontemplation, die zu einer Darstellung der harmonischen Ordnung (Kosmos) führt (die Griechen);
    2. Willensverhalten des Menschen, das seinen Platz im Staat und Recht, in der Natur sucht (die Römer);
    3. religiöses Gemütsverhalten sucht eine Basis der Verständigung des Individuums zu Gott und verlangt eine Rückkehr in den Willen Gottes.


    1. und 3. wird im folgenden zusammengedacht. 2. dagegen abgesetzt. - Die Griechen sind älter als die Römer. Der Anfang des Menschengeschlechts liegt vor den Paraphrasierungen des Gesetzes auf Tafeln. Manches wiederholt sich zudem, ist bei allen Völkern gleich, so auch das religiöse Gemütsverhalten.
    Metaphysik ist der entscheidende Beweggrund alles Philosophierens und erwuchs aus dem religiösen Gefühl des Menschen, aus dem Wagnis zwischen Verbundenheit und Verlassenheit (verlassen sein und sich verlassen können), wobei das eine Grund des anderen wurde, allmählicher Ritualisierungszwang Verstandestätigkeit einforderte, diese wuchs und rückwirkend Gott befragte, kritischer wurde, aber der Grund, der Grund blieb im Gefühl. Und so erwuchs aus dem Ritual eine Rechtsform, juristische Faßbarkeit der Annäherung an Gott. Einen Faden aufzutrendeln, eine Hinwendung zu Gott durch Begriffssymbolik erreichen, dieser Sinn liegt in der Folgung der religiösen Gemütlichkeit. Gott auf Samtpfoten erreichen. Das System der Religiosität wuchs, mit ihm der Drang zur Lehre, zur Theologie. Theologie erfordert wenigstens ein Dogma. Und hier vollzog sich im griechischen Denken als dem uns Deutschen am ehesten voranleuchtenden jene verhängnisvolle Kehre, die für die Philosophie des Abendlandes entscheidend wurde:
    Mit dem Konzept eines Welterschaffungsdogmas aus dem Nichts verließen die Griechen ihr archaisches Ahnen zugunsten des scheinbar logisch-zwangsläufigen Konstruierens von Welt. Die Griechen verließen die reine Naturphilosophie, die immer alles als gegeben betrachtete, eben Pantheismus war, und konstruierten einen ersten Beweger, einen demiourgoz, sie konstruierten wie die Juden und Babylonier vor ihnen die Erschaffung der Welt als einen Willensvorgang gegen die Natur.
    (Die Darstellungen schwanken hier zwischen einem durch Gott eingesetzten Erschaffer der Welt und Gott selbst, wobei die Logik eher für einen eingesetzten Weltenerschaffer spricht, denn über dessen Nichtgottgleichheit ergo Unvollkommenheit läßt sich auch das Böse auf der Welt erklären: Wie sollte etwas Unvollkommenes etwas Vollkommenes erschaffen können? ) Erstaunlicherweise vollzog sich dieser Wandel der Weltwahrnehmung mit dem Aufkommen der Demokratie. Die Demokratie der Griechen wollte vor allem eines: Sie wollte ins Geistige vordringen, scheinbar die Menschen an der Macht und am Geschehen partizipieren - den Bruchteil jedwedes Staatstaates, der überhaupt dafür in Frage kam -, letztlich aber war die griechische Demokratie sintemalen schon das, was Demokratie notgedrungen sein muß: Herrschaft des Pöbels in kleineren poleiz oder (auch) Herrschaft des Geldes in den meisten größeren. tertium non datur! Der archaische Wettkampfcharakter schwand zugunsten einer Nivellierung des Menschen in einem Ganzen, aus dem selbstbewußten Ich wurde eine ängstlich nach anderen schauende Kreatur des dumpfen Mittelmaßes, mit dieser Eintaktung des einzelnen in die Geschicke des Ganzen schwand das, was Weltwahrnehmung urgründet: Sich als Eins in Allem zu fühlen, sich selbst ins Zentrum des All-Einen zu stellen. Die höchste Weltvernunft, im archaischen Zeitalter noch als unmittelbar wahrgenommenes und den Menschen dahingehend auch strukturierendes Band zwischen seinem Mikrokosmus und der als harmonisch empfundenen Ordnung, wird zugunsten einer auf Vernunftgründen und Verstandestätigkeit sich gerierenden und immanent zweckmäßigen Ordnung definiert. Die demokratische Idiosynkrasie richtet sich gegen alle Autonomen, gegen alle, die über sich selbst herrschen wollen, weil sie doch dann eventuell die Verstandesordnung gefährden könnten... Ein demokratischer Misarchismus, wie Nietzsche das nannte, will bis ins Geistige vordringen und den Verstand gefügig machen, dem Gleichheitspostulat unterjochen, den einzelnen somit seiner Freiheit berauben, ja, sicher, ihm schon eine neue gebend, die aber nur, um ihn einzutakten, damit er funktioniert und die Geldbesitzenden weiter ihren Geschäften nachgehen können. Moralisch handelt, wer nützt! Das ist der Tod der Griechen gewesen, von nun an standen sie neben sich und mußten als ihrem Wesen Mißliebige von sich Wesensgleichen - Afrikanern, Juden, Kelten, Persern, Römern, Skythen - früher oder später gefressen werden.
    Das sind Vorgänge, die sich in der Weltgeschichte wiederholen. Oberflächliche Naturen wollen daraus ein Entwicklungsgesetz ableiten können, demagogische Dummköpfe mutmaßeln Fortschritt. Und die größten Dummköpfe sprechen von Stadien jeder Kultur, die immer im Zerfall enden müßten. Dieselben Dummköpfe verkennen die Nachwirkung jedes Gedankens, der einmal von den Menschen aufgenommen wurde, verkennen das Fortwirken des empfangenen Wortes in jeder neuen Produktion menschlicher Schöpfungskraft. Doch dazu später. Verfolgen wir die Entwicklungsgeschichte der Metaphysik als dem grundlegenden Baustein jeder Philosophie und, in diesem speziellen Falle, der Bedeutung der Metaphysik für die Ethik weiter.
    Metaphysisch dasein heißt fragen. Fragen zieht Antwortung nach sich. Antwortung will systematisiert sein, sucht nach Anfängen, Prämissen. Im Umkehrschluß für Nachgeborene Analyse. Es existiert dieser enge Zusammenhang zwischen Erfahrungswissenschaft und Metaphysik. Erfahrungswissenschaft will gar nichts, sie ist, ist Methode. Metaphysik ist Gründung und ihrem Wesen nach Willensbeschreibung, ist somit in einem empirischen Sinne gar nichts! Das Wollen aber ist in unserer Ethik entscheidend, denn das Sein ändert sich, das Nichts aber bleibt vage und eigentlich Ahnung. Um die aber geht es letzten Ende immer. Sind es nicht die Ahnungen, die das Tun des Menschen bestimmen? Und sind vollständige Analysen des Daseins, worum es in Erfahrungswissenschaften immer gehen wird, nicht nur Brotkrümelei, verloren, wenn das, was Krümel zusammenhält, nicht wenigstens in der Ahnung mitgedacht wird?
    Der verhängnisvolle Paradigmenwechsel in der griechischen Philosophie (von der Naturphilosophie, die immer alles als gegeben voraussetzte, hin zur Schaffungstheorie aus dem Nichts) war glücklicherweise kein vollständiger. Etwas blieb. Die Griechen setzten weiterhin auf Anschauung, auf individuelle Lebenswahrnehmung, auf Schönheit. Nur so ist die endlose Zahl von Ethiken zu begreifen, die allesamt auf ästhetische Weltwahrnehmung setzten, immer in gewisser Weise lebensbejahend, ob nun in konkreter Wollust des Daseins oder in strikter Verneinung desselben. Die Griechen wollen immer vereinen, anderes aufnehmen, Denken anschauen in einer theoria, sie suchen die Auseinandersetzung; ein letzter Rest archaischer agon schwingt da mit; Selbstbehauptung. Das, was angeschaut werden kann, sind die Konkretationen im Dasein: Pflanzen, Tiere, vorgestellte Atome, Plastiken oder auch Tonnengewölbe. Sie sind manifestierbar vor dem geistigen Auge, welches Ort und Stunde selbständig festlegen kann durch Benennung. Das Benannte kann dem geistigen Auge immer wieder erzeugt werden, die Assoziativität des Begreifens durch den aufgerufenen Begriff.
    Die Römer sind da von einer ganz anderen Art: Sie haben keine einzige wirkliche Philosophie hervorgebracht. Es war ihr Lebens- und Herrschwille, der ihre Größe und Bedeutung bis in unsre Zeit ausmacht. Der Römer diente dem Ganzen, stellte sich ins Glied und focht die Kämpfe um Machterweiterung. Macht bleibt nie bei sich, als Prinzip gesehen, muß sie wachsen, sich erweitern und andere durchdringen. Kapitalismus. Die Römer durchdrangen die ihnen bekannte Welt mit dem Willen, diese unter ihrem Willen zur strukturieren.
    Alle Straßen führen nach Rom.
    Die Kraft Roms zeigt sich in Plastiken, im Brücken- und Straßenbau (was die Griechen niemals für sehr notwendig hielten), in der Statuierung von Regeln und Gesetzen, in der Paraphrasierung dessen, was Eigentum, Macht, Staat, Gewalt, Recht und Ordnung ausmachen. Das war ihre Idee. Es ist die Idee von Zweckmäßigkeit und Utilität, von Dienst und Rechtsformen, die das Leben strukturieren und jedem Menschen einen Platz zuweisen, der bestenfalls seinen Fähigkeiten, schlimmstenfalls nur seinen Fertigkeiten entspricht. Neigungen soll der Mensch in seiner Freizeit nachgehen.
    Das Individuum steht im Verband, ist Teil, muß sich in eine Ordnung fügen, der es ganz gehört. In diesem Kontext DARF es Freiheiten reklamieren.
    Metaphysik hat hier keinen Platz. Nur auf der Kehrseite des Lebens, dem Reich der Toten, nehmen unmaßgebliche Gedanken Platz. Aberglaube, Spukgeschichten, Haus- und Flurgeister, Familienflüche... Doch das hat mit Metaphysik ungefähr so viel zu tun wie der Hahn mit dem Eierlegen.
    Die Römer begriffen den Menschen als Staatsbürger, dem Anlagen eingeboren seien (natura homini ingenuit), die dem Staat zur Nutzung brach lägen. Diese Anlagen befähigen den Menschen, sich einen Kosmos zu bauen, sie sind sein Fundament, auf dem er Welten erbaut. In diesem Imperium gelten Gesetze, an die sich jeder halten muß, somit existiert die Begrifflichkeit der Verantwortung. Und diese Verantwortlichkeit wird bei den Römern ans Recht gebunden, das selbst wieder einem Willensvorgang aus den eingeborenen Anlagen des Menschen entstammt, also gegen Naturzwang steht, jedoch dem eingeborenen Willenszwang (ein ähnliches Oxymoron wie Westorientierung) folgen muß. Ein unerschütterliches Wissen um Allgemeinbegriffe schafft Ordnung auf der Welt und garantiert Gottvertrauen.
    Und das ist seither die Bedeutung der Metaphysik: Sie befaßt sich mit den Grundlagen des Denkens, mit Eingeborenem und Vorgefundenem.

  22. #22
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Was ist Kunst?

    lieber robert,
    ich nahm mir die von dir zugesandte erkenntnistheorie vor und durchwühlte sie, zumindest den ersten abschnitt.
    mit kritik werde ich nicht sparen. gerade die philosophie erlaubt eine harte und an den tatsachen orientierte diskussion, zumal wenn es sich um erkenntnistheorie handelt.


    inzwischen ist der ordner des unbeachtetseins anheimgefallen. diese diskussion wird wahrscheinlich eine zwischen uns bleiben. nichtsdestoweniger würde es mich freuen, wenn sich andere beteiligen würden.


    in eckigen klammern befinden sich meine anmerkungen zum text.


    Erkenntnistheorie


    Axiom: Erkenntnistheorie erfordert die Kritik des transzendenten Subjekts, nicht eines empirisch betrachteten.


    Wirklichkeit kann nicht durch Verstandestätigkeit konstruiert werden. Das Wirkliche hinterläßt [der Begriff hinterläßt ist ungenau] Abbilder im Betrachter/Einsehenden. [Inwieweit ein Abbild der Wirklichkeit im Subjekt entsteht, ist nicht überprüfbar. Es wäre notwendig, die Wirklichkeit zu kennen, um diese dann mit dem Bild der Wirklichkeit zu vergleichen. Das ist genau die Schwierigkeit vor die die Erkenntnistheorie gestellt wird. Die Behauptung der Wirklichkeit als Abbild ist daher äußerst umstritten. Gerade auch Scheler betrachtet das Trugbild als Abbildung, geht damit davon aus, daß Erkenntnis nicht orginäre Abbildung der Wirklichkeit ist. (Hier möchte ich jedoch anmerken, daß Scheler überhaupt kein Maßstab für eine erkenntnistheoretische Betrachtung ist.] Wirklichkeit ist Widerstand, Widersein. [Was ist Widerstand im Sinne einer Wirklichkeit? Bedeutet das, daß die Wirklichkeit sich der Abbildfunktion entzieht? Bedeutet das, daß das wahrnehmende Subjekt nicht vollkommen wahrnehmen kann? Bedeutet das, daß die Wirklichkeit Subjekt ist, die handeln kann? Es wird lediglich eine Begrifflichkeit entworfen, ohne die strukturelle Begründung hinterherzuschicken. Hier wird eine Schelersche Nomenklatur übernommen, ohne auf die Konsequenzen oder den Sinnzusammenhang hinzuweisen. Nachträglich eingesehene Wahrnehmungen [was sind nachträglich eingesehene Wahrnehmungen? Entweder befindet sich ein Subjekt im Akt des Wahrnehmens oder des Nicht-Wahrnehmen, dann eben in der Erinnerung oder Vorstellung. Diese Begriffsverbindung ist ein Widerspruch in sich selbst!] sind Konstrukte und Erwartungen [Widerspruch zum ersten Satz! oder wo entstehen diese Konstrukte (im Wahrnehmungsakt selbst?], Täuschungen des Verstandes [wie kann eine Täuschung erkannt werden? Wenn eine Täuschung erkannt wird, muß es einen Akt geben, der die Täuschung wahrnimmt, denn genau dies wird hier behauptet Ist es ein Satz, der durch den Verstand rekonstruiert wird, dann funktioniert es nicht, da er Täuschungen unterliegt!! Also, wie wird die Täuschung als Täuschung erkannt? M. E. liegt hier wieder ein Widerspruch vor!]. Der Verstand selbst wartet auf die Täuschung [völlig inadäquate Formulierung! Ist der Verstand ein eigenständiges Subjekt? Wieso wartet der Verstand, dann müßte er ein eigenständiges Bewußtsein haben; weiß er um sein warten; wenn er wartet, ist er sich des Wartens schon bewußt (wieder Widerspruch!!)]; er glaubt [also hier nochmals die Bestätigung dafür, daß es sich um ein eigenständiges Bewußtsein handelt], sich täuschen zu müssen [warum muß er sich täuschen? glauben und müssen stehen im Widerspruch, also hat das wahrnehmende Subjekt eine Wahl, weil er glaubt lediglich sich täuschen zu müssen, damit steht die Option offen, nicht-glauben zu müssen? Irgendwie komme ich mit dieser verquerten Logik nicht zu recht.]. In ihm trifft sich Vorgefundenes mit Angefundenem [ungenaue Begrifflichkeit: Ist Vorgefundenes wahrgenomme Wirklichkeit, Angefundenes vorgestellte Wirklichkeit? Hier müßte definierter gearbeitet werden.]. Das Vorgefundene drängt auf Bestätigung anhand der Teilhabe am Angefundenen [Wie schon oben angemerkt, wird auch hier personifiziert. Nur ein Subjekt (im grammatikalischen Sinne) kann drängen, damit handelt es, bewegt sich. Nur wie kann Vorgefundenes drängen? Warum wird vorgefunden ohne Grund substantiviert. Gerade in der Philosophie ist es wichtig, präzise die Gedanken auszudrücken, es kommt weniger auf Stil und Ästhetik an - gerade umgekehrt zur Literatur. Selten sind gute Literaten auch gute Philosophen und vice versa]. Aber das Angefundene ist nicht immer Angeschautes [sondern was, wenn es nicht angeschautes ist, also sind weitere Erkenntnisformen möglich, was jedoch dann den zweiten Satz widerspricht!, sondern zu [zu oft?, was ist zu oft, das ist überhaupt keine Kategorie philosophischer Diskussion, sondern ein normativer Begriff, der jedoch hier unanwendbar ist!!] oft Trugbild [wieder stellt sich die Frage, wie das Trugbild erkannt werden kann. Hinzukommt, daß du metatheoretisch argumentierst. Damit muß die Anschauungsquelle genannt werden, mit der diese Aussagen zustande kommen] aus dem Vorgefundenen.

  23. #23
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Was ist Kunst?

    Okay, hagen. Hoffe, wir reden hier nicht aneinander vorbei. Die Gefahr besteht immer.
    Ich rede vom anschauenden Subjekt, will eine transzendentale Kritik desselben leisten. Empirie ist Nebensache. An Naturgesetze glaube ich nur bedingt. Das ist kein Widerspruch, sondern Wesen des Naturgesetzes, daß es eben bedingt ist. Sprache ist wichtig. Worte sagen viel. Wörtlich lesen, sehr oft.
    Habe Deine Anmerkungen eingearbeitet. Warte auf Kritik zum nächsten Abschnitt.


    Axiom: Erkenntnistheorie erfordert die Kritik des transzendenten Subjekts, nicht eines empirisch betrachteten.


    Wirklichkeit kann nicht durch Verstandestätigkeit konstruiert werden. Das Wirkliche hinterläßt Abbilder im Betrachter/Einsehenden, die auf bereits überkommene Bilder treffen, sich mit diesen verbinden (überlagern) oder aber diese modifizieren. Wie genau das Abgebildete der Wirklichkeit im Subjekt entspricht, ist nicht überprüfbar. Das ist aber auch nicht von entscheidender Bedeutung, weil die Wirklichkeit, dieses Amalgam aus Traum, Vorstellung, Naturzwang, Wunsch und vielem anderen, ständigem Wandel unterzogen ist. Wie der Name es schon sagt, wirkt sich hier Naturgesetzlichkeit genauso aus wie der Wille Vormaliger und Gegenwärtiger. Und nicht zuletzt ist die Wirklichkeit auch ein Produkt des Willens des Anschauenden, des Subjekts selbst. Die Naturgesetze sind nicht vollständig überprüfbar und deren Kenntnis ist einem steten Wechsel von Wahrheitsnähe und -ferne unterworfen, so daß Modelle für einen allgemeinen Konsens im Sinne einer Kommunikations- und Handlungsebene genügen müssen.
    Das anschauende Subjekt muß die Wirklichkeit nicht kennen, um diese dann mit dem Bild der Wirklichkeit zu vergleichen. Wirklichkeit ist Widerstand, Widersein. Wirklichkeit drückt sich in die Abbilder des Vorgefundenen. Kein Subjekt kann vollkommen wahrnehmen. Vollkommenes außer Gott ist nicht. Alles vom Menschen Erdachte oder Entdeckte ist Behelf. Dazu dienen Begriffe und Symbole. Erinnerung an Symbole, Träume etc. müssen nicht zwangsläufig Nicht-Wahrnehmungszustände sein; manche Erinnerung wird zunehmend klarer, kann also Neues hervor bringen. Er-innerungen wachsen mit den Jahren, Neues tritt hinzu, modifiziert. Nachträgliche Synästhesien aus Traum, Erinnerung, Erkenntnis und Aufnahme von Eindrücken, die nur dann es sind, wenn sie Bekanntes vorfinden. Finden sie nichts Bekanntes vor, so bleiben sie vorerst stumm. Dann das gleiche mit dem Unterbewußten. Fährnisse. Nachträglich eingesehene Wahrnehmungen sind Konstrukte und Erwartungen, Täuschungen des Verstandes. Es liegt im Wesen des Verstandes, getäuscht zu werden. Descartes hat hierin recht, wenn er vom großen Täuscher, dem Deus malignus, spricht. Der Verstand glaubt - das Wesen des Verstandes, der immer subjektgebunden sein muß, liegt in der Annahme einer Überwindung des Glaubens hin zur Faktizität empirischer Grundierung; allerdings ist der Verstand bei aller Empirie skeptisch, will wieder und wieder das Faktische erproben, messen, um objektive Ergebnisse hervorzubringen, die in den seltensten Fällen hervorgebracht werden können.
    Im anschauenden Subjekt - und um nichts anderes geht es in dieser Erkenntnistheorie - trifft sich Vorgefundenes mit Angefundenem. Vorgefunden ist Grund und Basis des zu Erweiternden, des eidoz im Menschen, angefunden ist Dasein, was vom Vorgefundenen angenommen werden kann. (s.o.) Das Vorgefundene drängt auf Bestätigung anhand der Teilhabe am Angefundenen kann drängen, damit handelt es, bewegt sich, denn im Vorgefundenen repräsentiert sich die Erfahrung aller Vorigen, trägt sich auch der Wille mit, der nach Entwicklung seiner Bilder, nach Repräsentation in der Welt schreit, leben will. Aber das Angefundene ist nicht immer Angeschautes, sondern zu oft Trugbild, entspricht keinem vor-gefundenen Bild, obwohl es das glaubte. Später vielleicht, wenn Möglichkeiten vorhanden sind.

  24. #24
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Wolkenstein-Manifest

    Vielen Dank für die bisherige Antwortung.
    Habe mich dazu entschlossen, den Rosenberg-Teil herauszunehmen. Der wird in einem gesonderten Essay-Bändchen zum Thema "National-Sozialismus" erscheinen. Wer dazu sachdienliche Texte vorzuweisen hat, der sollte diese der interessierten Forumsöffentlichkeit zur Kenntnis bringen; Diskussion sehr erwünscht.
    Stehe derzeit bei den pragmatischen Briten. Sind diese erledigt, so muß ich nach Deutschland zurück und Folgerungen für die Zukunft notieren. Das geht schnell, weil ich schon sehr lange darüber nachdenke, es nur in meinem Kopf finden muß, um es auszulutschen, Sprache geben. Dann ist die chose bewältigt, nicht erledigt. Hoffe, bis Ende nächster Woche den Text fertig zu haben. Stelle dann aber erst das Gesamtbuch vor. Hoffe, bis zu Kauls Lesung am 18.Oktober in Berlin/Spandau, Kulturhaus.

  25. #25
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Wolkenstein-Manifest

    finis operis am tag der republik, 17:07 und 49 Sekunden
    163 Seiten im Format 13,3 mal 19,9 cm


    Es ist vollbracht. Nun geht es in den Druck, erstmals vorgetragen wird es am 18. Oktober in Berlin, Kulturhaus Spandau gegen acht Uhr abends.

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