+ Antworten
Seite 4 von 4 ErsteErste ... 234
Ergebnis 76 bis 93 von 93

Thema: Wolkenstein-Manifest

  1. #76
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    5.June 2002
    Ort
    München
    Beiträge
    890
    Renommee-Modifikator
    19
    ich denke, nach guten fünf jahren wäre ein zwischenstatement zu roberts manifest ganz sinnig.
    also alle ordner hier, die sich damit beschäftigen, einmal zusammenlegen und topisch bearbeiten, auf welchen stand das gebracht werden könnte. ich für meinen teil habe in der kurzausfallzeit des forums wieder hineingesehen und dort viele anmerkungen mit bleistift von mir gefunden, die ich 2004 gemacht habe. meine einverleibungsparaphrase, die ja nicht vollständig war, ist zwar dann irgendwann verloren gegangen, aber die hatte auch nicht viel zu sagen, als eben die verinnerlichung.
    jetzt aber sind die ideen mittlerweile gereifter und schon von mehreren seiten her beleuchtet worden.
    es ist zu gut, als daß es nicht auch politische grundlage werden könnte, zumindest dauerdenkanstoß, der auch - "seufz" - in den "fliegenden blättern" tagesaktuell immer noch weiter gegeben werden kann

    meine vorschläge und ergänzungen zum manifest


    1.
    die staatsbürger erwirtschaften das bruttozosialprodukt und die waren, die deutschland zu 80% im ausland verkauft. verkaufserlöse insgesamt ausland:........
    jedem deutschen über 17 jahren steht aus diesem wirtschaftspool ein monatsgehalt von 1.500 E zu. er zahlt davon keine steuern und abgaben.
    diesen betrag ausrechnen:...............................
    dafür werden sämtliche zuschüsse gestrichen. krankenversicherung ist kostenlos in einer einzigen zentralisierten krankenkasse zu verwalten. die anfallenden kosten werden vom exportpool getragen. renten entfallen, da es bis zum tod beim monatsgehalt bleibt.
    als gegenleistung haben sich die erwachsenen deutschen in freier auswahl zu bilden, lebenslang,immer angemessen an ihre körperlichen und geistigen fähigkeiten.
    ziel dieser bildungspolitik ist es, auch im bildungsgutexport 80% zu erreichen. ein vorreiter existiert bereits in der konfliktlösungsmethode, die in einigen deutschen ghettos erfolgreich praktiziert wird. über bildungswirtschaft bestehend aus auslandsanfragen entscheidet eine zentralregierung, die auch die entsprechenden gespräche führt. die gebietsregierung, aus der der vom ausland angeforderte stammt, hat allerdings das letzte wort der entscheidung, die aber im allerletzten bei dem angeforderten bleibt.
    deutsche firmen dürfen nur die produkte als deutsche ausgeben, die ohne auslandsleistungen geschaffen wurden. andernfalls haben sie die bezeichnung "mischprodukt aus den ländern xyz" zu tragen. firmen, die im zug der globalisierung das land verlassen, werden keinesfalls mit subventionen daran gehindert. sie müssen allerdings ihre hier erworbene technologie samt fachpersonal hier lassen, damit sie als deutsche firmen hier restrukturiert werden.
    zusätzlich zu dem garantieeinkommen bestimmen angebot und nachfrage unreguliert den wirtschaftsmarkt, auch den der arbeit. untertarifliche löhne, die sogar dumpinglöhne im globalisierten markt sein können, sind hier möglich, weil die existenz der arbeitenden bereits gesichert ist. gewerkschaften werden abgeschafft. deutschland gewährt allgemeine steuerfreiheit. bei einkommen, die auf dem freien markt erzielt werden und über das mindesteinkommen hinausgehen, bleibt es bei der regelung im manifest: 25% davon am jehresende, ohne ausnahmevorschriften und gestaltungsspielräume. die umsatzsteuer wird generell abgeschafft. ausländische konzerne müssen eine abgabe für deutsche patentnutzungen zusätzlich leisten.
    parteien werden - wie im manifest - abgeschafft. damit auch wahlkampfkostenerstattungen.
    die kleinen gebietseinheiten werden jedoch nicht nach 300.000 einwohnerzahl festgelegt, sondern nach mundart-sprachgrenzen, die auch viertel-mäßige einheiten in großstädten sein können. ebenso ausländerviertel.
    diese kleinsten politischen einheiten bekommen völlige gestaltungsfreiheit. dazu ist eine gebietsmäßige volksabstimmung durchzuführen, wozu die vorschläge des manifests als vorbild dienen können, aber nicht müssen. die einzige regelung, die von allen gebietseinheiten einzuhalten ist, ist die sicherung des freien transfers von menschen, waren, technologie und bildung zwischen ihnen.
    die gebietsregierungen bestimmen, abweichend vom manifest, welche aufgaben ihre mittel überschreiten und deshalb zentral geregelt werden sollen. hierfür wird eine zentralregierung nach dem manifest gebildet, die aber nur tätig werden darf, wo die gebietseinheit darum bittet. gebietseinheiten, die selbst regeln wollen, dürfen dies unbeschränkt, so daß durchaus wechselnde zuständigkeiten ergebnis sein können.
    die gebietseinheit hat sämtliche gebietseinwohner über tv und netz in aller transparenz über ihre vorhaben zu unterrichten, foren zur diskussion einzurichten und rechtfertigungspalaver zu garantieren. dort diskutieren alle, bis ein für das ganze gebiet zufriedenstellender konsens gefunden wurde. abweichler können in ein ihnen mehr liegendes gebiet umziehen.


    die strafe des "hängens" aus dem manifest wird geändert in ein umgekehrtes aufhängen mit dem kopf nach unten an einen baum ohne lebensgefahr: diese tagesstrafe ermöglicht dem fehlenden, die welt auf den kopf gestellt zu betrachten. durch diese erfahrung, die nichts herabwürdigendes hat, sondern sport wie bungeespringen ist, soll das bewußtsein des betreffenden erweitert werden, daß seine überzeugung des guten nicht für alle gut sein muß. diese lehre soll bereits zu regierungszeiten eine besondere verantwortung im regierenden wecken.
    die todesstrafe aus dem manifest wird abgeändert in die zwingende teilnahme des fehlenden an einem schamanistischen ritual, in dessen verlauf der delinquent eine zerlegung seines selbst und die spätere wiederzusammenfügung erfährt.


    zur schulbildung verweise ich auf meinen beitrag "schule der zukunft". der mangel an arbeit wird nicht mehr geleugnet oder kaschiert. der bildungsexport allerdings, der sich nicht nur auf geistiges, sondern ebenso auf haptatives, kreatives und sportliches beziehen muß, wird einen erweiterten arbeitsmarkt restrukturieren.
    die gebietseinheiten werden ausdrücklich aufgefordert, mit ihren politischen experimenten in wettbewerb zu treten und auch mit dieser bildung im auslandsmarkt aufzutreten.
    ausländer werden entsprechend dem manifest behandelt, keine zuschüsse, kein mindesteinkommen, die möglichkeit, eigene gebietseinheiten zu bilden, an sämtlichen bildungsmöglichkeiten frei teilzunehmen, diese auch frei für deutsche ihrerseits anzubieten, und sobald sie ebenfalls zurechenbar zum exporteinkommen beitragen, deutsche zu werden.


    zu den tag- und nachtgleichen wird zweimal im jahr ein nationalfeiertag von in- und ausländern gemeinsam gefeiert, wobei durchdachte manifestsergänzungen vorgetragen werden. sofern kein notstand herrscht, haben diese vorschläge ein jahr lang überdacht und diskutiert zu werden, bevor die zentralregierung eine entscheidung fällt.ein weiteres jahr, bis die gebietseinheit frei darüber entscheidet.




    fortsetzung folgt...

  2. #77
    Resurrector Avatar von aerolith
    Registriert seit
    30.October 1998
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    5.241
    Blog-Einträge
    35
    Renommee-Modifikator
    27

    AW: Wolkenstein-Manifest

    Derzeit nehme ich in Magdeburg Anzeigen zur Kenntnis, in denen ich aufgefordert werde, mich in einem Internet-Forum darüber zu äußern, was sich in Deutschland ändern muß, damit das Leben hier lebenswerter würde.

    Gut gefragt.

    Hier ist die einfachere Antwort:


    • eigene Rechtsräume für Universitäten
    • keine 5%-Hürde für Bundestag
    • Abschaffung der Asylgesetzgebung: jeder soll in Deutschland leben dürfen
    • Abschaffung von finanziellen Zuwendungen für Zuwanderer
    • Abschaffung von doppelter Staatsbürgerschaft, in fernerer Zukunft auch der einfachen für Deutschland; regionale Erfassungen sollten genügen
    • Abschaffung der Wehrpflicht, aber Schaffung eines Berufsbundesheeres
    • Stärkung der direkten Demokratie (Wahl des Präsidenten direkt vom Volk, mehr Rechte für die Kommunen, kommunale Wahl der Polizei und Ausbilder...)
    • Stärkung von auf Autarkie setzenden Projekten
    • Abschaffung des Beamten zugunsten kommunaler Angestellter
    • Abschaffung des Länderfinanzausgleichs, gerechte Verteilung der Steuern
    • Abschaffung der Bundesländer
    • Schaffung stärkerer Kommunen bzw. Landkreise
    • Steuersatz runter auf 20%
    • private Alters- und Krankenvorsorge
    • Abschaffung der Subventionen

  3. #78
    schreibt hier hin und wieder
    Registriert seit
    4.April 2002
    Ort
    Wien
    Beiträge
    326
    Renommee-Modifikator
    19

    AW: Wolkenstein-Manifest

    großer gott, chef! jetzt steigst du also wieder in die tiefen des mittelalters zurück, wo man mensch von tier schied! da gehe ich sicherlich nicht mit. blicktest du über den europäischen tellerrand, wüßtest du, dass beispielsweise in asien tier vom mensch richtigerweise nicht geschieden wird (schöner doppelsinn, macht zwei punkte!). tiere haben gedächtnis, können vögeln, denken, urinieren, also was solls. ja sicher, sie bekommen keinen kredit bei der deutschen bank, aber den bekommen derzeit manche sogenannte menschen auch nicht.

    willst du dich also mit der zukunft des menschengeschlechts beschaffen, solltest du dich zuerst mit der evolution beschäftigen. sonst geht das saftig in die hose!

  4. #79
    Resurrector Avatar von aerolith
    Registriert seit
    30.October 1998
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    5.241
    Blog-Einträge
    35
    Renommee-Modifikator
    27

    AW: Wolkenstein-Manifest

    mach es dir nicht zu einfach, schnoberle! ich glaube, in unserer von komplexität durchwirkten zeit tut es noth, daß wir die strukturen ein wenig entschlacken. das ziel kann nicht mehr staat, sondern muß weniger staat sein, auch wenn zur zeit diejenigen oberwasser haben, die angesichts der globalen wirtschaftskrise eine verstärkte präsenz des staates inner wirtschaft einfordern. ich glaube, daß das nicht nothwendig, ja sogar schädlich ist, wenn in diesem bäumchenwechsledich der staat zur zeit das einsackt, was die privaten ausbeuteten, um es ihnen dann wieder billig in den rachen zu werfen, wenn die chose läuft. zyklische krise nannte marx das. es ist heute erweitert zur gemachten krise. aber war denn krise jemals etwas anderes als hausgemacht?
    meine vorschläge sind kein regressus, sondern ein progressus. ich ziele auf größere freiheit und kleinere (politische und wirtschaftliche) einheiten. das zeitalter des imperialismus muß doch irgendwann mal vorbei sein.
    scheidung zwischen mensch und tier ist unabdingbar, denn tiere könenn nicht über sich reflektieren, sondern gehorchen. menschen gehorchen meist nicht, egal was.

  5. #80
    schreibt hier hin und wieder
    Registriert seit
    4.April 2002
    Ort
    Wien
    Beiträge
    326
    Renommee-Modifikator
    19

    AW: Wolkenstein-Manifest

    ja, mir reichen die reichen ja auch chef!

    fakt ist aber, wenn sie in den staaten so eine strenge finanzmarktaufsicht wie in den meisten europäischen staaten gehabt hätten, wäre die ganze chausse nicht passiert. und hier hätte ein mehr an staat, nicht die reichen sondern die kleinen, die häuselbauer und kleinanleger geschützt.

    ich bin kein freund von überregulierung. dort, wo der staat die freiheit schützt, kann regulierung nicht falsch sein.

  6. #81
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    5.June 2002
    Ort
    München
    Beiträge
    890
    Renommee-Modifikator
    19

    AW: Wolkenstein-Manifest

    aufsicht verlangt verständnis. die instrumente wurden aber nicht mehr verstanden, nicht mal von denen, die damit arbeiteten.


    schlagendes argument gegen regulierung: landesbanken, in staatlicher hand, also voll beaufsichtigt und reguliert, haben die größten verluste.


    fakt ist, daß sich der markt selbst regulierte: er schickte die blasen dorthin, wo sie hingehören: ins aus. das will aber keiner wahrhaben. die eingriffe, auch die akuten, verlängern und päppeln sowohl blasen als auch boni etc weiter. regulierung verlängert den langen abschied der blasen vom markt, der bereits seine selbstregulierende macht gezeigt hat, aber nicht zur kenntnis genommen wird. unter den teppich kehren und den kopf in den sand stecken.


    statt reales geld über strafrecht und schadensersatz zurückzuholen, schiebt man den veruntreuern weiter reales geld nach, als müsse man fürchten, den geldklauern könne etwas zustoßen.
    ich fürchte, bei dieser denke prallen alle noch so guten manifeste an der hirnbirn ab.

  7. #82
    Resurrector Avatar von aerolith
    Registriert seit
    30.October 1998
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    5.241
    Blog-Einträge
    35
    Renommee-Modifikator
    27

    Exclamation AW: Wolkenstein-Manifest

    Die Liebenden ringen um diese Welt. Sie allein kennen den Kampf und das Ziel des Kampfes. Sie überschauen einander und haben das, was dieser Welt am meisten mangelt: Vertrauen. Das Unmoralische beginnt nicht bei der Liebe und auch nicht damit, daß man sich irrt im anderen, sondern im mangelnden Vertrauen zueinander, das immer seinen Grund in der Unfähigkeit besitzt, lieben zu können.

    Alle Macht den Liebenden.

  8. #83
    Resurrector Avatar von aerolith
    Registriert seit
    30.October 1998
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    5.241
    Blog-Einträge
    35
    Renommee-Modifikator
    27

    Post AW: Wolkenstein-Manifest

    notwendige Ergänzungen:

    In öffentlichen Diskussionen wird immer wieder betont, daß es zum Großstaat keine Alternative gäbe. Wirtschaftliche, ökologische und militärische Probleme der Gegenwart seien nur durch Völkerbünde zu bewältigen. Eingriffe in die Autonomie von Nationalstaaten werden so begründet, Fehlentwicklungen eigenmächtigen Ambitionen derselben zugeschrieben oder aber nicht greifbaren anationalen Finanzkonsortien (Heuschrecken), nie aber der sogenannten Völkerfamilie. Die in den letzten Monaten geschnürten Hilfspakete zur Bewältigung der Finanzkrise übergreifen nationalstaatliche belange und stellen die Frage nach der Autonomie von Einzelstaaten, letztlich greifen sie die Frage auf, inwiefern die Demokratie Lebensfragen lösen kann oder eben nur Folklore abgibt, die wirklich wichtigen Fragen (oder das, was dazu gemacht wird) dagegen nur von den Großstaaten bzw. Großfirmen gelöst werden könnten.
    Nun gibt es auf der einen Seite Befürworter der These, daß die EU beispielsweise auf halbem Wege steckengeblieben sei und deshalb die Probleme nicht gelöst werden können. Die EU müsse dafür sorgen, daß die einzelnen Nationalstaaten noch sehr viel mehr ihrer Autonomie abgäben, das Parlament in Straßburg und der Beamtenapparat müßten noch sehr viel mehr Autorität und Bestimmungsrecht bekommen, die Staaten Souveränitatsverzicht üben, damit ein europäischer Bundesstaat nach amerikanischem Vorbild geschaffen werde.
    Für diese Ansicht spricht sehr viel, sofern man es mit den Interessen der Konzerne hält. Und für diese Ansicht spricht auch, daß den meisten Menschen das Hemd näher ist als der Rock, sie lieber im sicheren Fahrwasser der überregionalen Versorgungsinstitute existieren, statt sich individuell um ihr Auskommen zu kümmern, daß sie Verantwortung an alle nur denkbaren Gremien, Institute oder Behörden übergeben und sich sattsam zurücklehnen, meckern und im übrigen ihren Anteil dafür kassieren, daß sie für ihr Leben nicht länger verantwortlich zeichnen wollen und das eben anderen überlassen.
    Sind diese Leute in der Mehrzahl? Vielleicht. Ich weiß es nicht, glaube aber, schon.
    Das politische System der BRD beruht auf den Erfahrungen der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus. Die in jenen Zeiten obwaltende direkte Demokratie führte zum Führerstaat und Krieg, mutmaßen jedenfalls die Verantwortlichen in der BRD. Als Lehre aus der Geschichte wird den Deutschen somit eine restriktive westliche "Demokratie" verordnet, letztlich eine politische Roßkur, die das Volk weitgehend außen vor läßt und den Staat denjenigen überläßt, die dafür an Hochschulen und Universitäten im Sinne der westlichen Vorstellungen ausgebildet und erzogen wurden. Die Verwestlichung Deutschlands gab das politische Ziel der (westlichen) Alliierten nach dem Krieg aus, was bedeutete, diese BRD zu einem Staat zu machen, von dem ihnen keine Gefahr mehr drohte, der gehorchte und eigene politische Ziel nur im Kontext gesamteuropäischer bzw. weltpolitischer Unterordnung begriff und formulierte. Mit dem Aufsaugen der maroden DDR wurde diese Konkursmasse der Geschichte noch um ein gutes Stück erweitert. Der Sieg scheint vollkommen. Die Deutschen sind inzwischen soweit in der westlichen Welt integriert, daß sie Kriege für die westlichen Großmächte mitmachen, bezahlen und ihre neu gewonnene vergrößerte Teilstaatlichkeit gern auf dem Altar weltpolitischer Interessen opfern, ohne selbst in irgendeiner Weise daran zu profitieren. Die erste Weltkrise wird zeigen, welches Konzept sich durchsetzt: die Supranationalstaat oder die Teilganzheiten. Ich tippe auf die Teilganzheiten.
    Nur die Deutschen werden wieder eine Ausnahme abgeben. Sie werden zwar nicht vorlaut sein, aber sie werden doch mitteilen, wie es gemacht werden muß. Andererseits werden sie sich aufgehoben wissen in dem Suprantionalen. Die deutschen Eliten sind "schlapp" (Habermas) oder an politischer Gestaltung desinteressiert; sie wollen ihre Normalstaatlichkeit und wirtschaftlichen Erfolge genießen, keine neuen Normen setzen, schon gar nicht etwas auf den Weg bringen, das ihnen wieder einmal den Stempel deutscher Großmannssucht aufsetzen könnte. Also halten sie den Mund und schauen Fußball. Und falls doch mal einer muckst, fällt auch schnell ein Wort aus dem Brevier des Nationalsozialismus. Dahingehend müssen nicht einmal ausländische Gralshüter wachen, das erledigen die gleichgeschalteten Medien der BRD selber.
    Der eingeschlagene Weg des europäischen Großstaats scheint alternativlos zu sein. Ein Zurück zu partikularistischen oder nationalistischen Tendenzen wird bestenfalls als retardierendes Moment im Gesamtkonzept einer europäischen Einigungsbewegung hingenommen werden, zu stark sind heute die Kräfte, die an einem europäischen Großstaat profitieren, zu schwach die Argumente derer, die sich dagegen aussprechen.
    Wie also könnte jemand, der sich gegen Großreiche, oligarchische Strukturen, Klientelismus, Lobbyismus und gegen Timokratie ausspricht, argumentieren?

    1. Demokratie ist in Großreichen nicht durchführbar;
    2. Im bisherigen System ist die Partizipation des Bürgers nicht gegeben, da dieses Mitspracherecht aber wichtiger als Nivellierung im Großstaat ist, muß der Großstaat fallen;
    3. Ein neues System müßte die überregional wirtschaftenden Großkonzerne nicht beschränken, gleichzeitig aber die örtliche Wirtschaft fördern: dies ist ohen weiteres durch Gesetze möglich, sofern Subventionswirtschaft abgeschafft wird;
    4. Die Sicherheit der einzelnen kleineren politischen Wirkverbände könnte nur durch ein umfängliches Sicherheitskonzept gewährleistet sein;
    5. Eine Weltregierung mit umfangreichen polizeilichen Vollmachten ist unabdingbar, hat aber nur dann Veto- oder Eingreifrechte in die einzelnen kleineren Wirkverbände, wenn es dazu eine Ermächtigung durch das Weltparlament gibt.

    Das Problem der Beteiligung des Einzelbürgers am politischen Geschick seines Lebensumfeldes beschränkte sich diesbezüglich auf wirtschaftliche, soziale und religiöse Fragen.

  9. #84
    Kurzvormabschussiger
    Registriert seit
    22.September 2008
    Ort
    Regensburg
    Beiträge
    39
    Renommee-Modifikator
    0

    AW: Wolkenstein-Manifest

    ich habe, allerdings nur gerüchteweise, gehört, dass die schweizer münze bereits einen neuen satz an "dm" entworfen hat. wenn das stimmt, und wenn die vorlaufszeit für eine neue währung ca. ein halbes jahr beträgt, so stimmen auch die spekulationen, die das ende des euros bis zum jahresende voraussagen. der kampf des dollars gegen den euro wird, wenn siegreich, auch das wachsende europa zerstören.

    sie bekommen also argumentationshilfe von der falschen seite: die groß- und siegermächte wollen kein großreich wie europa neben sich.
    dem jemand könnte also geholfen sein damit, dass er auf vertreibende konkurrenz der großmächte untereinander setzt. statt der von ihnen gewünschten weltordnung mit einem weltparlament bleibt sonst nur die neue amerikanische weltordnung, die ein nationaler wasserkopf, aber kein wirklich internationales gebilde mehr sein wird.

    verstehen sie mich nicht falsch, ich setze auf die kulturelle identität - nicht nur bei kunst - aber sinnvoll ist das nur, wenn diese multiperspektiv existiert, also weder global nivelliert, noch präpotent national dominiert wird.

  10. #85
    Resurrector Avatar von aerolith
    Registriert seit
    30.October 1998
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    5.241
    Blog-Einträge
    35
    Renommee-Modifikator
    27

    Post AW: Wolkenstein-Manifest

    vorstellungen über die beste aller welten gibt es seit menschengedenken. als hochzeit mag die frühneuzeit herhalten, nachdem amerika dem europäer möglichkeit zur wirklichkeit wurde, seit mittelalterliches weltbild aufbrach und hoffnung auf weite und freiheit allmählich die beherrschende fanalisierung bewirkte. auch spanien, vielleicht gerade spanien, machte davor nicht halt. cervantes entwickelte eine gerechte welt, die in einen Bericht hineingeschrieben war, den ein zigeuner wiedergab. zigeuner sind sehr viel freier und ehrbarer als die meisten anderen menschen. das ist ein grund, ihre lebensart zu lieben. (weiß gott, wir deutschen haben gerade das am wenigsten von allen kulturvölkern: lebensart, ars vivendi.) staatenlose sozialität beflügelte seit jeher phantasien. sie soll hier wiedergegeben werden (text aus cervantes: die kleine zigeunerin. leipzig 1960.)
    Nachdem diese Zeremonien beendet waren, ergriff ein alter Zigeuner Preciosa bei der Hand, führte sie vor Andres und sprach: "Dieses Mädchen, die schönste und lieblichste aller Zigeunerinnen, die in Spanien leben, übergeben wir dir hiermit als Frau oder Geliebte. Du kannst es in diesem Punkte halten, wie du willst, denn unser freies und ungebundenes Leben ist keinem Zwang und keiner Förmlichkeit unterworfen. Betrachte sie dir wohl und überlege, ob sie dir zusagt oder ob du irgend etwas an ihr entdeckst, was dir mißfällt. Findest du etwas an ihr auszusetzen, so wähle dir unter den jungen Mädchen, die hier stehen, eine aus, die deine Ansprüche zufriedenstellt; welche du auch wählen magst, wir wollen sie dir geben. Eins jedoch mußt du wissen: hast du dich einmal entschieden, so darfst du deine Auserwählte nicht um einer anderen willen verlassen und auch nie mit einer anderen, mag sie verheiratet oder ledig sein, eine Liebschaft anfangen. Denn unverletzlich sind für uns die Gesetze der Freundschaft: keiner darf seine Hände nach dem Mädchen eines anderen ausstrecken, und so sind wir frei von der verheerenden Seuche der Eifersucht. Wohl gibt es viele Verwandtenehen bei uns, doch keinen Ehebruch. Müssen wir entdecken, daß die eigene Frau oder Geliebte uns betrogen hat, so laufen wir nicht erst zum Richter, um Strafe zu fordern -, wir selbst sind die Richter und Henker unserer Frauen und Geliebten. Wir töten und begraben sie im Gebirge oder im Ödland genau wie ein schädliches Tier; kein Verwandter wird aufstehen, um sie zu rächen, kein Vater wird uns ihren Tod zur Last legen. Und da sie stets durch diese Furcht im Zaum gehalten werden, achten sie gar wohl auf Zucht und Sitte, so daß wir, wie ich schon sagte, ruhig und sicher leben können. Wenige Dinge gibt es bei uns, die nicht allen gemeinsam gehören, zu diesen wenigen aber zählt die Frau oder Geliebte, die nur dem zu eigen sein darf, dem das Schicksal sie bescherte. Doch löst bei uns das Alter ebensogut eine Ehe auf wie der Tod: ein Mann, der selbst noch jung ist, darf seine gealterte Frau verlassen und sich eine andere wählen, die seinen Jahren mehr entspricht. Unter solchen und ähnlichen Satzungen und Regeln leben wir froh und zufrieden, als Herren der Felder und Saaten, der Wälder und Berge, der Quellen und Flüsse. Die Wälder spenden uns ihr Holz, die Bäume ihre Früchte, der Weinberg seine Reben, die Felder und Gärten ihre Kräuter, die Quellen ihr Wasser, die Flüsse ihre Fische und die Gehege ihr Wild. Die Felsen gewähren uns Schatten, die Schluchten Kühlung und die Höhlen Obdach. Alle Stürme des Himmels sind für uns nur ein sanftes Lüftchen, Schneefälle eine Erfrischung, Regengüsse ein Bad, Donnergrollen Musik und Blitze leuchtende Fackeln. Der harte Erdboden dünkt uns so weich wie ein Daunenbett und unsere von Sonne und Wind gegerbte Haut ist uns ein undurchdringlicher schützender Panzer. So flink und behende sind wir, daß kein Gitter uns hindert, keine Schlucht uns aufhält und keine Mauer uns Halt gebietet. Unser Mut läßt sich durch keinen Strick einschnüren, durch keinen Wippgalgen ducken, durch keine Daumenschrauben ersticken und auf keiner Folterbank zähmen. Einen Unterschied zwischen Ja und Nein kennen wir nur, wenn er uns zupaß kommt: stets haben wir mehr darauf gehalten, Märtyrer zu sein als Bekenner. Für uns werden auf den Weiden die Tragtiere gezüchtet, und in der Stadt die Taschen in die Röcke genäht. Kein Adler, kein Habicht kann sich schneller auf die Beute stürzen, die er erspäht, als wir uns auf eine günstige Gelegenheit, bei der wir unseren Vorteil finden. Kurzum, wir verfügen über gar manche Fähigkeit, die uns bei jeder Gelegenheit ein glückliches Ende verspricht: im Kerker singen wir, auf der Folter schweigen wir, am Tage arbeiten wir und zur Nacht stehlen wir - oder, besser gesagt, wir warnen die Menschen, nicht allzu sorglos mit ihrem Eigentum zu verfahren. Die Furcht, unsere Ehre zu verlieren, kann uns nicht quälen, und die Sorge, wie wir sie vermehren, bereitet uns keine schlaflose Nacht. Wir müssen keine Anhänger werben und erhalten, wir müssen nicht in aller Morgenfrühe aus dem Bett, um Bittschriften einzureichen, die großen Herren aufzusuchen und irgendeine lächerliche Gunst von ihnen zu erflehen. Unsere Hütten und Zelte, die wir so schnell abbrechen und wieder aufbauen können, sind uns ebenso lieb wie anderen die vergoldeten Decken ihrer Prunkpaläste, und die Bilder, die die Natur uns auf Schritt und Tritt in ihren steilen Felsen und beschneiten Gipfeln, ihren weiten Auen und dichten Wäldern vor Augen stellt, dünken uns genau so köstlich wie die Gemälde und Landschaftsbildcr der großen flandrischen Maler. Wir sind Astrologen, ohne darauf studiert zu haben, denn da wir stets unter freiem Himmel schlafen, wissen wir jederzeit bei Tage und bei Nacht, welche Stunde es geschlagen hat. Wir sehen zu, wie die Morgenröte die Sterne am Himmel in eine Ecke fegt und dann mit ihrer Gefährtin, der Dämmerung, emporsteigt, um die Lüfte zu beleben, die Wasser zu erfrischen und der Erde Tau zu spenden, und wie dann nach ihr die Sonne heraufkommt,-die Gipfel vergoldend und die Berge streifend, wie der Dichter sagt. Wir schlottern nicht gleich vor Kälte, wenn uns ihre Strahlen einmal nur leicht und schräge treffen, und wir fürchten nicht zu vergehen, wenn sie senkrecht auf uns herniederbrennen. Hitze und Prost, Mangel und Überfluß begegnen wir mit der gleichen Miene. Kurzum, wir sind Menschen, die sich durch ihren Fleiß und ihre Umsicht durchs Leben bringen, und ohne uns an das alte Sprichwort >Kirche, Meer oder Königshof< zu halten, haben wir doch stets, was wir wollen, denn wir sind zufrieden mit dem, was wir haben. Das alles habe ich dir gesagt, mein feiner junger Herr, damit du wenigstens in großen Zügen weißt, was für ein Leben dich erwartet und mit wem du es zu tun hast. Mit der Zeit wirst du selbst noch unendlich viele andere Dinge entdecken, die nicht weniger beachtenswert und wichtig sind als die, welche ich dir jetzt berichtet habe."

    Damit beendete der Alte seine lange Rede und der neugebackene Zigeuner erklärte, daß er höchst erfreut sei, von diesen lobenswerten Satzungen vernommen zu haben. In eine Gemeinschaft, die auf solch vernünftigen und klugen Grundsätzen aufgebaut sei, wolle er gern eintreten, und es täte ihm nur leid, daß er erst jetzt dieses freie und glückliche Leben kennenlernen könne. Nun aber wolle er aul seinen Edelmannsrang und den eitlen Ruhm seines großen Namens verzichten und sich unter das Joch oder besser gesagt die Gesetze der neuen Gemeinschaft beugen - winke ihm doch ein hoher Lohn für seine Bereitwilligkeit, ihnen zu dienen: der Besitz der göttlichen Preciosa, für die er alle Kronen und Reiche dieser Welt hergeben wolle oder nur zu erringen wünsche, um sie ihr zu Füßen zu legen. Nun ergriff Preciosa das Wort und sagte: "Die hohen Gesetzgeber unseres Stammes haben beschlossen, daß ich mit Fug und Recht die Deine sein soll und haben mich dir überantwortet. Das Gesetz meines Willens jedoch, das für mich ausschlaggebender ist als alle anderen Gesetze der Welt, bestimmt, daß ich dir nur unter den Bedingungen, die wir beide zuvor miteinander abgemacht haben, angehören kann. Zwei Jahre lang sollst du bei uns leben, bevor ich die Deine werde, denn ich möchte nicht, daß du dir Vorwürfe wegen deiner Unbesonnenheit machst, und auch ich will nicht leichtfertig und voreilig handeln. Bedingungen brechen Gesetze: die meinen kennst du. Willst du sie halten, so werden wir uns vielleicht eines Tages angehören; willst du es dir anders überlegen, so bedenke, daß dein Maulesel ja noch nicht tot ist, deine Kleider noch vorhanden sind und auch von deinem Geld noch kein Heller fehlt. Es ist auch noch keine vierundzwanzig Stunden her, seit du dich von zu Hause entfernt hast. Den Rest des heutigen Tages nun magst du dazu verwenden, zu überlegen, was du tun willst. Die Ältesten unseres Stammes können dir wohl meinen Körper schenken, nicht aber meine Seele; denn die ist frei geboren und wird frei sein, solange ich es will. Bleibst du hier, so werde ich dich hochschätzen und ehren, kehrst du zurück, so will ich es dir nicht anrechnen; denn die Leidenschaft eines Verliebten stürmt ja bekanntlich mit verhängtem Zügel dahin, bis sie mit der Vernunft oder einer Enttäuschung zusammenstößt. Ich möchte doch nicht, daß es dir mit mir ergeht wie dem Jagdhund, der hinter einem Hasen herläuft; hat er ihn aber erwischt, so läßt er ihn liegen und rennt hinter dem nächsten her. Dem verblendeten Auge erscheint auf den ersten Blick Flitter wie pures Gold. Sieht man jedoch genauer hin, so erkennt man wohl den Unterschied zwischen falsch und echt. Du sagst zwar, meine Schönheit sei herrlicher als die Sonne und köstlicher als Gold; aber wer weiß, ob sie dir nicht bei näherer Betrachtung als ein bloßes Schattenbild erscheinen wird und wenn du sie anrührst, gar als eitel Lug und Trug. Zwei Jahre gebe ich dir Zeit, um zu prüfen und zu erwägen, was du wählen und was du verwerfen sollst. Denn wenn einer ein Ding erwirbt, das er erst mit seinem Tode wieder loswerden kann, so ist es nur recht und billig, daß er es immer wieder und von allen Seiten betrachtet, um seine Fehler und Vorzüge festzustellen. Ich beuge mich nämlich nicht diesem barbarischen und ungerechten Brauch meiner Stammesbrüder, die ihre Frauen verlassen oder bestrafen, wie sie die Lust dazu ankommt. Ebenso wie ich nichts zu tun gedenke, was eine Strafe herausfordert, so will ich auch keinen Gatten haben, der mich aus einer puren Laune heraus verstoßen kann."
    "Da hast du recht, Preciosa", meinte Andres, "und um deine Ängste und Zweifel zu beheben, will ich dir gern hoch und heilig versichern, daß ich mich in allen Punkten deinen Wünschen fügen will. Sage mir, wobei ich schwören oder welche Sicherheit ich dir sonst dafür geben soll, daß ich zu allem bereit bin."

  11. #86
    pjesma
    Status: ungeklärt

    Post AW: Wolkenstein-Manifest

    zu romantisch ....aber, na ja.
    schenk ich dir trotzdem eine kleine Übersetzung

    Miroslav Antic, Vojvodina
    Zaruke

    - Ustani Ruzo, ocesljaj se.
    Dosli su ti Romi, prosci.

    - necu ga, majko, ne mogu,
    jel je Milos mator,
    jer je mnogo crn i garav
    ko garava serpa.

    - Ustani, Ruzo, ocesljaj se.
    Milos te je kupio.

    - Cekaj samo dok ja umrem,
    pa me vise nikad neces naci.
    samo ce doci jedna luda tica
    na moj grob,
    da mi place ko da mi je ona mama
    a ne ti.

    Samo ce doci jedan blesav vetar
    na moj grob,
    i sareno sasavo cvece
    da mi placu ko da su mi oni mama
    a ne ti.
    Cekaj samo dok umrem,
    pa ces da me uvek pravis od blata.

    Da ozivim.
    A ja: nista.
    Nikad vise.

    Sad vidis da ne mogu da ustanem,
    ni da se ocesljam,
    ni da obujem bele cipele.

    Sad vidis da ne mogu da se udam
    od jedanaest godina.



    Miroslav Antic
    Verlobung

    -Steh auf, Rosi, kämme dich.
    Die Romas sind da, deine Brautwerber.

    -Ich will ihn nicht, Mutter, ich kann‘ s nicht,
    weil der Milos uralt ist,
    weil er viel zu schwarz und ru?ig ist,
    wie ein angebrannter Kochtopf.

    -Steh auf, Rosi, kämme dich.
    Der Milos hat dich gekauft.

    -Warte nur, wenn ich dir sterbe,
    nie wieder wirst du mich finden.
    Nur ein verrückter Vogel wird kommen
    auf mein Grab,
    zum weinen, als wäre er meine Mutter
    und nicht du

    Nur ein bescheuerter Wind wird kommen
    auf mein Grab
    und die bunten albernen Blumen,
    um nach mir zu weinen,
    als wären sie alle meine Mutter
    und nicht du

    Warte bloß wenn ich dir sterbe,
    aus Lehm wirst du mich immer neu bauen.
    Zum Wiederbeleben.
    Und ich: reingarnix.
    Nimmerwieder.

    Dann siehste ja
    dass ich nicht aufstehen kann,
    weder zu kämmen
    noch die weißen Brautschuhe anzuziehen.
    Jetzt siehste ja
    Dass ich nicht heiraten kann,
    so elfjährig.



    und noch:http://www.youtube.com/watch?v=1cyBX...eature=related

  12. #87
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    Post AW: Wolkenstein-Manifest

    eine derart hochgezüchtete wirtschaft wie die unsrige darf sich langsam vom liberalen postulat der hierarchischen leistungsbeimessung lösen und mehr auf die karte der gleichheit setzen. letztlich ist das billiger und wirtschaftlicher, die schere zwischen arm und reich nicht weiter auseinanderdriften zu lassen als die bisherige kapitalistische politik der besitzstandswahrung. derweil müßte das doch gerade liberale politik sein, nämlich die breite mitte zu stärken. das bedeutete heute aber nicht, klientelpolitik für kleingruppen betreiben, es muß vielmehr bedeuten, das, was die LINKE sich auf die fahnen schrieb: alle kraft für die stärkung der mitte der gesellschaft, was gleichheit fordern läßt. zunft statt imperialismus, überschaubarkeit der politischen entscheidungen statt großstaaten mit entarteten politischen segensträgern, die jeglichen bezug zum kleinen mann verloren haben.

  13. #88
    kls
    Status: ungeklärt

    AW: Wolkenstein-Manifest

    Joachim Fuchsberger (85) hat ein Buch geschrieben: "Älter werden ist nichts für Feiglinge".

    Ich habe das Buch nicht gelesen, aber bin mir sicher, zu wissen, was da drinnen steht: Dass er den Wert des Lebens in zunehmendem Alter immer höher zu schätzen lernte, (ich würde schreiben: Man hat sich einfach daran gewöhnt), mehr Freude an den Kleinen Dingen Des Seins gefunden hat, wie wichtig Freunde und Frauen waren und sind, wie bedeutend der Humor und wie angenehm es ist, wenn irgendwelche Schmerzen nachlassen und/oder es doch nur ein harmloses Geschwulst war. Wie schmerzlich der Verlust geliebter Menschen, wie schön ein Sonnenaufgang, welch erfülltes Leben voller Dankbarkeit...

    Dazwischen einige Anekdötchen eines (recht erfolgreichen und bekannten) Schauspielers. Vielleicht schlägt er einen Bogen zum Seniorensex, vielleicht deutet er sogar seine privilegierte Rolle an, aber immer mit virtuell verschmitzten Augen.

    Habe ich Vorurteile? Hat wer das Buch gelesen? Habe ich Recht?

    Der Titel ist von Bette Midler geklaut und die hat ihn wiederum von Betty Davis. Und deswegen finde ich das Buch "Älter werden ist nichts für Feiglinge" schon vom Titel her doof. Mit solch Vorurteilen tasten wir uns halbblind durch eine Realität, die sich als ewiges Fragezeichen in Form eines Prozess tarnt. Ach, weh uns Armen...

    Gerade eine kleine Lesung im Radio gehört: „Ich stehe morgens als Erstes auf und hole die Zeitung. Dann lese ich aufmerksam die Todesanzeigen und wenn ich nicht erwähnt werde, ziehe ich mich an."

    Das ist doch von Pete Seeger:

    I get up each morning and dust off my wits
    Open the paper and read the obits
    If I'm not there I know I'm not dead
    So I eat a good breakfast and go back to bed.

  14. #89
    Resurrector Avatar von aerolith
    Registriert seit
    30.October 1998
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    5.241
    Blog-Einträge
    35
    Renommee-Modifikator
    27

    Post AW: Wolkenstein-Manifest

    der jurist Althusius beschrieb als die beste staatsform die der korporation aus einer hierarchisch geordneten und mit jeweiligen pflichten und rechten ausgestatteten gesellschaft, in der zwar das volk selbst kein widerstandsrecht besäße, wohl aber die von ihm gewählten (mandatierten) repräsentanten. das ist gegen westliche vorstellungen eines absolutistischen staates gestrickt, gleichwohl sich kein deutscher staatsrechtler von bedeutung für einen absolutistischen staat einsetzte, sondern immer auf ein gleichgewicht der kräfte setzte, seien es der ein paar jahre später wirkende pufendorf oder auch leibniz, wolff oder andere deutsche barock-denker gewesen.
    leider setzten sich seinerzeit die englischen (hobbes) und französischen (bodin) oder niederländischen (lipsius, grotius) vorstellungen durch, die die macht dem fürsten zusprachen und dem volk das widerstandsrecht nicht einmal für den fall einer repräsentationsbemanntheit zusprachen, statt dessen darauf setzten, daß der herrscher schon seinem gewissen verantwortlich und deshalb gutes zu tun gezwungen sei. haha!
    es sei aber für ein paar westliche denker hier der ehre halber mitgeteilt, daß es auch monarchomachen gab, die eben ein widerstandsrecht konzedierten. aber die konnten sich nicht durchsetzen und sind heute vergessen.
    kurzum: der geist der korporation ist alt, aber wenig berücksichtigt auch in unserem gemeinwesen. um eine korporation überhaupt erst einmal wirksam werden lassen zu können, müßte man klassen, stünde o.ä. besitzen. leider aber wurde bei uns alles gleichgeschaltet, es gibt keinen adel (des geistes oder der geburt), keine wirklich armen schlucker, die klassenkampf betreiben wollen, sondern nur reiche oder weniger reiche, die allesamt keine interessen haben als den der unterhaltung, der ausreichenden versorgung für jetzt und später oder auch bauchgepinsle jedweder coleur. protestbewegungen wie die piraten oder die grünen sind dekadenzterscheinungen, aber an keinen gesellschaftlichen veränderungen interessiert, sondern kritzeln bloß da und dort ein wenig an der fassade herum.
    und das wird so bleiben, weil sie alle zufrieden und satt sind und weder innere noch äußere not kennen. das schlaraffenland. stillstand. armut des geistes. verblödung. schweinementalität.
    hat aber auch sein gutes: wir werden alt.

  15. #90
    Taiga-Besucher
    Status: ungeklärt

    AW: Wolkenstein-Manifest

    Hallo Wolkensteiner,

    warum ist "einfach" so schwer?

    Wenn man verstanden werden will, sollte man die Sprache auf das einfachste Niveau runterschrauben.
    Man stelle sich das Duell zwischen Merkel und Steinbrück vor:

    Arsch.

    Kuh.

    Der unentschlossene Wähler würfelt oder handelt nach Instinkt.

    Warum müssen Wahlplakate so langweilig und alle Jahre wieder immer gleich aussehen?
    Warum reden Politiker chinesisch?
    Warum ist das Wolkenstein-Manifest ebenso schwer verständlich? Für wen isn das eigentlich? ;-)

    Grüße aus der
    Taiga

  16. #91
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Wolkenstein-Manifest

    betrachte das als eine hürde, eine art intellektuelle einlaßgebühr. wir wollen hier keine mehrheiten erreichen und sind keine politiker, die etwas verkaufen wollen.

    war das jetzt zu schwer? wenn ja, bedauerlich.

  17. #92
    Taiga-Besucher
    Status: ungeklärt

    AW: Wolkenstein-Manifest

    Nä. Für mich nicht. ;-)
    Aber ich dachte Ihr macht Euch Gedanken darum, junge Leute zu erreichen.
    Ich assoziierte dann gleich hinüber zu aktuellen Geschehnissen und schlenkerte zurück zu Eurem Manifest.

    So denk ich halt. War das jetzt zu schwer? Wenn ja, bedauerlich.

  18. #93
    Resurrector Avatar von aerolith
    Registriert seit
    30.October 1998
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    5.241
    Blog-Einträge
    35
    Renommee-Modifikator
    27

    AW: Wolkenstein-Manifest: der Kritik-Ordner

    lese zur zeit das jungdeutsche manifest eines artur mahraun aus dem jahre 1927. krude, aber auch gut. der mann arbeitete zur nazizeit bei magdeburg als schäfer und hielt sich aus politischem raus. ein offizier mit stehvermögen. verdient meine bewunderung.
    auf seite 61 ff. befaßt er sich mit der in diesem ordner oben angezeigten plutokratie und versucht eine ursprungsbestimmung.
    er glaubt, es liege am parteiismus, wie er es nennt.


    zwar verwechselt er ursache und wirkung, aber die beobachtung ist schon richtig, daß der parteiismus das grundübel in der demokratie ist. damit ist eben nicht das entstehen von politischen richtungen gemeint (die entstehen zwangsläufig in jedem gemeinwesen), sondern die über parteien ausgeübte drucksituation auf den staat, die dazu führt, daß die parteien den staat übernehmen und alle wichtigen positionen mit gefolgschaft (sic!) besetzen.
    damit wird das prinzip eines demokratischen staates, nämlich die gewaltenteilung, verletzt, es entsteht filz, der auch nicht durch die amerikanische praxis, nämlich bei regierungswechsel alle wichtigen positionen neu zu besetzen (weil ja wieder mit gefolgschaft) getilgt wird.
    es ist also ein strukturproblem der westlichen "demokratie".
    die substanz des problems aber heißt plutokratismus, anders gesagt, die hingabe ans geldmachen und der glaube, daß geld die welt nicht nur regiert, sondern auch moralisch zu regieren hat.

+ Antworten

Ähnliche Themen

  1. Das Wolkenstein-Forum - technische Hilfe hier
    Von Mr. Jones im Forum Forum für das geschriebene Wort
    Antworten: 7
    Letzter Beitrag: 09.02.20, 18:03
  2. Manifest II (nur für Frauen?)
    Von Kyra im Forum Politik.
    Antworten: 19
    Letzter Beitrag: 30.06.19, 12:43
  3. wolkenstein
    Von Mr. Jones im Forum Lyrsa
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 29.04.18, 09:39
  4. Öffentlichkeitsarbeit: Wolkenstein sucht Werbetext
    Von aerolith im Forum Leiden schafft
    Antworten: 34
    Letzter Beitrag: 19.01.18, 18:38
  5. Wolkenstein kürt die zehn bedeutendsten Deutschen
    Von aerolith im Forum Leiden schafft
    Antworten: 24
    Letzter Beitrag: 13.08.17, 07:37

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Ja
  • Themen beantworten: Ja
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •