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Thema: langeweile, ekel, schlechte laune

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
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    Post Langeweile

    Ist erst die Meinung wabbelich,
    wird ein Mann ganz zabbelich.


    Mir ist langweilig. Was tun in später Nacht - Frau Hanne schläft bereits erschöpft, stolz klopfe ich mir die Schulter -, außer danach Nasebohren und mit einem Watussi via Internet Dame spielen?! Langsam vermisse ich den schwachen Sinn nächtlich gewohnten Wortgeklaubes. Nun, ich bin immerhin noch Mitglied - merkwürdig, ohne Glied ist Mann unregistriert. Bin ich aber mit Glied, besitze ich auch Stimme, eine tiefe sogar. Versuche ich es halt wieder, käme mir sonst tatsächlich wie kastriert, wie ein Eunuch vor. Und vielleicht bewerbe ich mich auch um den Titel Moderator honoris causa.


    Apropos ohne Glied: Auf Wunsch einer starken Strömung hier ein Geschichtlein, welches, von Klammer auf Burg Obernberg gelesen, wahre Brüller zeitigte.




    Der Kuss des Zackenbarschs


    Knistern, ein Kratzen im Mikrophon: "Nummer 264!" Blecherne Frauenstimme, fast zurückweisend geschäftig, nicht tröstend und Heilung versprechend. Er wartete schon lange, stellte in Schmerzen versunken die Aufforderung fast nebensächlich fest. "Nummer 264!" Er erschrak. Seine Nummer, er war dran. Mühsam humpelte er durch die ledergepolsterte Tür, dann war er mit dem Professor allein. Berühmte Kapazität ... weithin berühmt.
    "Bitte nehmen Sie Platz, Herr ...ääh", knappe einladende Geste in Richtung Besucherstuhl, kurzer Blick in das hellgrüne Krankenblatt, "... Herr Hannemann, und erzählen Sie mir ausführlich, wie das passiert ist."
    Zumindest eine gütige Stimme. Hoch bezahlte Güte, doch Hannemann war es zufrieden. Er konnte sich den Doktor leisten, die Versicherung zahlte. Er konnte sich eigentlich alles leisten, obgleich er nicht mehr leisten konnte. Ein nettes Wortspiel.
    "Bitte, Herr Hannemann!" Etwa Ungeduld?
    "Entschuldigen Sie, Herr Professor, aber es ist etwas beschämend."
    "Ich bitte Sie, Herr Hannemann, ich bin Urologe, ich habe Verständnis für die Unwägbarkeiten im Leben eines Mannes." Mutmachendes Nicken. "Tiefes Verständnis, ich versichere Sie.". Der Doktor war einen flüchtigen Blick auf das Krankenblatt. "Es war also ein... Badeunfall?"
    "Ein Tauchunfall, Herr Professor, ein Tauchunfall."
    "Ah, sie tauchen..." Kurze Notiz.
    "Ja. Ich schwebte zwischen träumenden Korallen dahin. Es war dies ein wohliges Gleiten, auf und ab, an den prächtigsten Blumen des Meeres vorbei und inmitten von bunten Schmetterlingen, welche Blüten befruchten mochten."
    "Bitte, wie war das?"
    "Tropische Fische, Herr Professor, eine Metapher. Ich bin nämlich Schriftsteller."
    "Ach, Sie sind der berühmte Hannemann! Meine Frau ist ganz hingerissen von Ihnen, sie hat all Ihre Werke gelesen." Die aus dem Vorzimmer vielleicht, die mit der blechernen Stimme? Wahrscheinlich nicht, die Frau einer Kapazität redet sicherlich Samt und keineswegs Blech. Besonders, wenn sie die Bücher des überrühmten Hannemann liebte. Wie sie wohl aussah? Rothaarig, grünäugig? Der Professor unterbrach grob seine schwärmerischen Gedanken: "Trotzdem, zur Sache."
    "Das ist doch der Grund, denn dann erschien sie."
    "Sie?"
    "Ein Zackenbarsch, allerdings weiblich."
    "Ein Epinephelinae?" Ungläubiges professorisches Staunen. "Sie sind tatsächlich auf einen Epinephelinae gestoßen? Mann, was haben Sie für ein Glück! Auch ich tauche schon seit Jahren und habe noch nie einen Zackenbarsch zu Gesicht bekommen. Und noch dazu weiblich!" Aufgeregte Laute des eifrigen Hobbyisten. "Junge weibliche Zackenbarsche sind nämlich imstande - und das tun sie sehr gern -, sich während des Heranwachsens in Männchen zu verwandeln. Hermaphroditen, Zwitter!" Höchst freudige Erregung, Glänzen in den Augen. "Einfach nicht auszudenken, ein weiblicher Epinephelinae!" Tropfen des Zweifels. "Woran haben Sie das denn gemerkt?"
    "An ihren Formen natürlich, Herr Professor! Sanft drängende, schwellende Formen von geradezu rubenesker Trägheit..."
    "Ich weiß, oh ja, ich weiß das." Zustimmung aus tiefstem Herzen, dann leichtes Zögern: "Rubinisch... was?"
    "Von Rubens halt!" Aufmerksamkeit heischend den Zeigefinger hoch. "Und erst diese Lippen! Schmollmund stülpende, wollüstige, sexuellen Wahnsinn fordernde Lippen mit einem verzaubernden negroiden Versprechen!" Hannemann errötete in der Erinnerung, der Professor ebenso. Dessen Gedanken ohne konkrete Erinnerung: Wow, geil! Mann, oh, Mann, oh jaah! Doch warum dieser Scheißkerl und nicht ich?
    Der Scheißkerl gestand: "Ehrlich gesagt, ich bekam unter Wasser eine hmm... Erektion, und was für eine! Verstehen Sie, ich wollte, dass diese Epi..., Epi ihn küsst...", den Zeigefinger zur Leibesmitte, "...doch sie hat einfach zugebissen! Rasiermesserscharfe Zähne, Epi hat ihn fast abgetrennt." Tränen rannen ungewollt. "Es tat, tut so weh, und Ikaros darf niemals wieder fliegen!"
    "Wer?... Nun weinen Sie doch nicht so!"
    "Entschuldigung, ich kann nicht anders. Der Verlust schmerzt ungeheuer. Und ich, schluchz, nenne ihn halt griechisch."
    "Bitte?"
    "Französisch mag meine Frau nicht."
    Gedankenschwere Pause. "Ach so." Zurück zum Beruf, Berufung. "Dann lassen Sie mal sehen." Leichte angenehme Hände, kühle Latexfinger - muss wohl so sein. Obwohl, er hatte ihn extra gewaschen. "Eine ausgezeichnete Arbeit. Wer hat das gemacht?"
    "Das internationale Krankenhaus in Pattaya. Ich habe wohl stark geblutet, bin ohnmächtig geworden. Irgend jemand hat mich aufgefischt und dann in das Hospital gebracht."
    "Wirklich wunderschöne saubere Nähte! Dennoch, ich bedaure es sehr, Ihnen das sagen zu müssen, die Natur hat jedoch leider ihr Recht verloren." Das war es also: Endgültige Hand. Schnipp, schnapp, Schniepel ab! Dann der Trost: "Es besteht aber kein Grund zur Verzweiflung, wir können da schon etwas machen."
    Ikaros hob den trauernden Kopf - besser ausgedrückt: Er wollte. "Und was, bitte, können Sie machen?"
    "Implantate mit modernster Worterkennung. Das heißt, wir pflanzen Ihnen zwei künstliche, aber annähernd gefühlsechte Schwellkörper ein. Sie sprechen ein Codewort... meinetwegen Zackenbarsch..."
    "Warum ausgerechnet Zackenbarsch?"
    "Fiel mir gerade so ein und ist ja nur ein Beispiel. Vielleicht auch nicht ganz passend. Auf alle Fälle heben nach dem Codewort zwei Module Ihren... Ikaros mittels einer Pumpe zu einer schönen Rigidität. Er wird steif und bleibt auch stehen, bis Sie den Befehl widerrufen."
    "Und wie?"
    "Mittels eines zweiten Codeworts, vielleicht..."
    "Keine Fische mehr!"
    "Muss auch nicht sein, jedenfalls haben Sie verstanden: Code 1, er steigt, Code 2, und Ihr Ikaros fällt wieder ins Meer... das war auch eine Metapher."
    "Und das funktioniert?"
    Die weithin bekannte Kapazität lächelte: "Todsicher, das garantiere ich Ihnen!"
    Hannemann war beruhigt und voller Hoffnung, steigende Tendenzen: "Gut, dann machen wir das auch."
    "Ich gratuliere Ihnen zu Ihrem Entschluss. Wir brauchen also nur noch Ihre zwei Codewörter, fangen gleich an und programmieren die Befehle dann während der Narkose."
    So schnell? Ohne geistige Vorbereitung? Der schriftstellernde Patient war leicht verwirrt: "Schwierig, die Auswahl. Etwas Unverfängliches sollte es schon sein. Sie wissen schon, wechselnde Beziehungen." Er dachte angestrengt nach. "Warum nicht einfach 'Oh, Liebling?' Das passt eigentlich immer, und Ikaros könnte starten. Weiter: Auf dem höchsten Punkt, kurz vor dem Sturzflug, rufe ich für gewöhnlich 'Mein Gott!' Das müsste doch gehen und wäre in diesem Moment selbstverständlich."
    "Selbstverständlich oder natürlich?"
    Ertappt, ihn, den berühmten Schriftsteller. Hannemann ärgerte sich: "Selbstverständlich natürlich!" Dann senkte er die Stimme, wurde fast devot: "Herr Professor, eine kleine Bitte noch: Ginge es auch ein bisschen... größer?"


    Die Rote lag nackt. Wenige winzige Sonnensprossen tupften weiße Haut, volles festes Haar sprühte Funken der Leidenschaft. Sie war sein, bereit, und er war wieder ein Sieger: Groß und mächtig, samenträchtig! Verdammt, Rote, dein Name sei Lilith, sei Tantra, unendliche Lust!
    "Oh, Liebling!" Es wirkte: Sensoren hörten das Wort, die Module sprangen und Ikaros stieg aus Epinephelinaes Rachen zu ungeahnter, nie gekannter Höhe. Ein Wunder, saftige Stärke erblühte im Schein von vielen strahlenden Kerzen. Das Weib, grüne Augen, kaum fähig, die volle Pracht zu begreifen, starrte, schluckte, staunte, schnurrte: "MEIN GOOOOOTT!!!"

  2. #2
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    AW: langeweile, ekel, schlechte laune

    ich bin etwas verquittet!


    das ist ein wunderbar fein gesponnener text, mit soviel detailliebe und schwung. das schreckliche nähert sich zunächst so unschuldig, bis es dann zähne zeigt. ich musste heftig schmunzeln.


    literatur muß nicht immer todernst sein. ernst als kriterium für literatur, naja. übrigens verlöre der text führte man ihn als kabarett auf.

  3. #3
    rodbertus
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    AW: langeweile, ekel, schlechte laune

    Das dürfte Hannemann erfreut haben, daß er hier jemanden findet, der ihm in seiner Literarizität beipflichtet. In seiner. Meine Art von Weltwahrnehmung ist das nicht. Womit nichts gesagt ist. Kein Mensch muß meine Bewertung apodiktisch als Wahrheit nehmen: Hier ist keine Wahrheit (bei anderen Dingen halte ich mich da bedeckter): Literatur ist Geschmackssache. Mein Geschmack ist das nicht. Und ich könnte das WÜSSENSCHAFTLICH begründen, hätte damit aber auch rein gar nichts mehr gesagt. Ob das dann auch noch Humor sein soll, und daß ich dann keinen haben soll, weil ich über obigen Text nicht "heftig schmunzeln" kann, das wird dann wohl so sein. Ich lach eben über andere Dinge, darüber zum Beispiel: So kömmt mir der text hier auch vor... Also verschwinde ich ganz schnell.

  4. #4
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: langeweile, ekel, schlechte laune

    Im übrigen habe ich den Zackenbarsch überarbeitet und finde ihn durchaus gelungen (lies: "mittelprächtig").


    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  5. #5
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    AW: langeweile, ekel, schlechte laune

    Hannig, was fehlt in diesem Text ist eindeutig der wonnig hingebende Moment in der Begegnung mit dem Fisch. Eine Zackenbarschin, mein Gott!!!!


    (Schön, dich, wenn auch gelangweilt, hier zu lesen!)

  6. #6
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    AW: langeweile, ekel, schlechte laune

    also, ich weiß nicht rodbertus, gerade der stehsatz: "zur falschen zeit am falschen ort." verursacht mir kopfgrimmen.


    für mich ist das eine doppelte verneinung, die etwas anders sagt, als sie sagen will. was der satz sagen will, ist doch mit: "zur richtigen zeit am falschen ort." oder "zur falschen zeit am richtigen ort." besser ausgedrückt. oder?

  7. #7
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    AW: langeweile, ekel, schlechte laune

    Nun, Schnobsi, wende das nochmal: Wenn etwas zur falschen Zeit am falschen Ort ist, ist es vielleicht die ideale Zielplatzierung des Richtigen am gewünschten Ort.


    Ich interpretiere das Bild so, als wollte der Fuß des Hintermannes nichts anderes als eine latente Hodenmassierung des Vordermannes (unter Einschluß eines folgenreichen Quetschungsrisikos) und das anberaumte Fußballspiel (der Bundesliga? Weltmeisterschaft gar?), niemals einem anderen Ziel diente, als genau zur richtigen Zehntelsekunde genau diesen Tritt zu tun.


    Wieviel technische Vorarbeit dafür von den beiden Mannschaften erbracht werden musste, bedürfte nun wieder einer unglaublich aufwendigen mathematischen Berechnung, damit das Bild so erscheint, als geschehe hier etwas Unabsichtliches, während die ganze Fußballsaison in Wirklichkeit kein anderes Ziel als diesen Tritt hatte.



    Bei dieser stark verkürzten Version meiner Gedanken wiederum wäre dann der Satz ja richtig, weil alles richtig und sinnvoll ist und das Falsche zur falschen Zeit am falschen Ort nur das Perfekte und Gottgewollte dann noch sein kann.


    In diesem Falle wäre ich dann mit Rodbertus, meinem Rausschmeisser, wirklich und endlich mal einer Meinung.... Freust dich, Berti?? < hihi >


    Sollte dich, Schobs, jedoch diese Variante meines Denkens in beginnende Depressionen stürzen, so argumentier ich das schnell gleich wieder um. Das geht scho. Aber nur deshalb, weil wir in einem paradoxen Universum leben..... - und dann auch nur dirzuliebe und ausnahmsweise!

  8. #8
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: langeweile, ekel, schlechte laune

    ...hab mich prächtig amüsiert beim Lesen... der Professor hat sehr goutiert...

  9. #9
    Bauer Hans
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    AW: langeweile, ekel, schlechte laune

    Ist nur leichte Sommerkost, gerade richtig bei dieser Hitze. Die suizidentalen Gräbertexte für den geschätzten, gestrengen Herrn Lektor - Verzweiflungsschreie unverstandener Mütter, Rosenallergien, Nacht- und Nebelerfahrungen ehemaliger Grenzsoldaten, Leiden aller möglichen Werners, Todesstrafendiskussionen und warum Friedmann mit Möllemann aus Verzweiflung über die vorhersehbare Zukunft des Judentums kokste - folgen in düsteren Massen wieder ab Ende September.

  10. #10
    Tochter aus gutem Hause
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    Unhappy langeweile, ekel, schlechte laune

    xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

  11. #11
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    AW: langeweile, ekel, schlechte laune

    klingt gut!!!
    schätze, das wird dem scheff auch gefallen, liegt doch schon das drama im titel...

  12. #12
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: langeweile, ekel, schlechte laune

    sidonie (wendet sich klingtgut zu):


    von welchem chef sprichst du? ich habe keinen. in zeiten der neuen normalität, in denen man dir ein weniger als ein mehr verkauft zuzüglich resteinsamkeit?
    ach sieh doch nur, wie die fahne in den wind gehängt wird, die parolen nachgeplappert ... wo ist denn da noch charakter oder ein standpunkt?
    ein wiegepunkt ists, wer gerade besser antippt oder stärker zerrt, gibt den ausschlag. die ehrlichen getreuen, die da waren, als alles zusammenbrach, die das ihre untergegangen sahen und dennoch wieder aufbauten ohne zu murren, die, die noch an den wert von streit dachten, an so etwas wie freiheit glaubten - ausgelöscht sind sie nach dem ersten kritischen wort. jaja - schlechte zeiten für idealisten - aber das war schon immer so, dagegen hilft nur die eremitage, in der bleiben neben dem staub und der asche wenigstens einige brauchbare worte liegen, irgendwelchen halbblinden archäologen zur späten einsamen freude.

    gingen hier nicht 20 zuschauer vorüber? hatten sie keine zeit für einen einzigen satz? nein, klingtgut, das hatten sie nicht. die zeit für unnormale sätze ist vorbei. geben wir die staffette dem erstbesten, der vorbeikommt stumm in die hand. "unteilbar" steht auf ihr - und durch welche hände ist mein schönes wort schon gegangen und müßte mich verleugnen. mich ekelt.

  13. #13
    Kurzvormabschussiger
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    AW: langeweile, ekel, schlechte laune

    don quichotte(die rüstung ölend) an sidonie:

    ..."unteilbar" ist sie die toleranz, welch wundervoller gedanke, doch ist's wie so vieles im leben nur theorie, der schöne traum von der besseren welt, jenseits der realität?... ein wesentlich klügerer kopf (als der meine) fand dazu folgende worte:

    "toleranz verlangt nicht danach, unstimmigkeiten und widersprüche zu verschleiern. im gegenteil, sie fordert, die unmöglichkeit eines umfassenden einheitlichen denkens anzuerkennen und darum fremde und gegensätzliche ansichten ohne haß und feindschaft zur kenntnis zu nehmen" (Lew Kopelew, "Tröste meine Trauer" ).

    dich ekelt, ich bin eher traurig...

  14. #14
    Kurzvormabschussiger
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    AW: langeweile, ekel, schlechte laune

    der Narr (gähnend durch den Garten laufend):

    ich bin heut zu spät aufgestanden
    und alles schien viel zu normal

    ich hofft', es wär nur Langeweile,
    da sah ich: ich war ausgelöscht!

    oh dies Gefühl, das Wichtigste verpasst zu haben...

  15. #15
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: langeweile, ekel, schlechte laune

    sidonie:

    mein lieber quichotte! (sie greift mit der hand unter sein kinn und hebt seinen kopf sich entgegen): euren eigenen kopf laßt sprechen. ihr seid nun im besitz der stafette.
    (sie läßt vorsichtig los und kuschelt sich wieder in ihren platz):

    haß und feindschaft seht ihr? beim ersten kritischen wort? ja versteht ihr denn toleranz als gleichgültigkeit wie der von euch zitierte?
    kritiklose hinnahme kanns wohl nicht sein - oder man gibt das denken auf und landet im gewiß seligen reich der dummheit und gleich gültigkeit.

    für mich jedenfalls heißt toleranz, daß jeder - ausrufezeichen - sagen darf, was er denkt, ohne daß man ihm haß und feindschaft unterstellt und damit selbst zum feindbildbauer wird. man darf aber doch kritisieren und das wörterschwert kurz in die luft werfen -
    oder wollt ihr einen leblosen ort, an dem vor lauter toleranz nichts mehr gesagt wird?
    nicht mehr auf die worte des anderen eingegangen, sie nur als "unsgibtsauchnoch" hingenommen?
    wo toleranz mundtot macht?
    das geht schneller, als ihr denkt... toleranz kann die übelste form von zensur sein: gleichgültigkeit ...
    nein, nein, toleranz ist ein weit geöffneter tanzplatz der geistigen auseinandersetzung, auch wenn danach jeder bei seiner meinung bleiben darf, der m?chte, sich verneigt, geht und wiederkommt.
    aber das nächste mal sind die schritte verfeinert, seht ihr, die wörter kommen mutiger und könnten schärfer sein, ein nebensatz könnte eine tür öffnen. (zieht ihren anorak aus) hier: poliert eure rüstung damit, wenn ihr mit ölen fertig seid und von mir etwas annehmen wollt ...

    ..guten morgen, lieber narr! heute ist ja ein großer tag und das wichtigste
    habt ihr euch doch errungen, also behütets gut! (winkt dem gähnenden narren freundlich zu)
    der narr lebt von der realität, während wir realisten von der illusion leben - das macht es doch erst spannend (lächelt dem narren zu):
    chacun - son gout! setz dich doch zu mir, wenn du nichts besseres vorhast ...

  16. #16
    Kurzvormabschussiger
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    AW: langeweile, ekel, schlechte laune

    der Narr:

    später vielleicht, werte Sidonie, später -

    erst muss ich mich um die Kleinigkeiten der Realität kümmern,
    survival, you know,

    seit meine Seele draufgegangen ist, muss ich das tun an ihrer statt...

    (steigt auf einen verschneiten Baum und pflückt mehrere illusionäre Früchte)

  17. #17
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    AW: langeweile, ekel, schlechte laune

    ein verwirrtes, aufgeregtes und gleichzeitig mißmutig dreinschauendes fräulein bleibt verdutzt stehen. blickt nach oben und sieht einen narr in einem verschneiten baum illusionäre früchte pflücken.

    fräulein:
    hey du narr, was machst du da - sei nicht gleichgültig und verlier' dich nicht in illusionen. gehe los, hol dir deine seele wieder, sie gehört dir allein. auf in die realität, sie wird dich schon nicht verschlingen, die welt....

  18. #18
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    AW: langeweile, ekel, schlechte laune

    sidonie:

    ... liebt die liebenden! nur mut!

    die einheit des ortes und der zeit sind nicht leicht zu erringen...

    es ist kalt und dunkel geworden.
    quichotte, braucht ihr meinen anorak noch? jaja, laßt euch nicht stören, die windmühlen sind morgen immer noch da ...

    ich gehe ins haus und heize den kamin an. kommst du mit, klingtgut? du könntest mir ein seemannslied singen ...

    (geht ins haus)
    (kommt noch mal zurück):

    ach, narr und fräulein: bringt doch dann bitte einige früchte mit, wenn ihr nachkommt. brot und wein stelle ich schon bereit. heißen tee und zwiebeln stehen schon auf dem tisch.

    (ein streunendes kätzchen l?uft zu ihr. sie nimmt das kätzchen auf den arm, tanzt noch ein bißchen mit ihm und geht dann mit ihm singend ins haus):

    wenn es abend wird
    dann sitz ich hier
    such mich zu finden
    eh ich mich ganz verlier
    doch dann bist du da
    unbeirrbar und stark
    und du schnurrst stets
    als stünde alles zum besten

    sag mir doch nur einmal
    was du denkst
    wieso du grad an meiner
    erbärmlichkeit hängst
    man darf sich da
    nicht täuschen
    und vielleicht ist es wahr
    und ich hab noch kein recht
    nicht mehr an mich zu glauben

    und morgen, ja schon morgen
    wird deine geduld belohnt
    schenke ich dir einen mond
    komm -
    laß uns schlafen gehn



    -----------------
    [heltau]

  19. #19
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    AW: langeweile, ekel, schlechte laune

    das entspannte und doch in eile wirkende fräulein klopft an die haustüre, öffnet sie und betritt das haus der sidonie, in dem ein lustiges feuer im kamin lodert

    fräulein:
    entschuldigt die verspätung, starke schneeverwehungen im norden hielten mich auf. deshalb bring ich nur muscheln vom meer und kalte ohren und nasen. schön war es dort im norden und kalt. und das meer, ich sage euch, aber wem sag ich es?
    es rauschte und schimpfte beinahe, spuckte und wütete, besänftigte sich und tobte dann von neuem...
    ja wo ist der seemann? ich möcht' ein seemannslied hören! und wo bleibt der narr mit den früchten?
    sidonie, wie ich sehe, habt ihr gut für alles vorgesorgt. hier fühlt man sich heimisch.

    erzählt mir doch, was ich verpasst und wie die allgemeine befindlichkeit!

  20. #20
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    Talking AW: langeweile, ekel, schlechte laune

    (klingtgut betritt, ein wenig benommen, aber das kennt man-sie schon, die hütt)

    "moin.
    schweinewetter, saugebarden, pfui deibel."

    (sprachs, schüttelt sich, beginnt die klamme kleidung abzustreifen. - guckt ein bischen verwildert umher. hockt sich an den tisch und dreht sich eine. raucht.)

    "na, schwestern, allet im lot? wo ist die katz?
    mir ist, als wäre der dreifaltige mir im nacken.
    soller.
    ja, einen tee nähm' ich gern zur brust."

    (schweigt hierauf. riecht ein bischen nach fisch. wirkt. müde. raucht noch. sagt dann:)

    "jau."

    (pause)

    "schweinewetter."

    (wenn man-sie genau hinguckt, sieht man-sie blaue flecke all überall.)


    (später macht sich klingtgut auf, auf ins schlafgemach, s'ist immerhin schon spät.)

  21. #21
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    AW: langeweile, ekel, schlechte laune

    jui, ja, quixotte ist erbarmungslos und poliert, was das zeug hält.
    ihm ist nicht nach gesellschaft, tand und allerlei.

    lassen wir ihn.
    wie er will.

    den narren jedoch sah ich im baume,
    bevor ich jenen stadel betrat -

    hihi, schien sich zu freuen,
    schien koboldhaft.

    er winkte mir zu und keckerte forsch,
    ich glaub', er führte was im schilde.


    nun, liebe teuersten, ich werd mal nach ihm schauen.
    vielleicht ist ihm nach tee.


    (geht ab und auf die veranda.)

    (längere pause.)

    (dann, aus der umgebung, eine gitarr, nebst quetschkommod:)

    "la paloma, ohe..."

  22. #22
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    AW: langeweile, ekel, schlechte laune

    sidonie (legt sich die muschel ans ohr):

    daß quixotte immer so verkannt wird ... der narr führt was im schild? (legt die muschel traurig weg) ach, fräulein - erzählt mir etwas schönes, ich bitt euch. vom meer, in dem die tränen nicht mehr auffallen ..(legt ihren kopf auf ihren unterarm und schaut ins feuer)

  23. #23
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    AW: langeweile, ekel, schlechte laune

    draußen scheint ein wildes stelldichein.
    klingtgut und narr preschen in die saiten und johlen.
    da ham sich zwei gefunden.

    quixotte von diesem spektakel aufgewühlt,
    tritt die flucht nach vorn an.
    er steigt vom baume und betritt die hütt.

    stille umfängt ihn dort.
    außer das prasseln.
    und dann die beiden mit den muscheln.

    verzieht sich in eine eck und nimmt auf dem boden platz.
    äugt.
    raucht dann.

    auf seiner stirn falten.
    irgendwas behagt ihm nicht.
    scheues reh er.

    raucht und faltet die stirn.
    ?ugt.

    dann summt er einfach vor sich hin.

    plötzlich trifft ihn der fragende blick der katz...

  24. #24
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    AW: langeweile, ekel, schlechte laune

    (don quichotte kommt zu sidonies hütte, zögert kurz, klopft an und tritt schließlich ein):

    einen schönen abend alle zusammen, wie ich sehe, habt ihr noch ein warmes plätzchen und eine heiße tasse tee für einen mürrischen alten ritter, der des kämpfens gegen windmühlen überdrüssig ist!

    (er setzt sich auf den boden, zündet sich ein pfeifchen an und fängt an, über sein leben nachzudenken... eine katze streicht um seine beine... auf einmal rappelt er sich auf und geht zu den anderen hinüber. er legt behutsam den anorak auf den tisch und wendet sich sidonie zu):

    habt dank für das kleidungsstück edle frau, es ist doch kalt geworden in diesem land, so hab ich das gute stück doch nicht zum polieren meiner rüstung benutzt. die beulen und dellen bekomm ich aus dem alten stück eh nicht mehr heraus, wer weiß, ob ich sie noch einmal anlege, der alte panzer schützt mich ja doch nicht vor den unbilden der modernen welt. so ist es doch schön, einen platz wie diesen zu haben, wo sich gute menschen einfinden, um sich gegenseitig geschichten zu erzählen, sei?s aus dem leben oder halt von fernen ländereien.

    (sieht die muscheln vor dem fräulein auf dem tisch liegen):

    sagt mein fräulein, wie ich sehe weiltet ihr an den gestaden des kalten nordmeeres, sagt wie war es, als die wellen sich an der küste brachen und der orkan euch das haar zerzauste, verspürtet ihr keine angst?

  25. #25
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    AW: langeweile, ekel, schlechte laune

    (sidonie gießt dem fräulein eine heiße tasse tee ein mit milch und zucker und einen schuß rum und läuft auf sie zu):

    hier habt ihr, liebes fräulein! ich freue mich, daß ihr gut zurück seid, trotz schnee und kälte. und erzählt mir vom meer, ach das meer, das wundervoll tobende meer! so glücklich seid ihr zu nennen, daß ihr dort wart! und nichts besseres hättet ihr mitbringen können als muscheln, die uns noch manche abende ihre tiefen blauen ewigen geschichten ans ohr bringen werden...

    (macht für sich und klingtgut auch einen tee, reicht den für klingtgut an ihn lächelnd weiter, packt sich eine muschel, nimmt das fräulein um die taille und begleitet sie zu einem bequemen ohrenstuhl vor dem kamin. sie selbst legt sich seitlich, dem fräulein zugewandt, den tee und die muschel vor sich auf den boden stellend auf den flokati vor dem offenen feuer):

    na, klingtgut, holt doch noch eure gitarre, auch wenns spät ist ...


    quichotte poliert noch, denk ich, aber er weiß ja, wo wir sind.
    den narr vermiss ich auch, habt ihr ihn nicht beim hereinkommen gesehen?

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