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Thema: betrunken vom ton der dinge

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
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    betrunken vom ton der dinge

    ... betrunken vom ton der dinge ...


    I.

    ich ging blind mit dem mann, der die blume im schritt trug
    hervorgetreten aus dem spiegel der ruchlosen zeit
    die schon längst vergessen mich oder die irre von avila
    und in einer stürmischen sonne
    nahm mir das augenlicht wie brot von dem schimmligen teller der zeit
    die mir einhalt gebot
    eine aufstrahlende bombe
    move now! sagte die stimme aus gestorbenen hölzern
    und zeile um zeile schnürte ich die sandalen zur suche
    darum geht es. er hetzt seine schläger auf mit dem bart
    noch feucht vom sperma des jünglings
    schminkt sich der taliban dunklere augen
    und myrrhe, olibanum kämmte er sich zuvor ins haar
    o toi, de tes longs yeux verdatres
    unter denen ich glaubte, ruhe und ankunft seien bereits bereitet
    doch der schleichende rückzug raiste den fund und lobte
    niemanden nicht des namens
    ein schauriges zeugnis verführbarkeit ohne verführung
    doch wie das nichts blühte so sog ich es durstig
    aus seiner tapferen quelle
    pas de quoi, quelle, sprach der säuselnde hain
    als er zwanzig jahre später erneut meinen schultern entgegenkam
    seine äste darum vorsichtig zurückbog
    auf permanent war die zahl der unnötig toten gestiegen
    aber die erde achtete ihrer nicht, sondern bettete sie nur lakonisch
    in die laken der fauligen see, schickte sie überdrüssig zurück.
    neptun die meisten wären für immer verloren gewesen wie wir
    nur ists anders verlieren mit offenen augen noch und tidendem atem
    der stürzt sich in weltschmerz, der nicht guantanamo an sich heranließ
    und die not des geschützten kopfes darunter die gurrenden tauben
    meine geführten tragen das nicht und es primelt ihnen
    zwischen den prächtigen fingern.
    himmelsstürmer mit rückenwind sitzen sie suchend im baumhaus
    und der tod im anzug keucht neben ihnen, fliegt die lungen an
    zugewachsen schon sind sie. metastasen, croyez, die nur flaches
    atmen erlauben. tellurisch, wie vor der metastasierenden entgeistung der welt
    und das gehirn in großen wüsten vertrocknet, die sprache des zweijährigen nur.
    wie also sollten sie den dornenkranz sehen, davon sagte mein mund
    keine blühende silbe und noch herrlicher lachte das wangenrot
    dein volles haar, sarahmarie, trug das verzweifelte leben noch
    störrischer um die blaß geschüttelte stirn
    und sie presste die nackten backen dir schläfrig noch aus zu großer hitze
    auf den rand deines schmalflächigen bettes und fast zornig
    wegte die hand hin zum alles verschlingenden orkus
    da riß wieder so ein gehärteter schmerz in monströses befangen
    aus dem ehemaligen wertevertrag
    wie zittert die hand dir jetzt, da du dies niederschreibst, unter der
    taub schon gewordenen schulter, die dir zeitgleich das ende bedeutet.
    im gang von der rampe hätte der amtmann dir selektierend die arbeit verweigert
    und - dich zu heilen versprochen mit vorgehaltener waffe
    dann aber am stillen schuppen in den bauch sie dir gerammt

    ich aber klage nicht, an niemanden
    denn die wahrprobe hätte er doch nicht und ihn in versuchung, wer wollte das schon,
    einer hand, die dich nicht schlug.
    unter den einäugigen war ich ein blinder könig und narrte mein augenlicht
    legte die windel nicht an die würde, sondern rettete sie nur von der unendlich
    zerdehnten sekunde in die bittere stunde
    meine gefährten lachten und gingen weiter, zogen sich heiße geschlechter über
    das drängende glied und gegen der nächte nacht einen zweiten aufs kissen.
    ich aber wachte und harrte aus. verdienst hat keine kürze und tür zu und gehoben die hand
    für die zu belohnende tat. verdienst wächst unter der endlosen last der dauer
    ohne sie oder das drückende heimlich zu fliehen.
    alles für diesen moment. no better fly to fly, butterfly. ein grund weniger
    sich blicken zu lassen in der zivilisation. es genügen die töne.


    -------------------
    geändert: tide

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: betrunken vom ton der dinge

    häppchenweise, mit verlaub, äussere ich mich gern dazu. und fang mal am anfang an, obschon nicht ganz: zum titel gern ein andermal. also, und ich versuch, möglichst aufs sprachliche zu zielen:

    "ich ging blind mit dem mann, der die blume im schritt trug
    hervorgetreten aus dem spiegel der ruchlosen zeit"

    ...unpräzise. wer ist hier hervorgetreten, das lyrische ich oder der mann mit der blume? die bilder an sich gefallen mir aber gut, eben das mit der blume und auch der schritt aus dem spiegel, hat was!
    "die schon längst vergessen mich"

    ...muss es so umständlich?

    "...und in einer stürmischen sonne
    nahm mir das augenlicht wie brot von dem schimmligen teller der zeit
    die mir einhalt gebot
    eine aufstrahlende bombe."

    ...die bombe strahlt auf. und nimmt das augenlicht. vom lyrischen ich aus gesehen erblindets hier. und wie? der wie-vergleich sieht so aus: "wie brot von dem schimmligen teller (der zeit)". find ich den vergleich angemessen? hmmm. das augenlicht als brot, das weggenommen wird. und der schimmlige telles ist das lyrische ich dann. hmmm. ich bezweifle, dass dir, susanna, diese meine interpretation sehr zusagt. aber tust was dagegen? // zur zeit, der schimmligen. oben wars noch ruchlose zeit. zweimal zeit, nur die adjektive ändern. hmmm. find ich zumindest unelegant gemacht, muss ich sagen. // und noch ein wort zur aufstrahlenden bombe: aufstrahlende. und bombe wegstreichen. überleg dir das mal. weil es ist ja das aufstrahlen, die explosion, die das augenlicht nimmt. und mir gefiele glaub ich, dass hier gleichzeitig irrtümlich an die sonne gedacht werden kann. klar, das musst dann irgendwie schon klarstellen noch, aber mir gefiele das, wenn das inhaltlich geschähe, dies klarstellen. wenn das aus dem kontext hervorginge, ohne dass die bombe begrifflich platzen muss. verstehst? tja, anspräche!

    das wars schon, meinerseits, für den moment.

  3. #3
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    AW: betrunken vom ton der dinge

    hm, zu mäkeln fand ich aufs erste nix, weil ging runter wie öl, kein stolperstein auf diesem weg, der rausch bedeuten kann im wort und heute heißt das slam?
    poetry slam lässt mich ein bisschen rinnern, ohne wertung, geht voran und fließt und irgendwann ist auch ein punkt.
    mir beinha zu viele der punkte, weil wenn schon denn schon, so reicht doch der endpunkt.
    doch das fesselt mich und wenn auch nur überflieger zunächst, so merk ich doch, solange noch die sinne schwirren - einen kern.
    blind geht es los, doch alsbald kehrt die würde ein, die bürde gar die im verdienst sich schultert.
    so heißt der erste wirbel, der den kopfe trägt: atlas.
    da dacht ich dran, weil sie mich durchlichteten und siehe da, die lunge ist in takt, aber die haltung ließe zu wünschen übrig. ich atmete auf und durch und gut, so laß uns denn bewahren: haltung. wird wohl die mutter der achtung sein, sonst kämen ja alle gekrümmt wie die säbel der mongolen.
    ein paar schnäppchen bereitete ich mir denn, so sagen wir kaviar und eiderdaus, ich will sie kurz zitieren:
    "ruchlose zeit", "die stimme aus gestorbenen hözern", "taliban", "tiefendem atem", "primeln" (als verb) und "sarahmarie".
    was "raiste" bedeutet bzw. raisen hab ich nit begriffst.
    aber naja, IMMERHIN auf dem weg ein echter wolkensteiner zu werden...
    wie üblich knixend
    paulchen

  4. #4
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    AW: betrunken vom ton der dinge

    yepp, dankschön für die erläuterungen fürs herz.

    der gedanke der zwangsläufig nacheinanderfolgenden gleichzeitigkeit(en) gefällt mir gut, übrigens. und meine kommentare bitte ich ebenso zu verstehen: die überschrift wird also nicht außen vorgelassen, wie du unterstellst. das kömmt noch. und gleichzeitig, recht eigentlich, wenn auch zeitlich verzögert, weil ein raum, und seis der virtuelle, nicht verschiedene dinge am selben platz zulässt, nicht gleichzeitig jedenfalls.
    aber ich glaub, ich lass das kritisieren am sprachlichen sowieso besser sein, zumal es auch vielfach geschmacksache - wie etwas das "mich", das mir an jener satzposition schlicht nicht gefällt - und setz mich besser mit dem inhaltlichen auseinander, was ja das sprachliche dann immerhin auch nicht ganz außer acht läßt. hmmm.

    ich frage mich und dich noch: welche rolle wird der trinker spielen?
    weil klanglich und sinnlich fänd ich als titel schöner: berauscht vom ton der dinge.

  5. #5
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    AW: betrunken vom ton der dinge

    ach, lieber Jones, bleiben wir lieber beim sprachlichen, denn zum inhaltlichen ists so, daß ich das grad noch ins gedicht, den schmerz aber nicht ins allgemeine wort fassen will. nicht könnte, so nah dran.
    ich glaub sogar, daß mir das "mich" dort auch nicht gefällt, aber eine satzbautechnische "irre" anbindung gewährt. wie bei der unmöglichkeit der gleichzeitigkeit gibts auch eine unmöglichkeit, alle ziele gleichermaßen zu verwirklichen. mußt ich schwerpunkt setzen, hier zu lasten der schönheit.

    ebenso ists beim titel. du hast recht mit berauscht, daß das schöner, aber betrunken entzieht sich doch noch ein wenig dem rausch. es ist ja trotz allem, oder sollte es sein, eine klare sichtung, deren assoziationen ich schon im geschirr laufen hab. seher sind blind. vielleicht, weil sie dann auch besser hören können. sehen tun sie trotzdem. je blinder das äußere auge, umso schärfer das innere. das war jetzt fast schon ein klischee.
    die anima, der animus, zeigt sich innen, nicht außen. die äußeren ähnlichkeiten erinnern an das in der seele getragene bild. hi, platon

  6. #6
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    ... betrunken vom ton der dinge ... III. (ende)

    III.



    der falsche ton begann leise, als diplomaten
    der chinas dem deutschlands verbot, taiwan zu besuchen
    dieser darauf zurücktrat von der bereits ausgehandelten reise
    so regierten ganz unbemerkt chinesen in deutschland ohne sicht
    auf den platz des himmlischen friedens
    souveränität abgegeben?
    fragte ich mich und die gefährten der inneren sichtung
    noch als im all ein neutronenstern blitzte hell
    zitterte tief in der erde ein zentrum zur antwort ihm
    unbemerkt von des ruhigen wasserspiegels mitte spuckte
    aus rändern ein wütendes meer
    legte im rückzug das fliehende pferd, einen schlafenden leu und das alte
    elefantenhaupt frei so als lachte das meer über uns:
    drei mikrige götter aus meerschlaf erwacht in die totenklage der menschen.

    noch stärker waren mir blinden die falschen töne in der umgebung
    langsamen steten sterbens aus stille und schlaf.

    inmitten der katastrophe beschossen die inselbewohner mit pfeilen!
    die sorgenvoll kreisenden helikopter aus sorge um opfer
    der neutronenstürmischen see.
    ach, butterfly, auch dein admiral ist draußen geblieben und nicht die träne
    zu sehen, schickst du die gefährten hinaus
    und selbst ich richtete mir in der werft ein schiff note 5 unter libanesischer flagge
    taufte es sarahmarie, ließ es an badeschaumklippen zerbrechen
    wie die katze spielt mit dem halbtoten vogel sah ich zu
    wie die wrackteile weichten und menschen mühselig mit chinesischer tusche
    darauf gemalt
    perlten in todesängsten herunter.

    in mir war das falsch und die verfehlten, von mir geschaffenen, welten
    brandeten wider die sprache, der ich mich beeidend verschrieben
    die stäbe selbst klapperten hohl und ich stopfte sie mir in den mund
    würgte an ihnen und lange.
    von außen wanderten ganze centurien mir zwischen gaumen und zunge
    und wie blind ich auch war oder taub mich auch stellte
    fanden sie doch durch die bleichgeerbten lippen mir in den mund
    dort drehte ich sie, globuli bitter, und spülte mit myrrhe und salmiak,
    wodka auch, alles fort. ließ nur restessenzen zurück
    diese formte die zunge zu apokalyptischen kugeln und barg sie im zungenbett
    ungesehn. erst am toten briefkasten, der keiner seele bekannt war,
    ließ ich sie los und sie rollten
    ins nest eines parkbaumes nahe der brücke.
    leer war es dann. gut. und stille. kein falscher ton war mehr.
    ich wandte mich endlich dem geliebten ganz zu in fleißigem schweigen
    und wir besahen endgültig die bäume dort, hörten
    die amseln beten und das schimmernde gras
    da hackten wir uns die inneren arme ab und nähten mit blutiger naht
    uns zusammen. schwiegen aus einem munde
    das tönte hinauf in eine uns gnädige galaxie nur für uns.
    dort hörte uns gott.
    betrunken vom ton der dinge.
    damit beginnt es.

  7. #7
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    ... betrunken vom ton der dinge ... III. (ende)

    ich bin erschlagen,
    hab dazu nichts zu sagen,
    was ein sehrsehr gutes zeichen ist.
    nimm es hin,
    vielleicht als notenzeichen und sing -
    und wenns in den briefkasten ist.

    mein lieblingssatz im dritten teil:
    die sprache, der ich mich beeidend verschrieben.

    schluchz...

  8. #8
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    AW: betrunken vom ton der dinge

    "ein grund weniger sich blicken zu lassen in der zivilisation. es genügen die töne."

    die töne der dichterin; dahinter will sie verschwinden. wohin?

  9. #9
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    AW: betrunken vom ton der dinge

    GEFÄLLT MIR SEHR GUT...susanna....ist eine gute mischung aus handlung/reflexion/offenen türen/herz+hirnklang...finde ich...nur die sprachwechsel stoßen mir etwas auf...wenig nur

    die zivilisation...ja...also nein...sie treibt uns noch aus der menschen lieder...

    liebe grüsse
    paula

  10. #10
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: betrunken vom ton der dinge

    der betrunkene ist gott.
    die dichterin versteckt sich glaubich nicht, sondern will über das hören besser sehen lernen, will auch trinken von den tönen. was sie an wirklichkeit sah, die bombe, blendet sie. aber ich les das garnicht als rückzug, sondern als aufbruch.
    ja, Paula, es ist eine koketterie, will unsicherheit und schmerz des alten tons etwas, ein wenig nur , aufbrechen. im dritten teil hab ichs glatt vergessen.
    die zivilisation ist nicht das wichtige.
    ich danke euch sehr herzlich und freue mich, daß ihr mitdenkt

  11. #11
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: betrunken vom ton der dinge

    Betrunken machen können sie schon, diese disparaten Töne, die keine Polyphonie erzeugen. Du springst hier hin und her, gehst scheinbar einen geraden Weg, bleibst hier aber nur eine Sammlerin ohne eigenes Gesicht. Warum so viele Sprachen? Der Leser verliert hier schnell das Feste unter seinen Füßen, derweil hat er doch einen langen Weg vor, wenn er sich auf Deine Sprache einläßt. Es ist aber nicht nur die Vielzahl der Sprachen, sondern auch die der Sprachkontrolle. Da etwas, dort etwas, doch worein fällt das Gesammelte? Vielleicht setzt Du einen Ruhepunkt, ein retardierendes Moment, auf das sich der Leser zurückflüchten mag, bevor er Dir in Deinem (sic! Dativ ist hier richtig) Sprachgarten weiter folgt.


    Doch willst Du das überhaupt? Denkst Du an Deinen Leser?

  12. #12
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    AW: betrunken vom ton der dinge

    ich danke dir fürs befassen. ich würde deine kritikpunkte so gern verstehen, komme aber darin nicht weiter, wie man an der wiederholung sieht. wir hatten die ähnliche diskussion schon beim tango. du sprichst wie in einer fremdsprache. denkst du denn an deinen leser - an mich?

    was meinst du denn nur mit retardierendem moment? der leser kann doch an jedem zeilenende innehalten, hoch schauen, die augen schließen, die zeile in sich nachklingen lassen. mir fielen da nur gedankenstriche ein, um das zu verdeutlichen.

    eine sammlerin ohne eigenes gesicht? wie meinst du das? gerade hier ist mein gesicht und es ist zugegeben ein mosaikgesicht als membran der aufgenommenen töne. aber es ist mein gesicht. da weiß ich nicht, wie ich dir folgen soll.

    gott hört nicht nur deutsch - es ist eine verbeugung vor den anderen sprachen, die ebensogut die dahinterstehende seelensprache aussprechen, manchmal besser auf den punkt gebracht und kürzer.

    vielzahl der sprachkontrolle? meinst du das so, daß manchmal kontrolliert ist und an anderen stellen nicht?

    und schmerzlich ist natürlich die kritik, es sei nicht polyphon. dann wärs eine glatte themaverfehlung, führte auch zu keinem betrunkensein. ich höre das polyphone schon. willst du es noch mal versuchen, dem nachzuhören? oder zumindest an einem konkreten beispiel verneinen?

    ich denke tatsächlich während des schreibprozesses nicht an meinen leser - weiß auch immer noch nicht - da bist du mir die skizze schuldig geblieben - wie ich ihn mir vorstellen soll, sondern denke an die übersetzung des inhalts mit meinem handwerkszeug in die bestmirmögliche darstellung. ich wüßte auch keinen maler oder musiker oder bildhauer, der im schaffen an sein publikum denkt. das hielte ich für wirklich eitel. ich tu mein bestes und dann biete ich es an. zur freude. das werk hält dem daran vorübergehenden die hand hin. offen, denn ich schreib glaubich nicht hermetisch. wer will, der nimmt sie. das finde ich nicht arrogant, so ruhen alte steine unterm wüstensand. wer sie ausgräbt findet vielleicht einen schatz. du willst immer auf das friß oder stirb! hinaus. als wäre einem der leser gleichgültig. das ist er aber mir nicht. das zeige ich ihm aber nicht dadurch, daß ich ihm nach dem maul schreib, sondern dadurch daß ich ihn nicht belüge, nicht austrickse, kein alsob vorgaukle, sondern mein nacktes gesicht hinhalte und mich preisgebe. das muß ihn weder interessieren, noch ihm gefallen, noch muß er es kaufen. er kann sogar hineinschlagen mit der faust. aber es ist meine art, mich auszudrücken, welt selbst zu verstehen. ich habe beschlossen, die welt schreibend zu erfahren, die schönheit schreibend zu suchen.

    wir werden uns in diesen punkten immer im kreis drehen, bis du mir klarer machen kannst, was du meinst. ich will ja lernen. zur not mußt du mir eben ein muster geben, damit ich daran imitierend lernen kann. ganz konkret ein zwei zeilen aus dem text. bitte.

  13. #13
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    AW: betrunken vom ton der dinge

    ach, liebe suz, wäre hier der knutsch-smiley...ich würd ihn dir gern geben.
    reiche dir die hand. und das nackte gesicht.
    und sage ja.
    ich finde, dass du dich ganz fantastisch in deiner vielfalt zeigen kannst.
    für mich ist es so.
    und mir ist das ein schatz. ein großer.
    und ich danke dir und erfreue mich so gern an deiner schönheit.

    paula

  14. #14
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: betrunken vom ton der dinge

    Gott hört deutsch, sagst Du, Susanna. Polyphone, polyglottale... tja, wie hört uns Gott eigentlich reden? Daß er zuhört, ist nicht wehzuleugnen. Er hört jedes Wort, jeden Gedanken, lenkt jedermanns Stimme und Gebet, da ja Gebet genau das sein muß, Gespräch mit Gott. Andererseits würde das bedeuten, daß der Mensch keinen freien Willen hätte, also HÖRT Gott nicht alles. Nehmen wir Deutsche einmal an, daß er uns in den letzten Jahren eher wenig zuhörte. Doch waren wir es nicht, die den freien Willen zur Maßgabe des Menschseins kürten? Da doch aber wichtige Denker den freien Willen ablehnten (Luther und Nietzsche), so kann das doch nur im Disput mit Gott geschehen sein. Hm. Darüber muß ich nachdenken.


    Ich denke jedoch, Susanna, daß Du beim schreiben ein klein wenig auch an Deinen Leser denken solltest, nun nicht immer, nicht mal andauernd, nicht mal oft, aber ab und zu, gelegentlich. Dein Leser ist etwas anderes als das oft und zurecht gescholtene Publikum. Publikum will unterhalten werden, Leser dagegen wollen etwas lernen.

  15. #15
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Anja
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    AW: betrunken vom ton der dinge

    "...und es primelt ihnen zwischen den mächtigen Fingern...", "tidender Atem" - Einfach stark!

  16. #16
    schreibt hier hin und wieder
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    oh schmerzliches...

    was oll denn der blöde quargel mit GOODD? seid ihr total verblödet? der text kommt ans eingemachte ran, das iss man von suz gewöhnt. nur doch: schwer gewöhnungsbedürftig für die einfache leserschaft. dazu mehr wenn ausgenüchtert - sweetheart!

  17. #17
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Anja
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    Ausführung P16



    Assoziationen: Frauen im Krieg (u.a. dachte ich an "Geh und sieh", die Trillerpfeifenszene, und an Malaparte "Die Haut")

    Krieg hat viel mit dem Glauben, dem Nichtwissen und um so mehr mit Gott zu tun, was immer das auch ist.

    Einer, der sagt, er sei Atheist, muß verdammt klug sein, er muß alles wissen.

    Ich bin dumm, denn ich weiß nichts, ich glaube nur zu wissen.

  18. #18
    Tochter aus gutem Hause
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    herzlichen dank, anja! bild ist groß! und extra danke für den tollen hintern, den du mir immer malst, die wunderschönen primeln und die echtblattrosen
    bin leider dauernd in zeitnot, aber spätestens anfang juli wirds etwas ruhiger. aber dir danken musste jetzt sein


    du kannst nicht dumm sein. über den atheisten/realisten als hüter der größten illusionen sagte ich schon mal was. ohje - ich fange an, mich zu wiederholen "kicher"
    und ich liebe diesen vogel!


    ausnüchtern muß ich jetzt auch mal - vom work-oholic

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