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Thema: Die Visum-Affäre

  1. #1
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Die Visum-Affäre

    "Berlin, 18.4.2000
    Ziel der Bundesregierung ist ein weltoffenes, ausländer- und integrationsfreundliches Deutschland. Ziel der Visumpraxis muß es sein, so viel Reisefreiheit wie möglich zu gewährleisten und gleichzeitig eine Umgehung der Einreisebestimmungen zu verhindern. Mit freundlichen Grüßen, Joschka Fischer."

    Dieses Passus kann ich bis auf den Abschnitt mit der Integrationsfreundlichkeit unterschreiben. Ich bin für die Abschaffung jeglicher Visabestimmungen für Deutschland. Soll doch jeder kommen, der kommen will.
    Aber es gibt ein Problem: Wer erst einmal in Deutschland ist, der darf dann Ansprüche auf finanzielle Zuwendungen stellen. Und diese Zuwendungen sind auch von den Ländern zu tragen. Bundesregierungsunfreundliche Landesregierungen nehmen nun also Fischers Memo zum Anlaß, gegen die Bundesregierung zu Felde zu ziehen. Und weil man diese Kuh des "Kommt doch her und arbeitet für wenig Geld für die Kleinbürger in Deutschland" nicht schlachten will, gleichzeitig aber eine Integrationswilligkeit apostrophiert, die zumindest auf Seiten der Grünen sehr umstritten ist - man nimmt Jahr für Jahr mehr Abstand davon, einströmende Ausländer in Deutschland auch nur integrieren zu wollen -, ergibt sich hier ein Problem, das meiner Meinung nach nur dadurch zu lösen ist, daß sämtliche Zuwendungen für Ausländer gestrichen werden. Und dann darf man auch auf die Integration verzichten und Dinge wie Leitkultur etc. sind völlig nebensächlich.

    Ich stehe auf dem Standpunkt, daß jeder auf der Welt leben darf, wo er eben will. Kommt jemand in ein Land, wo es ihm gefällt, sollte dieses Gefallen nicht auf Kosten derjenigen bezahlt werden, die dort schon einige Zeit leben. Nimmt er aber selbst nichts in Anspruch, dann muß er sich nicht den Sitten und Gebräuchen der eingeborenen Landeskinder anpassen, wohl aber muß er sich an deren Gesetze halten. Den Landeskindern ist dann zu gestatten, daß sie den Fremden auch wieder hinauswerfen, wenn er sich nicht an die Gesetze halten will.

    Das fände ich gerecht. Außerdem würde es allen ausländerfeindlichen Stimmungsmachern den Wind aus den Segeln nehmen und den Staat einen Haufen Geld sparen. Behandeln wir Ausländer doch wie die Spartaner ihre Periöken. Lassen wir sie hier leben, bitten sie aber zur Kasse, wenn sie dann etwas erwirtschaftet haben. Aber tun wir nicht so, als ob wir verantwortlich für alles Elend der Welt wären. Das enthebt uns nicht der Verpflichtung zum Dienst am Nächsten.

    Der gegenwärtige Umgang mit den Ausländern in Deutschland ist von einer verheuchelten und ausnehmend disparaten Vermansche verschiedener Aspekte gekennzeichnet.

    Meinungen?

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Die Visum-Affäre

    Keine Meinungen dazu? Interessiert nicht? Na ja, mich schon.

    Es ist hier kein Geheimnis, daß ich von den GRÜNEN nichts, aber auch gar nichts halte. Ich gehe zwar nicht soweit wie der jüdische Schriftsteller Kaniyuk in seinem Buch "Der letzte Berliner", sie als "grünangestrichene Faschisten" zu bezeichnen, aber sie sind für mich eine heuchlerische und typisch kapitalistische Partei, die nur den Interessen des Kleinbürgertums und, wie sich in dieser Visa-Affäre jetzt auch zeigt, denen des Großkapitals zuarbeitet. All dieses scheinlinke Getue ist bloß Pillepalle und bedeutet gar nichts. Es ist spießig.

    Was geschieht hier eigentlich? Was wird durch diese Freiausstellung erreicht?

    In den Zeitungen liest man jetzt etwas von Schäden von 10 bis 13 Milliarden Euro (jährlich). Das ist selbstredend eine Milchmädchenrechnung.

    Die Sachverhalte sind ganz andere: Eine Wirtschaft wie die deutsche benötigt Jahr für Jahr billige Arbeitskräfte. Moderner Pauperismus. Wenn die Verarmung der einheimischen Bevölkerung nicht mehr hinreicht, diese zur Annahme unterbezahlter Jobs anzuregen, müssen eben aus noch ärmeren Gebieten Arbeitswillige eingeholt werden. Denn, man frage sich, was hunderttausend oder vielleicht sogar (demnächst) Millionen ukrainische, afrikanische oder chinesische junge Männer in Deutschland wollen, die kein Geld, aber den im Vergleich zu ihren Ländern hohen Wohlstand vor Augen haben? Richtig, sie werden sich um Arbeit kümmern, so oder so. Den Vorteil haben diejenigen, die Arbeit anbieten.
    Die Gewinne werden an der Steuer vorbeibugsiert zum Nachteile des Gemeinwesens, zum Vorteile der kleinen Kapitalisten und letztlich auch der großen, denn die sammeln von jedem Kleinunternehmer genug ein, wenn der sein Geld anlegen oder ausgeben will.

    Eine Regierung für diese Leute muß dafür sorgen, daß immer genug Arbeitswillige zur Verfügung stehen, die sich untertariflich ausbeuten lassen. Dafür sorgte die CDU-Regierung in den 60er Jahren, dafür sorgen Fischer u.a. heute. Es heißt heute nur anders.

    Will man ein weltoffenes und tolerantes Deutschland, dann soll man doch die Grenzen völlig aufmachen, den einströmenden billigen Arbeitskräften aber hohe Steuern auferlegen. Sonst ist das verbrecherisch gegenüber der einheimischen Bevölkerung. Man darf die einheimische Bevölkerung nicht abstrafen. Sie ist da und hat Vorrechte. Oder man schafft Besitzstandsrecht und dergleichen ab und macht einen völlig offenen Kanal.
    Traut sich die Regierung nicht. Statt dessen gibt sie dem vorhandenen einheimischen Arbeitskräftekapital gerade soviel, daß es stillhält und holt immer neue Leute ins Land, fördert sogar die Abwanderung deutscher Industrie oder den Abbau von Steinkohle u.a., der nun wirklich bestenfalls einer Handvoll Arbeiter nützt... Die Liste kann ins Unendliche fortgesetzt werden. Sie dient den Reichen, niemandem anderem. Denn nur die haben einen Nutzen von dieser Politik.

    Eine andere Lüge ist die mit dem Klimagau. Diese Lüge bringt, will man der WELT glauben, den Kyoto-Jüngern 350 Milliarden Dollar jährlich ein. Der Umwelt bringt sie so gut wie gar nichts. Die macht eh, was sie will. Treibhauseffekt und dergleichen werden maßlos überschätzt. Und wenn ich mir diese potthäßlichen Plastikwindmühlen anschaue, die das Panorama meiner in Jahrhunderten gewachsenen heimatlichen Kulturlandschaft verschandeln, dann weiß ich, daß von Schönheit oder Heimatliebe bei diesen Spinnern nichts, aber auch gar nichts vorhanden ist. Das Gegenteil. Sie hassen ihr Land und wollen es zerstören, ästhetisch und wirtschaftlich.
    Wenn es ihnen in den letzten sieben Jahren darum gegangen wäre, genbefreites Essen, keine Atomenergie oder ein weltoffenes Deutschland zu schaffen, dann hätte es eine andere Politik gegeben. Dann wären Zuckerersatzstoffe und Milcheiweißprodukte in Fleisch und Wurst, dann wären genmanipulierte Gemüse nicht die Regel, sondern bestenfalls die Ausnahme im Einkaufsparadies (solches Zeug muß hoch besteuert werden, weil es viele Krankheiten befördert), dann gäbe es KEINE Atomkraftwerke mehr, dann hätte man die Steuern gedrückt und die Arbeitslosigkeit durch Beschäftigunsgprogramme gesenkt, aber man hätte nicht die Politik gemacht, die man eben macht.

    Ich habe fertig.

  3. #3
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    AW: Die Visum-Affäre

    geht nicht. leider. man kann sich den problemen nicht entziehen. die trappatonische lösung ginge zu lasten der kinder.

    faszinierend ist die blindheit der politiker: geld ist in hülle und fülle da, ebenso arbeit, ebenso menschen, inländer, die hier arbeiten wollen. warum also gelingt es nicht, daß das eine zum anderen kommt?


    die soziale marktwirtschaft ist keine marktwirtschaft. zugunsten des sozialen wurde in angebot und nachfrage eingegriffen mit - wie sich nachträglich herausstellt - blockaden durch arbeits- und sozialrecht, die sich nun gegen die von ihm vorgeblich geschützten zu ihrem schaden kehrt. sie sind zwar super geschützt, werden aber nicht mehr beschäftigt. die gewerkschaften sind hier blind, vielleicht aber auch deshalb, weil keiner "der einzige" sein will, der jetzt einsicht zeigen soll. aber einer muß ja anfangen - und einer ist man immer selbst.
    beschäftigt werden menschen, deren heimatrecht sie nicht beschützt und - bei gott, mancini! - hier in deutschland für ihre arbeit dank eu-klauseln oder sonst legistischem ihr heimatrecht ihnen hierher folgt. die hiesigen schutzgesetze umgeht.
    auch der kapitalismus ist kein reiner mehr. die teilhabe an ihm hat sich allgemeingültig gemacht mit der folge, daß in unzähligen aufgeblähten, sich selbst tragenden zwischenschleifen so viele mitverdienen wollen, inkludiert der staat mit steuern (umsatzsteuer), daß dem kapitalisten keine gewinne mehr für sich allein bleiben und auch nicht bleiben sollen, was er mit steuersparmodellen und entsprechendem "controlling" der bilanzen unterstützt. dies zum ausgleich dafür, daß ein wasserkopf an managern mitverdienen muß.
    scheints ist ein interessantes buch herausgekommen, autor hab ich vergessen: "der dressierte bürger", in welchem die sanfte aber ständige manipulation der bürger zu steuergesteuertem verhalten in den satz gipfelt im interview des autors: die menschen machen gar nicht mehr, was sie eigentlich wollen, sondern was sie nach sozialer politik sollen, die über die steuern betrieben wird, nicht mehr über die politik als solche.

    in dieser katastrophalen situation müßte man doch als denkender mensch von den anderen lernen, die mit diesen katastrophen immer schon leben, also so ziemlich allen anderen ländern der welt:

    schwarzarbeit funktioniert hervorragend: angebot und nachfrage genügen den bedürfnissen, denn statt kündigungsschutz findet sich die nächste arbeit ein. urlaub kann frei bestimmt werden. und freizeit ist den menschen heute ein großes gut.
    medikamente können billig im internet erworben werden, ebenso kostenlos medizinische beratung für die immer gleichbleibenden durchschnittlich häufig vorkommenden krankheiten. der rückgang der praxenbesuche seit der 10,-E praxisgebühr zeigt das ganz klar.
    würde der kapitalismus der pharmakonzerne nicht diese unglaublichen krankheitsängste künstlich säen - manche sprechen bereits davon, daß auch die krankheiten selbst künstlich erzeugt werden - könnten auch im staatlich kontrollierten krankheitswesen erhebliche kosten für krankenh?user (nicht kurative abteilungen) und kuranstalten gestrichen werden. jahrelang war bei den unsinnigkeiten immer das pro-argument: arbeitsplätze, aber diese künstlich subventionierten arbeitspl?tze fallen nun immer mehr in sich zusammen oder werden von billigeren arbeitskräften besetzt.

    billige mietwohnungen sind dank der damaligen neueinführung von eigentumswohnungen (die spaltung des grundeigentums am daraufliegenden gebäude war zuvor nicht möglich) wenig vorhanden. für die kleinkapitalisten mit dünner eigenfinanzierungsdecke wurden sie oft genug zur schuldenfalle. für manche aber auch zur grundlage ihres vermögens, von dem sie dann zwei drittel in den börsengang der telekomaktien erstmal wieder verloren. aber statt den weg zurück zu gehen, werden neue mietwohnungen gebaut, über denen die eigentumsfiktionalität drübergelagert wieder die kosten erhöht, weil mitverdient werden will. oder steuern gespart, oder beides eben.

    tauschbörsen für leute ohne geld werden nicht öffentlich gefördert, eher geht der trend dahin, auch sie noch zu besteuern.

    das sind nur kleine willkürliche schnipsel, aber ja, da frage ich mich doch auch, ob diese politik noch für die menschen hier gemacht wird. wenn sie in einem biotop aus schutzgesetzen verarmen und fast schon die armen ungeschützten ausländischen arbeitnehmer beneiden, die wenigstens arbeit haben.
    der visum-skandal ist doch nur ein kleines symptom, das hoffentlich frühwarnung wird für die blindheit gegenüber der tiefsitzenden krankheit.

    man lernt durch imitation. das, was funktioniert, sollte man sich näher ansehen und nicht ins illegale buhh abschieben.

  4. #4
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    AW: Die Visum-Affäre

    Ja, danke, Susanna. Eine Bekannte trifft sich dienstags mit einer ihrer Freundinnen und kotzt sich aus. Ich neige auch dazu, freitags.


    Aber das reicht mir inzwischen nicht mehr. Ich gehe seit ungefähr einem Jahr den Schritt weiter, und wer weiß, vielleicht gehe ich irgendwann noch weiter. Der erste Schritt nach dem Auskotzen liegt wohl darin, daß man selbst nicht mehr mitspielt. Ich glaube, ich spiele schon seit geraumer Zeit nicht mehr mit; ich habe noch nie wirklich mitgespielt, mir aber die Option offengelassen, es irgendwann doch zu tun. Seit ungefähr einem Jahr mache ich das nicht mehr. Ich beobachte an mir eine zunehmende Archaisierung - ich habe dafür noch kein gutes Wort gefunden -; ich trenne mich von Menschen aus meinem Lebensumfeld, die nur reden, aber in immer den gleichen Spießerbahnen existieren. Nein, ich bin nicht weise oder selbstgerecht. Wahrlich nicht.
    Aber diese Visa-Affäre ist eine Affäre, weil sie von der Verlogenheit der Bundesregierung beredt Zeugnis ablegt und mir vermittelt, daß hier grundsätzlich etwas nicht stimmt.

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder
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    altlasten

    Weise? Nein. Selbstgerecht? Ja.

    Wenn die "Freunde" es satt sind, ohne Gegenleistung, ohne Anteilnahme von dir ausgenutzt zu werden, zeugt dies nur von ihrem kleinbürgerlichen Spießergeist. Abstoßen mußt du diese Krämerseelen, frisches Blut zum Schmarotzen suchen - "Freund" bedeutet für dich ja "er (notfalls sie) hat etwas, das ich gerne hätte": Geld, Kenntnisse, Talent....und gibt es mir!

  6. #6
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    freundschaft berechnet nicht. nicht auf und nicht ab.

  7. #7
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    Du schreibst, die Trappatonische Lösung ginge nicht. Bitte genauer!


    Was ist an meinem Vorschlag, letztlich Einwnderungswillige nicht mit Visa auszustatten, sondern eben einfach zu lassen, so lange sie wollen, aber dafür hoch zu besteuern, wenn sie hier Arbeit nachgehen, die Einheimischen aber von Sozialleistungen größtmöglich zu "befreien", insofern sie arbeitsfähig sind, Verantwortung also in die Familie und Privatorganisationen zu legen, was ist daran unmöglich?

    Ich denke, man könnte jetzt, bei der Visa-Frage angefangen, einen schönen Schnitt machen und hier sehr viel durch neue Gesetze erledigen, die Deutschland mit einem Schlag zu einem weltoffenen Land machten.

    Wie gesagt, über Integration habe ich hier noch gar nicht gesprochen. 2000 schien Fischer noch ein Integrationsbefürworter zu sein, heute auch noch? Kann es das Ziel einer weltbegreifenden Politik sein, Fremde zu INTEGRIEREN? Ich denke, nein. Das sollte den Fremden überlassen werden, ob sie es wollen. Wenn sie es wollen, dann fördern, ein bißchen, nicht zu viel. Wenn sie es nicht wollen, dann lassen. Aber sie bekommen kein Geld.

  8. #8
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    nun, wenn ich das nicht verwechsele, dann stammt doch das geflügelte wort: "ich habe fertig!" vom fußballtrainer trappatoni, als er hier in münchen aufhörte.
    wenn du das als schlußsatz schreibst, so geht das eben nicht, mit dem diskutieren aufzuhören, weil die probleme dann nur auf unsere kinder abgeschoben werden. die probleme bleiben ja.

    zum glück setzt du dich ja weiter auseinander damit, die trappatonische lösung bezog sich also nur auf das ende des ersten postings.

    zum zweiten posting: willkommen im klub! ich persönlich spiele seit ende 2000 nicht mehr mit. das machte mein leben sinnvoller und nicht so entfremdet durch bestimmungen und vorstellungen von außen. führte aber auch zu einem starken fremdheitsgefühl gegenüber öffentlicher wirklichkeit, die dem archaischen entgegengesetzt ist.

    zu deinen vorschlägen:
    unmöglich erscheinen sie nur gemessen am bisherigen politischen denken. "mit einem schlag" geht da erstmal nichts. ausschüsse und kommissionen, gutachter und politische willensbildung verzögern. war das nicht Rau (oder Herzog?), der davon sprach, es müsse "ein ruck" durchs land gehen? dem schwebte wohl ähnliches vor. hört man von der opposition den willen, einen gordischen knoten zu durchschlagen? nein.

    inhaltlich sehe ich das wie du. die erzählungen vom wunderland deutschland an albanischen stränden, erst recht für verfolgt pochende herzen anderswo entwickelt eine überaus mächtige anziehungskraft und jeder sollte ihr folgen können und dürfen.
    die politische umwendung hier zur öffnung (nachdem vorher alles gegenteilig nur auf außenverschiebung an die eu-grenzen gezielt war) kommt ja nicht aus dem gutmenschentum, sondern aus der berechnung der rentenstatistik: die deutschen haben zu wenig kinder, um - nach dem bisherigen generationenmodell - unsere renten alle zu bezahlen. dafür sollen jetzt viele arbeitskräftige aus dem ausland ins inland kommen. insofern ists auch verlogen.
    einen strafzoll fürs fremdsein (höhere steuern als für inländer) brauchts da, denk ich, nicht. wo du aber recht hast, da aber wiederum nicht auf fremde begrenzt, sondern gleichermaßen für inländer geltend, wäre der abbau positiver diskriminierung, also die subventionen zugunsten "sozial benachteiligter", die sehr oft durchaus an sozial gut gesicherte auch noch vergeben werden, wie beispielsweise das kindergeld.
    es ist einfach zu viel regulierung da, die in die natürlichen kreisläufe eingreift. zu wenig privatinitiative, die unbillen auffängt. letztlich zuwenig verteilbarer masse, die wirklich nur den echt hilfsbedürftigen zugute kommt. an ihnen wird aber dann zuerst eingespart. ausgerechnet bei rentnern anzufangen, die ihren lebensverdienst noch ohne steuersparmodelle und abschreibungen bereits versteuert haben, ist ein armutszeugnis.
    umgekehrt die kapitalsteuern der gesellschaften abzuschaffen, die früher den kommunen zuflossen, diesen letztgenannten damit also die haupteinnahmequelle zu entziehen, zeugt von erpressbarkeit der politik durch die wirtschaft. ich sagte an anderer stelle schon mal, daß diese unternehmen dann eben auch nicht mit "deutschen produkten" werben dürften. die nächste verlogenheit.

    im ganzen erscheint es mir so, als käme tatsächlich die welt nun nach deutschland und integriere mit all diesen unbillen den auswuchs deutscher sozial- und steuergesetzgebung in eine weltnorm, die diesen protektionismus nicht kennt. nicht durch gesetze, sondern durch fakten. es ist eine spannende politische entwicklung, auf die man tatsächlich mit "einem ruck" reagieren müßte, was aber genaues sehen voraussetzte und einen paradigmenwechsel. in deren folge entscheidungsfreudige politik.

    mit der nichterforderlichkeit von integration kann ich dir insoweit recht geben, als daß nicht erforderlich ist, daß jeder, der hier lebt, sich als deutscher verstehen muß oder gar zu einem gemacht werden soll.
    das uralte und doch recht globale institut der gastfreundschaft: sich dem fremden öffnen, für ihn sorgen, daß er sich wohlfühlt, ihm aber nicht sein leben und seine einstellungen zu nehmen, sondern mit respekt von anderen problemlösungen in anderen ländern auch zu lernen, genügt hier völlig. eine form von höflichkeit war das. mancini benannte es als "comitas": der hiesige souverän behandelt aus respekt vor der gleichheit der souveränität des fremden staates dessen angehörige so, wie er möchte, daß seine angehörigen dort behandelt werden sollen. guter schuß reziprozität also. "inländergleichbehandlung" nur für bestimmte bereiche. "meistbegünstigungsklauseln", also jede gruppe der fremden erhält die behandlung, die eine fremdengruppe bereits am günstigsten im inland erhalten kann. über allem fremdenrecht aber die unerläßlichen vorschriften des "ordre public": die einhaltung der gesetze, der öffentlichen ordnung nach vorstellung "aller billig und gerecht denkenden". das trifft doch auch deine vorstellung.

    integration aber verstanden als gegengewort zu fremdenhass ist unerläßlich. die bereitschaft, den fremden einfach hier mit leben zu lassen, ohne "go home!" das ist aber nicht eine anforderung an den ausländer, sondern eine anforderung an die inländer: die fremden zu integrieren, sich für ihr dasein zu öffnen. dem stimmst du auch zu, wie ich das sehe.

    nun haben wir noch den alten satz: "in rom wie die römer!", der scheints eine vollkommene integration im sinne von angleichung will. man kann ihn aber auch auf den ordre public verkürzt lesen. dies scheint mir der pragmatischen einstellung der alten römer auch mehr zu entsprechen, die unter zivilisation (mit der sie schon missionieren gingen, um den nackten imperialismus zu rechtfertigen) doch sehr viel technisches verstanden, nicht aber unbedingt eine gesinnungsgleichschaltung.

    später...

    da hab ich wohl unsinn geschrieben, was den konnex zur rentensituation betrifft, weil das den visa-fall nicht direkt berührt, obwohl hier ein allgemeiner paradigmenwechsel schon gegeben ist.

    bei der sogenannten visum-affäre ist mir die affäre dennoch nicht wirklich klar: was ist das speziell vorwerfbare daran? soweit bin ich bis jetzt gekommen:

    es wurden offenbar durch eine art rückreiseversicherung (rückreise und kosten, krankheitskosten) in zusammenspiel mit einem cleveren anbieter seit 1995 die visa schneller erteilt.
    die übermäßige zahl der erteilungen konnte von den beamten/angestellten nicht mehr überprüft werden, man hätte also neue beamte/angestellte zusätzlich einstellen müssen (organisationsvorwurf). daneben seien schmiergelder geflossen (bestechungsvorwurf).

    diese bearbeitungslücken nützten schleuser, die schwarzarbeiter als touristen in großen massen anmeldeten. kriminell von den schleusern, da betrügerisch. kriminell von den bestechlichen konsulats- oder botschaftsbeamten,-angestellten, aber nicht von den unbestechlichen.
    jedenfalls politische verantwortlichkeit ihres dienstherrn, mißstände abzustellen.
    das bundeskriminalamt und scheinbar ausländerbehörden, innenministerien, länderminister gaben ihre erkenntnisse offenbar seit 2000 ans außenministerium weiter. es geschah aber nichts, weder im innenministerium, noch im außenministerium, um an dem mißstand etwas zu ändern.

    hier bohrt der vorwurf: warum?
    kernfrage: ist nun etwas in dieser richtung geschehen?????
    fischer sagt seither den komischen satz: "der untersuchungsausschuß wird mich zur wahren aussage zwingen." oder so ähnlich, aber sinngemäß im spiegel zitiert. wem signalisiert er hier was?

    im spiegel schreiben - war das immer so? - nunmehr autorenkollektive, so daß polemisches nicht mehr einzelnen schreibern zugeordnet werden kann.
    die sprache bemüht sich nicht mehr um objektivität oder die beleuchtung eines problems oder menschen von allen seiten. der einseitige aufbau des bildes eines in die höheren sphären der außenpolitik selbstverliebten, arroganten aufsteigers fischer, dessen weg viele beleidigte säumen, steht im zentrum, an seinem sturz wird mediengearbeitet.

    er ist für mich dennoch einer der fähigsten außenminister oder hat man deutschlands haltung zum irak-krieg vergessen? ein neuer krieg steht an: iran. welchen außenminister möchte man?

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