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Thema: hartes los

  1. #1
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    hartes los

    hartes los

    so, schreiben wir also ein gedicht.
    hier das blatt, da der füllfederhalter.
    draußen tummelt sich der schnee in der luft,
    wagt ein wildes tänzchen.
    wie dem auch sei, wir widmen uns ganz dem nun folgenden gedicht.
    eine zigarette wäre nicht schlecht.
    gut, rauchen wir noch eine.
    wo ist eigentlich der aschenbecher?
    ach, da.
    also das gedicht.
    oh, beinähe hätte ich die musik vergessen.
    hm, was passt denn nur zu einem gedicht im winter?
    ha, ich habs, tschaikowski, slawischer marsch,
    der erinnert mich immer so an eine schlittenfahrt.
    nun denn, es kann losgehen.
    mist das telefon:
    ja?
    ich kann gerade nicht, ich schreibe ein gedicht.
    jaja, wir hören uns.
    noch ein schlückchen tee.
    hach, jetzt ist alles gut.
    endlich.
    hm, die venusbüste auf meinem schreibtisch ist ganz staubig.
    müsste ich mal kurz drüberwischen.
    das geht so ja nicht, überall dieser staub.
    aber eigentlich wollte ich ja ein gedicht schreiben.
    na, der staub kann auch noch bis morgen bleiben, ist nun auch egal.
    und die pflanzen gieß' ich bei der gelegenheit auch morgen.
    zurück zum wesentlichen: dem gedicht.
    wie, s'ist schon so spät?
    ich muß dringend los.

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: hartes los

    soll ich?
    soll ich nicht?
    aber wenn ichs doch genau so...
    aber der denkt dann...
    na ja, ist ja bloss ein erster leseeindruck...
    aber...
    am ende denkt der dann...
    aber...
    ach scheiss drauf: paulchen. das ists! wow!!!

    ...

    auf den zweiten blick, den ein klitzekleinwenig kritischeren (?), will ich weniger am titel mäkeln, als vielmehr einen vorschlag zur güte machen, was diesen anbelangt: "hartes" ersatzlos streichen.

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: hartes los

    Pauli, wenn du jetzt zwischen die zeilen in anführungsstrichen noch ein ganzes gedicht einbauen könntest, vielleicht eines von deinen hier, dann wär dörrie strahlend glücklich, denk ich


    hartes los

    so, schreiben wir also ein gedicht.
    hier das blatt, da der füllfederhalter.
    keine rarität

    hach, jetzt ist alles gut.
    endlich.
    tränendrüsen
    -------------drücken wie


    draußen tummelt sich der schnee in der luft,
    wagt ein wildes tänzchen.
    wie dem auch sei, wir widmen uns ganz dem nun folgenden gedicht.
    farbtuben für
    -------------das bild,


    eine zigarette wäre nicht schlecht.
    gut, rauchen wir noch eine.
    wo ist eigentlich der aschenbecher?
    ach, da.
    also das gedicht.
    das wir uns einst
    -------------gemalt und


    oh, beinähe hätte ich die musik vergessen.
    hm, was passt denn nur zu einem gedicht im winter?
    ha, ich habs, tschaikowski, slawischer marsch,
    der erinnert mich immer so an eine schlittenfahrt.
    nun denn, es kann losgehen.
    nun in einer galerie
    -------------gebrochener herzen


    mist das telefon:
    ja?
    ich kann gerade nicht, ich schreibe ein gedicht.
    jaja, wir hören uns.
    noch ein schlückchen tee.
    hm, die venusbüste auf meinem schreibtisch ist ganz staubig.
    müsste ich mal kurz drüberwischen.
    vor sich hinstaubt -
    -------------ich nehme es zurück.

    das geht so ja nicht, überall dieser staub.
    aber eigentlich wollte ich ja ein gedicht schreiben.
    na, der staub kann auch noch bis morgen bleiben, ist nun auch egal.
    und die pflanzen gieß' ich bei der gelegenheit auch morgen.
    zurück zum wesentlichen: dem gedicht.
    wie, s'ist schon so spät?
    ich muß dringend los.

  4. #4
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    AW: los

    dankschön.

    hm, mista, das hartes behagt mir eigentlich ganz hübsch... -
    muß ich noch überlegen, aber sei gewiß, wenn ichs streich, dann ersatzlos.

    ui, suz, das hat was. gar feine idee. vielleicht noch ein absatz jeweils dazwischen, damits auch vorsticht. ich zück mal die feile.
    das los pack ich vielleicht auch noch in ne extra zeile, daß auch jeder voll den bogen zum titel bekommen tutut.

  5. #5
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: los

    Ohh, so ein schönes Gedicht übers nichtschreiben, paul. Gefällt mir außerordentlich gut. Vorallem dieser Absatz:
    "hm, die venusbüste auf meinem schreibtisch ist ganz staubig.
    müsste ich mal kurz drüberwischen.
    das geht so ja nicht, überall dieser staub"

    ja, und auch das rauchen.
    Endlich hast du dich geoutet.

  6. #6
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    AW: los

    LOS ist sehr vieldeutig und ein/kein guter Titel. Wegen der Vieldeutigkeit. Darum sollte schon etwas davor stehen, Jonathan.


    Über Paulchens Apostrophitis will ich jetzt nichts sagen, sonst bin ich wieder der Piesepimpel. Glücklicherweise hat er ja mich.

    Zur Form. Wohltuende Gerechtigkeit zwischen straffenden und erschlaffenden Abschnitten. Binnenreime haben die Angewohnheit, ein Gedicht zu zerfasern. Wenn sie eingesetzt werden, dann nur bei semantisch schwierigen Teilen, da können sie dann auflockern.
    Zum semantischen Umfeld: Wenn Du einen Gedanken an Tschaikowski verwendest, dann stirb mit ihm ein Stück - oder leb! Aber zeig mir, was Dein Herz so empfinden läßt. Ich will hier nicht aufs geratewohl herumtappen und meinen können, was da seinereiner zu meinen meinte. Und das machst Du gern, durchs Nennen schon anzeigen. Das ist aber nur der erste Schritt ins Dichterdasein. Der zweite ist, dieses Gemeinte auch anzutreffen, zuerst in sich, dann in den anderen, die in den Schlitten einsteigen.

    Möglicherweise.

  7. #7
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    AW: hartes los

    paule, hier schliesse ich mich gern aero an.
    "durch nennen nur anzeigen" ...so geht es mir hier.
    daher kann ich mit diesem text als gedicht nichts anfangen.

    grüssle
    paula

  8. #8
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    AW: hartes los

    gerade was Tschaikowski und dessen "slawischen marsch" anbelangt, find ich das sehr gelungen gemacht, eigentlich: "der erinnert mich immer so an eine schlittenfahrt." und das im zusammenhang mit poetischer stimmung, jedenfalls mit dem gedichtschreibenwollen...

    hmmm. mit dem titel hab ich mich inzwischen, so wie er ist, auch angefreundet, übrigens.

    die frage bleibt natürlich zum schluss, ist recht eigentlich der clou: ists überhaupt ein gedicht geworden? und die meinungen müssen wohl auseinander gehn. ich denk: ja.

    was mir nicht so behagt: nach der schlittelfahrt kömmt nix mehr winterliches. geht alles unter im staub. das ist schade, irgendwie.

    ja und viel zeit liess sich das lyrische ich von anfang an nicht für sein gedicht. was sagt uns das über dies ich? oder hats am end einfach die flucht ergriffen mit dem "dringend los"?

    ps.
    falls du susannas obigen vorschlag aufnehmen und umsetzen solltest - was mich sehr spannend dünkte, übrigens - tät mich interessieren, was draus geworden sein wird...

  9. #9
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    AW: hartes los

    dank fürs befasse.

    sehnsuchtssuchender: hm, die schlittenfahrt deucht mir auch genug bei tschaikowski, sonst gerate ich in eine seitenstraße, gar ins palabern. bleibt jedem doch sein eigenes sterben/streben mit tschikowski, so soll die andeutung genügen

    paula: jau, ich haderte auch, ob ins forum des geschriebenen wortes oder eben lyrik - ging mir hier so wie mit deinem "vor dem herbst" - lyrische prosa eben, doch whin damit? da es hier jedoch ums gedichte bzw. nichtgedichteschreiben geht, entschloßte ich mich für lyrik.

    mista: noch is nix draus geworden sein. aber wie erwähnt, die idee stimmt mich auch behaglich.... - wird werden.

  10. #10
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    AW: hartes los

    ja und eben: ne schneeflocke gegen schluss nochmal wär schön. sie könnt ja slawisch marschieren aus dem gedicht oder so...

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