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Thema: Verkannte Wahrheiten der Weltgeschichte - von den Anfängen bis 1888

  1. #26
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    Bücherverbrennung

    Bücherverbrennungen gelten vielen als deutsche "Erfindung". Man verweist auf Luther u.a., die dann für die Wartburg-Studenten Vorbild seien.

    Bücherverbrennungen gab es im quasimodernen Kontext schon unter Savonarola, der das Verbrennen von Büchern anordnete, wenn diese sonst nützlichen Werke den Glauben begrenzten. Er hatte da Aristoteles und Platon im Auge, die seiner Meinung nach zwar gute Gründe hervorgebracht hatten, die man gegen Ketzer würde verwenden k?önen, im übrigen aber als Ketzer/Ungläubige in der Hölle schmorten, was ihre Werke letztlich auch zu Ketzereien machen würde. (nachzulesen bei Burckhardt, S. 274 ff.)

    Auch in der (französischen) Schweiz wurden Rousseaus Werke verbrannt. In Frankreich kam im 18. Jahrhundert alles auf die Bücherhalden, was die Zensur nicht passiert hatte, u.a. Voltaire. In England brannte alles, was den Puritanern (nach Elisabeths I. Tod) nicht paßte. Die Liste ist endlos und kann eigentlich bis in unsere Tage fortgesetzt werden, wobei heute nicht Bücherverbrennungen die geistige Saat unterbinden sollen, sondern meist aus atheistisch-pragmatischen Gründen vorgebrachte Aussonderung, Schredderei oder Verklappung.

    Bücherverbrennungen fanden eigentlöich immer schon statt, auch Altertum. Meistens wurden seinerzeit die Autoren gleich mitverbrannt.

    Die demokratischen Athener waren im Altertum bekannt dafür, daß sie alle Rationalisten, alle Atheisten und alle Relativisten aus der Stadt vertrieben, eine Acht mit einem WANTED aussprachen und so beispielsweise Diogeras dead (2 Talente Belohnung) or alive (1 Talent Belohnung) jagten. Die aufzutreibenden Werke wurden verbrannt, das dürften zu dieser Zeit Schriftrollen aus Papyros oder Tontafeln gewesen sein.

    Auch Franzosen und Italiener besaßen die große Neigung dazu, Ketzer zu verbrennen. Und von Luther ist bekannt, daß er mißliebige Schriften dem Feuer überantwortete, weil ihm resp. seinen Schriften das gleiche in Rom geschah.

    Die letzten, die das als Akt regressiver Archaik taten, waren die Nazis.

  2. #27
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    Friedrich II. und Voltaire - ein quittierter Abschied

    Wer weiß, was geschehen wäre, wenn Voltaires Plan gelungen wäre?
    Kaum einer weiß, daß Friedrich II. von Preußen homosexuelle Neigungen besaß, die er (vor allem) literarisch auslebte. Sein Freund Voltaire stahl ihm die literarischen Exkurse ins violette Reich der Tüftis und floh damit. Er wollte diese Texte publizieren, was wahrscheinlich zu einem Sittenwandel im Reich geführt hätte. (Man weiß es nicht.) Genau das wollte Voltaire ja, eine Befreiung der Sitten von kirchlichen Vorstellungen!
    Aber jetzt folgte etwas, was wieder beredt ist für unser Reich, für das Rechtsverständnis, was einen guten Grund anzeigt, weshalb es bei uns keine Revolution wie in Frankreich gab. Friedrich II. regelte das folgendermaßen:

    Er schickte einen Major seiner schnellen Eingreiftruppe hinterher. Der faßte Voltaire in Frankfurt/Main, forderte die Herausgabe der Texte und versohlte mit einem Knüppel Voltaire den Arsch. Natürlich gegen Quittung! Dann setzte er Voltaire in Frankfurt/Main beim preußischen Gesandten Freitag fest (Frankfurt/Main war die Krönungsstadt des Kaisers, also hatte jeder deutsche Staat in Frankfurt seine Gesandtschaft). Jetzt wartete man, bis die Papiere in Leipzig (?) bei einem Verleger angekommen waren und der das wiederum quittiert hatte und einen Boten sdamt Quittung nach Frankfurt/Main zurückschickte, dann erst wurde Voltaire freigelassen.

  3. #28
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    Hexenprozesse

    Die Opfer von spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Hexenprozessen waren bestenfalls zu 75% Frauen. In Mitteleuropa waren es 40% Frauen, auf Island nur 10%. Es gab zudem zahlreiche Kinderhexenprozesse.

    Zahlen aus: Eva Labouvie: Männer im Hexenprozeß. (!990)

  4. #29
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    Rechtsnachfolge bildet Staat

    Im Magdeburger Dom gab es eine Gala zur Ausstellung "Heiliges Römisches Reich". Man setzte den Beginn auf 962, sein Ende auf 1806.

    Ich weiß nicht, welche Stümper da am Werke waren oder welche politischen Opportunitäten das entschieden. Aber ich weiß, daß die sächsischen Herzöge um 1000 das Wort "deutsch" nicht kannten, geschweige denn ein Deutsches Reich anführten bzw. anführen wollten. Sie traten die Rechtsnachfolge der Franken an. Und dann wird vielleicht ein Schuh draus, die Rechtsnachfolge anzuschauen, die ein Staat immer antreten muß, damit er haftbar gemacht werden kann. Und schauen wir zurück, wann es erstmals einen germanisch-deutschen Staatsverband gab, der einen Rechtsrahmen besaß, der auf unserem Territoritum (und darüber hinaus) eine Rechtsform besaß und ein politisches Gemeinwesen ausbildete. Dann kommen wir zu Karl, der deshalb auch der große heißt, weil er eben das schaffte und zu Weihnachten 800 die Rechtsnachfolge des Heiligen Römischen Reiches als erster Germane antrat.

  5. #30
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    Zinsverbot bei Moses

    nach 5.Mose 23, 20 war es den Juden verboten, Zinsen zu nehmen

  6. #31
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    Das vierte Glied

    Der Gott, der die Sünde der Väter straft bis ins vierte Glied, ist nicht der Gott der Geschichte. (Ranke)

  7. #32
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    AW: Verkannte Wahrheiten der Weltgeschichte - von den Anfängen bis 1888

    Drei bedeutsame Städte gab es im Mittelalter, eine davon war Magdeburg, wie diese Karte zeigt:


  8. #33
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    Kanonen der Moritzburg

    In Halle (Saale) sind (!) die Kanonen der Moritzburg, wo der Abgesandte des dort verhaßten magdeburger Erzbischofs saß, gegen die Stadt gerichtet.

    Ich glaube, wir überschätzen nationale Befindlichkeit ganz gewaltig. Die Deutschen hat so etwas nicht interessiert, da gab es bloß Stände. Ich glaube auch nicht, daß sich in Reval die Deutschen gegen die Slawen irgendwie verbündeten. Reiche gegen Arme, Dumme gegen Dämliche, Rotbemalte gegen Gr?übetupfte... ja, aber nationale Gegensätze gibt es erst seit Napoleon. Bis dahin hat das im Reich keinen interessiert, welche Nationalität einer hatte.

  9. #34
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    Maria-Antonia von Habsburg

    Die oftmals beklagte Hinrichtung des französischen Königs und seiner frouwe, Maria-Antonia von Habsburg, sintemalen Königin von Frankreich, war rechtens und bedarf keiner (späten) Entschuldigung durch Frankreich. Das ist in vielerlei Hinsicht Unfug:


    1. war Maria-Antonia französische Königin, somit Französin geworden;
    2. wenn, dann müßte die Entschuldigung bei allen Deutschen erfolgen, denn den aus dem Reichsverband ausgeschiedenen Teilstaat Österreich gab es 1793 noch nicht;
    3. hatte die französische Königin nach den Verfassungsänderungen vom August 1792 (eigentlich schon nach der Annahme der ersten Verfassung von 1791) keine absolutistische Macht mehr, die ihr das Recht gegeben hätte, den Staat als Eigentum zu betrachten, mithin überhaupt nicht in der Lage zu sein, staatsverräterisch handeln zu können und
    4. handelte die Königin durch ihre Konspiration mit den Feinden des französischen Staats staatsverräterisch, worauf die Todesstrafe stand. Sie war sich dieses Vergehens auch bewußt.



    Nach 215 Jahren für Hinrichtung entschuldigt

    Besser spät als nie, hat sich offenbar der französische Außenminister Bernard Kouchner gedacht: In Wien entschuldigte er sich für die Hinrichtung der gebürtigen Österreicherin Marie-Antoinette vor 215 Jahren. Die Gemahlin König Ludwigs XVI. hat bei der Französischen Revolution ihren Kopf verloren.
    [..]
    Es tut mir leid", sagte Kouchner. Er bedaure den Tod der Österreicherin. Aber damals sei eben die Zeit der französischen Revolution gewesen.




    Und nach dem Tod der Gemahlin Ludwigs XVI. habe sich schließlich ganz Europa von dieser Revolution inspirieren lassen", sagte der Außenminister. Marie-Antoinette war am 16. Oktober 1793 auf der Guillotine hingerichtet worden.




  10. #35
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    entursachung

    die blätter färben sich nicht im herbst bunt, sondern sie entfärben sich in ihre bunten ursprungsfarben, weil sie die chlorophyll-poduktion einstellen. da könnte ein naseweis fragen, was das mit weltgeschichte zu tun hat?

    eben.
    alles.

    wir - oder bescheidener: die geschichtsbetrachtung - gehen nie davon aus, daß sich etwas in seinen urzustand zurückversetzt, ins sine qua sic. wir nehmen immer weiterführende ursachen an.

  11. #36
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    Erde gedreht

    Wer sagt uns eigentlich, daß wir die Welt so betrachten sollen, wie es unser europazentrierter Blick befiehlt? Es spricht nichts dagegen, die Welt andersherum zu beschauen: Australien ist dann nicht mehr down under, Neuseeland keine Insel der südlichen Hemisphäre, Südamerika wird zu einem Koloß des Nordens.

    Unsere Erdkugel kann, gerade weil sie eine Kugel ist, auch andersherum betrachtet werden. Kopfüber!
    oder auch so

  12. #37
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    brutale Römer

    Ein Professor namens Heather am king's college zu London behauptete in der Sonderausgabe des SPIEGELs zum Untergang Roms (S.23), daß die Römer in ihrer Machtausübung brutaler gewesen seien als die Russen nach dem zweiten Weltkrieg in den von ihnen eroberten Gebieten. Er begründet das damit, daß die Römer keinen weltpolitischen Gegner besessen hätten wie die Russen in den Amerikanern.

    Das nenne ich eine haarsträubende Interpolation. Abgesehen davon kann ich mir römische Internierungslager für politisch Andersdenkende kaum vorstellen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß die Römer, die Interesse an der wirtschaftlichen Ausbeutung der eroberten Gebiete hatten, neue Maßstäbe hinsichtlich der Unterdrückung gesetzt haben. Die Russen hingegen besaßen zu dem wirtschaftlichen Interesse vor allem eines hinsichtlich der Rache und der politischen Machtausübung. Korrektive wie Gesetzbücher waren den Römern da schon eher bekannt, zumal sie den Bewohnern ihrer eroberten Gebiete auch Bürgerrechte zuerkannten, peu a peu, während die Russen so etwas nicht ins Auge faßten, sondern eher eine Nivellierung ebstehender Gesetze durchsetzten.

    Wie gesagt, das widerstrebt meiner Vorstellung; allerdings ist das nur ein Gefühl. Brutalität ist kaum meßbar, bleibt subjektive Wahrnehmung.

  13. #38
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    reiche Römer

    Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, daß manche Römer nach den Punischen Kriegen mit ca. 300 Millionen Sesterzen (ca. 2,3 Mrd.€) ca. 2000 mal reicher wurden, als der reichste Grieche des klassischen Athen, Diphilos, jemals gewesen war, der 160 Talente besessen haben soll (ca. 1,2 Millionen €). Kehrt man das auf die gewachsenen Duchschnittsverdienste zwischen dem 5. und 1. Jahrhundert vor Christus, so besaß Diphilos ca. 1,5 Millionen Tageslöhne zu seiner Zeit, die reichsten Römer dagegen etwa 100 Millionen Tageslöhne, was die reichsten Römer gegenüber Diphilos immer noch ca. 70 mal reicher machte. - Heute gibt es Privatvermögen von 40 Milliarden €, was in etwa 400 Millionen Tageslöhnen entspricht.

    passend dazu ein lied

  14. #39
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    Grassmann

    Eine grundsätzliche Entwicklung der Weltgeschichte: vom Zentrum zur Peripherie, zu den Peripherien.

    Zurückgedacht, muß das Zentrum im vorderasiatischen oder eben atlantischen Teil der Welt liegen, wobei Atlantis erst in den letzten Jahrzehnten fröhliche Urständ im Bewußtsein der Europäer feierte.

    Grassmann entwickelte diese Theorie vor hundertfünfzig Jahren, die in etwa bedeutet, daß sich aus Vorderasien die Kultur Richtung Europa entwickelte, dann über den Teich in seiner Bedeutung schwappte und nunmehr noch weiter nach Westen im asiatischen Teil der Welt das Zentrum bilden wird. Dann? müßte sie die Erde verlassen und anderswo geballt und konstitutiv werden?

    viel für und wider

  15. #40
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    Die Macht des Politikers

    unda fert nec regitur (die Dinge haben ihren Lauf und können nicht beherrscht werden).

    Gewöhnlich werden Einzelpersonen hinsichtlich ihrer Wirkung auf den Gang der Dinge überschützt. Bismarck oder Stalin, Hitler, Lincoln, Perikles sind solche Leute, die dafür gelten, daß ohne ihr Wirken ganze Zeitalter anders verlaufen wären. Bismarck äußerte sich darüber 1871 in der Art, daß die ihm angetragene politische Führungsrolle durch ihn nicht dazu geführt habe, die Dinge nach SEINEM Gusto zu entscheiden zu können; nein, vielmehr habe er nur darauf geachtet, wie sich die Dinge entwickelten, um "das Gereifte zu sichern; der Staatsmann müsse wie ein Förster sein, der geduldig abwarte, bis der Wald schlagreif geworden."

  16. #41
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    Haselnuß

    Der Paläobiologe Küster vermutet, daß die Haselnuß bereits seit 9000 Jahren als Nahrungsmittel geschätzt und angebaut wird. Damit werden Annahmen, daß die erste bewußte Landwirtschaft in Mesopotamien entstand, zumindest in Zweifel gezogen.

    Zudem bekommt heinos lied doch gleich einen ganz anderen Bedeutungshintergrund.

  17. #42
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    Straffung der Zentralgewalt

    Die Niedermetzlung von Aufständischen ist nicht auf den arabischen Raum beschränkt. Heinrich VII. von England ließ 1497 die ihm ungelittenen Cornwalliser niedermetzeln, wohlgemerkt, es waren nicht nur einige wenige Adlige und ihre Getreuen, sondern letztlich alle auf Cornwall, die sich Heinrich VII. in den Weg stellten.

    In der positivistischen Geschichtsschreibung nennt sich das dann euphemistisch "Straffung der Zentralgewalt".

    Der gleiche Prozeß vollzog sich in Frankreich, Rußland und sicherlich auch in zahlreichen anderen auf Zentralismus orientierten Staatswesen in der Weltgeschichte.

  18. #43
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    romantische "Politik"

    Die Romantiker verfolgten nicht das politische Ziel einer Wiedererrichtung mittelalterlicher Verhältnisse; sie waren nicht an der Revidierung/Restauration interessiert... Politik interessierte sie nicht. Ihre "politische" Leidenschaft entzündete sich, wenn es um Persönlichkeiten (wie Napoleon, den sie haßten) oder um die Nationalität (vor allem in Hinsicht auf die Sprache, Musik oder andere Aspekte des "Oberbaus") ging; staatliche, wirtschaftliche oder politische Verhältnisse dagegen zu ändern bzw. zu beeinflussen lag außerhalb ihres Interesses.

  19. #44

    Symbolzahl

    Die göttliche Zahl 40 wird häufig verwendet, um einen Wachstumszyklus zu umschreiben. Sprache besteht aus Symbolen von Symbolen. Daher wurden in alten Texten verschiedene Aussageebenen angesprochen: Die Augen des Körpers sehen eine Unmöglichkeit auf der physikalischen Ebene.

    Jesus Christus ging für 40 Tage in die Wüste. Nach vierzig Tagen fand er seine wahre Identität. So steht die Angabe der 40 Jahre symbolisch für 4000 Jahre. Es wird also eigentlich gesagt, das Volk würde 4000 Jahre durch die Wüste gehen. Wann kamen diese Gäste hier an? (Youtube: Seelenwissenschaften, Die geheime Geschichte der Menschheit)

    Daneben wird vom Manna und der Bundeslade gesprochen. Solange dieses unbetrachtet bleibt, zeigt Wissenschaft hier ihre fragmentierte Baumscheibenbetrachtungsweise. Den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen beschreibt die Ebenenverwechslung bei der Betrachtung eines beliebigen Objektes der Wahrnehmung.

    Ein Bezug zur Gegenwart könnte ebenso hergestellt werden: Sie irren immer noch umher und versuchen, ihrem historischen Schmerzkörper durch Projektion von Schuld in das Außen zu entkommen. Analog ist auch die Überwindung der Sklaverei, welche heute mit dem Namen Marktkonformität umschrieben wird. Unser Fall soll begonnen haben, als der Pharao Sklaverei betrieb. Um Menschen zu versklaven, benötigen wir Angst als Druckmittel. Angst besitzt jedoch nur, wer den Tod fürchtet. So kam die Angst in die Welt: Die Schuld wurde erfunden.

    An der Schuld zerbricht die Welt, das heißt, wir irren planlos in der Wüste umher. Der Umkehrschluss bedeutet, Schuld durch Vergebung in die Wirkungslosigkeit zu begleiten. Eine kollektive Schicksalsbelehrung, erkennen wir die Ebenen der Aussagen und verbinden diese durch das Werkzeug Verstand. Erkennen wir einen Nutzen in dieser selbsterzeugten, historisch gewachsenen Situation, können wir den Nutzen von Vergebung erfassen: Es nutzt uns doch allen, zu erkennen, dass Sklaverei zwar manchmal manchen nutzte. Niemals jedoch wendete sich dieser scheinbare Vorteil nicht zu einem Nachteil.

    Wir arbeiten global unsere Ego-Geschichte aller Zeitalter ab. Darauf weist der Text hin. Das Wort offenbart sich selbst, beantworten wir die Fragen nicht ständig von einer unvernetzten Ebene. Es zu erkennen und den Nutzen der Schicksalsbelehrung anzunehmen, bedeutet, die Ursache aufzulösen. Der Weg zur Auflösung von Konflikten aller Art ist ganz einfach: Wir verzichten darauf, Recht zu haben. So fließt das Manna, also das Tao, in die Welt.

    Der Verlust der Bundeslade steht auch als Symbol für den Verlust der Seelenkraft durch die Nicht-Anbindung an das Bewusstseinsfeld "Gott". Hier keine Definition vorzunehmen, lässt das Einweben der Dinge in die Zeit mühelos geschehen. Wir wollten nicht lernen, unseren Nächsten nicht aufs Blut auszusaugen? Welchen Nutzen hat dies, und: Für wen?

    Wir alle leben in wechselseitigen Energiediebstühlen und daraus resultierenden Konflikten. Statt diese Quelle im Inneren wahrzunehmen, suchen wir mit Eifer, was im Außen Leiden schafft. Energiemangel, also das Fehlen der Ladung durch die Lade, ist das Symbol unserer Zeit. Weil aber dieser Energiemangel auf der Seelenebene entsteht, ist er nicht auf körperlicher Ebene zu kompensieren. Wir suchen Einheit in Körpern, was nur vorübergehend möglich ist. Einheit ist, wenn Geist und Seele vereint sind. Was ist die Moral von der Geschicht: Glaube nichts, nur weil es dir so gesagt wird. Sieben Schalen der Zwiebel. Sieben Schalen des menschlichen Zorns. Wir lassen fleißig Zorn in die Welt fließen, wollen jedoch unbeirrbar keinesfalls bemerken, dass das Gegenteil ebenso funktioniert: Herzensgüte l?st den Schmerzkörper auf. Aller historischer Schmerz seit der so genannten Vertreibung aus dem Paradies lastet als verdrängter unbewusster Anteil im kollektiven Menschengeist.

    Das Schmerzmonster des Egos wird genährt, wenn wir Schmerz wahrnehmen. Daher schauen wir auf das Elend und stärken es damit. So arbeiten sich Ego- und Schmerzmonster gegenseitig zu. Unser kollektives Schmerzmonster ist derweil in ausufernde Kämpfe verwickelt. Es mit Liebe und Vergebung zu beleuchten, bedeutet, keine Schuld zu suchen. Es gibt keine Schuld. Um das zu erkennen, sollen wir 4000 Jahre brauchen. Na denn. Die Aufgabe der Unterdrückung löst das Dilemma auf. Das Leben ist frei. Wer das Leben einsperrt und missbraucht, stellt sich gegen den Fluss der Zeit. Damit den Fluss aufhalten zu können, ist jedoch eine Illusion: Wir können vor unserem kollektiven Ego nicht davonrennen. Solange wir einen Nutzen im planlosen Umherirren zu erkennen glauben, werden wir in der Wüste bleiben.

    Zu glauben, einen Vorteil zu gewinnen, wenn der Nächste einen Nachteil hat, kann niemals wahr sein. Das ist die Lehre der Geschichte. Sie nicht anzunehmen, bedeutet zunehmendes Konfliktpotenzial. Friede wird sein, wenn wir zu vergeben gelernt haben. Auch uns selbst. Moderne Finanzwirtschaft ist Zinssklaventum. Da beißt die weiße Maus keinen Faden ab. Doch dem Pharao hat es nichts genutzt, die Angst vor dem Tod als Mittel zur Konditionierung in die Welt zu bringen. Jede Kraft erzeugt eine Gegenkraft, solange die Intention einer Handlung nicht Liebe ist. Liebe ist also der Gegentraum zur Sklaverei. LEt MY PEOPLE GO, das waren wohl die Worte.

    Ach ja, ebenso kann der Bau der Pyramiden logistisch so niemals stattgefunden haben. Wollen wir noch lange in der Wüste umherirren?

  20. #45
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    Red face "Grieche" als Schimpfwort

    Plutarch berichtet, daß die Römer das Wort "Grieche" als Schimpfwort gebrauchten. Nichts besonderes, möchte man meinen. Allerdings wird doch immer wieder behauptet, daß sich die Römer an den Griechen orientierten. Sprache, Schönheitsideal, Literatur, Architektur etc. Wie aber erklärt es sich dann, daß die Römer für die Griechen ein Schimpfwort hatten, eben weil ihre Hauslehrer meist griechische Sklaven waren, wie einst auch Plutarchos? Vielleicht meinten sie gar nicht die Griechen, sondern die Lehrer, zu denen Schüler ja meist in einem Haßliebe-Verhältnis stehen?

  21. #46
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    Post Konservative Revolution

    Die von Stahl um 1860 initiierte "Konservative Revolution" war keine, sondern eine liberale. Sie verband konservative Formen mit liberalen Inlahten und verkaufte das dem König als Sicherung seiner Herrschaft.

    Konservativ ist das Gegenteil von Kompromißbereitschaft. Eine Revolution stülpt das Untere zuoberst. Der in der Geschichtswissenschaft benutzte "Konservative Revolution" ist also eine c.i.a., eine contradictio in adiecto.

  22. #47
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    Post Tetzel und der Ablaßhandel

    Man nimmt immer an, daß die Reformation durch die Ablaßverkaufspraktiken des Ablaßverkäufers Tetzel (andere schreiben ihn Tezl) veranlaßt worden sei. Tetzel soll die eingenommenen Gelder nach Rom geschickt haben, wovon u.a. die Peterskirche gebaut worden sein soll.

    Das ist nur die halbe Wahrheit.

    Tetzel arbeitete im Auftrag des Erzbischofs von Magdeburg, eines jüngeren Bruders von Joachim von Hohenzollern, Churfürst von Brandenburg. Albrecht hieß dieser Erzbischof, der zugleich Halberstadt und Mainz bediente und große politische Ambitionen besaß. Der nämlich hatte Tetzel losgeschickt, ihm ein Taschengeld für dessen Dienste versprochen, den Großteil aber NICHT nach Rom geschickt, sondern ungefähr die Hälfte in die eigene Tasche gesteckt. Das erzürnte die magdeburger Bürger besonders, daß ihr Erzbischof ihnen das Geld aus der Tasche zog, selber mit seinen Geschäften keine Steuern zahlen mußte und insgeheim Konkurrenzfirmen aufbauen konnte. Deshalb AUCH befreiten sie sich über Luthers Theologie von dieser Plage. Die Ulrichskirchengemeinde tat es als erste, andere folgten. Das ist die Reformation in wirtschaftspolitischer Hinsicht, ein Kampf um Steuergleichheit.

  23. #48
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    Post Asylpolitik unter Friedrich III. von Hohenzollern, Churfürst von Brandenburg

    Im Jahre 1700 allein kamen mehr als 15000 Kalvinisten nach Brandenburg, dazu noch etliche hundert Familien aus Belgien und der Schweiz, die sich in Brandenburg niederließen, eigene Rechtsbezirke/Stadtteile bekamen, u.a. in Magdeburg, wo sie gesonderte Rechte erhielten.
    Gemessen an der Bevölkerungszahl waren das etwa 2% p.a., die da nach Brandenburg strömten.

    Gemünzt auf die Bevölkerungszahl der BRD entspricht das 1,6 Millionen Flüchtlingen. Hoppla!

    P.S. Es gibt allerdings einen großen Unterschied: die Neubürger waren reich, gut ausgebildet und anpassungsfähige Christen.

  24. #49
    Chefchen Avatar von aerolith
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    Lightbulb Luise von Preußen

    Gefragt nach den Ursachen der ausbleibenden Revolution im Reich um 1790 kann Interessierten geantwortet werden, daß ein Grund sicherlich in dem Verhältnis der Adligen zu ihren Untertanen lag. Während die französische Aristokratie volksfern war (weitgehend, aber nicht nur gezwungenermaßen), traf das für die deutsche Aristokratie keineswegs zu. Am deutlichsten wird das in Augenschein zweier Königinnen dieser Zeit, Marie Antoinette und Luise von Preußen. Marie war zwar eine deutsche Prinzessin, wurde aber bei aller Begabung in das französische System gepreßt. Das bewirkte den berühmten Ausspruch, daß das Volk Kuchen essen solle, wenn das Brot knapp würde. Die zur gleichen Zeit lebende Luise dagegen feierte mit ihren Untertanen Bauernfeste (oft in Paretz, wo Luise auf einer Leiterwagen Einzug hielt!), richtete nachhaltige Armenbewirtung ein und mischte sich auch sonst oft unters Volk, dessen Nöte und Ängste sich anhörend. So etwas wäre einer französischen Prinzessin unmöglich geblieben und erschienen. Luise war da keineswegs die einzige Königin/Prinzessin, die so handelte. Die deutschen Prinzessinnen genossen eine bessere Ausbildung als die französischen, lernten mehrere Sprachen, durften, sofern sie Neigung zeigten, sich auch in philosophischen und philologischen Studien ergehen, denn sie waren Teil des Regierungskonzepts, nicht nur Staffage eines absoluten Herrschers. Erinnert sei hier an Anna Amalia von Weimar, die preußische Königin Elisabeth oder Maria Theresia von Habsburg, Kaiserin des Reiches. Auch die in Rußland herrschenden Zarinnen waren Deutsche. Das ist kein Zufall. Der deutsche Aristokrat besaß eine Pflicht gegenüber seinen Untertanen, der männliche gleichwohl wie der weibliche. Die Kleinstaaterei hatte den Vorteil einer Regierungsnähe zum Volk. Man mußte sich kümmern. Umeinander. Es gab zwar auch abstrakte Gesetze, aber v.a. gab es die Herrschaft vor Ort.
    Deshalb gab es im Reich bei ähnlichen Sozialverhältnissen keine Revolution.

  25. #50
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    Ludwig XIV. war eigentlich ein Habsburger

    Hem behauptet in seiner Geschichte des Hauses Habsburg, Ludwig XIV. sei "als ein Glied der Familie Habsburg zu bezeichnen", da die von Mazarin gestiftete Ehe seiner Eltern Abkömmlinge des Hauses Habsburg vereinigte. Ein Inzuchtprodukt.

    Das würde Ludwigs vehementes Drängen nach elsässischem Besitz erklären, den Stammlanden der Habsburger. Vielleicht kann der Streit ums Elsaß als Familienzwist im hause Habsburg gelesen werden?

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