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Thema: Verkannte Wahrheiten der Weltgeschichte - von 1889 bis heute

  1. #26
    rodbertus
    Laufkundschaft

    Reemtsma und Geschichtsklitterung

    das ist eine meiner methoden, daß ich anzweifle. ich zweifle alles an. na ja, beinahe alles. ist mir wurscht, ob das politisch korrekt ist oder was auch immer.

    für die nazis waren die juden gift im blut des volkes, die bolschewisten ihre todfeinde. undeutsch an den nazis war, daß sie jedes mittel für geeignet ansahen, dieses gift zu vernichten, auszumerzen bzw. zu töten. unsere philosophie hatte allerdings ein wichtiges ergebnis, daß nämlich der zweck die mittel nicht heilige. die nazis setzten sich einfach darüber hinweg; deshalb sind sie für mich undeutsch, barbarisch. sie schufen sich gesetze, die ihre mordtaten gegenüber andersdenkenden, andersrassigen, andersausgerichteten legitimierten. in einem einfachen sinne war nichts illegal, was sie taten. aber in einem moralischen sinne, gar in einem ethischen ist jede verschleppung eines anderen ins KZ ein verbrechen. von den zahlreichen erschießungen politischer und militärischer feinde will ich da gar nicht erst reden. aber das war krieg, und es gibt nicht wenige, die da den verstand aussetzen. doch warum soll das dann im nachhinein nur den deutschen zugesprochen werden, daß verbrechen (aus sicht des zivilisierten, bürgerlichen moralempfindens) begangen wurden?

    im westen geht und ging man mit solchen erwägungen sehr viel pragmatischer um. dort ist jedes mittel seither erlaubt (solange es juristisch verfechtbar ist), weil man ja selbst jeden zweck verfolgen darf (solange er bestehenden gesetzen nicht widerspricht). ich empfinde diese einstellung auch als barbarisch. aber das sind ausländer, die müssen das selbst wissen, was gut und richtig für sie ist. sie sollen mir bloß nicht vorschreiben, was ich für gut und richtig zu halten habe. genau das tun sie aber seit etlichen jahren, versuchen es zumindest.

    und so darf dann, aus meiner sicht, auch gefragt werden, wie sehr die sieger des letzten krieges die fakten manipulier(t)en bzw. von vornherein mit uns das zu machen gedachten, was die nazis mit ihren feinden taten.
    aus heutiger (vorherrschender) sicht entsteht bei einer solchen sichtweise schnell der eindruck einer schiefen optik; es ist dies in der tat eine schiefe optik, die aber nur dadurch schief wirkt, weil die vorherrschende selber das schiefe zum geraden machte und es genug dummköpfe gibt, die das nachplappern, was sie aus getürkten schulbüchern, einer gleichgeschalteten öffentlichkeit oder aufgrund der meinungsmache politisch-korrekter historiker haben.

  2. #27
    Gast
    Laufkundschaft
    Zitat Zitat von kassandra
    Unabhängig davon, ob ich Herrn Reemtsmas Projekt für seriös halte oder nicht (eher nicht), stimmt diese Aussage so nicht, denn sie impliziert, daß Kriegsverbrechen der Alliierten nicht vorher geplant waren. Das ist bezüglich des "moral bombing" der Briten schon einmal falsch:

    ...

    K.
    Der Unterschied bleibt trotzdem bestehen, ohne vorherige Kriegserklärung Hitlers hätte es nämlich gar kein "moral bombing" auf deutsche Städte gegeben.

    Was Deine Quellen Dr. Schaarschmidt und J. L. Stehule betrifft, muss ich mich erstmal schlau machen, von welcher Qualität diese sind.

    Zitat Zitat von Aerolith
    ...
    und so darf dann, aus meiner sicht, auch gefragt werden, wie sehr die sieger des letzten krieges die fakten manipulier(t)en bzw. von vornherein mit uns das zu machen gedachten, was die nazis mit ihren feinden taten.
    ...
    Man sollte hier wirklich nie glauben, dass gewisse Aussagen nicht doch noch getopt werden können...

    Nach Deiner kruden "Logik" hätten die Allierten alle Deutschen, derer sie während oder nach dem Krieg habhaft geworden sind, ins KZ stecken, sie zu Zwangsarbeitern machen oder sie gleich ermorden müssen. Genau das taten nämlich die Nazis mit einem Großteil ihrer Feinde!

    Und nochmal auch für Dich zum mitschreiben:

    Diesen unsäglichen Krieg hat Hitler begonnen! Die große Masse des deutschen Volkes hat ihm dabei zugejubelt und sehr viele haben bis zuletzt an den "Endsieg" geglaubt.
    Gar nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte die Wehrmacht die Ressourcen und technischen Möglichkeiten der Allierten oder sogar schon die Atombombe besessen...
    So sehr ich auch ALLE Kriegsverbrechen verurteile, verschließe ich trotzdem nicht die Augen vor der Tatsache, wer der Verursacher und somit Hauptschuldige war.

  3. #28
    Chefchen Avatar von aerolith
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    Kriegssicherheit 1919

    Gast, Du solltest aufhören, selektiv zu lesen. Kassandra hatte angezeigt, daß die britischen und tschechischen Ambitionen lange VOR der Kriegserklärung Hitlers fixiert wurden. Ob es umgekehrt deutsche Ambitionen gab, die Briten von ihrer Insel zu verjagen oder die Tschechen aus ihren Siedlungsgebieten, darf zumindest bezweifelt werden.

    Mir solltest Du keine KRUDE Logik unterstellen, was immer das sein mag. Vielleicht sagt dir Morgenthau etwas? Der hatte einen Plan: u.a. sollten die deutschen Frauen sterilisiert und den Männern die Samenleiter durchgeschnitten werden... ich überlasse es Deiner Phantasie, was das bedeutet.

    Vielleicht ist Dir auch bekannt, daß die KZs nach dem Kriege munter weiterbenutzt und dort Hunderttausende (Deutsche) umgebracht wurden. Untermenschen für die Alliierten. Die nannten diese bloß nicht Untermenschen, taten aber das gleiche, was die Nazis mit den apostrophierten Untermenschen (übrigens ein Wort, das der SPD-Abgeordnete Schumacher erstmals 1930 in die politische Auseinandersetzung gebracht hatte) taten, sie brachten sie um. Die Alliierten machten es auch ein bißchen anders: sie ließen diese Nazis (im Grunde alle deutschen Soldaten, die in Gefangenschaft waren plus mutzmaßliche udn tatsächliche Gefolgsleute der Nationalsozialisten, meist älteren Jahrgangs) durch halb Deutschland marschieren, gaben ihnen kaum etwas zu essen und sperrten sie eng zusammen. Wenn du ein anschauliches Bild von dieser Art Menschenbeseitigung haben möchtest, dann lies die Biographie des Schauspielers Gustav Gründgens, der dies wie durch ein Wunder überlebte!
    Viele viele andere überlebten es nicht. Und da steckte kein Plan dahinter?

    Zu Deinem anderen Vorwurf: Hitler hatte Europa zu seiner Verfügung, war aber nicht in der Lage, diesen Koloß wirtschaftlich derart zu organisieren, daß die Ressourcen auch zum tragen kamen.

    Das ist ein Treppenwitz der Weltgeschichte, daß die Deutschen nicht in der Lage waren, den ihnen seit 1938/9 zur Verfügung stehenden Wirtschaftsraum zu organisieren bzw. kriegsfähig zu machen. Schließlich ist es nicht unmöglich, daß Hitler auch die Atombombe besaß. Es gibt nicht wenige, die das behaupten. Ich bin da noch unschlüssig, dazu muß ich erst einmal ein bißchen forschen. Ich weiß allerdings, daß er Paris nicht dem Erdboden gleichmachte, obwohl er dazu die Möglichkeit besessen hätte. (wir haben hier darüber bereits diskutiert)

    Verursacher des zweiten Weltkrieges waren nicht die Deutschen oder die Nazis. Sie entfesselten ihn, so lautet die derzeit korrekte politische Lesart, wie sie zum Beispiel Nipperday benutzt. Der zweite Weltkrieg war an dem Tage historisches factum est, als wir gezwungen wurden, Versailles zu unterschreiben. Ob der Entfeßler nun Hitler, Müller oder Pischenreuther heißen würde, ist da nebensächlich. Es lag 1919 auf der Hand, daß die Deutschen vor der Tür stehen würden, sobald sie wieder zu Kräften gekommen wären. Deshalb ist die Petainsche Forderung einer vollständigen Zerschlagung Deutschlands nach 1918 auch mit einer gewissen Berechtigung zu sehen, sofern man Franzose ist. Da aber weder Briten noch Amerikaner daran Interesse hatten, wohl aber an einem zahlungskräftigen, mithin starken Deutschland, wurde das Reich (bis auf die zwölf Millionen Deutschen, die gegen ihren Willen außerhalb des Reiches leben mußten, so aber erst recht eine Kriegsgarantie für die Westmächte abgaben; blood lands) belassen, was im Zeitalter der Nationalstaaten die Gewähr für angelsächsische Sieger war, daß Europa nicht zur Ruhe kommen würde und sie somit beste Geschäfte machen würden. Dieses Prinzip nennt sich balance of power und hatte schon seit einigen Jahrhunderten den Briten gute Dienste geleistet.

  4. #29
    Gast
    Laufkundschaft
    Natürlich musste jetzt Morgenthau ins Spiel kommen... Fakt ist, dass dieser Plan aber nie umgesetzt wurde, einerseits durch die au?enpolitische Konstellation nach dem Ende des Krieges und andererseits durch die Ablehnung im eigenen Land. Manchmal funktioniert Demokratie eben doch. Im Gegensatz dazu wurden die Pläne der Nazis während des Krieges umgesetzt, die Diktatur und das kollektive Wegsehen der Deutschen machten es möglich.

    Es ist unumstritten, dass die Alliierten nach ihrem Sieg nicht gerade zimperlich mit den Deutschen umgingen. Jedoch muss in dieser Frage differenziert werden. Während die Briten und Amerikaner doch recht human agierten, die Franzosen vielleicht nicht so konnten, wie sie wollten, ging man in der sowjetischen Besatzungszone teilweise mit dem eisernen Besen zu Werke. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass die UdSSR sehr viel mehr unter dem Krieg zu leiden hatte, als ihre Verbündeten. Grundsätzlich war die Befehlslage aber auch in der Roten Armee eindeutig, die Besiegten sollten nicht als Ganzes ausgelöscht werden. Wie Du schon sagtest, Zehntausende hatten zu leiden und sind zu Tode gekommen, die Sowjetunion hatte millionenfache Verluste zu beklagen.
    Allein der Vergleich dieser Zahlen spricht Bände...

    1938/39 hätten die Nazis noch soviel Wirtschaftsorganisation betreiben können. Den Mangel an kriegsentscheidenden Ressourcen (?l!) konnten sie weder zu diesem noch einem späteren Zeitpunkt des Krieges ausgleichen.

    Was die Atombombe betrifft, mögen vielleicht irgendwelche Wünschelrutengänger und andere Spinner vermuten, dass Hitler sie bessessen hat. Ich halte mich da doch an die historisch belegten Fakten und die sagen eindeutig etwas anderes aus.

    Die Ursachen des 2. Weltkrieges sind sicherlich auch in den Folgen von 1918 zu finden.
    Auch das ist unstrittig. Unstrittig ist aber auch, dass Hitler diesen Krieg immer wollte und bei seinen Zielen auch wusste, dass er ihn führen muss. Selbst wenn die Sieger von 1914/18 bereit gewesen wären, den Versailler Vertrag zu revidieren, dieser neue Krieg wäre dadurch nicht verhindert worden.

    Zum Schluss noch ein Wort zu den tchechischen Ansprüchen. Die "Alldeutschen" hatten ihre "naturgemäß" gegensätzlichen, in ihrer Intention aber gleichlautenden Forderungen bereits lange vor 1918 gestellt. Auch in dieser Frage also bitte nicht im Nachhinein die die Tchechen zu den Bösen und die Deutschen zu den Guten machen...

  5. #30
    Chefchen Avatar von aerolith
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    schwanzlänge ist nicht entscheidend

    Deine Darstellung liest wie der Abklatsch eines üblichen Lehrbuches. So einfach ist Geschichte nicht gestrickt. Scheuklappendenken. Ich halte mich da lieber offen, was man auch Opportunismus nennen kann. Vielleicht sehe ich die Dinge in fünf Jahren wieder anders als heute, auf keinen Fall aber werde ich Deinen Darstellungen folgen, denn die habe ich überwunden.

    Wenn Du schon mit solchen irrsinnigen Zahlen kömmst, wer mehr Menschen auf dem Gewissen hat, dann halte Dir 20 Millionen ermordete Indianer durch die amerikanische Demokratie vor Augen und lies im Schwarzbuch des Kommunismus nach, worin 50 Millionen Tote allein der Stalinherrschaft zu subsumieren sind.

    Ich möchte betonen, daß ich derartige Aufrechnungen, wer der größere Schuft war, für blödsinnig halte, gleichzeitig jedoch war dieses Totschlagargument des Gastes korrekt zu widerlegen.

    Die Tschechen und Polen haben im Unterschied zu den bösen Deutschen dieselben, ob unschuldig oder nicht, vertrieben. Die Deutschen haben das nicht getan, trotz der von Dir genannten Alldeutschen, die in der Nazi-Zeit allerdings verboten worden waren. Auch witzig, daß Hitler die nicht leiden konnte. Die deutschen Besatzer haben Polen und Tschechen auf Reichsgebiet wohnen lassen (wie die Landkarte nach einem möglichen deutschen Sieg ausgesehen hätte, bleibt Spekulation), wo sie eben wohnten. Aber sie haben sich natürlich die Feinde des Reiches aus den Wohnungen/Verstecken geholt - und das waren nicht wenige. Auch hat mancher Volksdeutscher nach der Revision von Versailles 1938/39 sein Mütchen an Polen und Tschechen gekühlt. Aber das ist etwas anderes und nicht mit der irreversiblen Vertreibung von Millionen Deutschen aus ihren uralten Siedlungsgebieten zu vergleichen. Vertreibung war keine politische Option für Hitler, wohl aber Versklavung, wie man das heute nennt. Ob es aber dazu in der politischen Wirklichkeit (nach einem deutschen Sieg) gekommen wäre, bleibt Spekulation. Fakt ist, daß es keine Vertreibung von Polen und Tschechen gab, allerdings gab es Ausweisungen von Polen, die sich zwischen 1918 und 39 in deutschen Besitz gesetzt hatten. Aber auch das ist wieder eine andere Geschichte.

  6. #31
    rodbertus
    Laufkundschaft

    ansage zum modus in diesem ordner

    die ausgangsfrage lautet: verkannte wahrheiten der weltgeschichte. das ist keine frage, sondern ein ordnerthema. in diesem ordner geht es nicht um thesen, sondern um aspekte der wahrnehmung. geschichte ist nichts anderes. sogenannte faktizität erweist sich bei näherem hinsehen als nichts anderes als etwas gemachtes. was heute als WAHR gilt, ist dies in ein paar jahren schon gar nicht mehr. nichts ist so veränderbar wie die geschichte.

    wenn ich jemanden darüber parlieren höre, daß etwas vergangen sei und darob nicht mehr zu ändern, dann schwillt mir der kamm. nichts ist veränderbarer als die vergangenheit, denn diese west in uns und ist nichts anderes als interpretation.

    ich sammle, was mir unterkommt. und manchmal stelle ich eine frage, die sich erst als virulent erweisen muß. manche erweisen sich nicht und werden vergessen, bis sie wieder auftauchen, weil sie eben doch unter der oberfläche unserer weltwahrnehmung wesen.
    es ist nun nicht so, daß ich jedes angebot eines historikers aus egal welchen zeiten ablehne; im gegenteil: es gibt nicht wenige, die heute meinen beifall finden. es ist aber so, daß der prozeß der forschung niemals endet. was mir heute gefällt, wird von mir morgen bekritelt - und umgekehrt.

    verbrechen ist immer an eine existierende rechtsordnung gebunden. diese ändert sich. ewige gesetze, ewige rechte... ich weiß nicht, ob es so etwas gibt. und wer so etwas aufstellt, muß sich selbst daran messen lassen.

    um beim beispiel zweiter weltkrieg zu bleiben: wer eine atombombe einsetzt und mit einem schlag hunderttausende umbringt, der hat für mich keine moralische berechtigung, die feinde als verbrecher zu bezeichnen. tut mir leid, wenn das andere anders sehen und für sie der zweck die mittel heiligt. für mich tut er das nicht.

    der ordner ist verkannten wahrheiten vorbehalten, nicht einer diskussion über moral und verbrechen in irgendwelchen zeitaltern. nicht themarelevanten äußerungen in diesem ordner werde ich löschen bzw. in andere ordner umkopieren.

  7. #32
    Chefchen Avatar von aerolith
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    Mondfahne

    116 deutsche Raketentechniker brachte Wernher von Braun mit nach USA, Huntsville, Alabama. Dort konzipierte er die Mondlandung. Auf russischer Seite saßen auch etliche Deutsche inner Crew um Koljurew (oder so ähnlich). Wie wir alle wissen, haben die Deutschen brav unsere Fahne aufm Mond gehißt. Dafür noch heute besten Dank!


  8. #33
    Chefchen Avatar von aerolith
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    Fortschrittsglaube

    Die Katastrophe des ersten Weltkrieges brachte es mit sich, daß der Fortschrittsglaube gebrochen wurde.

    Während bis zu dieser Urkatastrophe des 20.Jahrhunderts Weltgeschichte unter dem Paradigma des Universalismus gesehen wurde und die Betrachtung der Weltgeschichte auf den Glauben an den Fortschritt der Menschheit aufbaute, kamen nunmehr die Pessimisten zum Zuge, die das Geisteserbe der Antike nun anders fruchtbar machten. Statt kosmopolitischem Humanismus im Weltreich der Gedanken, das unsichtbar alle Menschen miteinander dem Besseren zuführte (Hegels Weltgeist-Idee), fußend auf dem Idiom der Gleichheit der Menschen und gefüllt von der Hoffnung eines Weltbürgertums, kamen depravierende Gedanken, Untergangsstimmungen ins vordere Bewußtsein, was zwangsläufig in dem Diktat einer beherrschenden Idee, einer beherrschenden Rasse enden mußte. Die alten Ideale hatten schließlich in die Katastrophe geführt, die neuen waren noch unverbraucht und versprachen eine Führung mit dem ewigen Reich des Friedens.

  9. #34
    kls
    Laufkundschaft

    Der Mensch...

    ... ist nur ein Tintenfass, in welches ein Schicksal eine Feder taucht und ein Leben schreibt. Herrlich beknackter Spruch, wie ich finde.

    Historiker sehen zwangsläufig Zusammenhänge, Prozesse, welche die Schlüsselereignisse der Menschengeschichte deterministisch erklären. Das kann, muss aber nicht die Wahrheit sein. Vielleicht sind Ereignisse weniger kausal, sondern bloß chaotisch strukturiert, dennoch gewissen Rhythmen unterworfen. Und dann kommt eben mal wieder eine Kultur hochgeschwappt, nach 1,618 Einheiten klatscht sie wieder zurück. Und weil nun dieser Apfelmännchenweltformel insgesamt Folge geleistet werden muss, braucht es da einen Mao, dort einen Bismarck, hier einen Hitler, alle von dem Abfolge her im Nachhinein erklärbar, aber in Wirklichkeit nur Mustererfüllung eines chaotischen Metaprogramms.

    Robert, wie du raus lesen kannst, verlangt selbst die Ablehnung von Determinismus deterministisches Denken. Vermutlich können wir Menschen nicht anders. Unser Hirn sucht wohl evolutionsbedingt nach Zusammenhängen, selbst wenn diese nicht gegeben. Das hat uns von den Bäumen getrieben.

  10. #35
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    Keelhaul

    Operation "Keelhaul" (1945): muß erforscht werden.

    Ungeheuerlicher Vorgang, wenn wahr, der sogar schon Verwendung bei einer James-Bond-Verfilmung fand. Verbrechen oder politisches Kalkül?

  11. #36
    Sohn des Hauses
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    und die katze tritt die ecke krumm...

  12. #37
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    britische Xenophobie

    England verwehrte nach dem ersten Weltkrieg Mischlingen (ein Elternteil deutsch, eins britisch) Anstellungen im öffentlichen Dienst mit eben der Begründung, daß ein Elternteil deutsch sei.

  13. #38
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    AW: Verkannte Wahrheiten der Weltgeschichte - von 1889 bis heute

    Nach Auskünften des Abwehrspezialisten Bentivegni war es Botschaftsangehörigen während des Dritten Reiches in ausländischen Botschaften untersagt, etwas zum Nachteil des Gastgeberlandes zu unternehmen. (Es gab einen entsprechenden Führerbefehl.) Bei aller Agententätigkeit durften solche Attaches bzw. Angehörigen nichts unternehmen, was ihre Stellung exponieren könnte.

  14. #39
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    Olympiade 1936 - Einmarsch der Franzosen

    Der gute Michael Reinsch verfaßte heute einen Gedenkartikel zum 75. Jahrestag der Eröffnung der Olympischen Spiele zu Bärlin. Er entblödet sich nicht, die jüdische Sportlerin Helene Mayer als eine zu zeihen, die sich internationale Kritik durch das Bezeigen des damals als "deutschen Gruß" geltenden und heute "Hitlergruß" genannten römischen Grußes eingefangen haben soll. Der Mann sollte sich die Dokumentation Leni Riefenstahls anschauen: nicht nur die Deutschen zeigten den "deutschen Gruß", u.a. Franzosen, Ungarn, Italiener oder Polen marschierten mit selbigem ein. Das war 1936 ein Akt der Höflichkeit, keine politische Kundgebung für die Nazis, also keine Bekanntgabe, daß man selber Nationalsozialist sei. Sicherlich war es auch eine politische Kundgebung, ähnlich geartet wie das um 1970 obwaltende "Hi!", aber anders als die Faust in Mexiko. [1968 in Mexiko grüßten afroamerikanische Sportler mit der Malcolm X - Faust, das war politisch]

    Die Kritik Reinschs ist ein typischer Fall von Interpolation. Heute wird alles, was sich mit dem NS verbinden läßt, verdammt, so auch der Gruß, den Hitler wählte, um seine Verbindung zu Mussolini und im weiteren Sinne als mutmaßlicher Rechtsnachfolger des Römischen Reiches (Adler!) anzuzeigen. Es wird mit dergleichen tendenziöser Darstellung Geschichtsklitterung betrieben und letztlich ein Popanz aufgebaut, der wohl vielen Journalisten Geld bringbt. Sie können dann diesen Popanz pflegen, den Troll füttern und verdienen nicht schlecht dabei. Mit Seriosität hat das nichts zu tun.

    Wirklich dumm wurde es dann allerdings, als Reinsch behauptet, die DDR habe die Strukturen der Nationalsozialismus zum Aufbau ihrer Sportsupermacht benutzt. BSGs (Betriebssportgemeinschaften), Sportleistungszentren und Pioniersport als integrale Bestandteile des totalitären Staates.

    Hallo, Reinsch, das gab es alles schon vor den Nazis und nicht nur in Deutschland. Das gibt es auch andernorts. Daß der Sport in der DDR eine größere Bedeutung besaß als heute in der BRD, lag v.a. daran, daß er Aufstiegs- und Reisemöglichkeiten schuf, die es zwar heute auch gibt (vielleicht sogar noch stärker als zu DDR-Zeiten), v.a. aber daran, daß die DDR immer im Wettkampf mit der BRD stand. Die Effizienz, die der DDR-Sport erzielte, hätte ich mir für die Wirtschaft gewünscht. Allerdings galt in der DDR ein Grundsatz für die Effizienz in der Wirtschaft: "Mehr geht nicht. Wir können nicht zwei Großmächte ernähren."
    Beim Sport mußten man seinerzeit auch aufpassen, damit man nicht besser abschneide als die Sowjetunion. Das waren spannende Zeiten, wenn es ans Schwanzmessen (Medaillenspiegel) bei Olympischen Spielen ging.




    P.S. Besonders bizarr an dem "Hitlergruß" der Jüdin Mayer ist, daß die beiden anderen Damen "Blutarier" waren, die eine in Berlin geboren, für Österreich startend, die andere ebenfalls Deutsche, aber für Ungarn startend. Beide zeigen den Gruß nicht, aber die Jüdin, die für Hitler-Deutschland startet, tut es. Bizarr!

  15. #40
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    Die Virulenz des Kapitalismus

    Die Virulenz des Kapitalismus liegt in einem einfachen psychologisch-soziologisch-ontologischen Gesetz begründet, das seine Lebensdauer für nahezu ewige Zeiten bewirkt. Der Mensch entwickelt sich im Laufe seines Lebens von einem Kritiker zu einem Bewahrer seines (erworbenen) gesellschaftlichen Umfelds. Greift er Verhältnisse in seiner Jugend an - zumeist, weil er außerhalb der Macht und des Erwerbsprozesses steht -, ändert sich das schlagartig an dem Tag seines Eintritts in verantwortungsvolle Tätigkeit oder den Erwerb von Besitz. Plötzlich stehen konservative (Wert erhaltende) Aspekte hoch im Kurs der Weltwahrnehmung, also seine Einbindung in den Erwerbsprozeß, seine Partizipation an Entscheidungsprozessen, seine Einbindung in diese (teuflische) Welt.

    Da der Kapitalismus die immanente Fähigkeit besitzt, diese Dynamik des Lebens in sich aufzunehmen, wird er ewig existieren.

    Es ist ja nun auch nicht so, daß es ihn erst seit zwei-, dreihundert Jahre gäbe; schon im alten Babylon gab es kapitalistisch anmutende Verhältnisse mit Geld- und Wechselgeschäften, Kapitalgesellschaften und (bilateralen) Handelsverträgen...

  16. #41
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    Post Verkannte Wahrheiten der Weltgeschichte (II)

    Daß Hitler beim Aufstieg der NSDAP auch jüdisches Geld nahm, ist allgemein bekannt. Daß er sich aber auch öffentlich mit führenden jüdischen Bankiers und Industriellen traf, war mir neu. So teilt der KPD-Abgeordnete Neubauer in seiner Rede am 16.Oktober 1931 im Reichstag (unwidersprochen von anwesenden Nazis) mit, daß beim Harzburger Front-Treffen u.a. Mittendorf von Shell (Kriegsgeräte gegen das Reich im Weltkrieg), Gottstein vom (jüdischen) Jakob-Michael-Konzern (offenbar alte Frontkameradschaft) und Regendanz vom amsterdamer Büro der Rothschilds (!) eingeladen und anwesend waren.

  17. #42
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    Arrow Hindenburg und Hitler

    Daß Hindenburg Hitler zum Kanzler ernennen mußte, lag in der Natur der Sache der Demokratie der Weimarer Republik. Die stärkste Partei im Reichstag besaß ein Anrecht auf Stellung des Reichskanzlers - früher oder später. Die NSDAP ihrerseits sah in Hindenburg einen Vertreter der Sozialdemokratie, zumal der aus der DNVP ausgetreten war. Klingt merkwürdig, war aber so, wie diese Rede Goebbels' belegt. 1925 galt Hindenburg den Vertretern der "nationalen Opposition" (also allen Parteien von der DVP an rechtswärts) als Hoffnungsträger. Mit Hindenburgs Festhalten an Brüning, der wiederum die SPD zum regieren benötigte, veränderte sich die Meinung der Nazis gegenüber dem greisen Feldmarschall spätestens nach 1930. Fortan galt er ihnen als Feind, als Unterstützer der von ihnen so gehaßten Weimarer Republik.
    Die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft Hindenburgs für Frankfurt/Main bezeugt einmal mehr das linksfaschistische Denken heutiger Politiker: historisch ungeschult oder umdeutend, oberflächlich und in vorauseilendem Gehorsam gegenüber dem Zeitgeist Entscheidungen treffend.

  18. #43
    Chefchen Avatar von aerolith
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    AW: Verkannte Wahrheiten der Weltgeschichte (II)

    Das Verhalten der SPD während der Weimarer Republik war schon bizarr. Zwar ließe sich beinahe alles unter der Überschrift "Staatsräson" subsumieren, doch etliche Sumpfblüten lassen da schon fragen, ob man nicht bereits im Winter 1918/19 (mit der gewaltsamen Niederschlagung der bolschewistischen Räte), gemeint ist das Zusammengehen der eigentlich dato marxistischen SPD mit den kapitalistischen Linksliberalen und anderen Bürgerlichen zur Rettung der kapitalistischen Basis des Reiches, klugen Köpfen in der SPD hätte klarsein müssen, daß sie da irgendwie die falsche Richtung einschlugen. Besonders deutlich wird die Tendenz ihrer politischen Fehlleistungen im merkwürdigen Wechsel ihrer Beziehung zu Hindenburg. 1925 wurde Hindenburg als verkalkter Repräsentant der überlebten Monarchie, als Deutschnationaler, Kriegsverbrecher (Hindenburg stand auf der Liste der Kriegsverbrecher, die Frankreich erstellt hatte) und Staatsfeind von den Sozis bekämpft, 1932 machten sie ihn zu ihrem Kandidaten als Retter der Weimarer Republik.

    Am 4. Dezember 1924 stand im sozialdemokratischen "Vorwärts" folgendes dazu:



    Anmerkung der Redaktion: Wir hatten im Wolkenstein einen Ordner zu bewußtem Haarmann, dem Schlächter von Hannover. Jonathan hatte da mal etwas geschrieben. Dieser Text wird demnächst in selbigen Ordner verschoben worden sein.
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  19. #44
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    Post Druschba-Trasse (Freundschaft)

    Die Erdgastrasse "Druschba", an der Tausende Mitteldeutsche arbeiteten und die als Objekt der deutsch-russischen Freundschaft zu DDR-Zeiten propagandiert worden war, war in Wirklichkeit ein westdeutsch-russisches Projekt. Die Essener Ruhrgas AG plante und finanzierte es großteils. Heute verdienen neben der Ruhrgas AG (und die BRD) der russische Staat damit Millionen p.a. Im Laufe der Jahrzehnte dürften es einige Milliarden geworden sein. Ein Bricklebrit.

    Quelle

  20. #45
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    Talking Die Rote Fahne

    ...durchlebte einen Bedeutungswandel. Heute besitzt sie zwei Bedeutungen:

    a) am Ende eines aus einem Fahrzeug lugenden Aggregats gibt sie ein Achtung für hinterdrein Fahrende und
    b) sie ist das Symbol der Arbeiterklasse, gemeinhin der marxistisch (verbildeten) Proletarier.

    Im Mittelalter wurde bei Markttagen eine rote Fahne aufgezogen. Solange sie hing, war dies für alle Stadtfremden das Zeichen, daß sie unter Marktrecht stünden, also unangreifbar waren. Wurde sie eingeholt, mußten die Fremden (Kaufleute, Juden, Fahrende) die Stadt verlassen und verloren den Schutz durch die Stadt.

  21. #46
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    Post Der Einfluß politischer Führer

    Politischen Führern wird oft vorgeworfen, sie würden auf die Entwicklung der ihnen anbefohlen Nationen zu wenig Einfluß nehmen. Ich erinnre mich an Kohl, dem das vorgeworfen wurde, auch Merkel wird immer wieder vorgeworfen, ihrer politische Richtlinienkompetenz zeige sich darin, daß sie richtungslos operiere.

    Ein verkannte Wahrheit der Weltgeschichte lautet, daß Zeiten, in denen große Nationen scheinbar richtungslos operieren, die glücklichsten Zeiten für diese Nationen sein können, oft sogar sind. Es ist eher so, daß Zeiten, in denen diese Führer agieren müssen, meist durch Krieg, Unruhe und Not gekennzeichnet sind. Die Größe einer Nation zeigt sich durch ein nahezu undurchdringliches System gegenseitiger Pflichten und Interessen, das erst in Notzeiten radikal aufbricht und nivelliert. Dann ist die Führungsfähigkeit der Eliten gefragt. In Friedenszeiten dagegen geht es nicht um Führungsnachweise, sondern um Gestaltungswillen, um die Förderung aller in der Gesellschaft wirkenden Kräfte, der guten wie der schlechten, der zerstörerischen wie der aufbauenden. In Krisenzeiten zeigt sich erst die Güte eines Systems, die Qualität der Entscheidungen aus Friedenszeiten. Die Gestaltung der Gesellschaft ist kein Aufgabenbereich des politischen Führers, sondern der Gesellschaft, ihrer Vielfältigkeit. Der politische Führer muß nur dafür sorgen, daß jede Kraftentwicklung möglich ist, gerade die, die gegen seine eigenen Auffassungen gerichtet sind. Erst dann wird die Gesellschaft wachsen, denn nichts stärkt sie mehr als das Wachstum an ihren Flügeln und nichts tötet sie mehr als die Nivellierung der Interessen in einem grauen Einheitsbrei.

  22. #47
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    Lightbulb Italienischer Umgang mit sich "vergessenden" Frauen

    Als ein Wesensmerkmal des Nationalsozialismus gegenüber dem Faschismus gilt dessen Rassismus. Allerdings hatte Mussolini nichts gegen die 70000 Juden, die seinerzeit in Italien lebten. Dafür bestrafte er rigoros italienische Frauen, die sich mit Rassefremden einließen. Er berichtete auf einer Autofahrt von Potsdam nach Bärlin 1937 dem Staatssekretär im Äußeren, Vicco von Bülow-Schwante, daß ihm drei (!) Fälle bekanntgeworden seien, die sich in den italienischen Kolonien "vergessen" hätten. Er habe diese Frauen auspeitschen lassen und dann für 5 Jahre "in Konzentration" schicken lassen.

    Meiner Meinung nach ist das gelebter Rassismus. Ganz nebenher erfährt man, daß Italien Konzentrationslager besessen haben muß.

  23. #48
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    Entschädigung für deutsche Kolonialgebiete

    Der Präsident der Südafrikanischen Union, Hertzog, konzedierte der deutschen Regierung 1938 berechtigte Ansprüche auf Ersatz für das 1919 durch Versailles verlorengegangene Schutzgebiet Deutsch-Südwest. Die deutsche Regierung allerdings wollte keine Ausgleichszahlung, denn die nationalsozialistische Politik sah vor, alle Deutschen in einem Reich zu vereinigen: "der Gedanke einer finanziellen Abfindung für ein deutsches Kolonialgebiet mit einer erheblich deutschen Bevölkerung [ist] für uns indiskutabel" (Hans Georg von Mackensen, Staatssekretär im Auswärtigen Amt, 31. Oktober 1938). Dazu zählten auch die etwa 100000 Deutschen in Südwest. Diese Politik lief auf böhmische Zustände hinaus. Ein Antrag der Deutschen aus Südwest würde die Annektierung des Gebietes bedeuten, die Südafrika hingenommen hätte, vielleicht auch Britannien und Frankreich. Vielleicht. Vielleicht nicht. Man weiß nicht, was die Äußerungen des südafrikanischen Präsidenten von 1938 wirklich bedeuten. Seine wohlwollende Haltung zum Reich kostete ihn 1939 die politische Karriere, wahrscheinlich auf Druck der Briten.

    Erläuterungen: Die in diesem Gebiet außerdem ansässigen Herero, Nama und Hottentotten waren weitgehend Nomadenvölker, die dort immer mal ansässig waren und erst etwa hundert Jahre vor den Deutschen ihre Nomadenzüge auf diesen Teil Afrikas gelegt hatten. Sie sollten das auch fürderhin tun dürfen, hatten sich aber zu dieser Zeit weitgehend mit den Deutschen in Südwest arrangiert und díenten ihnen als Hausdiener oder weniger als Feldarbeiter (das Gebiet eignet sich nur zur Viehwirtschaft), vereinzelt auch im Bergbau, waren also wenigstens saisonweise weitgehend seßhaft geworden. Eine afrikanische Staatsbildung gab es nicht, keine Parteien, keine modernen Strukturen. Die deutsche Organisation nahm die Afrikaner auf, sofern diese paßten und willig waren. Eine Apartheid wie in Südafrika gab es in Südwest nicht. Die Afrikaner besaßen vor dem Weltkrieg die Möglichkeit, zu Reichsbürgern zu werden, denn das Reich knüpfte Staatsangehörigkeit nicht an die Nationalität. Das Reich war eben kein Nationalstaat! Das kam aber kaum vor, wenngleich Herero-Führer Reichsbürger geworden sein sollen. (das muß ich aber erst noch prüfen)

    P.S. Bei wikipedia wird behauptet, Mackensen sei am 4. Feber 1938 von Neurath in seinem Amt als Staatssekretär abgelöst worden. Die mir vorliegende Quelle trägt das Datum 31. Oktober 1938; von Mackensen zeichnet hierin als Staatssekretär. Der Adressat ist der deutsche Botschafter in Pretoria.

  24. #49
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    AW: Verkannte Wahrheiten der Weltgeschichte (II)

    Polens Ministerpräsident Beck brachte im Dezember 1937 während des Besuches des französischen Außenministers Delbos die Juden-Frage zur Sprache. Er schlug Delbos vor, die jüdische Emigration nach Madagaskar zu forcieren. Delbos stimmte dem offenbar zu und sagte Unterstützung zu. Zugleich soll es polnische Kolonialwünsche gegeben haben. (Akten zur deutschen auswärtigen Politik, S. 87.) Wo denn nur?

    Das jedenfalls berichtet der deutsche Geschäftsträger in Warschau, Wühlisch.

  25. #50
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    französisch-sowjetisches Bündnis

    Die außenpolitische Isolation Sowjet-Rußlands um 1930 ist eine Mär. Die Russen konnten sich mit der Tschechoslowakei und Frankreich wichtige Verbündete sichern.
    Das schlug sich unter anderen um 1936 darin nieder, daß die etwas produktionsarme französische Rüstungsindustrie zu wenig Kriegsmaterial produzierte, das aber für den Krieg gegen Franco gebraucht wurde. Die Russen loieferten das Material nach Frankreich, die es an ihre Rotfrontkämpfer in Spanien weiterleiteten. Parallel dazu versuchte Delbos (Außenminister) vergeblich, mit Italien, das Franco unterstützte, zu einem Abrücken von der Achse Rom-Berlin zu bewegen. Die Italiener verlangten schlichtweg, daß Frankreich seine Unterstützung der Francogegner einstellen solle, wozu Frankreich nicht bereit war.
    Sowjet-Rußland seinerseits versuchte nach 1936, sich seiner außenpolitischen Partner zu entledigen und nach deutschen Vorbild eine autarke Wirtschaftspolitik zu betreiben. So reduzierten die Russen ihre Konsulate auf etwa die Hälfte und verlangten auf der Basis der Parität das gleiche von Finnen, Italienern, Deutschen, Türken, Tschechoslowaken etc... Der Außenhandel schmolz dahin, zugleich borgten sich die Russen 200 Millionen RM vom Reich. Bizarr. Zurückgezahlt haben sie es nie.

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