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Thema: fragmente vom verstaubten jahrhundert

  1. #1
    Wolkensteiner
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    fragmente vom verstaubten jahrhundert

    fragmente vom verstaubten jahrhr

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    auftritt im verschlag schwarze dicke junge negermummy vor schwarzem feuchtem hintergrund - abgekupfert aus ebensolcher "vom winde verweht":
    (in höchsten tönen kreischend und alle vokale mit langen pausen in die länge ziehend):
    "ei,ei,ei- ist das noch feucht hier! und ich muss immer so viel im kopf behalten. das kann sich doch keiner merken! immer dieses telefon. drrrrrrrrrr! oje oje oje und Er ist doch gar nicht da. was die bloß immer von dem wollen. was soll man denn von so einem wollen, der sich gott nennt. wir in ghana immer nur woodoo, das wirkt wenigstens. ei,ei,ei-"
    sie nimmt von einem ebenso schwarzen telefon vor schwarzem hintergrund den telefonhörer ab und sagt gelangweilt:
    "jaaaaa? wer? Brian?"- ihre weißen zähne sind das einzige, das die lange pause erhellt- "und wer glauben sie, dass sie sind? hier einfach anzurufen? ich kenne keinen brian und hier kennt den sonst auch keiner. ich? nein, ich bin n i c h t gott! ich bin hier nur das mädchen. ei, ei, ei-" knallt den hörer auf.
    "da schalte ich mal den anrufbeantworter ein, sonst muss ich ja noch mehr im kopf behalten":
    und raschelnd und knarrend tönt vom band tom waits:
    "Goddamn there?s always such a big temptation
    To be good, To be good - but
    God's away, God's away, God's away
    On business. business."
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    und genau in diesem moment sprang von unten ein kleines schwarzes hundegroßes tier an Gottes bein und kreischte kindlich: "collect me, collect me, please! my slips are sealed! my heart is true and I will always be servant to you!"
    das alles in yorkshire dialekt. und Gott schüttelte das grüne männchen von sich ab und setzte das schwarze tierlein auf seine knie.
    "soso" grummelte er in sich hinein "was mach ich denn mit dir? hmm - your slips are sealed?" und an dieser stelle musste sogar Gott lächeln, dass sich offenbar der vorbesitzer dieses etwas seinen spaß draus gemacht hatte, aus dem guten alten niggerton eines ständigen "my lips are sealed" das etwas anzüglichere "slips" gemacht und belassen hatte. und Gott beschloss, das tierlein zu behalten und diesen irrtum ebenfalls nicht aufzuklären.
    er strich ihm die schwarzen verfilzten locken etwas aus dem gesicht, um die augen zu sehen. doch was sah er?
    ein mädchen hatte er da auf den knien sitzen, nur mit haar bekleidet und andressiertem englisch im mund.
    er brauchte einige jahre, um aus dem tierlein ein menschenkind zu machen, ihm die Gottessprache deutsch beizubringen und es als mädchen für alles in seinen haushalt zu integrieren.
    ohne ein "yassir Go-ott, yassir Go-ott" hätte er keinen tag mehr beginnen wollen.
    treu wie ein hund hatte sie ihm seither gedient. und wenn sie auch etwas dumm war, ziemlich langsam und faul, extrem kreischend und kindisch, so war sie ihm inzwischen doch einigermaßen vertraut geworden.
    doch auch das grüne männchen hatte er damals als collector von england mitgebracht...
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    hinter dem moor sank die sonne...
    sam, jim und alister starrten in ihre richtung.
    da bewegte sich was am rotglühenden horizont.
    jim sprang auf und hielt sich die flache hand an die augenbrauen, um es besser zu erkennen.
    es war ... eine frau ... eine Frau! ... hier in der ödnis fast so wertvoll wie wasser.
    sie kam näher, bis sie sich groß und dunkel vor der nun fast schon untergegangenen sonne abzeichnete. kurven!
    die drei männer hielten den atem an ... jim setzte sich wieder. sie starrten jetzt auf den boden.
    "habt ihr wasser für mich?" fragte die frau mit einer weichen dunklen stimme und setzte sich unaufgefordert zu ihnen ....
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    bis eines tages die klotür aufgerissen wurde:
    "aagentiin oolgaa. deutsche welle poolen, in faarbe uund buunt! wiir aaben aauftraag füüür diiich. kreml haat beeschlossn, daaass duu subversiiiv füüür ooostblock spiion baai goott saiin sooollst. woityla raaaicht niicht. hiierr - daiin kooffr. wiiirr aaaben uuns niiee geeesenn."
    und rumms, war die klotür wieder zu.
    alister griff nach dem koffer, in der hoffnung auf neues papier ...
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    "yassir go-ott!" eieieiei "yassir go-ott!" durchbrach die schwarze stille ihr kreischen.
    "WAS WILLST DU; SLIP?" gott war ungehalten. den namen hatte er ihr nicht nur wegen ihres englisch, sondern auch deshalb gegeben, weil sie immer so schwarz ins schwarze entwischte.
    sie sprang auf seinen schoß. diesmal musste sie ihm die haare aus der stirn streichen, denn er hatte den kopf tief auf die brust gesenkt:"eieieiei....bist du-u traurig?"
    "ich habe ihnen allen gesagt, sie sollen keine götter neben mir haben", gott hätte sie fast mit dem verächtlichen schwung seines rechten arms (er löste damit überschwemmungen in china aus) heruntergeschleudert, " - und jetzt schau dir die welt an: Allah, Buddha,Caesar,Dollar,Euro,F....F....." gott kam ins hüsteln. "...und dann sind da noch so deppen im moor und haben mich einfach weggeschickt.."
    "aber go-ott.." und sie schob ihren schwarzen kopf unter seinem kinn durch und nur ihre weißen augäpfel rollten unter seinem kinn wieder hervor: "du kannst doch nu-ur auf ei---nen anderen gott eifersüchtig sein - we-enn das mal so vie-iele sind, da ist es do-och sinnlos! eieieieiei ..i-ich kann ja auch nu-ur auf ei---ne miss - eieieiei..., aber doch ni-icht auf alle. di-ie heben sich doch alle ge-egenseitig wie-ieder a-auf!"
    "ach du kind du" sagte gott "was täte ein gott ohne dich! und jetzt sag mir nochmal schön dein verslein auf, damit ich auch etwas zu lächeln hab" und er stellte sie behutsam mit einer hand auf den boden.
    aus dem reinen schwarz blitzte es nur bei den vokalen auf:
    "..o-e....i,..o-e....i..iiiiis
    ..ei..ips..aa..iiiiild..
    ..ei..aaart..i..uuuuuu...
    ..?.ei..i-a-eiiiiis...
    ..i..?-a....u..uuuuuu...!" dann war es wieder ganz dunkel.
    da musste gott in der tat lächeln. slip hatte schon längst wieder vergessen, warum sie ihn eigentlich gerufen hatte. und es schien ein ruhiger schwarzer tag zu werden.

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    der teufel übte gerade karaoke, als das rote machiavelli-cowgirl hereinstürmte und ihm wortlos den koffer und einen rucksack vom pferd aus vor die füße warf.
    dann zog sie stalli zu sich aufs pferd und der teufel sah nur noch die lange rauchfahne.
    er unterbrach sein schauerliches singen mit einem druck auf das schwarze viereck und beugte sich zu dem ruck - und ruchsack hinunter.
    er studierte im aufheben das im lederviereck bereits vergilbte namensschild: troy sacks.
    noch ahnte er nicht, dass darin neben drei männerhosen, einigen bereits fauligen rohen fleischstücken noch ein handtuch auf ihn wartete
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    slip kuschelte sich nun mit dem rücken an gott und beide besahen in stiller, schweigender eintracht das bunte heftchen.
    "go-ott, die sind ja alle na-ackt. ist das ein neuentdeckter sta-amm im mo-or?"
    "ja" grummelte gott kurzangebunden "den hat die gruppe p der ornithologischen gesellschaft jetzt im moor entdeckt. immer in kampfszenen, verehrer von allem flüssigen. muss ich mir jetzt mal genauer anschauen.."
    "ach so" sagte slip gelangweilt, sprang vom schoß herunter und sang sich ein liedchen aus ihrer heimat, wo in der guten alten zeit auch noch alle nackt gegangen waren und der regen schließlich das wichtigste war.
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    eigentlich kam gott die entführung ganz recht. jahrhunderte hatte er sich davor in alpträumen zu tode gefürchtet, aber jetzt, hier im kartoffelsack, mit slip, die die einzige war, die ihm nie auf die nerven gegangen war, seit sie ihn in yorkshire angesprungen hatte, konnte er sich mal so richtig ausruhen.
    sie hatte wieder mal, im willen zum bösen, genau das richtige getan. auf sie konnte sich gott, wie ihm in seiner allwissenheit längst klar war, jederzeit blind verlassen. ihr schnarchen, das durch den kartoffelsack einschläfernd in rhythmischen abständen das dunkle durchdrang, tat seine wirkung.
    gott träumte.
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    während die lady so am absatz lutscht, denkt sie an caliban und die drei jungs:
    bisschen sprachgesteuert, die drei+1, aber drei wochen sind auch lang ... und hier im moor erst ...
    und was ist, wenn der wald wieder brennt?
    sie und die andre sitzpieslerin hätten da nicht viel dagegen zu halten ...
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    doch alister wäre nicht alister, der schon tausend tode gestorben und seiner legende nun noch einen weiteren hinzufügen konnte, wenn er nicht mitsamt einer neuen nahtodextrem erektion sich durch die erde gebohrt hätte und wieder als ein ganzer dastand.
    diese lady war wirklich einschussreich! er würde zu ihr zurückgehen. sie waren ein gutes paar. er überlegte, wie er sie im nächsten porno einbauen könnte ...
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  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: fragmente vom verstaubten jahrhundert

    Aus 1 ließe sich eine Geschichte machen. 2 vergiß. 3 ist der Anfang einer erotischen Eskapade, nur als Kurzgeschichte erträglich, dann aber vielleicht sogar gut, wenn's verschwitzt bleibt. 4 ist langweilig. Da laß ich mir von Achtpanther Radio Jerewan-Witze erzählen. 5 ist gehemmte Nonchalance und unrettbar. 6 ließe sich vielleicht verwenden, wenn Du eine passende Geschichte hast, in die diese Miniatur eingebaut werden könnte. 7 findet nicht statt.

    Die sprachgesteuerten Jungs müssen im Zentrum stehen. Biff, Cliff und Mitch meinetwegen. Dann ein Teufel, der eine Frau war, dann Hitze, Alkohol und Sand. Ein Sturm, eine Herberge. Wie gesehen.

    Weniger Vokale. Mehr Zischlaute.

  3. #3
    Wolkensteiner
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    AW: fragmente vom verstaubten jahrhundert

    ja, fragmente zeichnen sich dadurch aus, daß eben die anderen teile fehlen, aus ihnen selbst aber ein ganzes nicht werden kann. oder doch?

    weil es mich selbst erheiterte und ich solches auch einen wert finde, stellte ich es zur konservierung hier ein - es war mein anteil am einzigen forenfortsetzungsroman der kaputten und ich trugs auf meinen schultern aus dem brennenden troja bis hierher mit mir. urheberrechtlich wäre eine entflechtung nicht möglich, denn nur slip, olga und die lady sind meine figuren. und dennoch: zum wegwerfen zu schade.

    den wert des fragmentarischen an sich habe ich an spphos gedichten erkannt: wie da immer wieder aus dem nichts eine zeile oder nur ein teil davon auftaucht und das noch aus der tiefe der jahrhunderte, sich dennoch ein vollblutmensch dahinter erschließt, das finde ich schon faszinierend.
    seither denke ich, fragmente haben ihren eigenen reiz.

    wieder anders ists aber, wo ein solches nach aufführung dr?ngt, um nicht vergessen zu sein, in den notizen dazu aber grundlegende einblicke in die werkstatt erlebt werden dürfen. dabei denke ich an schillers demetrius-fragment. wills einer für die bühne mit mir zu ende bearbeiten? wer nicht wagt, der nicht gewinnt

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