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Ergebnis 1 bis 9 von 9

Thema: für patina

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    für patina

    habe meine drohung mit deiner genehmigung wahr gemacht, patina und entschlackt



    Mit dem Rücken zur Wand


    Simone riss das Foto ihres Exmannes von der Wand und warf es in den Müll. Im Hof knatterte ein Motor. Sie schob die Gardine einen Spalt zur Seite und lugte aus dem Küchenfenster. Eine Reihe schwäbischer Einfamilienhäuser säumte den Waldrand. Die Bäume trugen noch sattes Grün und doch roch es in der feuchten Luft schon nach September.

    Angelika kletterte aus dem Transporter. Zuerst zeigte sich Simone das pralle Hinterteil, in eine Jeans gepresst, dann kam ein knallgrüner Pullover hervor, gefolgt von roten, verwuselten Haaren und - Simone rümpfte die Nase, na toll, die obligatorische Kippe im Hals brannte anscheinend wie das olympische Feuer ohne Unterlass.

    Simone stellte Teewasser auf. Sie setzte sich an den Tisch und blätterte in "Schöner Wohnen". Wie das wohl alles noch werden sollte mit einer Untermieterin, die ihr alles andere als willkommen war?! Schriftstellerin wäre sie, hatte Angelika im ersten Gespräch erklärt. Was sie denn so schreiben würde?, hatte Simone wissen wollen. Romane! Aha, noch eine von diesen brotlosen Schmarotzern. Das konnte Simone aber gerade noch hinunterschlucken, schließlich war sie auf die Miete angewiesen.
    Während Simone Tee trank, polterte es im Gang.

    2
    Angelika saß auf Umzugskisten, rauchte und schaute sich im Dachzimmer um. Ein gemütlicher Raum mit Schrägen. Hier würde sie ihren ersten Bestseller schreiben. Jawohl! Leider gab es keine Toilette auf dem Stockwerk. Sie würde die in der Wohnung von Angelika benutzen müssen. Shit happens! Wenigstens war sie endlich Tobias los, diesen widerlichen Softie mit chronischem Testosteronmangel! Angelika öffnete eine Flasche Bier, schaltete das Radio ein und sang lauthals Do you believe in love? im Chor mit Cher, während sie ein paar Engel aus Marzipan auf den Fenstersims stellte.




    was sagst du, patina?

    herzliche grüße
    chris

  2. #2
    schreibt hier hin und wieder
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    166

    AW: für patina

    Nein Chrisi, das ist klasse, eine super Idee. Wie wärs, du schreibst den Roman und ich gebe dir den Input. Auf so eine lange Strecke bekomme ich das bestimmt nicht hin.
    Hab mich fast weggelegt vor Lachen.

  3. #3
    Wolkensteiner
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    648

    AW: für patina

    ich find das traurig.

    patinas text war ernsthaft gemeint, und jetzt ist es zwar zum lachen, aber so schreibt hera lind.

    und was soll das ganze? zeigen, daß du besser schreibst als patina? daß sie also jetzt dich ihren text schreiben lassen soll? daß sie dich nachahmen soll? damit wir noch mehr hera linds haben?

    patina, du darfst dich nicht unter wert verkaufen und lacher ersetzen nicht die seele. du hast etwas zu sagen, schreibst authentisch. konzentrier dich nur darauf, an der sprache zu schleifen, über die einzelnen sätze zu gehen: was ist noch gesprochene sprache, ohne dialog zu sein, wo wiederholt sich ein wort, welche wortzusammenstellungen sind zu bekannt und ausgeleiert, welche gesten kann man in zeitlupe darstellen, um einen inneren gedanken auszudrücken oder so.

    oder schreib erst einmal ganz in ruhe weiter, ohne auf uns alle zu hören, und la? dann den ganzen text von robert lektorieren. da wird man ja verrückt, wenn man alles berücksichtigen würde. aber hör bloß nicht auf zu schreiben!

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: für patina

    Hallo Susanne,
    du hast ja recht, mein Text war ernst gemeint. Ich wollte keine Lacher erzeugen. Ich schreibe jetzt einfach nach meinem Stiefel weiter, bringe den Roman zu Ende und gehe am Schluß nochmal über alles drüber.
    Ich habe jetzt halt mal eine kleine Pause eingelegt. War vielleicht gut so, dann kann ich ja jetzt mit frischen Gedanken weiterschreiben.
    Ist es tatsächlich wahr, daß Hera Lind so schreibt? Habe noch nie was von ihr gelesen.
    Danke Susanne
    lg Patina

  5. #5
    Wolkensteiner
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    Hera Lind - ihre Zielgruppe und ihr Stil

    doch, ich schon. ich war mal krank und da war hera lind genau das richtige (erinnere mich aber nicht mehr an den titel oder die geschichte). sie schreibt sehr kurzweilig, lustig aus dem alltagsleben mit highlights, die entweder einem komischen naturell vom leben zufallen oder so von ihr erfunden werden. sie schreibt nicht so schlecht, wie das aus der neidfalte der erfolglosen schreiber aussieht bei den großen verkaufszahlen, die sie hat.

    sie gibt dem normalleser, was er sucht: ablenkung und leichtigkeit, lesbarkeit und einen schuß alternativen blick auf eine trostlosere wirklichkeit.
    an ihren geschichten ist, anders als bei den sensationsheischenden enthüllungsbüchern (bohlen), nichts sensationell, auch keine literarische sprache oder so. es ist einfach unterhaltung für noch lesende statt fernsehen.

    die trivialliteratur hat aber einfach die verlockenderen plots. diese in gehobener sprache - das wärs - die tri viae: epik, dramatik, lyrik sind dort auf relativ niederem niveau verschmolzen, aber das macht es so abwechslungsreich.

  6. #6
    Kurzvormabschussiger
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    hallo ihr beiden

    ist schon klar, patina meint es ernst, ich auch - den text als "lind" einzutypen, na ja ... ohne schubladen ist das leben so chaotisch ich finde allerdings, dass hera lind in einem unrecht getan wird, ihre sprache ist viel besser als ihr ruf. es sind die inhalte, die ihre geschichten so seicht und trotz des flüssigen stils, langweilig werden lassen.

    ich finde dieser anspruch der "gehobenen" sprache ist lächerlich und ein typisch deutsches laster. das ist derselbe quatsch wie im bereich musik die unterteilung in e und u. e steht für hohe qualität, u für schrott.

    liebe patina, hör auf mich das heißt um gottes willen nicht, dass du meinen lind stil kopieren sollst!!! erwecke deine figuren zum leben, gebe ihnen unverwechselbare charakteren, zeig wie es in ihrem inneren aussieht = schreibe konkret und nicht allgemein und benutze schon gar keine floskeln, z. b. klotz am bein oder mut und kraft und bla und schreibe auf den punkt, nicht so viel überflüssiges, das die geschichte nicht voran bringt.
    sei kreativ!!!

    herzliche grüße
    chris

  7. #7
    Moderator
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    Dogmatischer Blick

    Schön, daß Frauen so gut miteinander kommunizieren können...

    apropos: "ohne schubladen ist das leben so chaotisch"
    in einem Soziologieseminar über Gegenwartsdiagnosen lernte ich heute folgendes: In der Moderne wird ständig kategorisiert, benannt, klassifiziert, also alle Dinge und Sachverhalte in Schubladen gesteckt und von anderen Dingen abgegrenzt, so ist auch die Denkweise und das hat einige Nachteile, wie zum Beispiel Vorurteile...alles andere ist Chaos! Die Postmoderne hingegen versucht auch Alternativen zu dieser binären Schematisierung (ja/nein, entweder/ oder) zu finden, also andere Perspektiven auf die Dinge zuzulassen!...aber das nur nebenbei...

  8. #8
    Kurzvormabschussiger
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    kommunikation ist ja eine kompetenz, die auf neu deutsch unter "soft skills" eingetütet wird. und soft skills ist eine domäne der frauen. während männer ja eher dem typ autist zuzuordnen sind. schublade zu

    herzliche grüße
    chris

  9. #9
    Chefchen Avatar von aerolith
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    AW: für patina

    Ihr Mäuse! Kommunikation soll Weicheiapposition sein, und die Modernen konnten nur dogmatisch die Welt wahrnehmen? Ha! Da setz' ich aber ein großes Aber.

    Zuerst einmal bin ich von so viel geistiger Abbrüchlerei hellauf begeistert.

    Aber: Das erklärt nicht die Wiedererstarkung der Dialektik, dieses Drehrumbum, die als Schwebe zu verstehende Staatsauffassung Bismarcks und das Streben nach Ganzheitlichkeit, wie es die Klassik entwickelte. Äh, falsch? Eben. Wie will ein Dogmatiker Ganzheit erklären könne, wie Dialektik?

    Nein, der Westen entwickelte den dogmatischen Blick, der die Moderne des Westens kennzeichnete. In der Postmoderne ist er nur akzidentiell angekommen, in der Beschreibung diverser Zustände,. aber die Postmoderne war NICHT in der LAge, eigene Lebenskonzepte zu entwickeln. Sie zehrt immer noch von den Vorstellungen liberaler Denker aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Das muß man sich mal vorstellen. Die Modernen Smith, James, Hobbes, Rousseau, Montesquieu oder Locke... Verzückung pur. Allesamt Armleuchter.

    Unsere Dichter und Denker nahmen spätestens um 1790 davon Abstand, nachdem sich die Unhaltbarkeit des modernen (liberalen) Konzepts in der Französischen Revolution mit ihrem degoutanten Umgang mit dem Anderen erwiesen hatte.

    Aber was will man von einem gegenwärtigen bundesrepublikanischen Seminar in Soziologie auch anderes verlangen als eben das, was die hiesige Soziologie ihren Schülern beizubringen hat, nämlich Einbindung in die Denklehren des Westens. Die Wahrheit ist das nicht, denn, uhhh!, da lauert ja wieder der deutsche Sonderweg, den wir doch schleunigst verlassen müssen. Aber sofort!

    Und was die Gehversuche christines mit Bowles text betrifft: soll sie doch! Ich finde das durchaus akzeptabel. Bowle muß sich das ja nicht annehmen. Ich bin in solchen Fällen immer für viele Köche, die im Brei herumrühren. Das Kind (der Leser) wird schon schreien, wenn's nicht schmeckt. Und am Ende entscheidet immer noch der Autor, ob er Ideen der Lektores aufnehmen möchte. Siehste!

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