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Thema: schriftverkehr am abend (ein dramolett)

  1. #1
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    schriftverkehr am abend (ein dramolett)

    sie:

    "Der Mondin silberheller Schein
    Taucht die Nacht in weißes Licht
    Schatten spielen in meinem Sein
    Nach meinem Begehren fragen sie nicht

    Geistergleich die Bäume sich winden
    Raschelnd und raunend, erzählen Geschichten
    Die Gestern zu Morgen verbinden
    Vergessen sie das Heute mitnichten

    Über den Himmel jagen Wolkenfetzen
    Verschleiern das Gesicht der dunklen Fee
    An finstren unbekannten Plätzen
    Ergeb ich mich dem jähen wohlbekannten Weh

    Schatten streichen durch die Nacht
    Laute, wild und schrill, ertönen
    Tief in mir die Sehnsucht erwacht
    Nach warmem hellem Licht, dem Schönen.

    Jäh erhellt sich das Dunkel meiner Seele
    Der Morgen wird bringen den neuen Tag
    Vielleicht entrinnt ein Lied dann meiner Kehle
    Getragen von Sehnsucht auf das, was kommen mag.


    Ich liebe die Mondin ... Kennst Du die Externsteine? Im Licht der voll erblühten Mondin eine Offenbarung ... Im Dunkel des Neumonds übrigens auch ..."

    .....................

    er:

    "DIR

    ja.

    das gedicht.

    ich brauch immer länger.
    wunder mich zunächst und les es nochmals.
    bleiben worte hängen.
    les es nochmals.
    bleiben wunden hängen nochmals.
    und bei licht erst recht.
    das dauert... .

    hab heute so viel gesprochen.
    die ganze wahrheit für heut schon offenbart.
    nicht daß ich mich dann noch verspreche.
    worte schände, dir und mir.


    heute schreibe ich dir,
    weil wie sollt ich mich anders dir zudenken?
    sagen wir schweigend rein bei dir zu sein,
    wo du doch nicht da bist?



    ein schalk mir im nacken, der nicht sagte:
    "ha, also heute mal platonisch, genosse,
    was hat er denn - es wird doch nicht der blues...?"

    jählings ich ihn unterbrech jedoch:
    "njet, du narr, das klassische drama!" -
    worauf er sinnend verschwindet.

    (man soll sie später arm in arm in einer spelunke gesichtet haben, volltrunken und ui, wildfamos - aber man munkelt ja viel heutzutage, nuschelt und tuschelt und ratscht und tratscht.)

    das geht bis spät in die nacht,
    schon funkelt die möndin in ihrer pracht -
    dann erst kehrt stille ein.

    die grillen zirpen.
    eine eule von fern.

    dann ruh.

    im morgenglühn liegt taubedeckt im moos -
    die liebe.

    eine amsel tschilpt schon.

    dann wird es licht.

    die morgenröte!

    (vorhang hebt sich endlich. tusch. applaus. erst jetzt beginnt das theater. als wär der prolog am end und der epi im anfang. höllisches gelächter. fanfaren. rumpeln und tosen)

    bis zum abend hin.
    es abschwillt und wird.

    ja.

    das gedicht.

    ich brauch immer länger.


    schlaf wohl!"

  2. #2
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    AW: schriftverkehr am abend (ein dramolett)

    ich bin ja schwer von begriff, langsam - mein gott, ja! - aber das hat mir am besten gefallen:

    heute schreibe ich dir,
    weil wie sollt ich mich anders dir zudenken?
    sagen wir schweigend rein bei dir zu sein,
    wo du doch nicht da bist?
    du bist mit einer reiferen sprache zurückgekommen und schön ist das, zuzusehen, wie jemand wächst

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