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Thema: Deutschland müsse das Mittelmaß überwinden

  1. #1
    Wolkensteiner
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    Deutschland müsse das Mittelmaß überwinden

    ... sagt Köhler in einem Interview mit Focus.

    Solange Neid die vorherrschende Tugend ist, eine Gouvernante, die jedes Regen über den Pflanzhorizont begradigt durch Preisgabe ans Lächerliche und Verachtung oder Nichtachtung, solange wird das Mittelmäßige in allem erhalten bleiben.
    Selbst an der guten alten Bravo geht das nicht vorbei: sie habe deshalb rückläufige, bedenklich rückläufige Verkaufszahlen, weil Deutschland keine Stars mehr aufzuweisen habe. Ja, warum nicht? Es gibt sie ja, die Begabtesten, die aus sich selbst schöpfen immer noch, unbeirrt ihren Weg gehen - und es gibt sie in allen Bereichen. Aber sie kommen nicht hoch. Selbst, der sich für sie begeistert, schweigt, möchte nicht, daß seine Begeisterung von der Herablassung der anderen zerfressen wird. Eher stimmt er Mittelmäßigem zu, bei dem er sich des Konsenses sicher weiß. Kleinster! gemeinsamer Nenner.
    Zementiertes Mittelmaß. Wo bleiben die Begeisterten?
    Sie bleiben versteckt, da Lob per se eine Unehrlichkeit sein muß, da es dem Neid nicht entsprechen kann. Armes enges Herz. Zusammengezogene Brust, gebeugter Gang. Bodensicht. Kein Ort für Aufrechte.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Deutschland müsse das Mittelmaß überwinden

    Mittelmaß ist per se das Ziel aller Philosophie, Mesothz nannten es die alten Griechen.

    Aber hierüber - über Maß halten, die Mitte finden und Mittelmaß - wird zu sprechen sein, Susanna. Das Themenpaket reizt mich zu mehr als diesem.

  3. #3
    Wolkensteiner
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    AW: Deutschland müsse das Mittelmaß überwinden

    stimmt - es ist ein ganzes paket.

    es sind viele bereiche zu unterscheiden, aber fokussiert sich wohl auf zwei:
    harmonie durch mäßigung des exzessiven (nimium nocet) und leistung/innovation/kunst durch anstreben der überwindung des mittelmaßes.
    dazwischen das politische: mittelmaß oder optimum, harmonie oder krieg - um es sehrsehr überspitzt zu sagen.

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    Denk ich an Deutschland in der Nacht,

    mir einer in der hose kracht!

    entfährt es mir spontan, als ich die hervorbringungen zum deutschen mittelmaß lese.

    ich denke die sache ist die: das verbissene streben nach genialität bringt eben sehr viel mittelmaß hervor. in österreich haben wir daher das genie einfach abgeschafft (egon friedell für viele andere). wir brauchen es schlichtweg nicht. die kulturgeschichte der genies ist eine kulturgeschichte der narren und vernarrten, eine kulturgeschichte der entäuschenden und der enttäuschten

    die deutschen und die österreicher sind überhaupt sehr unterschiedlich. unter dem zugebenenermaßen wenig spektakulären titel: <b>die kipferlaffäre</b> werden wir mit bestem bemühen in einer narrativen detonation die unterschiedlichen wesenheiten in einem nebenstrang der geschichte verhandeln.

    auch werden wir das thema "freier wille" mit einem exklusivbeitrag der freiwilligen feuerwehr oberschoderlee neu anorgeln.

    schnobs over the pobs

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder
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    Denk ich an Deutschland in der Nacht,

    humor hatter schon.
    der herr pops off the world.
    das kann man nit leugnen.

    lach mir stets einen schief,
    kirr, kringel mich und
    winsel.

    mit dem ernst hatters nicht so.
    naja, wien,
    was soll man erwarten?

    ich les kein focus.
    die zeit eben und die mopo:
    letzteres wegen st.pauli.

    wieder verloren.
    schade.
    naja.

    bush hat gewonnen?

  6. #6
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Genie und Pflicht

    Ein Gedanke durchdringender Schärfe: Das Genie bedarf bei seinem Aufschwung in die himmlischen Sphären keines menschlichen Begleiters. Der Starke ist am mächtigsten allein, wie Schiller das beschrieb. Doch kehrt er auf die Welt zurück, so muß er seine Fremdheit mit den Menschen aufgeben und wie sie sein. Er ist eben auch wie sie, muß es sein, sonst wäre sein Genie sinnlos. Was soll ein Genie nur den ganzen Tag mit sich anfangen, wenn es ganz bei sich bleibt? Es verdurstet.

  7. #7
    Wolkensteiner
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    AW: Genie und Pflicht

    es verdurstet nicht - es schreibt: vom himmlischen nektar hats ja genug, nur das erschrecken in den augen der menschen, das ist schrecklich - es ist eine last

  8. #8
    Resurrector Avatar von aerolith
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    So was jibt's jar nich, "die Deutschen"

    Wenn ich einen Satz lese wie den "Die Deutschen und die Österreicher sind überhaupt sehr unterschiedlich...", dann entfährt mir doch prompt ein Stoßseufzer. Ein absurder Satz. Wenn ich sage: Die Deutschen und die Magdeburger sind überhaupt sehr unterschiedlich oder die Russen und die Moskowiter sind es oder die Franzosen und die Provenceler sind es. Aber ich befürchte, daß Schnoberle es gar nicht bewußt machte, das Absurdieren. Die Leute in der Leibnizstraße sind überhaupt sehr unterschiedlich.

    Zum ersten möchte ich hier feststellen, daß es DIE DEUTSCHEN gar nicht gibt, genauso wenig wie es die Franzosen oder die Magdeburger gibt. Jedenfalls nicht in einem alles umfassenden Sinne. In einem staats-, raum- oder mentalitätspolitischen Sinne dagegen gibt es die schon, Franzosen, Briten oder Deutsche. Diese staatspolitischen Begriffe sind hier wohl jetzt eruiert, Susanna?
    Wenn Köhler von den Deutschen spricht, meint er dann die Deutschen der BRD ooder die Staatsbürger der BRD, meint er dann die Deutschen im allgemeinen oder speziell welche, sagen wir "die des Lesens Kundigen"? Oder die Kürbiszüchter? Oder die naturalisierten "Deutschen" aus Afghanistan, der Türkei, Polen oder dem Irak? Wenn er von Deutschland und dem Mittelmaß spricht, was meint er dann? Meint er den Staat BRD? Wenn ja, wen meint er da, die Beamten, die Verfassung selbst, den Aufbau des Staates. Er kann ja Deutschland nicht meinen, denn als Staatspräsident kann er nur den Staat meinen. Er spricht also von der BRD. Deutschland umfaßt mehr als die BRD, auch wenn die BRD für sich größenwahnsinnig in Anspruch nimmt, für alle Deutschen zu sprechen. Diesen Anspruch hatte sie seit ihrer Gründung und meint, nach dem 3.Oktober 1990 erst recht, immer schon im Recht gewesen zu sein. Aber man bedenke bitte auch, daß wir noch nicht einmal einen Friedensvertrag haben, geschweige denn eine Verfassung. (Wobei darüber gestritten werden kann, ob man beides zur Konstituierung des Deutschseins benötigt...) Aber ich will ja nicht unken. Ich denke schon, daß wir Menschen des Wortes hier unterscheiden sollten.

    Also, Köhler will, daß die BRD ihr Mittelmaß ?berwindet. Welches meint er denn? Gibt es hier ein paar konkrete Punkte, die er ansprach?

    Gib mir mal ein bißchen Futter!

  9. #9
    Wolkensteiner
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    nun also der vorschlaf thierses zum tag der deutschen einheit:
    es solle ein denkmal - schon wieder? - errichtet werden als freiheits- und einheitsdenkmal:

    "Es tut einem Volk ganz gut, wenn es sich sowohl an seine Schande wie an sein Glück, sowohl an seine Fehler wie an seine richtigen Leistungen erinnert." (SPIEGEL vom 2.10.2007)

    da müssen wir ja gar keine großen baulichen entwürfe überlegen:

    einfach vier tafeln nebeneinander:
    unsere schande / unser glück / unsere fehler / unsere richtigen leistungen

    nur die inschriften darunter werden vielleicht schwierig.

    ich frage mich, warum der drang nach denkmälern?
    und eine sprachvorgabe der regierung:
    man darf nicht mehr alte und neue bundesländer sagen - das wechselte ja sowieso je nach perspektive - sondern dürfe nur noch die vier himmelsrichtungen angeben. auch ossi/wessi ist nimmer politisch korrekt: nur thüringer oder sachse oder bayer oder hesse. dafür schlag ich jetzt aber auch ein denkmal vor, weil ja gar nicht jeder die ländernamen kennt.

    sind denkmäler eigentlich ein zeichen für zentralisierungstendenzen? daß man zum denken in die hauptstadt kommen muß?

  10. #10
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Deutschland müsse das Mittelmaß überwinden

    et tu, thierse? Da hat der gute Mann doch dem AfD-Mann tatsächlich wortwörtlich die Vorlage gegeben. Oder war das nur eine Floskel, bei der es ankömmt, in welchem politischen Lager sie benutzt wird? Ist ja jetzt Sitte geworden, daß die politischen Forderungen, wenn sie von der AfD kommen, rechtspopulistischer Müll sind, wenn sie aber SPD- oder CSU-Politiker formulieren, dann ist alles bestens. Zeitläufte ändern den Korrektheitsgrad von politischen Formulierungen. Das ist die crux mit dem Politisch-Korrekten, sie sind opportunistisch wie ihre Nutzer. Was heute als korrekt gilt, muß es morgen nicht sein.

    Ist ein merkwürdiges Zeichen, daß es ziemlich schwierig war, das Thierse-Zitat im Netz zu finden.

    Das Thema, ach ja, das Thema, ist hier noch nicht vollends abgearbeitet worden. Ich bitte um Wortmeldungen, wie wir dieses Land voranbringen könnten!

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