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Thema: Gesucht: deutsche Entsprechung für "Establishment"

  1. #1
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Gesucht: deutsche Entsprechung für "Establishment"

    Das klingt einfacher, als es ist. Ich überlege sogar, hierfür einen Wettbewerb auszuloben, bei dem man Geld gewinnen kann. Aber bevor ich soweit gehe, vielleicht findet sich jemand, der mir für das eingedeutschte, das Lehnwort "Establishment" eine Entsprechung liefern kann, die nicht auf Fremdwortanteilen basiert.

    Herrschaft, Machtbesitzer, Potentaten, Besitzständler, Jet-Set, Schickeria, Elite, High-Society, Hautevolee, Oberschicht, Auslese... all das trifft es nicht zur Genüge.

    Falls es jemand die foruminterne Firewall nicht zu überspringen, weil er es nicht versteht, zur Beantwortung der Torhüterfrage auch die Präposition einzusetzen, mag er seine Antwort per email an mich schicken. Ein bißchen Kafka sind wir doch alle, und ich will nicht jeden bemuttern, nur weil der denkt, er könne im Wolkenstein günstig werben.

    Also, wer kann helfen?

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Gesucht: deutsche Entsprechung für "Establishment"

    Gaetano Mosca meinte, daß es unzureichend sei, den Begriff der classe politica (Establishment) nur auf die politisch Herrschenden zu beziehen; Reichtum, Wirtschaft und Politik stabilisierten sich wechselseitig, so daß eine Übertragung von Establishment als "herrschende Klasse" durchaus angemessen sei.

    Das sind aber nun zwei Wörter. Ich will ein Wort für die Entsprechung. Herrrschklasse?

  3. #3

    AW: Gesucht: deutsche Entsprechung für "Establishment"

    Teile geäußerte Ansicht, dass es im Ergebnis ziemlich egal ist, welche Teile des Fisches zum Himmel stinken.

    Als VW-Arbeiter hast du angesichts deines Lebenswerkes kaum eine Möglichkeit, dich als Rädchen im Getriebe des Schwimmapparates des stinkenden Kopfes von seinem Gesamtkörper auszunehmen.

    Dann sind wir das Establishment.

    Unsere "Herrschklasse" ist das Ego. Wir werden vom Ego getrieben, Dinge zu tun, von denen wir vorher wissen, dass sie uns nicht guttun.

    Doch um die Herrschklasse zu sein, müsste sich das Ego selbst erschaffen haben.

    Jede Form von Herrschaft ist immer eine Herrschaft über den Geist eines Menschen.

    Establishment beschreibt die Systemfunktion, Menschen in Funktionen zu betrachten.

    Dann könnte man sagen:

    Establishment ist die im Kopf wirksame Überzeugung des Egos, dass Fülle erreicht wird, indem anderen etwas entzogen werden muss.

    Wenn sich im Kopf die Vorstellung "etabliert", im Nachteil des Nächsten einen Vorteil für das eigene Wohlergehen zu finden, betrachten wir eine ziemlich chaotische, erschöpfende und zermürbende Welt.

    So kann die Herrschaft über den Geist zumindest nicht durch die Verängstigung von Körpern erreicht werden. Alle Teile, die den Fisch zur Bewegung verhelfen, können sich nicht als außerhalb seines Dunstkreises definieren. Damit würde das Pferd von hinten aufgezäumt...

    Das sind schon unsere Ego-Ideen und Prämissen, denen wir hier folgen.

  4. #4

    AW: Gesucht: deutsche Entsprechung für "Establishment"

    Es ist eine romantische Vorstellung zu glauben der Mensch könne auch ohne die Herrschenden auskommen. Es muss immer irgendwer über irgendwen herrschen. Es brauchte den Willen zur Herrschaft die Brutalität und das Durchsetzungsvermögen eines Karl V...damit wir heute in einem geordneten und zivilisierten Europa leben. Hätten wir das ausdisktieren wollen...wären wir heute noch wilde Barbarenstämme. Auch die Löwen diskutieren nicht aus...wer das erste oder größte Stück Fleisch bekommt...sonst wären sie schon längst ausgestorben. Nur ein großer und starker Löwe kann das Rudel beschützen - die genetische Überlegenheit zu erhalten und zu vererben ist alternativlos. Ist sehe das Establishment als Bestandsverwalter...und als eine Art Regulativ ohne Berufung. Es ist keine herrschende...sondern eine bestimmende und richtungsweisende Klasse. Es sind die Etablierten. Auch hier verweise ich auf den Volksmund...der würde z.B. Gladbach zum Establishment der Bundesliga zählen. Gladbach war noch nie und ist nicht reich...stellt keinen Führungsanspruch...verkörpert nicht das Elitäre und zählt dennoch zur Elite...zur Bestandselite. Mit dem Establishment verbinden wir wohl auch ein gewisses Maß an Trägheit...doch in einer Welt...wo sich viele Menschen nach Entschleunigung sehnen...verschafft das Establishment auch ein wenig Halt und Orientierung. Ein Establishment in der DDR hätte verhindert, dass der Staat aus Geldnot seine Kulturschätze verschachert.

  5. #5
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Gesucht: deutsche Entsprechung für "Establishment"

    Michael schlägt demnach

    Herrschklasse

    vor.

    AD2, dessen Rückkehr ins Forum mich freut, will dagegen den Begriff mit

    Bestandsverwalter

    übertragen wissen.

    Herrschklasse trifft den Bedeutungsumfang eher, ist mir aber zu aktiv. Bestandsverwalter ist mir zu passiv und inauguriert eine Berechtigung für dieses Tun. Die ist aber nicht immer gegeben, denn gerade in sich demokratisch gerierenden Staaten wirken oligarchische Strukturen eindeutig auf die Herausbildung der Herrschklasse. Bei Verwendung dieses Wortes darf sich gefragt werden, ob Herrschaft auch passiv ausgeübt werden kann. Indirekt, ja. Aber passiv?

  6. #6
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Gesucht: deutsche Entsprechung für "Establishment"





    (1) Schmelzwörter


    Die Suche nach einem deutschen Wort für „establisment“ scheint mir eine gewisse Tendenz von Robert zu charakterisieren, auf manchmal krampfhafte Weise und um jeden Preis autochthone Formulierungen zu kreieren. Oft in einem recht grobschlächtigen, als anarchisch sich selbst feiernden Modus. Der Knorr eben, welcher - auch bei Wohlmeinenden das Epitheton „Kurz vor dem Überdrussiger“ weckend - in schiefer, knorriger Manier sich spreizt. Philobatismus pur.
    So ist mir in eher geringer Weise der Terminus „Lyrsa“ einleuchtend, ein Schmelz(käse)-Wort, das sich ponyhaft ungebärdig in Konkurrenz zu durchaus eingebürgerten und gar nicht unverständlichen längeren Termini herumtreibt und unter Beifall in anderen Dimensionen seine Mähne schüttelt. Genannt seien die gestandenen Pferde, sie bewegen sich in freien Rhythmen, freien Versen, reimloser Lyrik in unregelmäßigen Rhythmen und „prosaischer Lyrik“. Das ist etabliert und auch so fundiert und verstehbar informativ, dass man hierbei ein sprachlich kulturelles Establishment ansetzen kann: diese Lexeme sind erfolgreich "eingebürgert". Also was soll das Expansionsgegurke idiolektischer Knorrerei.

    Wie sehen nun diese unregelmäßigen Rhythmen aus? Ich wähle ein Beispiel aus den „Deutschen Satiren“, die beiden Endstrophen von „Die Jugend und das Dritte Reich“:

    Ja, wenn die Kinder Kinder blieben, dann
    Könnte man ihnen immer Märchen erzählen
    Da sie aber älter werden
    Kann man es nicht.
    Wie ist das zu lesen? Wir legen zunächst einen regelmäßigen Rhythmus unter:
    – - – - – - – - – - – - – -
    Ja wenn die Kin- der Kin- der blie- ben, dann
    – - – - – - – - – - – - – - – - – -
    Könn- te man ih- nen im- mer Mär- chen er- zäh- len
    – - – - – - – - – -
    Da sie a- ber äl- ter wer- den
    – - – - – - –
    Kann man es nicht.
    ?????????????????????
    Die fehlenden Versfüße müssen beim Sprechen durch Verlängerung des vorhergehen*den Fußes oder durch Pausen berücksichtigt werden.
    (Brecht, Bertolt: „Über reimlose Lyrik mit unregelmäßigen Rhythmen“, in: ders.: Ausgewählte Werke in sechs Bänden, Frankfurt/Main: Suhrkamp 2005, Bd. 6, S. 288-295, hier: S. 293)
    Polemik beiseite: Das Lexem „Establishment“ ist sprachlich durchaus interessant und ergiebig, so dass man es erst würdigen sollte, bevor man Alternativen ins manchmal selbstverliebte Spiel bringt. Das Wort geht zurück auf das lateinische „stabilire“ (wir kennen auch das Adjektiv "stabilis") und das Verb meint, etwas so befestigen, dass es fest stehen kann, also Stabilität erreicht. Auch das Substantiv „stabulum, -i“, der Stall also, signalisiert, dass es um einen festen Ort geht, dessen Einrichtung abgeschlossen und dessen (agriculturelle) Funktion für wertvoll gehalten und nun gesichert ist, über das Kosten-Nutzenprinzip. Metaphorisch spricht man davon, dass etwas oder jemand eventuell "aus einem guten Stall kommt". Und meint damit sowohl seine von der Familie garantierte Ausbildung, seine materiellen selbst erarbeiteten oder geerbten Vermögenswerte und seine Ressourcen in sozialen Kontakten mit den Meinungsmächtigen. Das Deutsche hat hier also ein lateinisches Wort entlehnt und sich so integriert, dass es nicht mehr als Lehnwort auffällt. Und damit sind wir bei der Denotation und Konnotation von „Establishment“ in seinem weiten, durch Latein und seine Nachwirkungen erzeugten Verwendungsrahmen. Und wir verzichten auf den engen Blick im angeblich purifizierbaren deutschen Original-Stall der Wörter.

    (2) Das sprachliche Feld

    Das Morphem – ish kann eine Adjektivbildung, also eine dauernde Eigenschaft im Sinne von „derartig“ ("boy-ish", jungenhaft), generieren. Das Morphem „ment“ generiert ähnlich wie unser deutsches -ung als Bedeutung die Ausführung einer Handlung in ihrem ablaufenden Vollzug, das Ende der Handlung und den damit erreichten Zustand und den Status(-Gewinn) der daran beteiligten Akteure und dauernden Nutznießer. Man vergleiche unsere Wörter Testament, Fragment, Bombardement, Kompliment, Ferment, Instrument, Regiment, Agreement, Fundament, Parlament.

    Gern und oft gebraucht bezeichnet "establisment" im angloamerikanischen Sprachraum eine cambridge&oxfordaffine Bildungs- und Führungsschicht, welche sich über ihre kulturellen Eigenheiten definiert, von den anderen Schichten abgrenzt und sie möglichst von den Schalthebeln der Macht ausschließen will, sei es im politischen Bereich oder im sozioökonomischen oder im kulturellen … Soweit die deskriptive, denotative Bedeutung des Lexems.

    Der Slogan der Studentenrevolte „Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment“ skizziert Konnotatives an, er zeigt recht gut, dass sich eine junge, sich als sozialistisch-aufmüpfig sehende (männlich-machohafte) Generation per Vitalität und auch per Studium als ebenbürtig, andersartig und überlegen versteht, als eine juvenile Macht, gegenüber der die alten eingesessenen Machtträger abstinken und abdanken werden müssen sollen, das ist - so das herzhaft geglaubte Spruchband - der Lauf der Geschichte. Eine erstarrte Führungsschicht, unfähig zur Verbreitung von möglichst umfassenden Lebensglück von allen.

    Anders ausgedrückt:
    „Establishment“ meint heute als ein soziokultureller Begriff eine tonangebende Gruppe, die man als Klasse oder Schicht bezeichnen kann. Sie ist auf Besitzstand bedacht, auf Vermehrung von Besitzstand, ist aber über den Zwang der Argumente fähig zu einer Offenheit für Neuankömmlinge und Pfründekonkurrenz. Ein wenig nebulöser, ins Bedeutungsfeld gehört der „fruchtbare Mutterboden“ sozialer Beziehungen der einmal in Führungspositionen eingespielten und per Netzwerk und Seilschaften interagierenden und sich stützenden Mitglieder. Sie besitzen so etwas wie einen gemeinsamen Stallgeruch und sind sich bei aller Versuchung, darwinistisch und ellenbogenorientiert vorzugehen, doch einig, dass alles mit einer gewissen Fairness geregelt werden sollte, dass Vorteilsnahme gewisse Grenzen nicht überschreiten sollte, dass eine im Langhorizont wirksame Ethik mehr und beständigere Erfolge bringen kann, als es ein instantaner Ellenbogendarwinismus, der nur in seinen Nahhorizonten Erfolge zeitigen kann. Aggression und Unterdrückung zahlen sich oft weniger aus als Kooperation und reziprokes Do ut des und Win-Win-Spiele. Und man ist sich einig, dass der Zugang in diese elitäre Schicht auch für eindeutig Begabte und Menschen, die man früher als Gewinner und Träger von Leistungsadel bezeichnete, nicht verschlossen sein sollte. Aber eben diese gruppenspezifischen (übrigens bei allen Gruppierungen anzutreffenden) massiv exkludierenden und mindermassiv prosozialen Tendenzen verschaffen dem Begriff eine abwertende, negative Konnotation. Sei es die der Lächerlichkeit und angemaßten Stärke. Sei es die der egoistischen Verweigerung von Macht und Genuss für die out-group (ächz: für Außenstehende).

    Die These von Sieferle, es sei diese „politische“, „herrschende Klasse“ in ihrer Verbindung von Reichtum und Macht in Deutschland nivelliert und von westlichen Siegermächten zerstört, mag polemisch bemerkenswert sein, in der Sachhaltigkeit ist sie keineswegs allzu belastbar (Finis Germania, s. 18ff).

    N.B. In der römischen Antike findet sich ein schönes Modell zu dieser sozialen Matrix, das Modell von Optimaten/Patres und Popularen.

    (3) Ein wenig Geschichte – die Nobilität in Rom

    3.1 Anfänge

    In der „Urzeit“ ist Rom ein kleiner, straff geführter Stadtstaat unter einem König aus etruskischem Adel („Nobilitas“)
    Dieser König ist Alleinherrscher, seine Machtdomänen sind Heeresführung, Ge*richtsbarkeit und die Sakralsphäre.
    Nach Aussage antiker Autoren (Livius) gab es - zu Beginn der römischen Geschichte - ein Wahlkönigtum:
    Die "patres" (patres familias, also die Vorsteher von gentes, Großfamilien) bilden den Senat, geben dem König den "Regierungsauftrag": Diese „Patres“, der "Königssenat" also, wählen denjenigen, den sie für den geeignetsten Herrscher halten. .

    Erst der Clan der Tarquinier (wichtigster Vertreter: Tarquinius Superbus) versucht, das Wahlprinzip auszuhebeln und eine dynasti*sche Herrschaft über Rom zu errichten.

    Folge: In einer Adelsrevolte unter Führung eines gewissen Brutus werden die Tarquinier aus der Stadt vertrieben.

    Die erfolgreichen Adelsfamilien (Nobilität), die "patricii" oder "patres", sorgen zunächst sehr erfolgreich dafür, dass ihre gewonnene Macht exklusiv bleibt:
    - Wenn Adelsfamilien aus stammverwandten Gemeinden nach Rom zogen, galten sie nicht mehr als Adel, sondern wurden als "plebs" klassifiziert.
    - Prätoren oder Consuln konnten nur aus der patrizischen Schicht stammen, also waren die Magistrate immer von patrizischen Vertretern besetzt.
    - Der Senat, eine Art zentrales Beratungs- und Kontrollorgan mit dreihundert patrizischen Senatoren, war plebeischen Schichten verschlossen.
    - Ebenso hatten die Patrizier ein Monopol auf die Entscheidung im sakralen ("auguren" und "pontifi*ces"-Ämter).und im weltlichen Recht
    - Dann jedoch kam es zu politischen Änderungen und damit änderte sich dann auch die Bedeutung des Begriffes „Nobilität“.

    3.2 Der "homo novus"



    Die erfolgreichen Adelsfamilien (Nobilität), die "patricii" oder "patres", sorgen zunächst sehr erfolgreich dafür, dass ihre gewonnene Macht exklusiv bleibt:
    - Wenn Adelsfamilien aus stammverwandten Gemeinden nach Rom zogen, galten sie nicht mehr als Adel, sondern wurden als "plebs" klassifiziert.
    - Prätoren oder Consuln konnten nur aus der patrizischen Schicht stammen, also waren die Magistrate immer von patrizischen Vertretern besetzt.
    - Der Senat, eine Art zentrales Beratungs- und Kontrollorgan mit dreihundert patrizischen Senatoren, war plebeischen Schichten verschlossen.
    - Ebenso hatten die Patrizier ein Monopol auf die Entscheidung im sakralen ("auguren" und "pontifi*ces"-Ämter).und im weltlichen Recht
    - Dann jedoch kam es zu politischen Änderungen und damit änderte sich dann auch die Bedeutung des Begriffes „Nobilität“.
    - Cicero schafft es durch rhetorische und juristische Leistungen trotz fehlender Nobilität in Rom als Konsul gewählt zu werden.


    3.3 Der Begriff "Nobilität" (Adelsschicht) wird mehrdeutig:

    N1: patrizische/optimatische/curulische/aristokratische Clans, die ihre Abstammung auf die Gründerväter aus der Zeit des Romulus-Staates oder Mitglieder des späteren "Königssenates" zurückführen. Also Familien, die bereits im 6. Jahr*hundert vor Christus in Rom den Ton angaben.
    Sie allein sind magistrabel, sie allein dürfen Prozesse führen; alle nichtpatrizischen/plebeischen Familien müssen sich bei Prozessen einen patrizischen "patronus"/ "tutor" wählen. Die N1 achtet sehr auf Exklusivität: Heiraten sind - wie in einem Kasten-System - nur innerhalb der Nobilität' beziehungsweise der Plebs möglich.

    N2: reiche, vornehme ursprünglich plebeische Familien des 6., 5. und 4. Jahrhunderts vor Christus.
    Im 3. Jahrhundert vor Chr. wurden reiche plebejische Familien nach den Standeskämpfen von den einflussreichen Großfamilien/Großgrundbesitzern als gleichwertig anerkannt, so dass sie die Ämterlaufbahn betreten und als "patronus" für ihre Plebs-Klienten agieren können. Sie gelten als "populares", also als plebs/volksfreundliche Macht. Et*wa 30 solcher plebeischer Clans („Familien“) schaffen die Anerkennung als "Nobilitas".

    N3 Ab dem dritten Jahrhundert vor Chr. deckt der Begriff "Nobilität" die Kombination N1 + N2 ab.
    Die Anredeformel im Senat lautet "patres (et) conscripti": „Patrizier und zusätzlich Aufgenommene“. Auch dieser Verbund von adligen Familien achtet sehr auf seine Exklusivität und seine Monopolstellung.
    Allerdings ist das exklusive Sperrsystem poröser geworden: Ein neues Amt, Das Volkstribunat, steht allen reichen plebeischen Familien offen und ermöglicht den Einstieg in den "cursus honorum" .
    Auch ein "Homo novus" wie Marius (Feldherr) oder Cicero kann bei außergewöhnlichen Fähigkeiten die Ämterlaufbahn betreten, Konsul werden und dann nach Niederlegung seines Konsulats als Senator agieren.

    Ein Modell aus der politischen Urgeschichte, das Modell Checks and Balances mit begründend.
    https://i.ytimg.com/vi/-jC0IHoq00k/maxresdefault.jpg

    https://www.google.de/search?q=trump...jGmjacbDfbKVcM:

    http://www.jetzt.de/politik/was-ist-...in-schulz-dazu

    bowler_hats.jpg
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    Geändert von Willi Wamser (16.08.17 um 20:58 Uhr)

  7. #7
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    AW: Gesucht: deutsche Entsprechung für "Establishment"

    Weitgehend gelungene Zusammenstellung trotz einiger Formfehler und inhaltlicher Wiederholungen, in der Intention allerdings stumpf, Willy.

    Ist es nicht gerade die Aufgabe von uns Menschen des Wortes, die Welt stets neu zu benamen, Dinge zu hinterfragen, die Halbwertzeit von Begriffen zu bestimmen und ihnen gegebenenfalls ein neues Gepräge, eine neue Form zu geben, eben darum, weil der Inhalt des benutzten Wortes nicht länger das leistet, was er leisten müßte?

    Lyrsa ist eine durchaus statthafte Zusammenrückung, die zwei Welten miteinander verschmilzt und jedenfalls greifbarer als prosaische Lyrik oder andere von Dir genannte Verrenkungen ist. Finde ich. Establishment bleibt ein Lehnwort, das wir in Deutschland bislang nicht mit eigenen Inhalten füllen konnten. Als im 18. Jahrhundert der Begriff der Romantik aus dem Westen ins Reich sickerte, war es uns sogar in doppelter Hinsicht möglich, den Begriff mit neuen Inhalten zu füllen. Es geht also. (Ich erinnre hier auch an den Widerwillen, mit dem unsere Klassiker den Romantikern gegenüberstanden.) Aber angesichts der Leere und Negativität, den den Begriff "Establishment" in Deutschland derzeit und wohl auch absehbar künftig auslöst, sollte es an der Zeit sein, einen neuen Begriff zu entwickeln und diesen positiv mit Bedeutung zu füllen. Das ist es doch, was unsere Kernaufgabe ist: Welten schaffen.

  8. #8
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    AW: Gesucht: deutsche Entsprechung für "Establishment"

    Campe.JPG

    Nun ja.

    Lakonisch überkurzer und kurzschlüssiger Abfuhrversuch von Rohbert gegenüber Willi Wamsers Mix aus Polemik, Semantik und Pragmatik. Keine rechte Diskussion über Worttypen wie Prosimetrum, Bahnsteig, Eindeutschung, deutsche Semantisierung (Romantik), Fremdwort. Dafür latent selbstbeweihräuchernde Wort-Degustationen im Brustton des Weltentwerfers und Originalgenies, aber in Lyrsa beispielsweise den großen Wurf misslingen lassend, weil bei weitem Anlauf nur die eigenen zehn Zehen treffend.

    Rohbertus beachtet etwa nicht den verdeckten Sprachstatus ("stabulum") von "Stall", nennt - immerhin subjektiv gemildert ("finde ich") - Brechts Begriffe "Verrenkungen" und setzt dafür eine aus zwei ursprünglichen Fremdworten bestehende, brachial verkürzende Kastrationsform, im Pausenhof seines Forums seine Sondersprache etablierend. Und dabei mittels zwei Fremdwörtern (Prosa, Lyrik) auch noch treffsicher den Bumerang über das Forum segeln lassend. Autsch.

    Es ist weiter in keiner Weise einleuchtend, dass der Begriff "Romantik", ein fremdsprachlicher Ursprung ist da nicht abzustreiten, in irgendeiner Weise in der deutschinternen Denotation der Nachklassik der nichtdeutschen Denotation widerspricht, nein da gibt es eine gleitende, fruchtbare Semiose. Man vergleiche Pfeifers Eintrag im DWDS:

    romantisch Adj. ‘gefühlsbetont, schwärmerisch, verträumt, stimmungs-, geheimnisvoll’, zunächst (Ende 17. Jh.) in der Bedeutung ‘den Roman betreffend, nach Art der Romane’ (wofür im 18. Jh. romanhaft) entlehnt aus gleichbed. frz. romantique bzw. unmittelbar aus engl. romantic, das dem frz. Adj. zugrunde liegt. Die engl. Bildung gehört zu engl. (älter) romant, romaunt ‘Roman, abenteuerliche Prosa- oder Verserzählung’ (neben engl. romance), das seinerseits auf afrz. mfrz. romanz, romant ‘Vers-, Prosaerzählung’ (s. ↗Roman) zurückgeht. Unter erneutem Einfluß von engl. romantic und dessen semantischer Entwicklung im 17./18. Jh. wird romantisch einerseits gegen Mitte des 18. Jhs. im Sinne von ‘poetisch, phantastisch, abenteuerlich, wunderbar’ üblich, woran sich Ende des 18. Jhs. die auf Personen bezogene Verwendung ‘gefühlsbetont, von Stimmungen abhängig, schwärmerisch’ anschließt, andererseits steht es ebenfalls seit der Jahrhundertmitte für ‘stimmungsvoll, malerisch, düster, geheimnisvoll’ (namentlich von Landschaften und Natureindrücken). Seit dem späten 18. Jh. dient romantisch (als Gegenwort zu ↗klassisch, s. d.) der Charakterisierung von Dichtung, Kultur und Lebensauffassung des Mittelalters, die dem an der Antike orientierten Kunstideal der Klassik entgegengestellt werden; zu Beginn des 19. Jhs. wird es mit der Bedeutung ‘die Literatur, das Denken, die künstlerischen Anschauungen der Romantik betreffend, zu dieser Richtung gehörend’ kennzeichnend für die neuen geistigen Bestrebungen jener Epoche. Romantik f. Substantivbildung zu romantisch, zuerst (Ende 18. Jh.) für ‘das Romantische, Phantastische als Eigenart des Romans’, dann (Anfang 19. Jh.) vor allem Bezeichnung der nach der französischen Revolution sich in den Ländern Europas in unterschiedlicher Weise herausbildenden, in Deutschland etwa von 1790 bis 1830 herrschenden und durch Hinwendung zum Volkstümlichen und Nationalen, aber auch zum Gefühlsmäßigen, Irrationalen geprägten künstlerisch-philosophischen Bewegung; seit Mitte des 19. Jhs. daneben allgemein ‘romantische Wesensart, Verträumtheit, reizvolle, das Gefühl ansprechende Stimmung, Abenteuerlichkeit’. Dazu Romantiker m. ‘Vertreter des Kunststils der Romantik’, auch ‘gefühlsbetonter, schwärmerischer, unrealistisch denkender Mensch, Phantast’ (1. Hälfte 19. Jh.), zuvor ‘Verfasser von Romanen’ (Anfang 19. Jh.)
    Lord of the rings.JPG

    Den Begriff des "Establishment" in seiner denotativen und seiner konnotativen Valenz als leer und negativ abzulehnen hat wohl sehr viel mit Narzissmus und Kränkung zu tun, unter anderem dort anzusiedeln, wo diese Petry nicht einmal auf eine original-originelle Kulturprogrammatik knorriger, deutscher Eich/Gen/Art zu antworten sich bemüßigt fühlt.

    Interessant - weil persönliche Rangeleien vermeidend - ist/wäre ein Blick in die Verdeutschungsversuche etwa eines Philipp Zesen, eines Joachim Heinrich Campe, des Oberbaurats Otto Sarrazin, Uronkel von Thilo Sarrazin.
    - Was hat sich als Mem und Lexem durchsetzen können?

    Zesen.JPG
    - Was hat die Würde eines zweiten Siegers (Mumie - Dörrleiche; Katholik - Zwangsgläubiger; Campe) verdient?
    - Ist das Abstoßen bestimmter Eindeutschungsversuche dem traditionellen Duckmäusertum und Anbiederungswahn deutscher Weicheiermentalität geschuldet?
    - Ganz nah an den Unterwerfungsritualen der westdeutschen Nachkriegsverlierer gegenüber den westlichen Siegermächten?

    "Ach!" (Kleist)
    "Kann Rohbertus Defensor Praepositionum ("in, um, um Magdeburg herum") vor dem prüfenden Blick Otto Sarrazins bestehen?" (Nicht Kleist)

    Sarrazin.JPG
    Geändert von Willi Wamser (17.08.17 um 18:16 Uhr)

  9. #9
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    AW: Gesucht: deutsche Entsprechung für "Establishment"

    Falscher Blickwinkel, Willy. Es geht nicht um eine historische Befasse, sondern um eine nach vorn gerichtete. Der von Dir gebrachte Romantik-Eintrag liest sich zwar nett, reduziert aber Romantik auf die westliche Begriffsfassung. Genau das ist eben NICHT die Substanz unserer Romantiker: Gefühlsüberschwang. Er ist Akzidenz. Substanz ist, sofern es sich um die jenaer Romantiker handelt, die Suche nach der blauen Blume, das Aushalten von Gegensätzen, das contradictio in oppositorum oder, wenn Dir eine andere Sentenz lieber ist, das coincidentia oppositorum, wie es in Deutschland bereits im Mittelalter gedacht worden ist.

    Daß Du "Establishment" positiv konnotierst, verwundert mich nicht wirklich. Du bist mir bislang nicht als jemand bekannt geworden, der sich grundsätzlich kritisch am Bekannten reibt. Ich dagegen schon. Als Romantiker rufe ich Dir zu: Ich kann Dich sehen und fühlen, auch wenn ich das, was Du schreibst, nicht goutiere. Approximieren wir!

  10. #10
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    AW: Gesucht: deutsche Entsprechung für "Establishment"

    Mir erscheint in deutschsprachigen Ländern die Bezeichnung Bürgertum historisch gesehen passend. Das Bürgertum hat eine breite Basis, beinhaltet, wenn man darüber nachdenkt, einen gewissen Machtfaktor. Vielleicht gibt es sowieso einen Unterschied zwischen englischsprachigen und deutschsprachigen Ländern. Vielleicht bezeichnet in den USA das Establishment auch einen Kern von Geldadeligen, also industriellen Familien, die über Jahrzehnte bzw. Jahrhunderte ihre Vormachtstellung ausbauten. z.B. Rockefeller, Carnegies etc.
    Sowas ist aber in deutschsprachigen Ländern nicht so verbreitet und hier wird auch nicht der Rockefeller der 4., Cousin von sowieso, dann Senator.
    Vielleicht beruht in deutschsprachigen Ländern das Ansehen des einzelnen mehr auf persönliche (berufliche) Lebensleistung und nicht auf Familienzugehörigkeit.
    Vielleicht das Bürgertum kleinbürgerlicher als das Establishment dafür steht es auf einer größeren Basis.

  11. #11
    andere-dimension
    Laufkundschaft

    AW: Gesucht: deutsche Entsprechung für "Establishment"

    Ich glaube wir würden Lieschen Müller, und sie selbst sich auch nicht, zum Establishment zählen...selbst wenn sie viele der Kriterien erfüllt. Sie selbst würde sagen: Ich gehöre zum Inventar. Zum Beispiel dann, wenn sie Gründungsmitglied eines Tennisclubs ist. Sie engagierte sich vom ersten Tag an, half bei der Administration, kümmerte sich um neue Mitglieder und organisierte die Pflege der Plätze.
    Während man den Dr. Braun, der nicht ganz so lange dabei ist...sich nur wenig einbrachte...dafür aber mit seinem hervorragenden Netzwerk so einiges ermöglichte...woran Lieschen Müller sonst scheiterte....den zählen wir zum Establishment. Doch selbst er würde sich selbst nicht zum Establishment zählen...zumindest nach Außen nicht - es jedoch wohlwollend zur Kenntnis nehmen...wenn andere das für ihn tun. In Establishment stecken sowohl Respektbekundung auch als Anklage. Es hat was von: Du solltest deinen Platz so langsam mal räumen. Der Unterschied zwischen Lieschen M. und dem Herrn Braun ist nicht der Doktortitel...sondern das Netzwerk des Herrn Braun.
    Sie gehen beide über ein Hochseil, ab er nur das des Doktoren verfügt über ein Sicherheitsnetz. Das Establishment klebt an der Stelle wo es gerade ist...man bekommt es von da kaum weg. Es pflegt gewisse Rituale und Umgangsformen. Den neureichen Seiteneinsteiger wird man nie akzeptieren - er bewegt sich in den Kreisen des Establishments...wird aber von den Etablierten nicht als vollwertiges Mitglied angenommen. Man macht Geschäfte mit ihm, aber man respektiert ihn nicht.

  12. #12
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    AW: Gesucht: deutsche Entsprechung für "Establishment"

    Für Rohbert, Platoniker, Philobat und Rohmantiker:
    "Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung. "
    Wilhelm II.

  13. #13
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Gesucht: deutsche Entsprechung für "Establishment"

    Wilhelm II. irrte nicht nur in dieser Hinsicht. In seine Regierungszeit fällt ein Elitenversagen, eben weil die sich an ihm orientierende Elite den Weltkrieg nicht verhinderte, den, das muß man Wilhelm II. zugute halten, dieser nicht wollte. Er wird zwar immer als Militarist bezeichnet, aber eben diese Haltung hinderte ihn daran, den Krieg zu wollen. Unverständlich? Man lese Scheler!
    Der Fragestellung bringt uns Williehs Beitrag allerdings nicht näher. Auch stes Vorschlag einer Zuweisung des Bedeutungsumfangs zum guten alten "Bürgertum" verfängt hier nicht, wie AD deutlich machte. Nein, das alles trifft nicht den Bedeutungsumfang einer Schicht, die zwar noch zum Volk gehört - vielleicht auch nicht -, keineswegs aber Elite ist - oder doch? -, jedenfalls mächtig genug scheint, um die Geschicke zu bestimmen - oder wer sonst? -, jedenfalls muß in diesem Bereich ein Begriff gefunden werden, der anzeigt, daß diese Gruppe lenkt und gestaltet, auch und gerade die Kraft besitzt, das Volk zu führen und die Sicherheit und den Gedeih eines Gemeinwesens zu sichern. Das ist es doch, was Establishment, positiv gesprochen, auszeichnen und kennzeichnen muß. Gedeihverantwortliche.

    Der Adel hat in Deutschland zwar 1918 seine historische Mission erfüllt, aber das bedeutet nicht, daß die dato abgebrochenen Traditionsflüsse nicht neu gespeist werden sollten. Es müßten nun aber dem Wesen nach gleiche, der Form jedoch andere Funktionen in unserem Gemeinwesen sein. Adel/Establishment zu sein ist ein Auftrag, nämlich v.a. der, Eigeninteressen unter Gemeininteressen zu stellen, zu dienen! Es geht um die Neubestimmung des gesellschaftlichen Ganzheitsgedankens, also um eine Definition der ganzheitlich empfundenen Gemeinschaft, also auch derer, die sich partout gegen die Gemeinschaft stellen, dieser feindlich begegnen oder eben derer, die sich alle par Sekunden in sich selbst verlieben und denen der Nachbar so wichtig ist wie dem Mops die Möhren.

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