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Thema: Hof

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Hof

    Hof

    Ein Kammerspiel. Großmutter links,
    mit guter Miene zum Hagelschlag, gekörntes Gefallenes
    schwitzt sich in den Gully. Doris & Doris
    schwatzen sich Ringel ins Haar, tauschen ihre
    Busen aus und beißen die gelben Orangen
    bis sie Saft prusten.

    Ihr Gegenüber mit nickendem Schädel, Altersflecken
    auf den Armen, der Zeigefinger zu den Wolken, dem Himmel.
    Während sie die Fallhöhe fürs Tief-Ernste bestimmt,
    schlägt die Mönchsuhr an, daß die Katze aufhorcht.
    Die leeren Wäscheleinen glänzen mit Wasserbläschen
    unter dem Regenbogen.

    Noch einer kommt, den Korb voller Brombeeren,
    mannstoll, und noch im Gehen winkt er sich weg,
    daß Großmutter und die Nickende sich nicht sattsehen
    wollen an soviel Unglück. Darein muss man sich schicken,
    sagen sie, und Doris wirft ihm Steinchen nach und schlägt
    die Augen nieder.

    Über dem Hof aber, dem Bauschutt beim Schuppen,
    steht wieder Sonnenglanz, Schrott liegt zwischen
    dem Septemberkraut, eine Libelle schwirrt und ist weg.
    Dann ist die Dämmerung im Westen angekommen, der
    Hof liegt im Dunkel und windstill, zwischen den Steinen
    wächst Unkraut am Rand.

  2. #2
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Hof

    tja, bei dem wetter bleibt die katz halt lieber hinterm ofen liegen.

    auch wenns gar zwittrig, mir behagt es schon und ich schätz der hof wird den ein oder anderen punkt einheimsen. sehr schön, lesterchen. runde stimmung!

  3. #3
    Kurzvormabschussiger
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    8

    AW: Hof

    Ich hab mit der Lyrik nicht unbedingt was am Hut. Liegt meistens daran, dass ich nicht verstehe, was sie mir sagen will.

    Hof gefällt mir sehr! Warum? Hm. Ich weiß selber nicht so recht. Es liegt wohl an der Stimmung, die du rüber bringst, lester. Da triffst du meinen Nerv

    Grüße dich,

    XRay

  4. #4
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Hof

    Ich hab mit der Lyrik nicht unbedingt was am Hut. Liegt meistens daran, dass ich nicht verstehe, was sie mir sagen will.

    Hof gefällt mir sehr! Warum? Hm. Ich weiß selber nicht so recht. Es liegt wohl an der Stimmung, die du rüber bringst, lester. Da triffst du meinen Nerv

    nachgedacht...

    ähm ...

    Im 3. Vers schreibst du:
    noch im Gehen winkt er sich weg.
    Im 4.:
    eine Libelle schwirrt und ist weg.
    Dieses 2 x weg so kurz hinter einander stört mich ein bisschen.
    Das mit der Libelle ist klasse, finde ich. Die seh ich und weg
    Für den Mann wäre vielleicht ein Synonym möglich?
    noch im Gehen winkt er sich davon.

    ??

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Hof

    ich versteh nicht ganz... da ist die beschreibung dieser menschen im unglück. aber man sieht ihnen das unglück nicht an?!

  6. #6
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Hof

    ...nun ja, xray, 2x weg, könnte man vermeiden, aber vielleicht gehören die beiden zusammen?..

    Mr. Jones? Verstehe die Frgae nicht: "Beschreibung dieser Menschen im Unglück, aber man sieht ihnen das Unglück nicht an". Na hoffentlich nicht. welches Unglück? Seltsam.

  7. #7
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Hof

    jetzt verunsicherst du mich aber, lester.
    dabei nehm ich dich doch beim wort:

    1. Großmutter links, mit guter Miene zum Hagelschlag.

    2. ...und noch im Gehen winkt er sich weg,
    daß Großmutter und die Nickende sich nicht sattsehen
    wollen an soviel Unglück.




    worum gehts denn nu?

  8. #8
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Hof

    ja, das habe ich mir auch gedacht, leser. vielleicht gehören sie zusammen. trotzdem sprachlich gefällt es mir nicht. und mr. jones frage ist auch meine. quäle dich, damits deine leser einfach haben das ist zumindest meine einstellung als autor.

    cu XRay

  9. #9
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Hof

    ...na, Mr. Jones, man sitzt im Hof, es regnet, hagelt, Doris&Doris kichern, die Alten reden über ernsthafte Dinge, jemand kommt, man kennt seine Umstände, auch die Mädels, dann ist Dämmerung, der Hof im Dunkel. Ein simpler Text. Ein Kammerspiel. Sonst nichts. Aber wenn es anders ankommt beim Leser, ist es halt schlecht geschrieben. Nun gut, nächster Versuch.

    Ob es, Mr. Röntgen, die Leser einfach haben sollen, ist nicht ausgemacht. Ich kenne einige sehr gute Texte (um über Romane zu sprechen), die eine ziemliche Durststrecke auf den ersten Seiten anbieten, wer die nicht übersteht, kommt nicht an das Eigentliche. Was nicht heißt, daß alle Texte, die es dem Leser schwer machen, gute Texte sind. Aber das ist trivial. Dieser Text hier, siehe oben, ist allerdings recht simpel. Dachte ich. Seufz.

  10. #10
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Hof

    Ich glaube ja, lester, die deine ist eine typisch deutsche Haltung: Literatur verdient den Namen nur, wenn sie möglichst unlesbar geschrieben ist. Alles andere gilt bei Experten als Schrott. So wie die Einteilung in E und U - Musik. Deutsche sind ein merkwürdiges Volk

    Grüße dich.
    XRay

  11. #11

    AW: Hof

    ich mag solche "zwitter", lester

  12. #12
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Hof

    Herr Röntgen: E-U-Musik etc. ist das eine Diskussion des letzten Jahrhunderts?, ich dachte eher an Tolkien, der hatte auch so die ersten 50 Seiten: unlesbar, langweilig, aber dann...

    oh, pjesma: "zwitter", wie belieben?

  13. #13
    Chefchen Avatar von aerolith
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    AW: Hof

    Eben wegen solcherart Texte habe ich das Forum "Lyrsa" ins Leben gerufen. Ein Zwitter. Prosodie trifft Verdichtung, die sich hier allerdings eher sträubt, denn Leicester benutzte allzuviele Präpositionen, die lyrischen Elementen eher abträglich sind, weil sie im semantischen Freiraum des aufmerksamen Lesers eine Brücke bauen, über die zu gehen er nicht immer bereit ist. Er will sich die Brücken selber bauen, also auf Hilfskonstruktionen wie vorangestellte, vors Wasser gestellte Stöckelschuhe gern verzichten.

    Vier Präpositionen im ersten Abschnitt, sechs im zweiten, die Hilfspräpositionen der zusammengesetzten Verben nicht mitgezählt... Das ist eindeutig zu viel Lenkung, Leicester. Erklärt unter anderem den zwittrigen Charakter, den einfach gestrickte Leser gern annehmen, denn so werden sie in der Geschichte gehalten und (sanft) gelenkt; ich aber mag es nicht sonderlich, wenn dann lyrische Elemente fehlen, die mir den Spaß belassen: nachdenkenswerte Metaphern, Alliterationen, sperrige Konstruktionen...

    Ein also formal mißlungener Text, der aber dennoch Charme besitzt. Altweibersommergeschwätz. Das mag ich. Reicht aber nicht.

    P.S. Die verspätete Reaktion bitte ich zu entschuldigen. Reaktion kömmt immer. Manchmal eben ein bißchen später.

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