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Thema: Morgenfrost

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Morgenfrost

    Morgenfrost

    gesplittert die Luft
    die Wiese überzogen
    von tausend Scherben

  2. #2
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    AW: Morgenfrost

    die worte erzeugen eine starke schönheit, Ophelia, aber mein verstand mag einfach die analogie des bildes nicht übertragen auf den titel. magst nicht den morgenfrost weglassen, als (für mich) zu engen bezug und erklärung, und, wenn schon titel (was dieses hier bestimmt nicht braucht), dann einfach im wortfeld bleiben: splitter, wiese oder scherben es nennen?
    aber von außerordentlicher schönheit ists!

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Morgenfrost

    ich mag ophelia von john everett millais, aber dieses gedicht von ophelia nicht. es ist mir zu simpel, zu wenig stimmig. ich stelle das bild von millais aus pietätsgründen nicht hier hinein, weil ophelia auf diesem bild bereits wasserleiche, hübsche blumenumflossene, aber dennoch wasserleiche ist.

    klirr... scherben... morgenfrost.

    die klirrende kälte kommt von brechendem substrat, von baum- und gesteinssprengungen, aber auf der wiese klirrt nichts und es gibt keine scherben.

    der text ist ein scherbenhaufen, der in mir keine rechte stimmung erzeugen mag. wenn es um die klirrende kälte in der seelenlandschaft der protagonistin geht, weise ich darauf hin, dass es in diesem poem keine protagonistin gibt. und alles mag ich mir nicht dazudenken. titten und ärsche wollen gesehen und angegriffen, aber nicht in einer morgenfrostigen wiese verscherbelt werden!

    schnobs

  4. #4
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    AW: Morgenfrost

    also ein zartes wesen wirst du nie für dich einnehmen, schnobserl. aber dann immer beschweren
    kannst du dir unter ästhetik überhaupt etwas vorstellen?
    doch - ich sahs ja - aber darüber sprichst du nicht, nicht wahr?
    aber manche möchtens eben doch und Ophelia kann es auch - das ist nur mehr wenigen möglich, ohne kitsch zu sprechen. und hier ists kein kitsch!
    es will weder manipulieren, noch eine emotion erzeugen, noch bedient es sich der kitschbrücken, noch ist es überladen. es ist genaue fühlsichtung, in sich stimmig.
    für titsn asses'brauchts ja wiederum keine lyrik, sondern fühlfühlung am corpus einer veritablen lyra, besser eines cellos (mit taille) mitohne worte

  5. #5
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    o.B.

    sich eine behauptung, die sich auf behauptetes beruft, sich lange behaupten kann, liebe suz?

    ich mag halt diese blut und klirr lyrik nicht, ich mag keine lyrik, wo bedeutungsschawangere tendenzvokabeln vorkommen, da könnte ich ja gleich lenau, rilke oder wilhem busch lesen.

    was ich schon tue: ich lecke die lyrik von paula wie ein hund die hand seines herrn. die lyrik von paula mag ich, weil sie weit weg von bemühungen und voll der frischen vokabeln ist. sie ist wie frische milch.

    eine scherbenwiese im morgenfrost ruft in mir nix hervor, sorry. das ist wie alter topfen!

    schnobs

  6. #6
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    -haupt hält sich nie lang

    "blut und klirr lyrik" ist für sich genommen ein großartiger begriff!
    (auch wenn ich ganz und gar nicht finde, daß er auf dieses gedicht hier passt)

    und mit Paulas gedichten hast du vollkommen recht! die liebe ich ja auch so! [warum schreibt Paula hier eigentlich nicht mehr?] -

    aber es kann nur eine! Paula geben!

    verabsolutierst du one single art lyrischen ausdrucksvermögens, so wirds arm und eng. der wolkenstein soll aber reich und fruchtbar sein! möcht hier eigentlich keine stimme missen - schon gar net amal deine [und Trist geht mir auch ab]

    mir gefallen eben die scherben.

  7. #7
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    Danke für die Kommentare an euch beide...

    @Susanna

    Meinst du, es funktioniert auch gänzlich ohne Titel? Scherben, Splitter etc. mag mir nicht so recht passen.

    @Schnob

    Danke für deine Ehrlichkeit. Scherbenhaufen ist es, sozusagen, eiskalte dünne Luft, zerbrochen und nun als Raureif auf der Wiese liegend... Nur ein kurzer Gedanke an einem eisigen Morgen auf dem Weg zur Arbeit. Nicht mehr und nicht weniger.

    Was meinst du mit "bedeutungsschwangere Tendenzvokabeln"?

    Im übrigen würde ich mich nicht mit Paula vergleichen wollen, dem halte ich wohl noch nicht stand... Schon gar nicht als blütenumflossene Wasserleiche, obwohl ich dieses Bild sehr schön finde. :wasgeht?:

    Lieber Gruß

    Ophelia

  8. #8
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    millaits ophelia

    liebe ophelia, nachdem du das bild auch magst, stell ich es jetzt doch rein. es hat ganz einfach was!

    und ein geheimnis verrate ich dir auch noch: ich liebe diese klirrend kalten wintermorgen, die im schneeknirschenden schritt genommen werden!

    und was ich mit bedeutungsschwangeren tendenzvokabeln meinte, muss ich mir selbst noch überlegen!

    blut kommt zumindest in deinem gedicht nicht vor!

    lg schnobs

  9. #9
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    AW: Morgenfrost

    ja, das denk ich eigentlich. titel zu gedichten waren mir immer fremdkörper, weil ich dachte, es müsse alles im gedicht selbst stehen und nichts außerhalb. erst im internet und seinen lyrikforen, notgedrungen zur unterscheidbarkeit der gedichte voneinander, hab ich mich mit titeln angefreundet. ich lese sie aber weiter bei allen gedichten nur als kennung und finde es nicht gut, wenn sie dem gedicht etwas hinzufügen, bzw darf das gedicht selbst für meinn begriff nicht davon abhängig sein. aber das ist nur meine meinung.

    eigenartig finde ich jetzt, daß dir die worte, die im gedicht die ästhetik ausmachen, als titel nicht gefallen. die verschönerung erhalten sie dann deiner meinung nach erst durch "morgenfrost"? dann aber hängt dochs gedicht vom titel ab und bezieht erst von dort seine berechtigung. dann aber scheinen mir eben die bilder nicht dazu zu passen: man sagt zwar, die luft klirrt, aber splittern tut sie deswegen nicht. auch hat frost nicht die konsistenz oder den anschein von scherben. für mich ists eher eine rüstung, eine versteifung durch einfrieren aus der nähe; aus der ferne eher puderzucker bis hin zu kristallen, aber eigentlich nicht scherben

  10. #10
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Morgenfrost

    @Susanna

    Scherben, Splitter, Wiese, das kommt ja alles in den paar Zeilen eh schon vor, insofern klingt es nicht so gut, wenn eines davon auch noch Titel wird. Aber in einem muß ich dir recht geben, "Morgenfrost" ist dann auch nicht ideal.

    Wahrscheinlich ist es hier wirklich besser, den Titel wegzulassen... Je länger ich darüber nachdenke, umso besser gefällt mir deine Idee. Danke.

    Ich weiß nicht, ob Luft direkt gegenständlich splittert, wohl eher im übertragenen Sinne. Als ich diesen Eindruck hatte, war es klirrend kalt und der Reif auf der Wiese sah aus wie ganz fein gesprungenes Glas... Nun gut.

    Nochmals dankender Gruß
    Ophelia

  11. #11
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    AW: Morgenfrost

    Stimme Susanna zu. Aus diesen drei Zeilen geht eine starke Stimmung hervor. Wer sie nicht nachvollziehen kann, selber schuld. Allerdings ist das natürlich kein Kriterium für Literatur, ob einer eben beim lesen etwas nachvollziehen kann. Darum hier noch ein paar Worte:

    Das erste und letzte Wort passen zusammen. Ein Kreis. Zwei Verben haben zwar semantisch, nicht aber syntaktisch vieles gemein, könnten aber. Wenn Ophelia es zuließe. Vielleicht läßt sie es ja noch zu, dann könnte ich in der Tat von etwas Gemachtem sprechen, also von Kunstvollem. Ob es dann gut genannt werden kann, wird sich zeigen. Das letzte Wort und das zuvor ungebeugte Verb gehen eine Beziehung ein. Somit liegt es wohl auf der Hand, daß das letzte Wort den hermetischen Schwerpunkt des Textes abgibt, zumal sich Anfang und Ende darauf beziehen, es selbst aber im Zentrum steht. Und ich liebe hermetische Helden, die mit ihrem Tod auch das Stück enden lassen.

    Anders gesagt: gut erfroren!

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