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Thema: Die letzte Malerin

  1. #1
    schreibt hier hin und wieder
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    Die letzte Malerin

    Ich wanke durch die Straßen. Die Bäume rascheln wie Seidenpapier. Ich weiß, ich bin die letzte, die hier wankt. Meine Füße sind wie Blei. Eingetaucht in ein Inferno. Mein Kind läuft neben mir. Der Weg ist weit. Ich kann ihm die Wegstrecke nicht zumuten. Dabei habe ich diese Anzeige gelesen. Maleratelier mit Betreuung. Zwei Personen stellen sie ein. Ich weiß, sie wollen mich. Denn ich stand oben und habe sie beobachtet, als sie die Bewerbungsgespräche führten. Der Chef sah mich und sagte: Die wollen wir haben. Das Kind quengelt und sagt, es wolle nicht so weit laufen. Die Bäume rascheln immer noch wie Seidenpapier.

    Langweilige Industriebauten reihen sich aneinander. Auf der großen vierspurigen Straße fahren schnelle Autos. Wir werden nie ankommen, denn ich bin die letzte meiner Art. Ich bin mir sicher. Ist mir nicht vorher dieser Fisch in den Schlund entwichen? Ich hatte ihn greifbar nahe und plötzlich war er weg. So als ob jemand mein Unterbewußtes gestohlen hätte. Der Kleine schiebt das Laub vor sich her. Es raschelt wie Seidenpapier. Plötzlich sehe ich das Maleratelier vor mir. Es ist nur eine Art Pferdebox. Aber das Bild ist nur eine Vision. Wir sind noch lange nicht da.

    Wir kommen an eine Kreuzung. Die Lichter der Ampel hell in meinem Auge. Die Ampel scheint ständig umzuschalten. Vielleicht ist sie aus? Ich konzentriere mich und sehe nur orange. Die Ampel ist aus. Der vierspurige Verkehr saust durch die Ampelanlage, jagt sich immerzu. Wir werden die Straße nie überqueren können. Dabei müssen wir dorthin, in das Maleratelier. Ich packe den Kleinen fest an den Händen und schreie: Wir müssen da durch! Ich halte die Luft an und dann renne ich. Ich höre, wie die Bremsen quietschen. Aber wir rennen noch. Ich sehe den Gehsteig. Und siehe da, wir sind angelangt. Jetzt ist es nicht mehr weit.

    Ich zünde mir eine Zigarette an zur Beruhigung. Der Kleine läuft immer noch neben mir. Ich halte seine Hand. Ich weiß, daß er da ist. Er wird immer für mich da sein. Plötzlich auf den letzten Metern die Verfolger. Es sind die Installateure. Ich weiß, sie wollen mich abhalten davon, einzubiegen in den Hof. Aber da bin ich schon abgebogen. Der Kleine hält immer noch meine Hand. Aber mein Herz schmerzt. Immens. Ich sage zu ihm, sie hätten mich eingeholt. Ich bin die letzte meiner Art. Die letzte Malerin. Ich sinke auf den Boden.Die Blätter rascheln nocheinmal und ich sehe das Seidenpapier, auf das ich einstmals so gerne malte. Ich erkenne noch einen Mann mit weißen Haaren. Er hat das Maleratelier angeboten. Der Kleine beugt sich über mich und sagt: Vielleicht bist du tatsächlich die letzte in ihrer Art. Seine Hände sind plötzlich seltsam kühl. Und dann kommen die ehemaligen Maler, die jetzt nur noch Installationen machen.

  2. #2
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Die letzte Malerin

    Liest sich wie ein LSD-Bericht mit vielen Schwächen ...

  3. #3
    Wolkensteiner
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    AW: Die letzte Malerin

    das könnte man nicht im rausch schreiben. es ist außerordentlich gut durchkonstruiert. die leitmotive (seidenpapier, der kleine, das maleratelier) sind ineinander verzahnt wie die verzweifelt verengte welt dieser letzten erbin. in ihr und auf sie zu wird alles gefiltert. die sprache gefällt mir sehrsehr viel besser.
    du bist vielleicht wirklich die letzte deiner (nicht der installateure) art.
    man muß kinder haben, um das auszumachen, wie sie übernehmen und zu helfen suchen, einem die treue halten wollen und merken, daß etwas nicht stimmt. das ist groß.
    der letzte satz trifft noch nicht auf den punkt oder anders, die massive kritik an den "installateuren" ist noch nicht genug vorbereitet. ich denke, man müßte das ebenfalls als leitmotiv schon ab dem ersten absatz zart mit durchlaufen lassen.

    gruselig, wie mit dem kind die straße überquert wird. aber muß so. schutzengelkind. gefällt mir sehr der text.

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Die letzte Malerin

    Hallo Arminius,
    das ist kein Trip, das war ein Traum, den ich etwas ausgebaut habe.

    Liebe Susanna,
    schön, daß dir das Textlein gefällt. Manchmal schreibe ich wie im Rausch. Ich habe zwei drei Sätze im Kopf und dann fließt es. Ich denke, solche Experimente kann man nur mit kürzeren Texten machen, bei einem Roman geht das wohl eher nicht, denke ich. Aber wenn ich mich irre, lasse ich mich jederzeit besser belehren.

    liebe Grüße

    Patina

  5. #5
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Die letzte Malerin

    Na, dann empfehle ich doch mal weiteres Ausbauen, lasst Texte nicht rumliegen wie verwaiste Mettbrötchen... [nicht mehr funzender Link auf einen Text gleichen Namens von arminius wurde entfernt]

    "Meine Füße sind wie Blei" - Derartige "Wie"s (es sind mehrere) würde ich ersatzlos streichen, mit etwas mehr Mut zum bildhaften Treiben, notfalls anderweitig aufgefüllt.

    Lieben Gruß!

  6. #6
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    AW: Die letzte Malerin

    Hallo arminius,
    du würdest also so formulieren: "Meine Füße sind Blei..." Hab ich da richtig verstanden. Wenn das das einzige ist, was es zu kritisieren gibt, gehts ja noch. :D
    lg Patina

  7. #7
    Kurzvormabschussiger
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    Forentaugliche Textarbeit: Ich würde ja nicht so sein ...

    Änderst Du Texte nicht, oder hast Du Argumente gegen meinen Vorschlach, die mich dann auch etwas angehen würden? "Meine Füße sind Blei..." ist nicht aller Weisheit Ende, Deine stehengelassene Version allerdings auch nicht, nach meinem Empfinden.

    Wie auch immer: Ich hätte noch einiges an Vorschlägen übrig, sobald es sich lohnt ...

  8. #8
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    Natürlich ändere ich meine Texte...ständig. Aber nicht alle auf einmal.
    Her mit den Vorschlägen...

  9. #9
    Kurzvormabschussiger
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    Hi, Patina.

    Ich finde das Ganze noch etwas surreal, steige noch nicht ganz durch, wobei mir Susannas Interpretation einleuchtend erscheint...hm.

    "Der Kleine beugt sich über mich und sagt: Vielleicht bist du tatsächlich die letzte in ihrer Art." - müßte es da nicht "in deiner Art" oder einfach nur "deiner Art" heißen?

    Lieber Gruß
    Ophelia

  10. #10
    schreibt hier hin und wieder
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    Hallo Ophelia,
    surreal solls schon sein. Das war immerhin eine Art Traum, den ich zuende geschrieben habe.
    Die letzte "deiner Art" hört sich schlüssiger an. Hast recht. Jetzt warte ich noch auf die glorreiche Textarbeit von Arminius.
    Danke fürs Kommentieren.
    Patina

  11. #11
    Chefchen Avatar von aerolith
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    AW: Die letzte Malerin

    Und Patina wartet im Park. Nix arminius. Geht mir heute auch so, das erlösende Wort wird aber nicht kommen, es kam noch nie, kommt nicht und wird nie kommen, denn sie kommt nicht, und er geht nicht hin.



    Natürlich ist Bowles Einsatz der femininen Form richtig, Art ist feminin und hier gibt es weit und breit kein Maskulinum. Sollte uns das nicht zu denken geben. Warten ist doch zu weibisch. Ich vergebe mir das itzt. Blöde G., die rafft es nie.

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