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Thema: Schlafzimmerblick

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Schlafzimmerblick

    Wir wachten einst auf,
    es war ein "aufwachen dürfen",
    ihre braunen Locken verspielten sich in meinem Mund.
    Dafür habe ich sie geliebt,
    gehasst.
    Und lief davon.

    Und heute wissen wir,
    dass wir die Dümmsten waren,
    die das Dümmste taten;
    und waren dem Dümmsten gewahr ...
    ... wohlan! Man richte dieses Fallbeil.

    Ich liebe Dich, nein, nicht nur Dich,
    s'sind schattene Kreaturen an der Wand!
    Gib mir Deinen Blick, den ehrwürdigen Blick;
    ich liebe Dich doch!
    Doch ich falle!
    Komm mit mir in den Brunnenschacht,
    meine wilde Liebe,
    Du reitest ...

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Schlafzimmerblick

    Ein holpern und stolpern ist das hier, sowohl inhaltlich als auch formell findet sich hier nichts ein. Er kann nichts, sie bleibt so blaß, daß sie als Figur gar nicht vorstellbar wird; einzig die braunen Locken geben der Figur Plastizität, aber keine Transparenz. Ich halte eine Locke in der Hand, eine dem Wind ausgesetzte Locke, aber Du machst hier nichts.

    Das lyrische Ich purzelt so durch die Zeilen, ist aber selbst so unscheinbar wie eine Korinthe im Modermeer.

  3. #3
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Schlafzimmerblick

    Wie Du schon sagst:

    das Leben ist ein Holpern und Stolpern, es gibt keine Struktur, die sich auch nur annähernd in Worten darstellen ließe, es gibt nur Abbildungen, als Lyriker wirst Du wissen, was ich als Soziologe meine. "Lyrische Ichs" sind eh nur ein Angelpunkt des verbalkategorialen Denkens, das nunmal unsere Psyche ausmacht, ansonsten könnten wir nicht mal Farben erkennen und benennen, insofern sollten "lyrische" (scheiss) Ichs erstens vermieden werden (ein lyrisches "wir" klingt da viel beeindruckender) und wennschon, dann ebenso offen bleiben, wie die solcherart lyrisch angesprochenen (wie die "braun gelockte" aus dem Text [im übrigen kennst Du sie in Deinem real life persönlich und privat, sie ist Fleisch und hat einen Namen, durch den ich erst Deine Site gefunden habe]): damit ist Identifikationsvermögen grundgelegt: jeder von uns kannte bereits die "braun gelockte" resp. das ihr gegenüberstehende (resp. nebanliegende) unfähige "ich". Beim Schreiben geht es nicht um Individualität, sondern um Allgemeinheit. Meine ich ...

  4. #4
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Schlafzimmerblick

    Meine ich nicht. Es geht immer nur ums Ich, alles andere ist Selbsttäuschung.

  5. #5
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Schlafzimmerblick

    Warum bist Du so überzeugt davon, dass (Deine) Subjektivität der Maßstab aller Dinge sein könnte? Guckst Du: ich hab'n straffen Pimpass in der Hose, fahre schwarze Mittelklassewagen und liebe Schopenhauer, aber bringt es mir Respekt? Nein. Der Mensch ist seiner Soziabilität verpflichtet, denn ohne diese ist er kein Mensch ... welche Gedichte sollte man denn sonst schreiben, wenn einem niemand Beachtung entgegenbringt geschweige denn Anerkennung. Insofern war das "lyrische Ich" immer Belang meiner Deutschlehrer gewesen (Bliesinger, Schroll, Barthel, Engel und Leue), aber im Zuge einer gekonnten Rezitation von der "Todesfuge" ist diese Kritik stets und ständig vergessen worden, aber niemals das meine, denn es ist ein Unding, dem verfickten lyrischen Ich auch nur EINEN Funken Aufmerksamkeit zu widmen (sonst wäre es nicht länger mehr ein LYRISCHES Ich, denn es wäre ja ansonsten einer lebensweltlichen Invereinnahme bewusst und daher kein LYRISCHES scheiss Ich mehr) ... Lyrik ist im Grunde nicht mehr als Popmusik, dass sieht man vor alllem an Verlagsverkaufszahlen und vergebenen Literaturnobelpreisen, beispielsweise dem aktuellen, da könnte selbst meine ADH-syndromisierte Nichte relevanteres schreiben als diese v*******e F***e, Alter ... der Punkt ist letztlich der, dass ich tatsächlich darüber erstaunt gewesen bin, dass ein Mann (gemeint bist Du, aerolith "Luftstein", "Wolkenstein" oder was auch immer ... kennst Du eigentlich "Koprolith"?), der locker mal 15 Jahre mehr auf dem Buckel hat als ich, die Ansicht vertritt, die vermeintliche "Struktur" des Lebensverlaufes in strukturellen Verbalisierungen verfassen zu können. Das ist ein Anspruch, den nicht mal komische Typen wie Abraham, Siddharta, Jesus oder Mohammed standhalten können, wieso glaubst Du von Dir diesen Maßstab einhalten zu können? ... ansonsten siehst Du aber klar, oder?


  6. #6
    Moderator
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    AW: Schlafzimmerblick

    tststs...eine wortwahl ist das hier...

    normalerweise mische ich mich selten in solche schweren diskussionen ein, aber ich versuche zu verstehen: Das Gift will also versuchen, keine lyrischen Ichs zu nutzen und ihnen keine aufmerksamekit mehr schenken, denn dann sind sie keine lyrischen mehr? und er will respekt mit seinen gedichten erzielen, richtig?

    ich möchte mich hier als laie bezeichnen, doch gibt es hier im forum viele gute gedichte und auch einige, die mir persönlich nicht zusagen...
    gefallen oder nichtgefallen ist hier eben subjektiv...
    ist es nicht sinn und zweck eines gedichtes, etwas in kürze zu "erzählen", beschreiben, und das mit hilfe eines lyrischen Ichs, damit der leser von diesem Ich dann wieder auf sich oder eine allgemeinheit schließen kann, das lyrische Ich hier sozusagen stellvertretend für jeden x-beliebigen menschen steht?

  7. #7
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Schlafzimmerblick

    Hey, sorry für die Wortwahl, aber manchmal entspricht die Wortwahl einem Leberhaken, aber Du, Layla verstehst, was ich meine: das "lyrische Ich" ist der Strohhalm, an dem sich der semantisch Unbedarfte gerne festhält; meiner bescheidenen Ansicht nach sind allgemeine Verse, daher Verse, die auf Pronomen verzichten können, die "besseren" ... was sicherlich schwierig ist, aber nachdem ich "eure" pseudopolitischen Diskussionen im albernen "Wir-sind-gegen-alles-andere"-Forum nachgelesen habe. Ich leide am Tourap-Syndrom, was heisst, dass ich vermeintliche dumme Penner gerne versuche zu essen, solange sie mich nicht annäherungsweise überzeugen können ... gesagt sei, das mir "eure" Site und "euer" Forum gefällt, ich bin tatsächlich schwer begeistert, doch nun habe ich mich dummerweise angemeldet und ich, sorry, scheisse auf eure Manierismen, dafür habe ich zu oft Liebesbriefe verfasst und Pistolenrückläufe zurückschnellen lassen ...

  8. #8
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Schlafzimmerblick

    ..sagen wir mal so: das Thema ist etwas verbraucht. Andererseits denkt ja jeder, mit ihm wurde das das Schlafzmmer erst erfunden. Es ist ein Kreuz. Es liest sich wie Prosa. Ist es wohl auch, in Häppchen geschnitten, zum besser lesen. Liest sich tatsächlich gut. Mit etwas Farbe und Emphase vorgetragen: wird man wohl dazu nicken.

    Aber die Pünktchen (das scheint in letzter Zeit zum Modischen geworden sein) wirken irgendwie hilflos (sind auch schlecht zu lesen). Und es heißt 's sind und nicht s'sind.

    So ist es.


    Mittelklassewagen? Tz.

  9. #9
    Moderator
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    AW: Schlafzimmerblick

    Das Gift...ich freue mich, daß ich dich verstehe, wirklich und noch mehr freue ich mich, daß es dir hier gefällt...
    dein ton gefällt mir leider weniger, man kann doch auch in ruhe seinen standpunkt vertreten, wichtig: jeder hat seine meinung und darüber wird diskutiert, schließlich sind wir doch alle halbwegs kultiviert...

    zu deinem text: ich sehe es ähnlich wie lester, deine lyrik geht entweder eher in die prosaische richtung oder du möchtest eben deine eigene form/struktur ausleben, weil du ja der meinung bist, so wie das leben, so auch meine lyrik...das ist auch ok, obwohl hier, glaub ich, viel wert auf struktur gelegt wird...
    mir persönlich gefallen die 1. u 4. Zeile in der letzten überhaupt nicht, wie einfach ist es zu sagen: ich liebe dich, es ist doch viel mehr als nur diese drei worte...

  10. #10
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Schlafzimmerblick

    Zum zweiten Absatz Deiner Anmerkungen folgendes: Nein, meine ich nicht und nein, meine ich auch nicht. Begründung: Ich gehe nicht davon aus, daß mein Denken ein allgemeines sein kann, aber ich hoffe und weiß seit langem, daß ich den einen oder anderen auf meinen Wegen treffe. Und manchmal gehen wir dann auch ein Stück gemeinsam.
    Deine übrigen Fragen erübrigen sich somit einer für Dich sinnvollen Beantwortung, weil sie von etwas ausgingen, das, wenigstens auf mich bezogen und in meiner eigenen Wahrnehmung als wahr manifestierbar, nicht stimmt. Im fehlschließenden Hyperraum aber halte ich mich nur auf, wenn ich pinkeln muß. Muß ich jetzt aber nicht.

    Der Nächste, bitte!

  11. #11
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Schlafzimmerblick

    Etwas später folgende Ergänzung: Die Todesfuge ist kein Indiz der Auflösung des Ichs, kein Grund für etwas Besonderes. Der Mensch besitzt einen grausamen Bestandteil. Den hat er bis heute nicht überwunden. Ich frage mich, ob der Mensch noch ein Mensch wäre, wenn er ihn nicht besäße, also ganz und gar zum heute so hochgejubelten Gutmenschen mutierte, der ja das Grausame überwunden zu haben glaubt. Dieser propagierte (vegane und linksgrüne) Gutmensch kann ja nur eine Mutation sein, eine neue Lebensform auf diesem Globus. Aber der Mensch, so, wie ich ihn kennen lernte, lieben, hassen, verachten, knuddeln, gebären und sterben, boseln, popeln oder schreiben... der besitzt - und zwar jeder - eine Neigung zur Grausamkeit. Und die bricht sich manchmal Bahn in der Weltgeschichte. Das bedeutet jedoch nicht, und eben keinesfalls in einem wie auch immer artifizierbaren soziologischen Kontext, daß er deshalb auf Fortpflanzung, Sehnsucht, sein Selbst oder gar die Konstituierung eines Ichs verzichten sollte und sich ganz einer Nivellierung hingibt, wie sie vielleicht multinationale Großkonzerne haben möchten, nicht aber das, was ich den Bazillus des Menschseins nennen möchte.

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