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Thema: Reinigendes Feuer

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Reinigendes Feuer

    Grell verbrennt Dich das Licht, wenn Du dich jemals mit den Schatten eingelassen hast ...

    ... die einen zerren Dich nach unten, die anderen verbrennen Dich, wenn sie Dir helfend ihre Hände reichen.

    Und so bleibst Du stecken, wimmerst und klammerst Dich an Stricken, eingeklemmt in den Gletscherspalten Deines mentalen Chismas und erfrierst jedesmal in Hitze, wenn Dich ein menschliches Auge erblickt.

  2. #2
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    AW: Reinigendes Feuer

    dem würd' ich gern ein anderes bild entgegensetzen, wenn du gestattest:

    je höher der baum wachsen will, desto tiefer muß er sich verwurzeln. wenn er leuchtet, muß er auch schatten haben. die wuchsrichtungen bedingen sich gegenseitig, sonst fällt er um.

    deine zerreißprobe ist mir ein gänzlich fremdes bild.

  3. #3
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Reinigendes Feuer

    Sag, mal ... hast Du auch 'ne Diddl-Maus am Rucksack und liest als erstes Dein Horoskop in der Zeitung? Sorry, ich will hier niemandem zu nahe treten, anscheinend riechen hier eh viele unter den Armen, so, aber DAS war jetzt einmal das, was ich als Äußerung eher befremdlich finden würde, zumal sie an einen Sinnzusammenhang gekoppelt ist, der gänzlich nichts, rein gar nichts mit Leben und dessen Werdung zu tun hat, daher entstellt sich mir gerade Dein Baumesbild, wo sind'man hier, im Urwald oder was?! Solang Du von Teakholz sprechen solltest, bin ich dabei und gebe Dir Recht, aber ansonsten kannst Du dein Baum- und Wurzelgekrakele da lassen, wo Bäume und Wurzeln wachsen, nämlich irgendwo in der Savanna, aber sicherlich nicht in den Gefilden menschlichen Geistes, 's wär ja noch sch?ner, wenn jeder verdammte Blaupunktbuntbarsch bestimmen können würde, was seine Punkte und was sein Blau ist ...

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Reinigendes Feuer

    Ist mir zu apodiktisch und erinnert doch fatal an die Ausweglosigkeit einer Situation des Angeklagten, der auf Fragen nur mit ja oder nein antworten darf. "Haben Sie jemals aufgehört, Ihre Frau zu schlagen?"


    Der Text hat eine ähnliche Kasuistik. Wer sich darauf einläßt, tappt in jedem Fall in die Falle. Also laß ich mich gar nicht erst darauf ein und verändere wie jeder Gewaltmensch statt dessen die Parameter. Schließlich sind wir hier unter Literaten, gelle?!

  5. #5
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Reinigendes Feuer

    Du has(s)t reagiert: das war die Falle ... nein, aber im Ernst: es sollte durchaus gestattet sein, in der Prosa (ich lerne in "eurem" Forum rapide) auch das Schlechte darzustellen, weil es dem Werdenden die sogenannte Bodennahrung gibt. Als Gegner rosaroter Sonnenbrillen kann ich leider nicht anders, als diese mit Dreck zu beschmieren. Bert Brecht tat nichts anderes (ich stelle mich keineswegs auf eine Stufe mit ihm, dagegen bin ich nichtig), aber warum nicht diejenigen auslachen, die Kacke im Gesicht tragen ...?

  6. #6
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Reinigendes Feuer

    Ich könnte Dir einen Grund nennen, warum Du nicht darüber lachen solltest, es sei denn, Du bist selbstreferentiell. Selber einer! Wie lebt sich?s denn so im Urwald?

    Ich antworte beinahe auf jeden Beitrag, das ist hier meine Aufgabe. Ich habe in meinem Forum auch schon eine Menge gelernt. Überhaupt, ich lerne täglich. Und es ist völlig egal, ob ich lerne oder bloß wiederentdecke, letztlich ist das nebensächlich, jedenfalls uninteressant. Ich bin bei Menschen, die ihr Tagwerk danach abschätzen, ob sie etwas lernten, sehr vorsichtig, emotional und geschäftlich. Sie lassen ihr Nützlichkeitsparaphrasiere aus dem Hals hängen, daß es mich graust; außerdem behaupten sie immer das Gegenteil gleich mit. Das ist gut. Oder auch nicht. Und schließlich muß ich mich fragen, warum sie so erpicht aufs lernen sind. Ich glaube, sie wissen meist gar nicht, was es bedeutet, eine Sache um ihrer selbst willen zu betreiben und stehen wie die Kuh vorm neuen Thor. Es ist aber nicht das konstruktive Staunen des Philosophen, eher das grindige Greinen des in die Scheiße Gefallenen, der sich über einige Kleckse am Revers des stinknormalen Nachbarn echauffiert und das seine Art von Humor nennt. humaniora.
    Deutlich?

    REINIGENDES FEUER nennt sich dieser Ordner. Reinigung durchs Feuer? Hatten wir schon mal. Es funzte nicht. Denn es gibt immer noch etwas mehr als das Bereinigte, mehr als das zu Bereinigende; es ist eh alles ganz anders.

  7. #7
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Reinigendes Feuer

    Ja, ich versteh' schon, ich musste mir daraufhin auch gleich nochmal im Struwwelpeter "Die schwarzen Buben" angucken, hier ist ein diesbezüglicher empfehlenswerter Link: http://www.fln.vcu.edu/menu.html ...

    Ja, und mit Abstand betrachtet ist mein Initialbeitrag tatsächlich etwas düster geraten, vielleicht hätte ich vor dem Verfassen nicht unbedingt Rückerts "Kindertotenlieder" lesen sollen, aber im Buch des Lebens sind wir ja doch nur ein überflüssiges Komma, da sollte man sich doch wenigstens bei der Schrifttype ein paar Freiheiten nehmen ...

  8. #8
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Reinigendes Feuer

    "ums feuer rumhüpf und Das Gift ein paar murmeln zuwerf":

    ein fröhlicher buntarsch bin ich wohl
    und reite auf der diddle
    durch der savanna goldnes herz
    just in the middle
    unter der achsel stinkt die myrrhe
    und weißer moschus smyrna
    die kacke trag ich stolz im gesicht
    wie andre scheiße im hyrna
    die stjerna hab ich unter dem mantel
    und auf der stirn einen namen
    der heißt so viel wie lachen und weinen
    und amen

  9. #9
    octavio paz
    Laufkundschaft

    AW: Reinigendes Feuer

    Nie können wir den Gegenstand an sich sehen; immer ist er erhellt von dem Auge, das ihn betrachtet, immer ist er geformt von der Hand, die ihn streichelt, ihn preßt oder ergreift (Octavio Paz, Essays 2, Frankfurt 1980, S. 264.)

  10. #10
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Reinigendes Feuer

    Verfängt nicht. Ist es immer dieselbe Hand, die ihn streichelt oder erhellt? Ich denke, nein. Wir selbst ändern uns in sieben Jahren einmal vollends. Was wir heute noch mit unserem Auge erhellen, verdunkelt uns ein Seelenschatten am nächsten Tag. Merken wir uns doch, was wir erhellen oder verdunkeln und bilden allmählich eine Quintessenz aus dem Angeschauten, Ergriffenen, Gefühlten. Vielleicht erkennen wir nicht sein Wesen, aber doch imemrhin mehr als nur seinen Schatten.

    Schon daß ich mir dies so denken kann, beweist aufs augenscheinlichste, daß wir mehr als einen Griff nach den Dingen tun (können).

  11. #11
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Reinigendes Feuer

    Aber es ist trotz dessen dieselbe Hand und dasselbe Auge, wohlmöglich durchaus "weiter"entwickelt, aber noch immer zutiefst der Subjektivität verpflichtet ... nichts anderes ist Schaffenskraft, Tatendrang und Kreativität, egal, woraufhin sie ausgerichtet sind.

  12. #12
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Reinigendes Feuer

    Nun ja, wenn ich mich jetzt ganz weit aus dem Fenster lehne und mich, meine heutige Erscheinungsform mit derjenigen vergleiche, die ich vor zwanzig Jahren abgab, wenn ich also meine Intentionen von heute mit denen von damals vergleiche, wenn ich nur einen Mittelfinger anschaue, der seit beinahe fünfundzwanzig Jahren einen Riß in der Mitte hat, der sich einfach nicht schließen will, wenn ich also das alles überdenke, dann sehe ich, daß Dinge bleiben und Dinge sich ändern, die unmittelbar mit meiner Subjektivität zu tun haben. Ich denke dann weiter, daß ich manche Bücher mehrmals las und jedesmal das Gefühl hatte, ein anderes Buch gelesen zu haben; einfach ist das mir gefallen, denn ich wurde ein anderer, entwickelte mich, wurde zu dem, der ich werden sollte oder wollte - wo ist da der Unterschied? Es steht dann die Frage, was die Substanz meiner Subjektivität ausmacht. Ich bin es, der da schaut, erhellt oder verdunkelt. Ich bin es und bin es nicht. Moment, mir fällt da gerade Crane ein, dessen Gedichte ersten Teil ich liefern kann. Crane schrieb zum wechselnden/bleibenden Ich:

    Im Himmel
    Standen einige kleine Grashalme
    Vor Gott.
    "Was tatet ihr?"
    Alle, außer einem der kleinen Halme,
    Begannen eifrig von den Verdiensten
    Ihres Lebens zu berichten.
    Dieser eine stand etwas abseits,
    Beschämt.
    Allgegenwärtig fragte Gott:
    "Und was tatest du?"
    Der kleine Halm antwortete: "Oh, mein Herr,
    Ich habe bittere Erinnerungen,
    Auch wenn ich Gutes tat,
    Ich weiß nichts davon."
    Da erhob sich Gott in all Seiner Pracht
    Von Seinem Thron.
    "Oh, bester kleiner Grashalm!" sagte Er.



    Oder, um das Absurde menschlichen Strebens in einer durch und durch rasenden Welt noch deutlicher zu machen, hier dieses:



    Ich sah einen Mann dem Horizont nachjagen;
    Sie rasten um und um.
    Mich störte das;
    Ich hielt den Mann an.
    "Es ist sinnlos", sagte ich,
    "Du wirst niemals --"

    "Du lügst", schrie er
    Und rannte weiter.

    Als Dichter tue ich mich sehr schwer mit der Nivellierung des Ich; ich denke, daß ohne Subjekt eine Schreibung nicht möglich ist.

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