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Thema: November

  1. #1
    schreibt hier hin und wieder
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    185

    November

    ich erwache aus tiefem Traum
    das Kind ist schuldig
    in der Küche raschelt Zeitungspapier
    die Fenster sind nicht geöffnet
    durch die Rolläden zucken Blitze
    von der Ferne ein Donnern

    mein Herz klopft
    Schweiß rinnt mir über die Schläfen
    ich muß das Kind umbringen
    es stiehlt meinen Geist
    ich denke an das Messer

    eine Tür geht auf
    der Donner jetzt über mir
    das Rascheln erstirbt
    das Kind ist auf dem Klo

    ich gehe hinaus
    Regen peitscht mich
    die Blitze über mir

    es ist fünf Uhr morgens
    und ich lese die Blätter auf

  2. #2
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: November

    ich erwache aus tiefem Traum
    in der Küche raschelt Zeitungspapier
    die Fenster sind geöffnet
    durch die Rolläden zucken Blitze
    von der Ferne ein Donnern

    der Sturm heult
    mein Herz klopft
    Schweiß rinnt mir über die Schläfen

    der Donner jetzt über mir
    das Rascheln erstirbt nicht

    ich gehe hinaus
    Schneeflocken peitschen mich
    Blitze über mir

    es ist füUhr morgens
    und ich lese die Blätter auf

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder
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    201

    AW: November

    die erste variante fährt ein, durchaus. wie ein blitz in die haut oder so. krass, ist wohl das wort. ist dir aber wohl selber nicht ganz geheuer, scheints. oder wieso die zweite, harmlosere variante sonst?

    ein paar mäkeleien oder denkanstösse oder was auch immer:

    zucken Blitze

    ...zuckende blitze: hat schon hesse so gesagt, dass blitze zucken.

    von der Ferne ein Donnern

    ...aus der ferne?

    durch die Rolläden zucken Blitze
    von der Ferne ein Donnern

    ...und der wind heult. und die rolläden klappern im sturm. und so weiter. der sturm ist mir noch zu harmlos beschrieben bei dir. oder nicht ins wilde herz getroffen.

    mein Herz klopft
    Schweiß rinnt mir über die Schläfen

    ...hmmm. solala, das.

    ich muß das Kind umbringen
    es stiehlt meinen Geist
    ich denke an das Messer

    ...das messer? welches? warum nicht ein messer? warum das messer?

    eine Tür geht auf
    der Donner jetzt über mir
    das Rascheln erstirbt

    ...welches rascheln?

    das Kind ist auf dem Klo

    ...brauchts das? wieso ist das kind auf dem klo? und was spielt das für eine rolle für das gedicht?

    ich gehe hinaus
    Regen peitscht mich
    die Blitze über mir

    ...die blitze über mir. was willst damit sagen? ich hab hier nicht recht ein bild vor augen, jedenfalls keines, das wirklich eindruck macht auf mich.

    es ist fünf Uhr morgens
    und ich lese die Blätter auf.

    ...das laub auf von der strasse? oder meinst du am ende andere blätter, beschriebene? ob du das sagen musst? ich weiss nicht.

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: November

    ich erwache aus tiefem Traum
    das Kind ist schuldig
    in der Küche raschelt Zeitungspapier
    die Fenster sind geöffnet
    durch die Ritzen leuchten Blitze
    aus der Ferne ein Donnern
    der Wind heult
    die Rolläden klappern

    mein Herz pulsiert
    Schweiß dringt aus den Poren
    ich muß das Kind umbringen
    es stiehlt meinen Geist
    ich denke an ein Messer

    eine Tür geht auf
    der Donner jetzt über mir
    das Rascheln von Papier erstirbt

    ich gehe hinaus
    Regen peitscht mich

    es ist fünf Uhr morgens
    und ich lese die Blätter auf






    Hallo Mr. Jones,
    ich lese die blätter auf - das will ich offen lassen, ob sie die Zeitungsblätter oder das Laub aufliest. Ich mag ein offenes Ende
    Vielen Dank für die Textarbeit. Ists jetzt besser so?

  5. #5
    Kurzvormabschussiger
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    39

    AW: November

    oh, patina....
    das berührt mich so sehr was du schreibst... das sind mehr als bilder, da ich mich in deinen texten so wiederfinde... nur gelingt es mir nicht, die so auszudrücken wie du... nochmals danke - mach nur weiter, ich mag deine ehrlichkeit in den texten, dass du nicht alles hinter einem rosaroten schleier zu verstecken versuchst... nicht viele haben noch den mut so zu schreiben...

    halte dir sorge

    lou

  6. #6
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: November

    es müssen nicht immer neue worte sein, um bekannte gefühle auszudrücken. die anordnung ist alles. wie in der chemie.
    aber die blitze sind mir zu fett.

  7. #7
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: November

    Die gar traurige Geschichte von einer gewollten Abtreibung, brachial-verstörend. Das Messer, Jonathan, selbstredend, ist das Messer, mit dem das Kind aus dem Leibe geschnitten worden ist/werden soll, um es im Klosett herunterzuspülen. Eine Zeitungsnotiz über die Kindsmörderin oder fallendes Laub vom Lebensborn Baum, ein offenes Ende - in der Tat. Ist das Handeln wider die zürnende Natur? oder ist die menschliche Natur einziges Lebewesen, das die freie Entscheidung über Leben oder Tod in sich fällen kann?

    Ein, wie gesagt, brachial-verstörender Text mit vielen Deutungsebenen. Und, wie ebenfalls bereits vor einiger Zeit notiert: die Blitze sind mir zu fett. Das Grollen des (entfernten) Donners dagegen (halte ich für) angemessen.

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