1386 bildete sich aus Polen und Litauen ein Großreich, das von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer reichte und Russen, Polen, Chasaren, Litauer, Deutsche und somit viele Bekenntnisse umfaßte. Die Russen durften ihren griechisch-orthodoxen Glauben behalten, die Polen und Deutschen ihren römischen, die baltischen Litauer ihr heidnisch durchsetztes römisches Christentum, und dann gab es noch die chasarischen Juden in diesem mehr als eine Million Quadratkilometer umfassenden Imperium, Aschkenasim.
Großpolen bedrängte vom Westen her der Ordensstaat, der seinerseits gegen die Russen arbeitete, um diese dem römisch-katholischen Machtbereich zuzuführen. Der Ritterorden hatte den Piratenstaat der Vitalienbrüder besiegt, die Insel Gotland erobert und eroberten Jahr für Jahr neue Gebiete außerhalb des Reiches, meist auf Kosten Großpolens. Das nennt man einen Konfliktherd. Der bislang latente Streit in bezug auf die Vorherrschaft in diesem Raum entzündete sich an Samaiten, einem schmalen Ostseezugang zwischen Litauen und dem Ordensstaat.
Die Samaiten hatten sich wegen ihrer Verwandtschaft zu den Litauern diesen angeschlossen, was der Orden als Eingriff in sein Operationsgebiet begriff. Abgesehen davon hatte der Orden nach der Christianisierung des Ostens keine Aufgabe mehr, konnte seine Existenz also nur rechtfertigen, sofern er expansiv blieb und militärische Schlagkraft nachwies. Großpolen stellte 17000 Reiter auf, der Orden 12000. Bei Tannenberg trafen die Heere aufeinander. 1410 im Juli. Die Deutschen erkannten ihre numerische Unterlegenheit und wollten die Schlacht durch einen Zweikampf der Heerführer entschieden wissen. Die Polen erkannten ihren numerischen Vorteil, wiesen die Unterhändler zurück und griffen an. Die Deutschen siegten auf ihrem linken Flügel gegen die gegnerischen Litauer, aber auf dem rechten Flügel mußten sie den Polen weichen. Der Ordensmeister fiel ebenso wie der innere Kern der Ordensritter.
Nach der Niederlage bei Tannenberg löste sich der innere Zusammenhalt des Ordensstaates auf. Viele Städte und Bischöfe gingen auf die großpolnische Seite über. Die Polen griffen ihrerseits Marienburg an, die Hauptstadt des Ordens. Aber die Burg hielt stand. Der Komtur Heinrich von Plauen schlug Angreifer und Belagerer zurück. Das wiederum ließ viele übergetretene Ordensstädte zurückkehren. Man schloß einen Frieden in Thorn, letztlich einen status quo ante – Frieden, der das Gebiet des Ordens unversehrt beließ, allerdings die Ordensbrüder zu einem Lösegeld von 200 Millionen € zwecks Auslösung ihrer bei Tannenberg in Gefangenschaft geratenen Kameraden zwang. Der Orden schien am Ende.
Im Jahr nach Tannenberg unterstützte Kaiser Sigismund die Polen in einem Streit gegen den Orden, was zeigt, daß dynastische und pragmatische Erwägungen beim politischen Handeln ausschlaggebend waren. Andererseits wollte Sigismund den Orden nicht zerschlagen und plante darum, ihm eine neue Aufgabe zu geben: die Abwehr der Türken. Das sollte von Zypern aus erfolgen. 1430. Aber die Ordensoberen erklärten, daß sie die heidnischen Pruzzen besiegt und christianisiert und nunmehr im Nordosten ein Heimatrecht erworben hätten. Aus der mönchischen Ritter-Korporation sollte nach dem Eigenbild derselben ein Herrenstand geworden sein. Allerdings wollten die Pruzzen diese meist fremdgeborenen Herren nicht und beschwerten sich beim Kaiser, der diesen Klagen nur zu gerne nachgab. In Polen wurde der Adel indessen immer stärker und konnte gegenüber dem polnischen König sogar das Recht durchsetzen, daß der niemand ohne Recht gefangen setzen dürfe. Und so überlegten sich viele Preußen, ob die polnische Oberhoheit nicht von Vorteil sein könne. Die Ordensritter indes waren untereinander zerstritten. Da schloß sich der preußische Adel zu einem Bunde zusammen, 1441, kündigte dem Deutschritterorden den Gehorsam auf und fragte beim polnischen König nach, ob der nicht die Oberhoheit übernehmen wolle. 1454. Der ließ sich nicht lange bitten und ließ unter dem fränkischen Ritter Hans von Bayern die Ordensburgen stürmen. Der Sohn des alten Heinrich von Plauen schlug mit seinen Rittern zurück und besiegte ein polnisches Heer bei Konitz. Der Kampf wogte hin und her. 1466 kam es in Thorn zu einem Friedensschluß:


  • der Orden verlor das linke Weichselufer mit Thorn, Kulm, Marienburg, Danzig und Elbing, außerdem das Herzogtum Ermland an Großpolen;
  • Danzig, Elbing und Thorn erhielten den Status der freien Reichsstadt;
  • der Orden erkannte den König von Polen als seinen Lehnsherrn an, wofür der Hochmeister einen Sitz im polnischen Senat (Sejm) erhielt und polnischer Magnat (eine Art von polnischer Fürst) wurde.



Aufgaben:


  1. Liste fünf Ereignisse im deutschen Osten zwischen 1400 und 1466 auf! (I)
  2. Weise nach, daß im 15. Jahrhundert nationale Aspekte keine Rolle bei wichtigen politischen Entscheidungen spielten! (II)


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