+ Antworten
Ergebnis 1 bis 9 von 9

Thema: Das Mädchen und der Ahornbaum

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
    Registriert seit
    21.March 2001
    Ort
    Münster
    Beiträge
    11

    Das Mädchen und der Ahornbaum

    Auf einer kleinen, kargen Insel irgendwo im Mittelmeer, lebte einst ein kleines Mädchen. Ihr Name war Juanita Moreno und jeder kannte sie, denn die Kleine war verliebt in einen Ahornbaum und besuchte ihn jeden Tag nach der Schule. Dann saß sie unter ihm, an seinen Stamm gelehnt und machte Schulaufgaben. Der Baum war etwas besonderes, denn an auf der ganzen Insel gab es sonst nur rote Felsen und dunkelgrünes Bodengestrüpp, ein paar braune, verdorrte Äste und über Allem das Blau des Meeres, aber niemals zuvor hatte es eine so gesunde, grüne, gedeihende Pflanze gegeben wie Juanitas Ahorn. Vor fast zehn Jahren, kurz nachdem das Mädchen geboren worden war, bemerkte ein Bauer aus der Nachbarschaft den jungen Trieb auf einem Hügel nahe ihres Elternhauses. Der Ahorn mochte damals erst einige Wochen alt gewesen sein, aber von da an wuchs er schneller als man schauen konnte. Seit Juanita groß genug war um unter dem Baum zu sitzen, war auch der Ahorn groß genug, er spendete ihr Schatten und war ihr nah.

    Die anderen Menschen auf der Insel lachten sie aus wenn sie an dem Baum vorbeigingen, wir werden ihn dir noch fällen, deinen Baum, lachten sie, wenn erst mal der Richtige kommt wirst du schon sehen, aber das kleine Mädchen hörte sie gar nicht. Morgens auf dem Weg zur Schule ging sie an ihm vorbei und auf dem Rückweg blieb sie dort und wenn sie zu Bett ging schenkte er ihr ein Gute Nacht Blatt. Bestimmt schon 7 Meter hoch war der Ahornbaum an dem Tag an dem Juanita krank wurde. Sie mußte das Bett hüten, so schwach war sie und sie wurde immer schwächer. Aus ihrem Fenster konnte sie den Baum sehen, der traurig auf seinem Hügel stand und bei dem sie mit ihren Gedanken war. Ihre Eltern wußten nicht was mit ihrem Kind geschah, sie hatten es lieb, aber Juanita war ihnen so fremd geblieben und nun sah sie Vater und Mutter nur ruhig an, lächelte und sie dachte, ich gehöre nicht hierhin, meine lieben. Ich gehöre nicht hierhin, es ist gut so. Und zwei Wochen später, am frühen Abend starb Juanita, mit einer Träne im Auge, für den Ahornbaum. Die Menschen die auf den Feldern arbeiteten, sie sahen wie der große Baum plötzlich, wie von einem gewaltigen Windstoß geschüttelt, alle Blätter mit einem Mal verlor und sie wußten alle sofort, das kleine Mädchen war tot. Schon im nächsten Frühjahr entwurzelte ihn der erste Sturm und der Ahornbaum war nur noch ein verdorrter Ast, völlig entwässert und zerbrochen.

    Aber an der Stelle wo Juanita begraben wurde, dort, auf der Insel wo sich die Elemente so nah sind wie nirgend sonst auf dieser Welt, dort, auf ihrem Grab, wächst ein Rosenstrauch, der immer blüht, auch im tiefsten Winter, oder wenn es ganz heiß ist, oder vielleicht auch im tiefsten Wasser.


    [Diese Nachricht wurde von Kolja am 17. Juli 2001 editiert.]

  2. #2
    Kurzvormabschussiger
    Registriert seit
    10.July 2000
    Ort
    Duisburg
    Beiträge
    61

    AW: Das Mädchen und der Ahornbaum

    Nun gut!
    Auch wenn Du Dich um die Formel drückst, lieber Kolja, aber Deinem Text geht implizit dieses beschwörende "Es war einmal" voraus. Hast also diesmal ein Märchen geschrieben, noch dazu ein trauriges. Alle Märchen sind traurig. Alle? Dieses sicherlich, auch wenn Du am Ende Hoffnung in einem Rosenstrauch aufkeimen lässt.
    Für ein "richtiges" Märchen ist der Text zu kurz, fehlt es ihm an retardierenden und anderen Märchenmomenten. Auch kann die Sprache nicht immer mit den Ideen mithalten, sie fällt etwas zu nüchtern ab an manchen Stellen.
    Aus Deinen schillernden Unterwassergeschichten suchst Du nun einen Weg in die reale Welt des Märchens, ja. Hier wachsen Bäume mit Menschen, hier leben Mensch und Natur im Einklang. Was Du noch nicht in einen völligen Einklang mit Deinem Sinn gebracht hast, ist die Sprache. Erzähle hier auch etwas weitschweifiger und ausschmückender, belebe Deine Märchenwelt, auch wenn die Insel allzu karg ist, mit den Träumen der Menschen, mit Deinen Träumen. Dann schmerzt das Ende nicht so sehr. Oder wolltest Du Schmerz vermitteln?
    herzlichst uis

  3. #3
    Kurzvormabschussiger
    Registriert seit
    27.April 2001
    Ort
    Augsburg
    Beiträge
    16

    AW: Das Mädchen und der Ahornbaum

    Oh, Kolja,

    bist du so schnell dem "Kitsch"-Aufruf von Robert gefolgt? Wo ist deine Ironie, diese Zwischentöne, die deine "Märchen" lesbar machen?
    Es ist doch wohl nur unfreiwillig komisch, dass das Meer "über" der Insel ist, der Bauer und nicht der Baum wächst und das Mädchen im Frühjahr an der Stelle begraben wird, an der der Baum vorher stand. (War sie in der Zwischenzeit in einem Kühlraum?)
    Nein, es hat mir weh getan, das zu lesen und es lag nicht daran, das ein Sterben beschrieben wurde. Auch in Märchen ist das Sterben echter. Lass diese Sentimentalität Andersen, der kann das besser. Bleibe du nur bei deinen Meeresbewohnern.

    Nichts für ungut,
    Klammer

    [Diese Nachricht wurde von Klammer am 17. Juli 2001 editiert.]

  4. #4
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Das Mädchen und der Ahornbaum

    Kolja, ich möchte nicht, daß Du Dich zum Kitscheln berufen fühlst. Ich weiß nicht, wat der Schwabe da zu möppeln hat... Ich möchte, daß Du tauchst und mir eine Korallenmuschel vom Meeresboden holst. Die schenkst Du mir, sobald wir uns treffen. Würdest Du die für mich holen?

    Ich hab schon zwei Schwämme aus Griechenland, einen von meiner Freundin Ina, einen hat mir meine Mama geschenkt, die ihn von Mark bekam. Aber eine Korallenmuschel wäre schon sehr schön.

  5. #5
    Kurzvormabschussiger
    Registriert seit
    10.July 2000
    Ort
    Duisburg
    Beiträge
    61

    AW: Das Mädchen und der Ahornbaum

    Ich hab's auch grundsätzlich nicht als Kitsch verstanden. Komisch, warum Klammer drauf kommt. Es bleibt für mich bei diesem Text der Einduck eines rudimentären Märchens.
    Ja, Kolja, ich weiß sehr wohl, was Du meinst.
    Übrigens bin ich als alter Urmeli-Fan auch Muschelsammler, besser gesagt Mupfelsammler. Kolja, ach Kolja, bring mir auch eine mit, dann kann ich wieder von der Schaumgeborenen träumen...

  6. #6
    Kurzvormabschussiger
    Registriert seit
    27.April 2001
    Ort
    Augsburg
    Beiträge
    16

    AW: Das Mädchen und der Ahornbaum

    Hallo, Rodbertus,

    habe ich deinen Eintrag in den Juli-Notizen falsch verstanden?
    Kitsch ist immer Spreu des Herzens, ohne Spreu aber ist das Bewußtsein des Weizens kaum greifbar.
    Also: Laßt uns Spreu schaffen!
    Und, Kolja, ein Mädchen und ein Baum, ineinander verliebt und aneinander sterbend, weil sie doch nicht zusammenkommen können, tut mir leid, das ist Kitsch.

    Gruß, Klammer

  7. #7
    Kurzvormabschussiger
    Registriert seit
    10.July 2000
    Ort
    Duisburg
    Beiträge
    61

    AW: Das Mädchen und der Ahornbaum

    Siehst Du wohl, Kolja! Wenn Du dem Klammer jetzt sagst, dass es doch so eine Art Märchen sein soll, dann ist es nämlich kein Kitsch mehr, denn in einem Märchen... ja in einem Märchen ... da können sich Menschen noch in ganz andre Dinge verlieben, und manche Prinzessinen küssen sogar Frösche oder reiten auf Drachen.. und keiner sagt, dass es Kitsch ist. Es ist der Stoff, aus dem die Träume sind, aber das hat ja Shakespeare geschrieben...
    uis, mal wieder in Märchenlaune

  8. #8
    Kurzvormabschussiger
    Registriert seit
    21.March 2001
    Ort
    Münster
    Beiträge
    11

    AW: Das Mädchen und der Ahornbaum

    Ach, es ist irgendwas. Egal wie man es nennt, der Inhalt verändert sich ja nun nicht wirklich dadurch. Kitsch ist ja nicht immer gleich scheisse. Kann man mal machen. normalerweise sind bei mir dann immer noch ein paar Absurditäten drin, so das es nicht so auffällt, aber kitschig schreibe ich schon oft, finde ich. Robert, ich finde im Moment keine Korallenmuscheln. Ich bin froh das ich überhaupt was zu Papier bringe. Ich gebe dir vorübergehend meine Gehirnkorallenzahnbürste, findest du bei der Meerjungfrau. Grüße euch alle lieb und danke für Geschichte lesen, freu mich immer darüber. Kolja.

  9. #9
    Chefchen Avatar von aerolith
    Registriert seit
    30.October 1998
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    2.284
    Blog-Einträge
    35

    AW: Das Mädchen und der Ahornbaum

    eine nicht zu Ende geführte Diskussion über Kitsch.... Ich bin nun kein Vertreter einer Auffassung, die Kitsch als FORM respektiert und pflegt, ABER ich glaube heute wie 2001, daß ohne Kitsch literarische und philosophische Inhalte (Substanz) nicht oder nur schwer vermittelbar sind. Unser Verstand wird entzündet, wenn das Bekannte und Triviale als erkennbare Muster ihn affizieren. Dann aber muß in dem Text auch eine Substanz analysierbar sein, andernfalls zieht sich der Verstand schnell zurück - und mault, da er sich betrogen fühlt. Und bei manch einem führt das dann dazu, daß er Kitsch per se ablehnt, weil er ja die bange Vorstellung neuerlicher Enttäuschungen schon vorab nicht zu ertragen wünscht. Der Narr vergibt sich vieles, weil vorschnelles Urteilen noch immer den Verstand zwar schont, aber stete Schonung läßt diesen auch verkümmern. Siehste! Kitsch hat eine Funktion, eine gute.

+ Antworten

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Ja
  • Themen beantworten: Ja
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •