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Thema: Theaterstück

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Theaterstück

    Tod eines Lyrikers


    Theaterstück in zwei Szenen


    Bühne

    Ein Wohnzimmer mit moderner Einrichtung, Polstermöbel, Couchtisch, Hifi-Schrank, Steroanlage sowie große Boxen. Ansonsten gilt das Prinzip der Aussparung.

    Personen:

    Sie, Ende Dreißig
    Er, Anfang Vierzig
    ein Freund (F.), Anfang Vierzig


    Szene Eins

    Sie sitzt im Zimmer und hört eine Verdi Oper.

    Er kommt zur Tür herein; langsam, übernächtigt, blaß, kränklich.

    Er: Schalt das Radio ein, es kommen die Nachrichten.

    Sie steht auf und schaltet das Radio ein.
    Ein Nachrichtensprecher ertönt aus dem eingeschalteten Radio.

    Er: Dann stell’ doch auch die Musik ab!

    Sie: Nein!

    Er: Warum nicht?

    Sie: Weil ich meine Oper zu Ende anhören möchte!

    Er: Und ich will die Nachrichten hören!

    Sie: Du hörst sie doch!

    Er (ganz laut, um die Lautkulisse vollständig zu übertönen):
    Ich kann die Nachrichten nicht hören, wenn die Musik so laut ist!

    Sie: Mich stören die Nachrichten nicht!

    Er: Klar, weil die Musik viel lauter ist!

    Er stellt das Radio lauter. Daraufhin stellt sie die Musik noch lauter. Beide Geräte sind bis zur Schmerzgrenze aufgedreht. Beide schalten nach einer Weile die Geräte des jeweilig anderen aus.

    Er: Endlich ruhe!

    Er setzt sich erschöpft in das Sofa. Sie zündet sich eine Zigarette an und bläst ihm den Rauch ins Gesicht.

    Er: Du weißt doch, daß ich Zigarettenrauch nicht vertrage!

    Sie: Ja.

    Er : Warum bläst du mir dann den Rauch in mein Gesicht?

    Sie: Weil ich ihn irgendwohin blasen muß, um nicht daran zu ersticken.

    Er steht wütend auf und schaltet wieder das Radio ein.

    Nachrichtensprecher aus dem Radio:
    ...Der Iran startet eine Gegenoffensive.
    Er schaltet das Radio sofort wieder aus.

    Sie: Der Iran erkennt die Staatsbürgerschaft der Deutschen Demokratischen Republik an.

    Er: Seit wann interessiert dich so etwas?

    Sie: Seit ich die Bibel zum fünftenmal gelesen habe. Du beziehst zuviel Stoff aus ihr!

    Er: Ich verstehe den Zusammenhang zwischen Bibellesen und deinem Interesse für Politik nicht!

    Sie: Ich verstehe deine Bücher, deine Stücke endlich.

    Er: Wir haben sie alle diskutiert. Immer und immer wieder.

    Sie: Doch wer sagt, daß es mich auch nur einmal interessierte, diese öden Diskussionen, dieses ewige Lamentieren, das hohle Geschwätz, Inhalte hervorzaubern, wo keine sind! Das kotzt mich an.

    Er: Ich dachte, es interessierte dich!

    Sie: Ja, so kann man sich täuschen - alles was dich interessiert bist du - deine Eitelkeit, deine Selbstvergessenheit - deine Täuschung!

    Er: Du willst mich herausfordern, kränken, vernichten!

    Sie: Nein, das brauche ich nicht - du bist krank - schwer krank!

    Er: Wenn es so weitergeht, werde ich bald sterben!

    Sie: Deshalb solltest du auch die Bibel lesen.

    Er: Ich kenne die leidlichen Geschichten!

    Sie: Aber du glaubst nicht daran!

    Er: Warum sollte ich?

    Sie: Wir haben kein Kreuz in der Wohnung! Wir sollten eines aufhängen!

    Er (entrüstet): Hier! In diesem Raum? Bist du verrückt?

    Sie: Ja, denn du wirst bald sterben!

    Er: Willst du mich umbringen?

    Sie: Wie kommst du darauf?

    Er: Bis der Tod euch scheidet.

    Sie: Eben.
    Er steht auf, geht hinaus.
    Nach kurzer Zeit kommt er mit zwei Brettern zurück.
    Er verläßt erneut den Raum und kommt mit großen Nägeln und einem Hammer wieder herein.
    Er legt die Bretter kreuzförmig zueinander und nagelt sie zusammen.
    Er schlägt sich auf den Finger und flucht:

    Er: Verdammt noch mal! Scheiß handwerkliche Arbeit!

    Sie: Was machst du daß

    Er: Du wolltest ein Kruzifix an der Wand haben.
    Ich baue dir eins.

    Sie (lakonisch): Willst du auch noch einen Jesus schnitzen?

    Er: Nein, ich werde mich selbst hinnageln! Meine Hand werde ich an die äußere Kante
    legen, den Nagel zwischen Zeigefinger und Ringfinger einklemmen, sie angewinkelt auf die Handfläche legen und dann den Nagel mit voller Wucht durchschlagen. Den anderen Nagel mußt du hineintreiben!

    Sie: Mach keinen Unsinn!

    Er: Bevor du mich ins Grab bringst, bringe ich mich selbst lieber ans Kreuz!

    Sie: Schreib lieber ein Buch, ein Theaterstück darüber!

    Er: Dazu ist es zu spät. Ich habe keine Zeit mehr. Die Uhr ist abgelaufen. Meine Uhr, ja meine Uhr.

    Schweigen.
    Er nagelt die Bretter weiter zusammen.

    Sie: Hast du noch einen Wunsch?

    Er: Bis der Tod uns scheidet. Laß uns ins Theater gehen!

    Sie: In ein Stück von dir?

    Er: Ja.

    Pause entsteht.

    Sie: Erzähle mir, was das für ein Theaterstück ist?

    Er: Anstatt wie üblich, nehmen die Zuschauer nicht im Zuschauerraum Platz, sondern werden direkt auf die Bühne geleitet, auf der für sie Stühle aufgestellt wurden. Der Vorhang ist zum Zuschauerraum geschlossen. Wenn die Vorstellung beginnt, ich muß noch dazusagen, daß nicht für alle Besucher genügend Stühle vorhanden sind, also einige müssen stehen, werden sich beschweren, werden ihren Unmut freien Lauf lassen, öffnet sich der Vorhang. Die Schauspieler sitzen im Zuschauerraum. Sie klatschen und lachen, deuten mit den Finger auf einzelne Personen und beschimpfen das auf der Bühne verlorene Publikum.

    Sie: Du willst mich auf die Bühne setzen?

    Er: Genau. Niemand spricht.

    Sie: Sinnlos.

    Er: Ja alles.

    Er geht hinaus und holt sich eine Tablette und ein Glas Rotwein, schluckt die Tablette und trinkt mit Rotwein nach.

    Sie: Ist es deine Aufgabe, eine unangenehme Situation zu schaffen?

    Er: Warum meinst du, daß Kinder weinen, wenn Sirenen heulen?

    Sie: Wir haben keine Kinder. Du hast nie welche gewollt. Du sagtest immer: Schriftsteller müssen frei, ungebunden sein, keine lästigen Bälger am Hals haben, die einem das Leben schwer machen - ja geradezu einem das Leben nehmen. Ein Leben tauschen - nein, das sei nicht dein Sinn!

    Er: Intuitiv. Das Kind hört die Bedrohung. Im Sirenenton hallt der Schreck, das Entsetzen mit. Die Gefahr ertönt, sie ist offensichtlich.

    Sie: Wir leben in der Hölle und du beschreibst sie - du bist sie!

    Er: Ich muß das Brot verdienen, das wir verfressen.
    Oder ein anderes Stück:
    Das Theater lädt obdachlose Menschen ein, sie können es sich auf der Bühne gemütlich machen. Die einzige Bedingung: Am Abend gibt es eine Vorstellung und die Bewohner sind das Stück, frei zur Betrachtung, sind verpflichtet, sich dem Bürgertum zu stellen, sie müssen saufen, huren, vergewaltigen, schlagen - dafür sind sie da, das ist ihr Lebenssinn. Sie sind die Unterhaltung für die Zahlenden, es ist dem Publikum gestattet, Hartgeld auf die Bühne zu werfen. Zweimal wird der Vorhang fallen, damit das Publikum weiß, wann es klatschen darf.
    So lösen wir die Wohnungsnot und die Theaterkrise.

    Sie: Wir sind schon im Theater.

    Er: Die Exhibitionisten werden nicht aussterben - genausowenig wie die Voyeure.

    Sie: Eben.

    Es entsteht eine Pause.

    Sie: Du schreibst keine Lyrik und keine Prosa mehr. Deine Theaterstücke sind mit ein paar Sätzen skizziert, die Anderen agieren, so wie sie sind, du bist sprachlos, leer, krank!

    Er: Es mangelt an Regieanweisungen. Ich bin zu schwach, um noch zu schreiben.
    Sie: Du wirst alt und du wirst bald sterben, doch du willst die Bibel nicht, und auch keinen Pfaffen.

    Er: Ich werde den Tod auch so überstehen.

    Sie: Hast du ein Testament gemacht?

    Er: Mein letzter Wunsch! Ja, wenn ich tot bin und wenn ihr anfangt, euch zu zerfleischen, wegen der paar lumpigen Mark, dann sollt ihr, bevor ihr Euch das Geld unter den Nagel reißt, alle hier in das Zimmer kommen und die Anzahl meiner gelebten Jahre mit Kerzen aufwiegen und warten, bis die letzte Kerze verbrannt ist. Und ihr müßt schweigen - auf das Flackern hören.

    Sie: Du bist krank!

    Er: Ich schreibe jetzt mein Testament, bevor meine Hand zerstochen am Kreuze blutet.

    Sie: Also gehen wir nicht mehr ins Theater!

    Er: Meine Stücke werden nicht mehr aufgeführt. Die Zeit ist vorbei. Ich werde mich jetzt ans Kreuz nageln. Die Lebensversicherung ist abgeschlossen.

    Sie: Du bist nicht Jesus!

    Er: Wer behauptet denn so etwas?

    Sie: Du, natürlich.

    Er: Wieso denn das?

    Sie: Weil du dich ans Kreuz nageln willst.

    Er: Wieviele Menschen wurden ans Kreuz genagelt, ohne daß sie Jesus waren. - Viele, sehr viele. Und die geschnitzten Figuren? Sind das alles Jesuse? Und Jesus selbst - hat er nicht einen anderen geschickt, um sich zu schonen, warum sonst atmen wir alle den Geruch der Verwesung ein?

    Sie: Dein Stück ist makaber!

    Er: Die Wirklichkeit ist makaber!

    Sie: Was hat das damit zu tun?

    Er: Wenn der Iran die DDR-Staatsbürgerschaft anerkennt und gleichzeitig Krieg führt, ist das nicht makaber - oder wenn der Papst das Kondom verbietet, wie mir der Arzt den Alkohol.

    Sie: Du trinkst zuviel.

    Er: Das war dein Stichwort. Jetzt kannst du auftreten. Du frißt zu viele Tabletten.

    Sie: Ich bin nicht krank.

    Er: Deine Psyche ist krank.

    Sie: Was sagst du da?

    Er: Die drohende Einlieferung!

    Sie (schreit): Schweig!

    Er: Warum, weil ich krank bin, schwach bin und bald sterbe?

    Sie: Du zermürbst mich - du zerstörst mich, du bist es, der mich krank macht.

    Er: Zermürbt sind wir alle. Die Angst um das Tägliche, schlimmer noch, um das Morgen, das keine Zukunft hat, und das verlorene Gestern, das keine Vergangenheit hat.
    Gott war barmherzig, er hat uns wenigstens den Alkohol gegeben. Dazu bedurfte es keinen Prometheus. Doch er, Gott, schlug die Alkoholabhängigen mit ihren Ärzten. Eine Teufelsmühle, ein Weg ohne Ende. Am Besten man spricht nur noch in Metaphern. Die Metaphysik verstand ich noch nie.

    Es läutet die Wohnungsklingel.

    Sie: Er kommt!

    Er: Endlich.

    F: Ich wünsche einen guten Abend.

    Er: Sarkast!

    F: Was habt ihr denn, Zensur?

    Er: Der Innenminister macht mit seiner Gespensterangst, Zensur.

    F: Es ist immer das Gleiche.

    Sie: Wir wählen doch alle vier Jahre.

    Er: Die Demokratie ist ein Kunstwerk. Man betrachtet es im Museum. Es besteht aus einer Liste mit Namen alter verkalkter Männer - und aus einem Wulst von Zahlen. Und man sieht Arschlöcher, ausgestopfte Arschlöcher.

    Sie: Sei nicht so vulgär!

    F: Er hat schon recht.

    Sie: Was wollt ihr, ein anderes System?

    Er: Anarchismus.

    F: Kommunismus.

    Sie: Faschismus.

    Er: Was zum Saufen.

    Er trinkt sein Glas leer.

    Er: Entschuldigung, aber ich konnte nicht mehr.
    Willst du auch ein Glas?

    F: Nein danke.

    Sie: Sei nicht so höflich zu ihm.

    F: So wie er aussieht, stirbt er bald.

    Er: Sprich es nicht aus. Ich habe angst. Seht ihr das nicht?

    Sie: Wovor denn?

    Er: Vor dem Tod.

    F: Vor dem Elysium?

    Er: Vor dem Feuerschwert und dem Kerubim.

    Sie: Trink!

    Er: Ich seh’ es schon.

    F: Reiß dich doch zusammen.

    Pause entsteht.

    Er (brüllt): Ich habe ihn gesehen!

    F: Wen?

    Er: Den Tod.

    Sie: Schnell, etwas zu trinken.

    Er trinkt und erbricht sich.

    Er: Die Angst dreht einem den Magen um.

    Szene Zwei

    Es brennen 42 Kerzen.
    Sie sitzt allein im Zimmer.

    Sie: Jetzt wird er zum Mythos.
    Er starb am Kreuz.
    Man spricht viel über ihn.
    Man preist ihn.
    Er ist in den Himmel gefahren.
    Es flossen Tränen, wider Erwarten.
    Alles spricht für sich.
    Vor allem die Erlösung.
    Vor allem die Offenbarung.

    Sie nimmt die Bibel und liest vor:

    Sie: Offenbarung Jesu Christi, die ihm Gott gab, damit er seinen Knechten zeige, was in Bälde geschehen muß; und gewiesen hat er sie durch seinen Engel seinem Knecht Johannes.
    Der legt Zeugnis ab von dem Wort Gottes und von dem Zeugnis Jesu Christi, von allem, was er schaute.
    Selig der Leser und die Hörer der prophetischen Worte und die sich an das halben, was darin geschrieben steht. Denn die Zeit ist nahe.

    Noch nie war die Zeit so nah wie jetzt. Ich weiß, daß er gestorben ist und daß auf uns das Flammeninferno niedergehen wird. Selig sind die Toten und selbst die kommen vors Gericht.

    Das Weltgericht.

    Und ich sah einen Thron, groß und weiß, und den der darauf saß. Vor seinem Angesicht flohen die Erde und der Himmel, und keine Stätte wurde mehr für sie gefunden. Und ich sah die Toten, die Großen und die Kleinen, vor dem Throne stehen, und Bücher wurden aufgeschlagen. Und noch ein Buch wurde aufgeschlagen, das ist das Buch des Lebens; und die Toten wurden gerichtet nach dem was in den Büchern geschreiben stand, nach ihren Werken. Und das Meer gab die Toten heraus, die in ihm waren, auch der Tod und die Unterwelt gaben die Toten heraus, die in ihnen waren und sie wurden gerichtet, jeder einzelne nach seinen Werken. Und der Tod und die Unterwelt wurden in den Feuerpfuhl geworfen. Das ist der zweite Tod, der Feuerpfuhl. Und wenn jemand nicht im Buch des Lebens verzeichnet gefunden wurde, so wurde er ebenfalls in den Feuerpfuhl geworfen.

    Er kommt herein und macht das Licht an.

    Er: Liefert sie doch endlich ein!

    Er nimmt sein Glas, wirft es gegen die Wand und löscht die Kerzen

    Er: Es ist vorbei.

    Sie: Zerstört die Welt.

    Epilog:

    Sprecher: Die Psychopathie zeigt ein auffälliges Verhalten bestimmter Menschen auf, unter dem der Betreffende in aller Regel nicht zu leiden hat. Vielmehr ist es die Umwelt, also die Mitmenschen, die den Zustand ertragen müssen. Es gibt verschiedene Erscheinungsformen, die einen Psychopathen auszeichnen, so ob er nun reizbar, fanatisch, selbstunsicher, gemühtlos oder haltlos ist. Allen gemeinsam ist jedoch, daß sie keine dauerhaften zwischenmenschlichen Beziehungen eingehen können, da der Psychopath nicht in der Lage ist, etwas Gefühle wie Zuneigung und Symphatie zu entwickeln. Er selbst ist nur ein Spiegelbild der Gefühle, um seine Interessen durchzusetzen. Doch er wird nie die negativen Konsequenzen einsehen können. Auch wird er nie die geltenden moralischen Normen akzeptieren.

    Ende.

  2. #2
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Theaterstück

    Seit ich hier im Forum bin, lieber hagen, hab ich hier noch kein Theaterstück gelesen, jedenfalls keines, das sich sofort als solches zu erkennen gegeben hat.
    Das ist schon mal das Positive an Deinem Text. Ich habe ihn jetzt mehrmals gelesen und bin zu der ersten Auffassung gekommen, dass es kein richtiges "Stück" ist, sein kann und von Dir vielleicht auch so nicht beabsichtigt war. Allerdings ist das eine erste Lesart.
    Theater braucht Raum, braucht Vorstellung, braucht Platz und Artikulation. In den virtuellen Räumlichkeiten eines Forums kann so ein Gedanke wie Deiner recht schnell verblassen und sich in Luft auflösen, finde ich. Mir ist das im Moment noch zu wenig nachhaltig, weil ein gewisses absurdes Moment überwiegt, dafür der Text mir jedoch ein wenig zu kurz scheint.

  3. #3
    rodbertus
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    AW: Theaterstück

    absurd, uis? Virginia Woolfe läßt grüßen. mir gefällt es, zumindest von der psychologischen bestandheit der figuren, dem wortwitz und gelegentlichen verquertheiten. aber in der sprache gibt es gehörige mängel. woran liegt das nur, hagen? wie denkst du die worte, die sätze? versuch doch mal, dieses gefühl des sprachgebärens zu beschreiben!

    zum inhaltlichen will ich mich noch dezidierter äußern, vielleicht ergeben sich hier möglichkeiten einer erweiterung?

  4. #4
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Theaterstück

    nicht uninteressant, hagen, aber haut mich auch nicht aus den socken. warum? nun, physiognomisch ausgedrückt, schmunzeln und stirnrunzeln gaben sich bei mir in einem fort die hand. ausführlicher vielleicht nach nochmaligem lesen.

    gruss stöver

  5. #5
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Theaterstück

    Hallo Uis,
    das Stück ist von mir schon als Theaterstück konzipiert.
    Mich würde interessieren, aufgrund welcher Kriterien du zu der Überzeugung kommst, daß es kein Stück sei, sondern ... was?
    Du hast natürlich recht, daß ein Literaturforum im Internet kein geeignetes Medium für ein Theaterstück ist. Nichtsdestoweniger gilt dies natürlich auch für die gedruckte Form von Theaterstücken in Büchern. Nachdem ich jedoch kein Podium zur Aufführung habe, bleibt mir, um eine Reflexion zu erhalten, lediglich diese Form, die ich übrigens nicht für die Schlechteste halte.
    Es stimmt, daß das absurde Moment überwiegt, aber ich kann (noch) nichts mit Deiner Kritik an mangelnder Länge und Absurdität anfangen. Besitzt nicht gerade der Witz das kürzeste Moment zwischen geschriebenem Wort und Absurdität?


    Hallo Robert,
    danke für Deine kurzen Anmerkungen, jedoch müßtest Du bitte Deine Frage bezüglich des Sprachstils etwas präziser fassen, damit ich etwas damit anfangen kann.

    Hallo Stöver,
    nicht uninteressant, hagen, aber haut mich auch nicht aus den socken.
    , das erwarte ich auch gar nicht, daß es Dich aus den Socken haut! Gibt es Theaterstücke, die das bei Dir erreichen, wenn ja, was sind die Kriterien dafür. Mit Stirnrunzeln und Schmunzeln habe ich schon erreicht, was mir nicht unsympathisch ist.

  6. #6
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Theaterstück

    also, lieber hagen, aus den socken haute mich z.b. süsskinds einmannstück 'der kontrabass'. und da sind's dann schon noch ein paar schritte bis dahin. werd mich aber nochmals mit genauerem melden.

    gruss stöver

  7. #7
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Theaterstück

    Hallo hagen,
    komme erst jetzt dazu, Deine Antwort zu kommentieren. Ja, es ist ein Stück, aber zu wenig ein Stück, ein Text, ja. Mach da mehr draus, sonst betrachte ich es als Fragment. Ich glaube, dass Deine psychopathischen Figuren, die ich irgendwo zwischen Ionesco und Botho Strauß ansiedle, auf der Bühne leben könnten, in einem Roman könnten sie das allemale. Natürlich sind Schriftsteller krank an der Seele, aber wer ist schon gesund heutzutage? Dieses krankhafte Selbstzerstören ist mir noch nicht gut genug herausgearbeitet. Lass ihn bespielsweise auf der Bühne so herumhämmern mit dem Kruzifixholz, dass er sich ernsthafte Verletzungen beibringt, dazu dann witzig-blöde, entblödende Kommentare der Angetrauten und perfekt ist die absurde Idylle. Ich bin der Ansicht, dass ein solcher Stoff in längerer Fassung trägt. Auch und gerade wegen Deiner Fähigkeit zu guten Dialogen, die Bühnen- und Regieanweisungen dürftest Du noch etwas ausführlicher gestalten im Sinne einer eigenen Deutngsvorgabe, oder willst Du, dass irgendsoein dahergelaufener Provinzregisseur Deine Vorgaben entstellt auf die Bühne bringt. Allemale ist es zeitgeistiger als das, was unser Schillernachwuchs aufgeschrieben hat, aber das schreibe ich ihm gleich in seinen Ordner.
    herzlichst
    uis

  8. #8
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Theaterstück

    Hallo Uis,
    vielen Dank für Deine sehr konstruktive Kommentierung. Genau dafür, denke ich, ist dieses Forum auch gedacht. Es ist hier eine Werkstatt an der sich Gleichinteressierte beteiligen und bei der Entstehung eines Textes mitwirken, indem sie ihre Sicht einbringen. Du hast ganz recht, es ist noch rudimentär, könnte intensiver und länger werden. Der Rahmen steht allemal. Für mich ist es in der Entstehungsphase, ich prüfe hier ab, auf welche Resonanz es stößt.

    Du schreibst:

    oder willst Du, dass irgendsoein dahergelaufener Provinzregisseur Deine Vorgaben entstellt auf die Bühne bringt
    Das ist gut gemeint von Dir.
    Da denke ich, daß ich diese Angst nicht zu haben brauche, da gelten wird: was man nicht kennt, kann man auch nicht aufführen!
    Bei den Kommentaren bin ich mir nicht sicher, da man sich schnell im epischen verliert. Das möchte ich vermeiden.
    Gruß
    Hagen

  9. #9
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Theaterstück

    Hagen, mein Lieber! Ich hatte gefragt, wie Du Sprache sprichst und schreibst, wie Du zur Sprache kommst: Fließt sie aus Dir heraus? Mußt Du um jedes Wort kämpfen? Hast Du eine Vorlage, die Du kolportierst? ...

  10. #10
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Theaterstück

    Hallo Robert,
    nein um jedes Wort kämpfen muß ich nicht, ansonsten könnte und sollte ich nicht schreiben, denn es wäre ein Qual für mich. Zuerst ist der Gedanke, der sich nur sprachlich im Kopf melden kann, Gedanken ohne Sprache ist undenkbar. Wenn mich ein Gedanke begeistert, quellen die Worte, Sätze hervor - daher gibt es nur bestimmte Zeiten, an denen ich wirklich produktiv schreibe. Da ich beruflich als auch privat äußerst stark eingebunden bin, sind es die lichten Momente selbstbestimmter Zeit in der ich dann produktiv bin. Ich kann es mir daher nicht leisten, stundenlang vor leerem Papier zu sinnieren. Die Gedanken entstehen im Alltag, vor dem Einschlafen, werden beim Warten und in langweiligen Sitzungen gebrütet. Die Frage nach den Vorlagen ist natürlich fatal und perfide. Nichts entsteht aus dem Nichts. Aber keiner, der originär schreibt, will sich an seinen perfekten Vorbildern messen lassen - will nicht Plagiator sein! Nachdem ich mich fast mehr mit der Theorie (Philosophie und Literatur) beschäftige (und auch dazu schreibe), als mit dem Gegenstand der selbigen, habe ich mehr das Problem der Verkopfung. Aber konkret: Natürlich gibt es Vorbilder (eines findest du in der Flußgeschichte; aber der schuf nach meinem Dafürhalten, das Beste, was jemals in der Literatur geschaffen wurde! Es wäre daher lächerlich, sich hieraus Anleihen zu nehmen, ich könnte nur scheitern. Ich liebe die Absurden und die Spartaner (da hat Uis sicher den Nagel auf den Kopf getroffen, wobei ich Bodo Strauß lieber durch Jandl ersetzt hätte). Ich hoffe du kannst damit etwas anfangen. Bin gespannt auf was du hinauswillst.
    Gruß Hagen

  11. #11
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Theaterstück

    Hallo Robert,
    du machst interessante Anmerkungen, läßt mich aber dann immer auf dem Trockenen sitzen. Oder mit anderen Worten: Mir liegt sehr an deinem professionellen Rat.
    Aber ich will hier nicht drängeln, sehe ja, daß du hier momentan viel Arbeit zu leisten hast.
    Gruß Hagen

  12. #12
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Theaterstück

    Zitat Zitat von stöver
    werd mich aber nochmals mit genauerem melden.
    gruss stöver
    immer noch nicht uninteressant. aber unausgewogen. szene zwei lohnt kaum ein abhocken. ende szene uno wird zu schnell gestorben. hauptkritikpunkt aber: es ist die sprache, dieses zu viel an "theatersprache". umgangssprachliche brocken fehlen mir hier sehr.

    würde mich aber schon interessieren, was aus dem stückli geworden ist...

  13. #13
    Chefchen Avatar von aerolith
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    AW: Theaterstück

    Oh, Mann! Hier habe ich aber getrieft. Antwort folgt noch... (Manches dauert eben länger...)

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