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Thema: Toskanareise, ins Innere

  1. #1
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    Toskanareise, ins Innere

    Toskanareise, ins Innere

    Textsalat, Toskanischer

    Uebermorgen streicht durch Haus und Haar. Garibaldi allenthalben. Und anderthalben die Pubertät im Nacken. Ist es vorbei? Godot?
    Regenfetzen, dahergeweht in krummbogigen Böen. Deine Vierfruchtlust in meinem Speichelfluss. Hier und da ein Hinterzimmerherz.
    Die Liebste mit Idiotengurt in den Rollstuhl geschnürt. Rollt! Und dichtet! Und fresst!
    Hügel liegen wie Wermutstropfen in ockerumrandetem Grün. Strassenrandmemory. Alles verwässert zu Erinnerungsfetzen.
    Ihre rotumschleifte Liebe rund um Erste Klasse Bonbonniere. Sprachlosigkeit noch und nöcher. Linkisch verwortet. Dabei ist's schön hier.


    Froschnacht

    Uebermorgen streicht durch Haus und Haar. Froschnacht. Kacke weltoffen die Initialien in die Landkarte. Natürlich Fernweh verpflanzt. Und doch, oder eben: wird die Welt dadurch für einen nicht kleiner. Pianoforte. Crescendo.


    Garibaldi

    Garibaldi allenthalben. Dieser Platztätowierer, den man gerne als eigenen Garten hätte. Samt seiner Geschäftigkeit. Samt seiner schönsten Tochter. Was ist eine freundschaftliche Gebärde mehr als eine freundschaftliche Gebärde. Nichts. Bis Garibaldi in Schilder gestanzt wurde. Und noch einen Espresso. Einen doppelten mit Milch. Es gibt keine guten Menschen, nicht mal in Sezuan.


    Pubertät

    Anderthalben die Pubertät im Nacken. Auch in den Ferien wird man ohne eigenes Verschulden älter. Vielleicht kauf ich mir ein Parfum, ein teureres, in Siena, wo es sich schickt, älter zu sein. Und mit dem Spiegel zu verreisen. Die Nase wird deswegen nicht länger. Und ich denk noch einmal flüchtig an die verwachsen verspielte Spiritualität der materialisierten Tarotkarten, wenn ich im Nichtraucherlokal lässig an einem Chinotto nipp. Was gäb ich für diese arbeitserduldete Marmorplatte auf Tinguelygebein. Ta geule, Pavarotti!


    Cousine

    Ist es vorbei? Cousine, sag es mir. Dieser Schluckauf ist ja läppisch genug. Am Rand meiner Seele könnt ich noch immer dein Klavierspiel abrufen. Wusstest du das? Und will ich das noch? Ein Leben nach den Gesetzen des Trägheitssatzes. Schrei mir doch ein einfaches fick mich oder fick dich in mein Verharren! Schrei mir deine Bedingungen der Liebe! Das ganze ist so lächerlich wie dies rotbefrackte Literatencafe in Firenze. Auch hier wird doch nur Blut ausgeschenkt. Es ist der Mann, der zur Frau geht, bis er bricht. Ach Kleist, du hast doch auf einem Bierdeckel platz. Oder auf einem Bierdeckelhaus, wenn du darauf bestehst. Habe die Ehre, scrittore, cameriere!


    Godot

    Ich hatte schlecht geschlafen, in jener Nacht und wusste nicht recht, ob es mich beruhigte, den BB auch in Italien gesehen zu haben. Und vielleicht verdächtigte ich Godot zu unrecht, mich von der Bettkante her dämlich angegrinst zu haben. Schliesslich war es ein Hotelzimmer wie jedes andere auch.


    Regenbogenmaler

    Regenfetzen, dahergeweht in krummbogigen Böen. Ein Bild zum malen. Ein Bild zum drinnen bleiben. Kein Bild zum im Bild drinnen bleiben. Aber schlafen, warum nicht schlafen. Sich unter den Regenbogen legen. Sieben Tage lang. Zu einer Farbpalette erstarrt. Gelb und Rot und Grün w?rds tropfen. Und Blau. Einfach nur tropfen. Man könnte ein Gebet dazu murmeln, wenn man sich denn an eins erinnerte. Oder sich ausmalen, das gewaschene Gerüst in neue Farbkübel zu tunken. Dazu müsste man ein wenig verrückt sein, klar. Und es wäre gut, wenn einem dabei keiner zusehen würde. Einmal ein Regenbogenmaler sein. Ich befürchte, ich werde drinnen bleiben. Und mir den Augenblick im Kopfe zu Tode verworten. Ach, liebes, lass mich. Ich schlafe. Und nein, ich mag wirklich keinen Fisch.


    Gretchen lass dein Haar herunter

    Deine Vierfruchtlust in meinem Speichelfluss. Ich denk daran, dir die Augen auszulecken und frag dich nach einem Tafelgetränk. Du denkst daran, mir die Augen hinzulegen und schenkst ein. Wir sind geübt. Ich hasse Postkarten mit Pferden drauf.


    Brotsuppe und Rilke

    Hier und da ein Hinterzimmerherz. Immerhin. Warum glaubst du mir nicht. Und wenn du weinst, dring ich in dich ein. Ich kann nicht anders. Die Heilsarmee spielt auf. Du krümmst dich zur Wand. Eine Porzellanvase im Blütenstaub. Die Blumen vertrocknet. Bis die Knie die Wand berühren. Mehr willst du nicht, sagst du. Aber ich glaub dir nicht. Von Tag zu Tag wird es schwerer, den Schwanz in meiner Hand hart werden zu lassen.


    Die Liebste mit Idiotengurt im Rollstuhl verschnürt

    Ihr Zustand war so stabil wie meine Nächte traumlos. Sie konnte sich kaum an etwas erinnern und doch war sie nahezu nichts, ohne Erinnerung. Trotz Hausordnung tolerierten sie ihr Künstlerisches, mit Auflagen natürlich. Dem sagt man dann Fortschrittlichkeit. Die Zeit vor dem koffeinfreien Kaffee war ihr heilig. Die morgendliche Befindlichkeitsrunde verhasst. Leider malt sie nur noch selten, dazu ist ihr Zustand zu stabil. Ein Mensch mit gesteigertem Speichelfluss und keinem Menstruationsblut. Ich wusste, dass sie wegen dem litt. Aber wir redeten nicht darüber. Was hätten wir auch sagen sollen. Die Manische von nebenan war geil auf sie. Das passte irgendwie zur Vierfruchtmarmelade. An ihrer Stelle hätte ich mir jeweils vor der Gesprächsrunde einen runter geholt. Um mich zu spüren, um zu menscheln, vielleicht wegen der Manischen. Es ist nicht leicht, der Umwelt den Künstler zu geben.


    Rollt! Und dichtet! Und fresst!

    Ich darf mich doch mal vorstellen: gebein gehänge gesang fuss und frust und lust ohren nasenlöcher und ohrläppchen dein morgendliches hallo deine hand um meinen schwanz mein schwanz in meiner hand in der rechten fingerkuppenzart meine kalten füsse in deinen wärmenden schenkeln mein haar auf deiner brust hauch immer wieder ohr das meinen herzschlag auf deine haut legt augenlider dank denen man mich in ruhe lässt augen wenn ich nicht ruhen will sperrbilder deriris vom gehirn gelinkt alles wahrnehmungen von den nackenhaaren bis hin zu den krokodilstränen und zum linken kleinen zeh scheitel und sohle dazwischen ein wenig haar an den möglichsten und unmöglichsten stellen feinste flimmerepithelien barthaar männlichkeit vorleugnend schamhaar die scham bedecken haar und harn haut und harnsäure und auf allem liegt zunge.


    Wermut und Wehmut

    Hügel liegen wie Wermutstropfen in ockerumrandetem Grün. Ballet wird getanzt, wenn man genauer hinsieht. Perspektivenballet in Grün. Dazwischen vereinzelte Huren am Strassenrand. Auch ein Ikeacontainer.
    Ich denke, dass Frischs Rom nicht mehr zu bereisen ist, tauch unter hinter Sonnenbrillenlicht und werde stiller.


    Strassenrandmemory

    Androgyne Werbetafelmenschen. Allein schon durch dies lächelnde Einerlei, durch diesen lächelnden Einheitsbrei von schönen und möglichst geschichtslosen Frühlingsgesichtern. Durch diesen weissen Teig von geschlechtslos strahlenden Zähnen. Imaginiert Hingeknalltes, Werbung als Grundfarbe. Mensch, was ärger ich mich. Sie sollen's haben, die Werbefritzen, auch die Italienischen, mein Unterbewusstsein.


    Piove ieri

    Alles verwässert zu Erinnerungsfetzen. Gelesene Brocken. Filmstreifen. Dahinter abtauchen. Hinter sich abtauchen. Weil's zu klein ist. Weil man selbst: zu klein ist. Denn, wenn die Bachmann sinnierend über das heute schweigt, es dem Selbstmörder überlässt, der Frisch aber nur wegen ihr sein heute ins Leben zeichnete, einem durchaus kurzen heute mit einem langen Schatten, dann wird mir klar, wie vage ich im heute wirklich bin. Überhaupt: bin. Und alles wird ein Einerlei.
    Und die Katze, die schwangere, trägt ihr heute im Schoss.


    Moment passant

    Ihre rotumschleifte Liebe rund um Erste Klasse Bonbonniere. Sein zurechtgeklopfter Führerscheitel uniform konform. Der Wind, der einige Papierfetzen über den Gehsteig spielt. Es wird wohl bald zu regnen anfangen. Und manchmal ist's warm draussen, und man fragt sich dann, ob das jetzt Liebe sei. Und manchmal ist's kalt drinnen, und man fragt sich dann, ob es die Kälte in einem drinnen sei. Und dann reisst man alle Fenster auf und wartet.


    Schwarz

    Sprachlosigkeit noch und nöcher. Die Frau in mir trage Schwarz, sagst du. Und denkst bei deinem Inneren an ein Weizenfeld. Ein Geerntetes, und doch voller Skorpione, füg ich in Gedanken an. Und seh mich als eine Nebelschwade durch das Feld ziehen. Und wenn du ein Gebäude bist, dann weht's mich durch die zerbrochenen Scheiben ohne Spuren zu hinterlassen. Flüchtig und verflüchtigend. Man könnte sich telefonisch nach dem Wetter erkundigen. Aber was soll's, die Raben ziehen einetwegen ihre Kreise. Und tiefer als man denkt.


    Linkisch verwortet

    Im Wort einbrechen, wie auf dünnem Eis. Wie im Sein, dem kurzen Augenblick zwischen zwei gestellten Fragen. Unlängst und unstet. Rosmaniriert und rosmariniert. Ueber allem liegt Dämmerung. Ein Aufbrechen über dem Einbrechen. Und immer wieder in die Dämmerung hineinschreiben. Und aus ihr hinaus. Einen Rand aus Worten durchbrechen. Mit einem Blatt Estragon zwischen den Lippen.


    Dabei ist's schön hier.

  2. #2
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Toskanareise, ins Innere

    stöver, dat is nicht jut. es kalauert. tiri tirä, tatitatä. was sind anderthalben? meinethalben geharnischte wortbrüche, aber warum gerieren sie sich als flüche, fluchtartiges verlassen des semantischen, gleichzeitig eine spielerische demenz; hic, kein gutes wort hier.

    aber so, wie diese kritik sich hier zeigt, so hoppelte ich durch deinen text, wohlgemerkt den textsalat. zu den anderen melde ich mich oder ein anderer.
    mach mal eine zeichnung!

    [Diese Nachricht wurde von Robert am 09. Juli 2001 editiert.]

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Toskanareise, ins Innere

    dass ich nicht, und ich meine nicht, zeichne, ist in unser aller sinne .

    schön, durchgeholpert, ist eigentlich genau das, was ich mir bei diesem text vorstelle. es ist eine gedankenfetzerei, im auto hocken, fahren, holpern, in gedanken mal hier, mal da. nicht mehr. und ob es nicht gut ist, weiss ich selbst noch nicht. sehe das ganze aber in einer anderen ernsthaftigkeit als etwa einen "lykurgos". fingerübung, überarbeitete aber allemal

    gruss stöver

  4. #4
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    AW: Toskanareise, ins Innere

    "Sie sollen's haben, die Werbefritzen, auch die Italienischen, mein Unterbewusstsein."

    Doch, das ist gut. Das ist sogar sehr gut. Toskanareise ins Innere also, Stöver?

    Ausführlicheres Mehr bald einmal. Im Moment nur soviel: Doch, das ist gut.


    P.S. Ein Blatt, ein gelbes. Und ebenso: Die Werbefritzen, die italienischen.

    ...und doch versteh ich Robert, wenn er hilflos wird im Angesicht Deiner Zeilen. Was will er, der Autor, fragt man sich vielleicht. Oder auch: Wer ist er, der Autor?

    Wer er ist, ahne ich vielleicht. Was er will, weiss ich nicht. Gib mir den roten Faden, den ich brauche, Stöver, und ich werde sie lieben, Deine Reise ins Innere.

    --------

    "Der Schriftsteller sieht zum Fenster hinaus. Petrus braut sich eine Wolkensuppe. Der Schriftsteller lässt den Rolladen hinunter. Zündet sich eine Kerze an. Hockt sich ans Tischchen, wo er immer sitzt, um zu schreiben. Er denkt an letzte Woche, an Florenz. Eine bestimmte Nacht.

    (Godot
    Ich hatte schlecht geschlafen, in jener Nacht, und wusste nicht recht....)

    Der Schriftsteller zerreisst den Zettel, auf den er gekritzelt hat. Darüber wollte er doch gar nicht schreiben, sondern über Marie, die Liebste, an die er denkt, auch wenn er weiss, dass sie nicht an ihn denkt in der Klinik.

    (Die Liebste mit Idiotengurt im Rollstuhl verschnürt
    Ihr Zustand war so stabil wie meine Nächte traumlos...)

    Während er schreibt, wird ihm klar, dass er sie nie wieder besuchen wird."

    ---------

    Das, lieber Stöver, ist, was ich mir wünschte. Eine Trennung von Gedankenwelt und Sein. Damit ich als Leser die Perspektive des Schriftstellers bzw. Deine Perspektive einnehmen kann, weiss, von wo aus ich die Reise ins Innere starte. Deine Gedankenwelt ist wunderschön und sehr traurig, dabei immer wieder aufmuckend, ungebrochen hoffnungsvoll. Aber ohne Grund, auf dem ich stehen kann als Leser.

    Noch etwas: Einen Vergleich mit Deinem Lykurgos würd ich lassen, aber wenn Du drauf bestehst: Von allem, was ich bisher von dir kenne, ist diese Toskanareise diejenige, auf welcher ich Dich am liebsten begleite. Unterschätz den Salat hier bitte nicht, sondern reich mir die Sauce, natürlich italienisch, bitte.

    Liebe Grüsse

    Mr. Jones

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Toskanareise, ins Innere

    das ist nun ein gar stimmiger kommentar, dear mr. jones, der mir wohlig warm ums schreiberherzchen streicht. und er regt mich zum nachdenken an. ich glaube, du hast da den finger auf die wunde gelegt. danke dir. so viel erstmal.

    gruss stöver

    ps. die Italienischen bin ich natürlich bereit zu verteidigen. weisst du doch

  6. #6
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    AW: Toskanareise, ins Innere

    Ich habe das gelesen, wie ich Bilder betrachte. Danke für die Bilder. Ich werde sie noch öfter betrachten .

  7. #7
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Toskanareise, ins Innere

    Ja, Hannemann, ich sag da ja. Schöne bunte Bilder. An den Rändern: Fragmentarisch ausgefranzt. Man sieht sich.

  8. #8
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Toskanareise, ins Innere

    Einige Anfänge.
    erstellt von stöver: Uebermorgen streicht durch Haus und Haar. Garibaldi allenthalben. Und anderthalben die Pubertät im Nacken. Ist es vorbei? Godot?
    Der Anfang ist ein Anfang. Gut und wichtig beim Vorhaben, keine Geradlinigkeit zu thematisieren. Garibaldi als Sinnträger in einem nun markierten Wortfeld. ALLENTHALBEN gefällt durch seine Viskosität. ANDERTHALBEN löscht die Weite des ALLENTHALBEN; weil's dadurch beliebig wird (generativ betrachtet). PUBERTÄT ist hier inakzeptabel. Die Richtung des Assoziierens ist unerkennbar, kein Funke, keine Spur, die leuchtet. GODOT ist beliebig, weil sich WARTEN nicht ansagte, wohl aber schon mitteilte. Also ist's unnötig retardierend.
    Ißt Du gerne abgestandenen Salat?

    Soll ich weitermachen?

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