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    Ich oute mich jetzt mal wieder als unverbesserlicher Pessimist. Oder unbestechlicher, hellsichtiger Realist, wie ich sagen würde. Jedenfalls als total aus der Welt gefallen. Die ist mir schon lang abhanden gekommen. Meine Mitmenschen werden das andersrum sehen. Ich wäre der Welt abhanden gekommen. Ein Geisterfahrer gegen den Zeitgeist. Und der ist in Zeiten von Energiewenden, Ukrainekrieg, Pandemiehysterie und Genderei doch irgendwie aus den Fugen, wie ich meine. Und ich bin nicht in die Welt gekommen, ihn wieder einzurichten. Bin also eine Art invertierter Hamlet. Ein passiver, untätiger Held. Aber worum geht es hier eigentlich?


    Wenn ich das wüsste. Ich beobachte ja nur. Schlüsse ziehen ist so eine Sache. Eine Sache für Durchblicker, Hätte-ich-dir-gleich-sagen-können-Typen. Ich aber weiß es immer erst hinterher. Und das nicht immer. Also ich reib mir die Augen und beobachte Scharen aufgeregt gackernder Hühner vorallem in deutschen und österreichischen Vor- und Hinterhöfen, ja selbst in den Hochhöfen der Entscheider und Verantwortungsträger*innen herrscht eine fiebrige Erregung als ginge es jetzt ums Ganze. Von Zeitenwende ist die Rede und von Energiewende und wenn nicht, vom Ende. Wende oder Ende, Wende ohne Ende, Ende ohne Wende. Endlich Ende mit Abhängigkeit von russischen Fossilien, egal ob Gas, Kohle oder Öl. Wendezeit ist Endzeit. Als wären wir schon in Armageddon angelangt. Vielleicht sind wir das ja auch, den Evangelisten Johannes können wir nicht mehr befragen. Und sein Chef schweigt überhaupt seit Unzeiten. Was für eine verlotterte Führungskultur. Keine Leadership, nicht mal eine e-mail zu Weihnachten von dort oben. Wo war ich? Ach Wende, ja, von nun an Wende ohne Ende, Wende der Zeiten zum Guten. Endgültig und fortwährend. So verkünden es die grünen Engel, energetischen Mut- und Saubermacher. Raus aus Kohle, raus aus Öl, raus aus Gas. Rein in Erneuerbare. Was die Physiker für unmöglich halten, das schaffen unsere Energiewendehälse mit ein paar Gesetzen und Verordnungen: Energie ohne Ende fällt praktisch vom Himmel. Jeder Sonnenstrahl ein Stromstoß. jeder Windhauch ein Watt. Und wenn das nicht reicht, destillieren und fermentieren wir Biomasse zu Biosprit und Biogas. Gibt ohnehin genug Schadholz und Stroh, Gülle und Scheisse. Und wo einst Wälder standen, pflanzen wir Mais und Raps. Das verstromen wir und die Energiewende schafft Energie ohne Ende.


    Spaßbremse, die ich bin, stell ich mir schon mal die grüne Wunderwelt vor. Nicht weniger, sondern noch mehr Autos verstopfen mehr und mehr in die Landschaft gestanzte Straßen und Autobahnen. Aber das macht ja nix. Denn das sind ja alles grüne Autos, also energetisch. Weil die fahren mit Strom oder Wasserstoff. Oder in ferner Zukuft solarbetrieben oder überhaupt aus dunkler Energie gespeist oder mit Warpantrieb. Nichts ist unseren grünen Männchen, Weibchen und Diversen unmöglich. Merk dir das alter, weißer Miesmacher.


    Ich stelle mir weiter vor, wie statt Bäumen lauter kleine und große Windräder in der Gegend herumstehen, auf festen Betonfundamenten, mit lustig im Wind sich drehenden Flügeln, voll verkabelt und grün gestrichen und unablässig Strom generierend. Also, wenn der Wind will. Und diese Windkraftplantagen sehen aus wie Wälder, nur viel praktischer und nützlicher. Kein Borkenkäfer nagt an ihnen, die brauchen keinen Regen, fürchten keinen Sturm - im Gegenteil, überhaupt sind sie vollkommen schädlingsresistent, kein Laubfall im Herbst, immergrün, frostfest, hitzebeständig und biologisch abbaubar. Neigt sich der Lebenszyklus so eines Windrads mal seinem Ende zu, dann kommt ein großer Kran angefahren, hebt das ganze Perpetuum mobile auf einen Transporter, der bringt das zum Biohof, wo das sein Lebtag so emsig Strom spendende Faktotum zerlegt, gehäckselt und auf einer speziellen Halde zu bestem Humus kompostiert wird. Tja, ganz schön clever unsere grünen Erdmännchen. Und Weiblein natürlich. Die Diversen auch nicht vergessen!


    Weiters sehe ich der schönen, neuen, grünen Traumwelt unübersehbare agrifotovoltaische Anlagen, die gleichsam die Dreifaltigkeit der Grünlichkeit repräsentieren: tausende Hektar bedeckende Fotovoltaikpaneele, der ungetrübt vom inzwischen auch grün gewandeten Himmel dauersengenden Sonne zugewandt, spenden grünen Strom, darunter, durch die fotovoltaischen Schirme vor Sonnenbrand geschützt, glückliche Hühner, Schafe, Rinder, Schweine, pickend, grasend, wühlend, grünes Bio-Fleisch produzierend. Die Weiden und Wiesen bewässert aus Meerwasserentsalzungskombinaten, die wiederum vom grünen Strom aus den PV-Anlagen gespeist, nunmehr Süßwasser aus unterirdisch verlegten Bewässerungsnetzen an die Wurzeln der Gräser pumpen, die unsere lieben Viecher ernähren. Der immergrüne Kreislauf ist geschlossen. Das Ökoparadies auf Erden geschaffen. Strom, Wasser, Fleisch ohne Ende. Und das nachhaltig, erneuerbar und bio. Heiliger Pater Bio!


    Mancherleine wird mich jetzt fragen, und was iss, wenn keine Sonne scheint, Nacht ist, Flaute herrscht und überhaupt alle Windräder still stehen und alle Fotoplatten im Dunkeln verharren? Kein Problem, unsere grünen Alleskönnerleins und Wunderwuzzileins haben auch daran gedacht. Sie speichern den in Sommermonaten und windigen Zeiten überschüssig produzierten Strom einfach in riesigen, natürlichen Speichern. Also nicht in Batterien und Akkus, die brauchen wir eh für die Mobilität, da bleiben kein wertvolles Element wie Kobold oder noch so seltene Erden übrig. Alles wird verwertet. Für die großflächige und großtechnische Speicherung der erneuerbar gewonnenen, grünen Energien ist uns kein Hindernis zu hoch, keine Mühe zu groß und keine Idee zu gewagt. Wir pumpen Kubikkilometer Wasser, egal ob süß, sauer oder salzig hoch in die entlegensten Bergregionen. Platz ist da ja genug, da die Gletscher ohnehin alle geschmolzen. Tausende Talsperren und Staumauern verzieren unsere Alpen und Bergrücken mit grünen Betonketten - Beton aus biologischer Produktion versteht sich. Wenn wir dann diese Wassermassen gen Tal brausen lassen, betreiben wir damit grüne Stromgeneratoren und erzeugen erneuerbare grüne Energie für unsere nachhaltigen E-Mobile, Bahnen, Öko-Industrien, Flugzeuge, Klimaanlagen, Wärmepumpen und überhaupt alles, was man so braucht.


    Alles grün, alles klar? Wer findet den Fehler? Ich hab da so eine Idee. Kann es sein, dass unsere grünen Weltretter eine Kleinigkeit übersehen haben? Nein, niemals schallt es aus meiner subjektiv-imaginierten Grüninnenechokammer entgegen. Also wie ich mir vorstelle, dass mir Robert Habeck oder seine feministische Kräuterhexe Annalena erwidern würden. Wir haben alles durchrechnen lassen, alles doppelblindstudienbasiert abgesichert und ohnehin alternativlos. Na denn, was will ich dann noch? Vielleicht ganz bescheiden und kleinlaut drauf hinweisen, dass diese grüne Energiewende noch mehr elektrische Energie, noch mehr großtechnische Anlagen, noch mehr Eingriffe in bestehende Reste natürlicher Räume, noch mehr Technologie benötigen wird, als jetzt. Dieses grüne Pardies bedeutet ein weiter so, wie bisher. Nur mit grün angestrichenen Betonklötzen, Straßennetzen, endlosen Leitungssträngen, Wäldern von Windrädern, Feldern von PV-Platten, Geologie und Landschaft verändernden Stromspeichern und was weiß ich noch alles. Da reicht ja meine Fantasie nicht annähernd aus. Ein Rattenschwanz an Problemen und Lösungen wird dieser Wende folgen. Wenn, ja wenn so getan wird, als könnten wir dann einfach so weiter produzieren, konsumieren, wachsen, uns vermehren und die Früchte des Fortschritts genießen.


    Wenn du ein Problem mit den Mitteln lösen willst, die das Problem schaffen, dann biste auf dem Holzweg. Wortwörtlich. Der Borkenkäfer, Trockenheit und Hitzewellen werden dir zwar eine Zeit lang billiges Schadholz liefern, das du dann CO2-neutral verheizen oder zu Biogas kompostieren kannst, doch irgendwann ist Schluß damit. Dann ist der Ofen aus. Gleiches gilt für die E-Mobilität. Solange das individuelle Auto weiter zum Symbol der persönlichen Freiheit pervertiert wird und jeder Depp ein eigenes Gaspedal - pardon - Strompedal und einen Parkplatz vor seinem Wigwam beansprucht, wird die E-Mobilität nix bringen, ausser noch mehr Verkehr, Straßen und Rohstoffverbrauch. Was nützt es uns, wenn wir das Klima retten, aber Boden, Artenvielfalt, unsere Ernährungsgrundlagen und die dafür nötigen natürlichen Kreisläufte zerstören?


    Weniger ist mehr. Noch weniger ist noch mehr. Es geht in unsere Schädel einfach nicht rein, dass wir nur eine Erde bevölkern, dass wir sie überbevölkern, ausplündern, schinden, schänden. Ich glaub ja weder an Himmel und Hölle, weder an den lieben Himmelvater, noch an den nach Schwefel riechenden, mit Pferdefuß behafteten Teufel, aber von einem bin ich überzeugt: wir sind zu viele, wir sind zu gierig, wir sind zu egoistisch, wir sind zu fantasielos und viel, viel, viel zu dumm, um die Folgen unseres Handelns zu begreifen. In diesem Sinne, macht nur weiter so, gute Reise auf dem Highway to hell! Ich weine euch keine Träne nach.


    Bald haben wir alle Farben durch. Politisch und heilstechnisch. Ich bin zu ungebildet, zu wissen, ob den Monarchien, dem Adelsgesocks eine Farbe zugeordnet wird, aber fangen wir mal mit schwarz an. Im 19. Jahrhundert nach Christi Geburt, Kreuzigung, Auferstehung, Verklärung, Himmelfahrt und Sitzen Seit an Seit mit dem Vattern, also vor gut 180 Jahren und auch in den Jahrhunderten davor, da waren die Schwarzen die Pfaffen, der Klerus, Rom und der Papst, dieser Stellvertreter des Alten Mannes da droben. Diese Schwarzen haben nichts als Elend, Unterdrückung, Versklavung und Doppelmoral gebracht. Abgehakt. Dann kamen die Roten. Die revolutionierten die Welt, versprachen Freiheit, Befreiung vom Joch des Adels, des Kapitals, der Kirche. Sie brachten nichts als Elend, Unterdrückung, Versklavung und Doppelmoral. Dann kamen die Braunen, die Blut- und Bodenpropheten, die Heimatretter und Volksverräter. Sie brachten nichts als Elend, Unterdrückung, Versklavung und Doppelmoral. Und nach zwei Weltkriegen und all den darauf folgenden heiligen, unheiligen, ehrlichen und heuchlerischen Schwüren und Eiden, dass sich die Vergangenheit nie und niemals wiederholen dürfe und so weiter, also nach 70 Jahren Freiheit, Demokratie, Menschenrechten, Rechtsstaat und Chancengleichheit, da stehen wir vor dem Abgrund. Doch dank ungebrochenen Fortschrittsglaubens, werden wir den entscheidenden Schritt vorwärts auch noch schaffen. Da bin ich mir ganz sicher.


    ***



  • #2
    Bezug zum alten Forum

    Kommentar


    • #3
      Höchste Zeit mal was Positives zu schreiben. So was wirklich Positives! Und was fällt mir da als Erstes ein? Also erst mal nichts. Weil, so schnell fällt meinereins altem weißen ... ja, ja, ich wiederhole mich, also es wird mit den Einfällen zunehmend schütterer, so wie mit dem Haar auf dem Dickschädel. Die Einfälle fallen nicht mehr so leicht ein ins Hirnrevier. Dieses entwickelt sich - entwickeln deutet eher auf das Gegenteil - also das Hirnrevier verkümmert mehr und mehr zu einem verdorrenden, vertrocknenden Trockenrasen, wo früher eine saftige, grüne Blumenwiese erblühte oder ein kühler blätter- und nadelbewehrter Forst Schatten und Gedanken spendete. Der Einfallsreichtum meines Hirns gleicht sich dem Artenreichtum meiner Umgebung an. Auch da verschwinden Jahr für Jahr viele Arten aus Flora und Fauna. Weil der Boden austrocknet wie die graue Masse unter meiner Schädeldecke. Weil die Landwirtschaft jedes unerwünschte Pflänzlein in ihren öden Retortenfeldern totspritzt. Weil alles, was in irgendeiner Form kurzfristig Rendite mindert, weg muß: Unkraut, Schädling, Nützling. Egal. Die Äcker sind Totenäcker. Die nur das tragen dürfen, was der Agroparasit auf seinem monströsen Traktor zulässt. Aber Mutter Natur lässt sich nicht bescheissen. Sie rechnet unbestechlich zusammen und präsentiert uns die Rechnung: Extremwetter, Sturm, Hagel, Dürre, Flut. Hier bei mir vor allem Trockenheit. Verdorrende Landschaften.Sindkende Grundwasserspiegel. In Wiener Neustadt sitzen tausende Besitzer von Kleinparzellen an Badeseen buchstäblich auf dem Trockenen. Die Seen sind verschwunden. Übrig blieben Schottergruben gesäumt von Bungslows und Gartenhäuschen. Eine gespenstische Ansicht.
      (ausnahmsweise ein link - solange er noch linkt: https://noe.orf.at/stories/3152820/)Trocken geht die Welt zugrunde. Prost. Darauf einen guten Roten!


      Jetzt hab ich mich zeilenlang herumgedrückt um meine Verlegenheit, dass mir immer noch nichts Positives eingefallen ist. Dabei ist die Welt voll der Schönheit, der Hoffnung, des Fortschritts, der Höherentwicklung. Schau ich aus dem Fenster sehe ich eine Natur, die trotz aller Widrigkeiten wie Trockenheit, Bodenversiegelung, Monokulturen auf den Äckern usw. unbeirrt knospt, spriesst, triebt und blüht. Als gäbe es kein Morgen, keinen Hitzesommer, keine Dürremonate, kein Glyphosat und keine grünen Klimaretter, die alles verstromen wollen. Der Frühling lässt sich nicht beirren, auch wenn die Umstände widrig. Und das ist gut so. Muß selbst ich anerkennen. Die Natur kennt kein Morgen, nur das Heute. Sie blüht, selbst wenn morgen die Welt unterginge. Wie im bekannten Bonmot von Martin Luther. Oder war es Karl Valentin? Das mit dem Pflanzen des Apfelbäumches angesichts des morgigen Weltuntergangs. Übrigens hörte ich das zum ersten Mal nicht im Religionsunterricht oder in der Deutschstunde, sondern in einem der unsäglichen Karl May-Filme. Ich schweife ab.


      Also eigentlich, so wirklich grundsätzlich, global, auf den ganzen Planeten gesehen, so richtig katholisch umfassend betrachtet, mach ich mir um die Erde keine Sorgen. Also auf die nächsten 1000 Millionen Jahre gesehen. In dieser Zeit wird die Terra mehrfach vereisen, verdorren, erblühen und beinah steril dahinschlummern, aber es wird immer wenigstens eine lebende Zelle überleben und Ausgangspunkt einer weiteren Runde Evolution sein. Ja, so wird es kommen. Kein Hahn wird nach Homo sapiens krähen, keine Träne wird um Jehova, Buddha, Manitu oder Putin vergossen werden. Wir haben nicht die passende Dioptrienzahl im Visier, im Gesichtsfeld unserer trüben Augen, um auch nur annähernd die kosmischen Zeitläufte zu erfassen und die Stufen ihrer Entwicklungsphasen zu erahnen. Wir sind extrem kurzsichtige Wesen, fixiert auf unsere irrelevante Existenz, grad noch fähig zur Erforschung unserer ein paar lächerliche Jahrtausende umfassenden Geschichte. Das ist, als ob ich ob der Ansicht eines Quadratmeters Bodens auf die gesamte Oberfläche des Planeten schließen würde. Wir sind ahnungslos. Überfordert, auch nur ansatzweise diese Erde zu begreifen, erst recht total unfähig die Dimension und Dynamik des Universum zu erahnen. Aber ich kann irren. Vielleicht bin ja nur ich so beschränkt. Vielleicht gibt es ja Weise, Adepten, Gurus, Allwissende, Durchblicker, Checker. Maybe. Ich kapier ja nicht mal die Quantenphysik oder die Allgemeine Relativitätstheorie. Verstehe nichts von Ereignishorizonten, Beobachtungshorizonten, Teilchenhorizonten und Lichtbirnen. Ich kapier überhaupt nix. Aber auch das ist egal. Eins weiß ich trotz aller Dummheit und Beschränktheit: die Durchblicker, die Checker, die Genies, sie wissen nur unbedeutend mehr als ich, überblicken nur ein paar Millimeter mehr auf der Skala desWissens. Ich beneide sie nicht. Nicht mehr. Ich wünsch ihnen viel Spaß mit ihren Differentialgleichungen, Tensoren, Vektoren und ihren Integralen. Der Kosmos nimmt keine Notiz davon, das Universum zuckt mit keiner Wimper.


      Ich schwafle schon wieder. Rede um den sprichwörtlichen heissen Brei. Wenn ich nur wüsste, was der heisse Brei beinhält. Hab wirklich Null Ahnung, was ich hier soll. Auf diesem Planeten, zu dieser Zeit. Das Gefühl der völligen Überflüssigkeit schwappt über mein bedeutungsloses Dasein. Existenz wird mir zur Peinlichkeit. Ich atme Luft, verbrenne Kalorien und hab keine blasse Ahnung wozu, wofür und warum. Mein Dasein ist eine einzige Zumutung. Für mich und andere. Ich möcht jetzt niemandes Lebenslust, Selbstverständnis oder Existenzberechtigung anzweifeln oder madig machen. Für mich aber nehme ich die Freiheit in Anspruch, meine Inkarnation für überflüssig, irrelevant und höchst, allerhöchst peinlich zu befinden. Das ist kein fishing for compliments oder Koketterie. Nur kann ich beim allerbesten und gnädigsten Willen und Wohlwollen keinerlei Sinn, Zweck oder Grund für mein lächerliches Hiersein erkennen. Dieses Universum ist total bescheuert, meschugge. Eine Tierquälerei. Die Nichtexistenz ist doch die höchste Vollkommenheit jedes Daseins. Das Nichtsein, das Nirvana ist das einzig erstrebenswerte Desideratum. Nichts, absolut nichts ist es wert, die Zumutungen eines Lebens zu ertragen. Somit ist das ganze Universum eine einzige Zumutung, eine Quälerei und Beleidigung meines beschränkten Verstands. Ich spreche ihm jede Existenzberechtigung ab. Dem Universum. Vielleicht auch dem Verstand. Punkt.


      Leider oder besser gesagt: natürlich scheisst es sich keinen Dreck um mein Urteil. Leibniz war - trotz aller mathematischen und sonstigen Verdienste - ein Vollkoffer, ein Vollidiot, was seine Theodizee betrifft. Blöder und dämlicher kann man gar nicht argumentieren. Lieber Leibniz, du warst trotz aller intellektueller Brillanz ein existenzieller Trottel. Sorry, du reihst dich ein in die lange Reihe korrupter Denker und heuchlerischer Weltversteher von den antiken Nachsokratikern über die christlichen Kirchenväter, Kant - ein tragisches Genie - bis hin zu den romantisch verblödeten Schwarmgeistern von Goethe bis Hesse und den heutigen Irren, die so zahllos wie unbedeutend, dass Namen zu nennen, reine Platzvergeudung wäre. Wenn ich auch die Leistungen und Sophistereien moderner Physik - Quantenphysik, Relativitätstheorie - einerseits offenen Mauls bewundere und zugleich mangels Verständnis als höchst dubios und verrückt abtue, so ist mir deren Weltdeutung doch näher als die der Idealisten. Materialismus ist out, überholt, sowas von gestrig, weil Materie sich als reine Illusion oder Wirkung bloß energetischer Felder und Schwingungen erwiesen hat, dass man von festen Körpern nicht mehr reden kann. Wo bin ich, wo war ich? Schon wieder hoffnungslos abgedriftet. Hirnlos, planlos, orientierungslos.


      Der klassisch, katholisch, vernünftig, akademisch gebändigte und dressierte Intellektuelle wird mir jetzt erwidern, dass ich ein ungebildeter, wirrer Schwachkopf sei. Was der Wirklichkeit ziemlich nahe kommen dürfte. Nur, liebes gelehrtes, zivilisiertes, kultiviertes, umfassend gebildetes Großhirn, deine Ordnung ist so brüchig und hinfällig wie meine desorientierte Gedankenlosigkeit. Du fällst ins Bodenlose mitsamt deines Gerüsts, ich halt ohne Halt im freien Fall. Am Ende ist unser Dasein eine einzige Eitelkeit, Überflüssigkeit, Peinlichkeit. Das Universum ist eine Zumutung. Ein Unding. Unnötig wie ein Kropf, ein Ärgernis. Wer versucht, es zu verstehen, ist schon auf dem Irrweg. Da gibt's nix zu verstehen. Weil allein der Versuch schon ein fataler Irrtum, ein Missverständnis ist. Da gibt es nix zu verstehen und zu begreifen. Begreift das doch endlich.


      Das ist eines der größten Mysterien und eine der verblüffendsten Irritationen menschlichen Strebens, dass wir nicht locker lassen bei dem Versuch, das Universum, die Existenz von überhaupt etwas verstehen zu wollen. Obwohl wir längst wissen, dass das unmöglich ist. Bleibt dennoch die Neugier als unstillbares Verlangen. Warum? Sinnlose Frage. Wie überhaupt alle Fragen nach woher, wohin, warum und wozu sich als sinnlos erwiesen haben. Es gibt weder ein woher, noch ein wohin, noch ein warum oder wozu. Und dennoch lassen sie sich nicht einfach abschalten, abdrehen wie ein Stromkreis. Irgendein verdammtes Gen, Molekül oder Oxidans in unserem verflixten Hirn lässt nicht locker. Und stellt dämliche Fragen. Die so unnötig und überflüssig sind wie meine Schamhaare oder die Warze auf meinem rechten Fuß. Und das ganze Geschreibsel hier. Zeitverschwendung, Energievergeudung, Hirnwichserei. (Wenn das menschliche Hirn - wie behauptet - das komplexeste Ding im ganzen Universum sei, warum ist es im praktischen Leben so unendlich dumm, beschränkt und dämlich? Was nur den Schluß zulässt, dass mit zunehmender Komplexität (= Ordnung) immer mehr Chaos und Unordnung entstehen. Die Entropie beisst sich in den eigenen Schwanz. Übrigens, wer behauptet, er verstünde was Entropie sei, der ist mir genauso suspekt wie jemand, der von sich sagt, er verstünde die Quantenphysik. Beides ist unmöglich!).


      Und eigentlich, also wirklich, wollte ich doch was Positives chronifizieren, dokumentieren. Bin ich halt wieder gescheitert, im Sumpf des Zweifels versunken, hab mich im Labyrinth sinnloser Fragen verirrt. Wenn es wirklich so was wie eine summa cognitionis gib, eine letzte Erkenntnis, dann allein die: jede Existenz, jedes Leben, jedes Bewusstsein ist eitel, überflüssig, leidvoll und summa summarum ein Verlustgeschäft. Das Optimum wäre der Nullsaldo. Und der wird nur mit der Nichtexistenz, dem Nichts, dem Nirvana, der absoluten Null erreicht. Aber die gibt es nicht. Weil es etwas gibt. Letzlich ist das Nichts der unwahrscheinlichste Fall aller Fälle. Weil alle unendlich vielen mögliche Fälle eben nicht Nichts sind. Ganz ohne Gott, ohne unbewegten Beweger, ohne Teleologie: nur aus nackter Wahrscheinlichkeit.


      Das Nichts, dieses einzig Vollkommene, ist nicht. Die Unvollkommentheit ist unendlich wahrscheinlicher. Und deswegen bin ich da. Und wir allesamt, die wir da sind. In diesem absurden, leeren, unendlich weiten Universum. So heimelig wie eine sturmgepeitschte Eisklippe in der Antarktis. Ach was. Im interstellaren Raum herrschen Temperaturen von minus 270 Grad. In der Nähe von Sternen Zigtausende Grad, im Innern Millionen Grad. Das Leben verträgt grad mal eine Spanne von vielleicht 100 Grad im Extremfall. Sehr gemütlich dieser Kosmos.


      Und wenn mir jetzt einer mit Gott kommt. Der kommt mir gerade recht. Wir kennen kaum 5% des physikalischen Universums. Die größten Geister verzweifeln angesichts der mathematischen, physikalischen, quantenmechanischen, relativistischen und sonstigen Ungeheuerlichkeiten. Und dann kommst du mir einem Gott oder Göttern. Die den Menschen sich zum Ebenbilde geschaffen. Wer findet den Fehler?


      ***

      Kommentar


      • #4
        Information. Im Deutschen häufig auch Informationen. Wogegen sich englischsprachliche Puristen verwehren. Weil es den Begriff eben nur im Singular gäbe. Was die interessante Frage aufwirft: Was ist Information, ist sie eine physikalische Größe, hat sie eine Einheit, eine kleinste Größe, kann man diese Informationseinheiten aufsummieren zu mehr Information, etwa gar zu Informationen???? Die, wenn der Plural Sinn machen sollte, sich aus mehr als einer Information zusammensetzen müssten, um daraus eine neue, komplexere, umfassendere Information zu generieren. Gilt für die Information der traditionelle Philosophenkalauer 'das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile'? Viele Fragen wie immer und wenig Antworten. Oder heisst es hier gar viel Frage und wenig Antwort? Aber der Reihe nach.


        Information ist ein viel gebrauchter Begriff, der zahllose Bedeutungen haben kann. Je nach Disziplin - Naturwissenschaft, im besonderen Physik, Informationstechnik, Übertragungstechnik, Geisteswissenschaft, Kybernetik, Datenverarbeitung usw. - versteht man etwas anderes unter Information. Im Alltag steht Information für einen Zuwachs an Wissen. Etwa die Abfahrtszeit eines Busses oder Zugs, ein Geburtsdatum, eine Adresse. Wenn ich etwas nicht weiß, was ich wissen will oder sollte, muß ich mir die entsprechende Information beschaffen. Diese Art von Information ist immer mit Bewusstsein verbunden. Information wird mit einem Bewusstseinsinhalt gleichgesetzt. Früher sagte man dazu Wissen. Ist nun Bewusstsein eine Voraussetzung für Information? Eindeutig Nein. Wissen ist bewusste Information, doch Information existiert auch ohne Bewusstsein. Überraschend für manche vielleicht. Aber man nehme nur eine einfache Pflanze wie eine Flechte oder ein Moos. Die haben - allerhöchstwahrscheinlichst - kein Bewusstsein. Dennoch verfügen und verarbeiten sie fortwährend Information. Etwa ob die Sonne scheint, ob ausreichend Feuchtigkeit verfügbar, ob es zu kalt, zu warm, ob es Zeit zu blühen, zu wachsen oder zu ruhen ist. Wem das noch nicht genügt, der bedenke, wie sein Körper funktioniert. Jedes Organ arbeitet unaufhörlich ohne mein Wissen, verarbeitet unzählige Reize auf so komplexe Weise, dass die Wissenschaft nie alle Zusammenhänge klären kann und ich nicht das Mindeste davon verstehen könnte. Allein mein Immunsystem ist ein eigener Kosmos, schützt mich vor Myriaden Keimen und Erregern, ohne dass ich den blassesten Schimmer hab, wie es das tut.Wem das noch immer nicht genügt, dem zeigt ein Schritt ins Anorganische, dass die gesamte Chemie - organisch oder anorganisch - eine einzige Informationsverarbeitungsmaschine ist. Wasser - HzweiO - entscheidet auf Grund der Temperatur seinen Aggregatzustand. Klassischer Fall von Informationsverarbeitung. Ganz ohne Bewusstsein.


        Halt! wird der Zweifler nun einwenden. Wasser verarbeitet keine Information, sondern das Naturgesetz entscheidet, wann Wasser friert oder kocht, kondensiert oder verdampft. Und da sind wir schon bei einer der verdammten Sollbruchstellen des Informationsbegriffs. Was ist denn eine Information? Auch Naturgesetze müssen miteinander kommunizieren, also Information austauschen. Im Fall des Gefrierpunkts des Wassers muß die Größe Temperatur irgendwie vom Wasser aufgenommen werden, um zu frieren. Ganz ohne Bewusstsein. Ist einfach Energieaustausch kann man sagen. Temperatur ist ein Maß für die Geschwindigkeit mit der die Wassermoleküle aufeinanderstoßen. Je schneller, desto wärmer, je langsamer, desto kälter. Und ab einer gewissen mittleren Geschwindigkeit der Moleküle friert das Wasser eben, schmilzt, kondensiert oder verdampft es. Ja nun, schön und gut. Ist da nun Information im Spiel oder nicht?


        Kommt drauf an, wie man Information versteht. Ist die bloße Syntax der Naturgesetze, wie sie in den Formeln und Relationen der Physiker niedergelegt ist, bereits Informationsaustausch, Informationsöbertragung, oder bedarf es dazu der Semantik, also einer Codierung und Decodierung? Von Bedeutung, Deutung will ich gar nicht reden, setzt diese doch ein Bewusstes, ein Subjekt voraus. Bleiben wir ganz unten bei der Informationsmechanik. Wem das jetzt zu verschwurbelt, hermetisch oder esoterisch klingt, den kann ich beruhigen, es geht immer noch um Begriffsklärung. Und die Wissenschaften sind dabei wenig hilfreich, benutzen sie den Begriff doch nur so, wie er für ihr Fach nützlich.


        Ich sag's mal so, die Physik, also die Gesetze und Relationen der physikalischen Welt - im wesentlichen Energie und Materie - sind Syntax. Ohne Bedeutung, ohne Wissen, ohne ein Subjekt, ohne Empathie, Moral oder sonstwas Menschliches. Die Semantik beginnt nicht beim Bewusstsein, beim Subjekt, die ist viel früher da. Die Semantik ist für die Codierung und Decodierung verantwortlich. Etwa dafür, dass der genetische Code einer Pflanze vom Organismus der Pflanze decodiert und exekutiert wird. Was wir Beobachter als Erscheinung wahrnehmen, untersuchen, systematisieren (Familie, Gattung, Art, Größe, Farbe ...). Und wo kommt jetzt die Information ins Spiel? Da scheiden sich die Geister, streiten sich die Gelehrten. Es gibt keine selbstverständliche, offensichtliche Grenze, wo Information beginnt und endet. Was ist denn überhaupt das Gegenteil oder besser das Komplement von Information? Sicher nicht Desinformation oder Chaos, auch nicht Ignoranz oder Redundanz. Diese Begriffe setzen bereits viel zu hoch an, nämlich schon auf der Codierungs-/Decodierungsebene, also der Semantik. Bleiben wir auf der Syntaxebene, könnten wir alles als Information bzw. Informationsübertragung/-austausch werten,die Naturgesetze umfassend, die klassische Mechanik, die Relativistik und die Quantenphysik. Und da kommen wir wieder ins klassische Dilemma: je umfassender ein Begriff gefasst wird, desto leerer ist er. Der leerste Begriff ist Gott. Da ist alles drin und zugleich nichts. Wollen wir der Information ein ähnliches Schicksal bescheren wie dem Himmelvater? Wo könnte ich eine Grenze ziehen zwischen den basalsten physikalischen Größen wie Energie, Masse, Länge, Zeit, deren Relationen bzw. Wechselwirkungen und Information? Wann kommt Information ins Spiel? Mir scheint dort, wo die Entropie von ihrer allgemeinen Tendenz, immer zu wachsen (2. Hauptsatz der Thermodynamik), in ihr Gegenteil verkehrt wird, also abnimmt.


        Der 2. Hauptsatz der Thermodynamik sagt, dass in einem abgeschlossenen System - das ist eine physikalische Anordnung ohne Verbindung mit der Umwelt, also etwa ein völlig isolierter (thermisch, elektrisch, magnetisch usw.) Kasten in dem sich ein heisser und ein kalter Körper befinden mögen, dass in einem solchen System die Entropie immer zunimmt und nie abnimmt oder bestenfalls gleich bleibt. Was in unserem Fall bedeutet, die beiden Körper gleichen ihre Temperaturdifferenz aus. Wenn beide Körper gleiche Temperatur haben, alle Energiedifferenzen ausgeglichen sind, bleibt unser System im Zustand des völligen Gleichgewichts. Das nennen die Physiker maximale Entropie. Es wurde noch nie beobachtet, dass zwei Körper mit gleicher Temperatur anfingen Wärme vom einen zum anderen zu leiten, wodurch die Quelle kälter, die Senke wärmer würde. Die Physiker interpretieren ein derartiges Szenario mehrheitlich mit einer Umkehrung des Zeitpfeils. Da die Zeit in unserer Welt aber offenbar nur in eine Richtung eilt, ist eine Abnahme der Entropie in einem geschlossenen System noch nie beobachtet worden - und wird sie wohl nie. Man ist geneigt zu sagen, die Entropie bestimmt die Richtung der Zeit.


        Einschub: Hier tut sich mir ein Widerspruch auf, den ich noch nicht auflösen konnte. Die Thermodynamik (siehe Beispiel oben) sagt, dass die Entropie in einem abgeschlossenen System nur wachsen kann, also größer wird. Und dass die Entropieänderung bei Wärmezufuhr von aussen zunimmt, bei Wärmeabfuhr nach aussen sinkt. Sprich, wird von aussen Energie zugeführt, steigt die Entropie, wird Energie aus dem System abgezogen, sinkt die Entropie. Wo da der Widerspruch sei? Nun wird oft erklärt, dass das Entstehen von Leben auf der Erde der erwartbaren Zunahme der Entropie widerspricht. Weil ja Leben eine höhere Ordnung und Organisation von Materie bedingt, was ja einer niedrigeren Entropie entspricht. (Nicht vergessen, Zunahme der Entropie bedeutet auch Zunahme der Unordnung). Erklärt wird diese Abnahme der Entropie, die höhere Organisation und Ordnung der Materie im Falle des lebendigen Organismus mit der Energiezufuhr durch die Sonne. Nur durch die Sonneneinstrahlung konnte sich Leben entwickeln, also im wesentlichen durch Energiezufuhr von aussen. Und das ist ein Widerspruch zur Aussage, dass die Entropie (Ordnung, Organisation) durch Energiezufuhr zunimmt.


        Gut, ich muß das noch klären. Das Missverständnis liegt sicher bei mir. Ich glaub nicht, dass sich Legionen von Physikern in so einem einfachen, offensichtlichen Fall irren.


        Wo war ich? Information, ja. Ist bloße Enegieübertragung schon Informationsübertragung? Ist Energie Information? Es ist Definitionssache. Wie immer. Oder fast immer. Für mich ist die bloße Wechselwirkung zwischen zwei Feldern, Kräften, Teilchen allein noch kein Informationsaustausch. Da muß noch was dazu. Doch für die meisten Physiker ist jede Wechselwirkung Austausch von Information. Es kommt wie immer auf die Sichtweise an. Wir Menschen verstehen unter Information eine Menge an Daten, die unser Wissen erweitert. Das kann schon ein einzelnes Bit sein, also die Stellung eines Schalters: Licht ein, Licht aus. Mein Auge sieht auch ohne Blick auf den Schalter - Lampe leuchtet oder leuchtet nicht.


        Jetzt habe ich doch die beiden Begriffe ins Spiel gebracht, die ich vermeiden wollte: Bit und Daten. Und jetzt wird es erst richtig mühsam. Denn in unserer datenbesoffenen und bitfixierten schönen, neuen Informationsgesellschaft, sind diese nicht mehr wegzudenken. Dabei haben weder Bits noch Daten unmittelbar etwas mit Information zu tun. Das mag überraschen, ist aber so. Ein Bit enthält einen von zwei möglichen Zuständen. Und Daten sind Mengen von Bits. Sonst nix. Ein Sandkorn am Strand ist da oder nicht da. Und viele, viele Sandkörner ergeben einen Sandstrand. Die größte Menge von Daten enthält genau Null Information, wenn ich ihre Codierung, Struktur und Semantik nicht kenne. Genauso könnte ich den Sand am Strand durch meine Finger rieseln lassen. Ich hätte keinen Informationsgewinn ausser dem, ob der Sand heiß oder kalt, feucht oder trocken, grob oder fein sei. So ist es mit den Daten. Noch so viele Mega-, Giga-, Terabytes verraten mir nichts. Wenn ich nicht weiß, wie sie zu decodieren, zu strukturieren und zu deuten sind. Ist so wie ein altes, dickes, schweres Telefonbuch für einen Bücherwurm. Er frißt sich durch, hat aber keine Ahnung von den Namen, Adressen, Telefonnummern, die er da verdaut.


        Wo bin ich, wo war ich? Ach ja, Information. Wie es aussieht, besteht Information nur im Verständnis zwischen Sender und Empfänger. Alles ist Information, doch alles ist nichts, wenn die Codierung und Decodierung nicht bekannt. Deshalb störe ich mich auch an den Quantenfuzzis und fundamentaltheoretischen Physikern, die ein Informationsparadoxon bei Schwarzen Löchern orten. Was das ist? Also, Schwarze Löcher (SW) schlucken alles bis hin zum Licht und geben nix mehr her. (Ausnahme Hawking-Strahlung, etwas, was ich Depp nix verstehen). Und jetzt gibt's da ein paar Gscheiterleins unter den Physikern, die sagen: nach dem Energieerhaltungssatz, der auch Information umfasst, darf und kann keine Information verloren gehen. Es muß also alles, was in einem SW verschwindet, irgendwie erhalten bleiben: Masse, Impuls, Ladung, Geschwindigkeit, Richtung etc., was weiß ich. Ich halte das für Unsinn.


        Weil:


        1. Es gibt keine notarielle, moralische oder sonstige Verpflichtung eines SW, alle Informationen über verschluckte Objekte zu konservieren.


        2. Was sich irgendwelche Physiker wünschen, vorstellen oder fordern, ist für das Universum weder verbindlich, noch relevant.


        3. Selbst der Energieerhaltungssatz ist eine Anmaßung der Naturgesetzpriester. Er mag für unsere beschränkte Wahrnehmungs- und Experimentiermöglichkeiten gelten. Für das Universum als Gesamtes, Totales können ganz andere Bedingungen gelten. Oder gar keine. Who knows? - Wo war der Energieerhaltungssatz beim Urknall? Da hatte er wohl Urlaub.


        Fazit: Jetzt hab ich wieder viel fantasiert, imaginiert, konkludiert, induziert und deduziert und doch nix als Verwirrung gestiftet. Viele Buchstaben, wenig Information. Das ist vielleicht doch noch eine Erkenntnis zum Thema. Viel Lärm um nichts.


        ***

        Kommentar


        • #5
          Nase und Ohr. Geruchssinn und Gehör. Duft und Ton. Aroma und Klang. Riechen und Hören. Was ist eigentlich die Entsprechung zu Musik? Duftwelt, Riechunviersum oder Aromenkosmos? Ich frage mich allen Ernstes, ob mein Geruchssinn was mit meiner Affinität zu mancher Musik zu tun hat. Da geistert sofort der Fachbegriff Synästhesie durchs Großhirn. Damit meint die Wissenschaft, die Kopplung zweier an sich unabhängiger Sinneserfahrungen, die bekannteste ist Hören nach Farben. Also dass Leute beim Hören von Musik gewisse Farben 'sehen' oder visuelle Sensationen erleben. Es gibt angeblich über 60 sinnliche Querverbindungen unserer Sinneswahrnehmungen. Manche sehen auch Zahlen nach Farben. Und die meisten sehen bei Zahlen überhaupt Rot. Aber das ist eine ganz andere Geschichte und hat mit Synästhesie nix zu tun.


          Mir geht es hier aber weniger um Synästhesie, als um die Sensationen, die Geruchssinn und Musikempfinden bewirken. Vom Geruchssinn wissen wir dank unserer Neurowissenschafter und Nervengeometer, dass der Geruchssinn der einzige unserer 5 Sinne ist, dessen Reize direkt - ohne Umweg über den sogenannten Thalamus (Zwischenhirn), sagen wir mal ohne Filter - ans limbische System geleitet werden. Und dieses ist bekanntlich der älteste Teil unseres inflationär gewachsenen Reptiliengehirns und beherbergt unter anderem Triebe, Gedächtnis und Emotionen. Gerüche wirken also direkt, sickern unmittelbar ins Bewusstsein. Im Gegensatz zu den übrigen Sinneswahrnehmungen. Die werden erstmal gesammelt, müssen gewisse Siebe und Filter passieren, werden decodiert, zerlegt, wieder zusammengesetzt, bis wir ihrer bewusst werden. Geruch geht unmittelbar ins Gemüt. Und erzeugt dort diverse Sensationen, so etwa die Verlebendigung lang verschütteter und vergessener Erlebnisse aus frühester Kindheit. Ich durfte selbst mehrere solcher Auferstehungen längst vergangener Bewusstseinsinhalte erfahren. Ausgelöst durch einen Duft, einen Riechreiz.


          Und was hat das alles mit Musik zu tun? Weiß ich doch auch nicht, sonst würd ich mich ja nicht damit abquälen. Ausser dass bei mir Musik - also manche, nicht jedes Gedudel, Gejaule oder Geschrammel - scheinbar gleich direkt, ungespitzt und ungehobelt ins tumbe Gemüthe einfährt. Wie der Kumpel in den Schacht oder das schlechte Gewissen ins Ruhekissen. Etwas haben se doch gemeinsam die Gerüche und das Getöns. Gehirnphysiologisch vielleicht noch nicht erklärbar. Und auch nicht bei jedem gleich ausgebildet. Also ich kenne Zeitgenossen, denen jede Art von Musik als Geräuschbelästigung vorkommt. Total amusikalische Verohrtete. Denen das Ohr bloß dazu dient, die Brillenbügel zu tragen. Macht ja nix. Musik wird ohnehin überschätzt. Im Allgemeinen und in Wien besonders. Aber das ist eine sehr lange, andere Geschichte.


          Während der Geruch also direkt ins Unterbewusstein dringt und von dort ins Bewusstsein aufsteigt, gelangen die Töne über Ohrmuschel, Gehörgang, Mittelohr, Hammer, Amboß und Steigbügel, Nervenbahnen und und und erstmal an die Rezeption, den Thalamus. Das Zwischenhirn. So eine Art Posteingangsstelle. Wie es von dort weiter geht, ist wohl intressant, aber für meine Betrachtungen zweitrangig. Bin ja kein Neurophysiologe. Tatsache ist, dass die Schallwellen vom Ohr aufgefangen, irgendwie verarbeitet über Nerven ans Gehirn gelangen und dort über eine - mathematisch unendlich komplizierte - unverständliche Art und Weise zu einem Klangerlebnis synthetisiert werden, das uns bewusst wird und das in uns bisweilen starke bis heftige Gemütsbewegungen auslösen kann. Schaut man sich den Weg an, wie Luftschwingungen zu einem emotionalen Erlebnis werden, kann man nur staunen, sich wundern und kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen, dass es so ist, aber nicht im Entferntesten auch nur vorgeben, dieses Wunder zu verstehen. Wobei ich Wunder nicht als göttliche Intervention verstanden wissen will. Meine unerhebliche, irrelevante, überflüssige und absurde Existenz ist ein Wunder schlechthin. Mehr schlecht und hin, als recht. Aber was soll's, ich hab mich ja nicht freiwillig gemeldet, geboren zu werden. Mich hat ja keiner gefragt. Auch der Alte mit dem Rauschebart dort oben nicht. Also bin ich auch nicht zu irgendeiner besonders vorzüglichen Performance hier auf Erden verpflichtet. Es genügt, wenn ich versuche, mein Bestes zu geben.Aber lassen wir das mal so stehen.


          Geruch und Gehör. Es verbindet sie manches. Vor allem die Intensität und Unmittelbarkeit mit der diese beiden Sinne in uns einfahren, uns bewegen und betören können. Wir kennen ja alle den Spruch 'Die oder den kann ich nicht riechen'. Was auf den ersten Blick wie eine metaphorische Floskel aussieht, darfst du einfach wörtlich nehmen. Der Geruch eines Menschen signalisiert, ob er/sie zu dir passt oder nicht. Rein physisch, physikalisch, chemisch, biologisch, genetisch, also reproduktionstechnisch. Leute, die sonst nichts besseres zu tun haben, wollen herausgefunden haben, dass Gerüche über die genetische Kompatibilität von Sexualpartnern Auskunft geben. Ein Weibchen, dessen Geruch - und ich meine nicht ihr Deo oder ihr Parfum - mich anmacht, anzieht, wild macht, dieses Weibchen passt zu mir. So einfach ist das. Sagen die Genetikerchemiker. Und ich glaub ihnen. Weil es die Erfahrung ist, die ich gemacht habe. Bin zwar nicht Casanova, doch ich traf Frauen, deren Geruch mich abstieß und dann solche, deren körperliche, ja was denn nun, gibt's im Deutschen kein adäquates Wort dafür ausser Duft? Also, es gibt Frauen, deren Duft, also körperliche, olfaktorische Emanation mich umwirft. Positiv gesehen, pardon gerochen. Und es gibt solche, die ich nicht riechen kann. Und das ist nicht meine Erfindung, das ist Mutter Naturs Einrichtung. So weit, so gut. Punkt.


          Die Biologie kennt das ja auch aus dem Tierreich. Da wird das Sexualverhalten wesentlich von den sogenannten Pheromonen bestimmt. Und nicht nur das. Auch andere Signale an die Artgenossen, Feinde oder Rivalen werden mittels Duftstoffen ausgesendet. Kater markieren ihr Revier mit eigens dafür abgesondertem Drüsensekret, Weibchen verströmen ihren Paarungsbereitschaft und selbst Insekten kommunizieren mittelsduftender Botenstoffe.


          Der Mensch gilt allgemein als Augentier. Das könnte ein Irrtum sein. Unser Sehsinn unterscheidet laut Wissenschaft ca. 20 Millionen Farbtöne, unser Geruchssinn mindestens 1 Billion verschiedene Aromen und Gerüche. Das sind um den Faktor 50 000 mehr Geruchsempfindungen als Farbtöne. (Andere Quellen sprechen allerdings nur von 10 000 unterscheidbaren Gerüchen. Also was denn nun?).Was natürlich nichts über die Komplexität der Verarbeitung durch das Gehirn aussagt. Die Lichtreize des Auges zu einem Bild zusammenzusetzen erfordert wohl wesentlich mehr 'Rechenleistung' unseres Denkeisens als eine Geruchsempfindung zu detektieren. Dabei ist die Anzahl der Farbtöne nur ein Parameter von vielen. Wir besitzen etwa 380 verschiedene Geruchsrezeptoren, aus deren Mix an Eingangsreizen bis zur genannten Billion unterschiedliche Geruchssensationen decodiert werden. Beim Auge ist die Lage wesentlich komplizierter, da aus den Lichtreizen auf der Netzhaut ein Bild zusammengebaut werden muß. Die Anzahl der Photorezeptoren auf der Netzhaut ist gewaltig. Etwa 6 Millionen Zapfen und über 100 Millionen Stäbchen bevölkern die Retina, wobei die Zapfen für das Tageslichtsehen (= Farben), die Stäbchen für das Nachtsehen (hell-dunkel) verantwortlich zeichnen. Aus diesen über 100 Millionen Sehreizen wird über unendlich komplizierte, noch nicht ganz verstandene Verarbeitung ein Bild zusammengebaut, das uns im Bewusstsein als Blick auf und in die Welt erscheint. So gesehen, ist unser Sehsinn tatsächlich wesentlich komplexer und elaborierter als der Geruchssinn. Stell ich mir als Laie und wissenschaftlicher Dilettant wenigsten vor.


          Und was sagt mir das alles? Erstmal so viel, dass ich kapier, dass ich die Sinneswahrnehmungen nicht verstehe, verstehen kann. Dieses Geflecht an Rezeptoren, Reizweiterleitungen, Verarbeitungen, Codierungen, Decodierungen, Gehirnaktivität und schließlich Bewusstwerdung der empfangenen Signale in Form von Bildern, Tönen, Geräuschen, Gerüchen, Geschmaks- und Tastempfindungen, das geht über mein beschränktes Auffassungsvermögen hinaus. Und das Beste ist, dass das alles trotz oder wegen meiner Ignoranz funktioniert! Und das ist nur ein kleiner, kleinster Teil dessen, was mein Organismus so leistet. Jedes Organ, jede Faser, jede Zelle weiß, was sie zu tun hat. Alles zusammen ungefähr so komplex und kompliziert wie das ganze Universum. Und ich trotteliger, ahnungsloser Verstandeskrüppel wähne mich als intelligent, Krone der Schöpfung oder der Evolution. Dabei leistet dieser mein Körper in einer Millisekunde mehr an Organisation, Kontrolle, Steuerung und Exekution als mein Verstand in seinem ganzen Leben. Wir sind biologische Wunderdinge, Riesen, Giganten, dagegen erkenntnismäßige Zwerge, ja Einzeller, Nullen. Meine Bewunderung, mein Staunen über die natürliche Intelligenz von Organismen, gleich ob Einzeller, Pflanzen oder Tiere ist grenzenlos. Mein Verstand sagt mir, dass das alles Ergebnis millionenjahrelanger Anpassung ist - sprich Evolution -, mein Gefühl raunt mir zu, dass das allein nicht genügt. Dass noch irgendein Agens mitbeteiligt sei, von dem ich nichts wissen kann, über das ich nichts aussagen kann. Manche nennen es Seele, andere Vitalkraft, Geist, Orgon oder geben ihm sonstwelche Phantasienamen. Diese unübersehbar komplexe Organisation, Ziel- und Zweckausrichtung ist in der Tat mit Zufall und Anpassung kaum erklärlich. Für mich. Aber geschenkt, dass mein Körper unendlich besser organisiert, effizienter und umsichtiger funktioniert als mein Erkenntnisvermögen, sagte ich bereits.


          Und nun? Immer wieder der motivierende und inspirierende Schluß, dass wir nie erkennen werden, was die Welt. Schon gar nicht, was sie zusammenhält. Ignorabimus. So weit, so gut. Und Schluß.


          ***

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