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  • #46
    Widerliche denkuniformierte Linksliberale. Sie laden im Namen der Toleranz die Leute aus, die sie nicht tolerieren können, werben zugleich für Weltoffenheit. Was für eine Weltoffenheit soll das sein, die 30% (in manchen Ländern sogar mehr als 50%) schlichtweg nicht respektiert und mit diesem Schritt nun sogar auch nicht toleriert? -
    Ich bin gespannt, wie sich die AfD verhalten wird, wenn sie das Kultur-Ressort der nächsten Bundesregierung stellt. Mein erster Reflex lautete: Keine Unterstützung für diese Leute. Soll die Privatwirtschaft, wenn sie an der Berlinale interessiert ist, dieses Festival unterstützen.

    erstellt von berlinale:

    08. Februar 2024
    Berlinale-Eröffnung: Ausladung von AfD-Politikern






    In den letzten Tagen wurde im Kulturbereich, in der Presse und in den sozialen Medien sowie innerhalb des Berlinale-Teams intensiv über die Einladungen von AfD-Politikern zur Eröffnung der Berlinale diskutiert Berlinale. Die Leitung der Berlinale hat heute beschlossen, die fünf bisher eingeladenen AfD-Politiker auszuladen.
    Der aktuelle Diskurs hat noch einmal deutlich gemacht, wie sehr der Einsatz für eine freie, tolerante Gesellschaft und der Kampf gegen Rechtsextremismus zur DNA der Berlinale gehören. Seit Jahrzehnten engagiert sich die Berlinale für demokratische Werte und gegen jede Form von Rechtsextremismus. Dafür stehen das Filmprogramm und die Berlinale als Kulturinstitution. Das Festival hat immer wieder darauf hingewiesen, daß es mit Sorge beobachtet, wie Antisemitismus, antimuslimische Ressentiments, Haßreden und andere demokratiefeindliche und diskriminierende Einstellungen in Deutschland zunehmen.
    „Gerade angesichts der Enthüllungen der letzten Wochen über explizit demokratiefeindliche Positionen und einzelne Politiker der AfD ist es für uns – als Berlinale und als Team – wichtig, eindeutig Stellung für eine zu beziehen.“ „Offene Demokratie. Wir haben daher heute alle bisher eingeladenen AfD-Politiker angeschrieben und ihnen mitgeteilt, daß sie bei der Berlinale nicht willkommen sind“, sagt das Intendantenduo der Berlinale, Mariëtte Rissenbeek und Carlo Chatrian.
    Die AfD und viele ihrer Mitglieder und Vertreter vertreten Ansichten, die den Grundwerten der Demokratie zutiefst widersprechen. Forderungen nach einer homogenen Gesellschaft, Einwanderungsbeschränkungen und Massenabschiebungen, homophobe, queerfeindliche und rassistische Äußerungen sowie heftiger Geschichtsrevisionismus und offener Rechtsextremismus – finden sich bei der AfD.
    In Zeiten, in denen Rechtsextremisten in die Parlamente einziehen, will die Berlinale mit der heutigen Ausladung der AfD klare Position beziehen. Die Diskussion um den Umgang mit AfD-Politikern betrifft auch viele andere Organisationen und Festivals. Diese Debatte muß gesamtgesellschaftlich und gemeinsam mit allen demokratischen Parteien geführt werden.

    Pressebüro
    8. Februar 2024


    Zur Begriffsvarietät von "Demokratie" empfehle ich die Lektüre des wiki-Eintrags.

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    • #47
      Das betrifft nicht nur die AfD. Da war doch sogar unlängst einer bei Lanc. Hab's mir aber nicht angehört.

      Der Boykott unliebsamer Leute in den ÖR- aber auch pseudoprivaten Medien betrifft ja alle und jede, die sich nicht innerhalb des verlangten, erwarteten, normierten Meinungsspektrum zu EU, Russland-Ukraine, Nahost, Energiewende usw. bewegen. Ich nenne nur die Namen Krone-Schmalz, Ulrike Guerrot, Franz Hörmann, Tichy und v. a. m. Die werden in kein TV-Format mehr eingeladen, werden totgeschwiegen und boykottiert, wo es geht.

      Das ist die Meinungsfreiheit der sich selbst als Hüter der Verfassung gerierenden Sittenwächter. Heuchelei pur.

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      • #48
        Irgendwie passend zum Thema: https://www.volksstimme.de/sachsen-a...-halle-3783412

        2 x 3 macht 4
        Widdewiddewitt und Drei macht Neune !!
        Ich zensiere mir die Welt
        Widdewidde wie sie mir gefällt ....​

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        • #49
          Nun ja, das sind zwei verschiedene Paar Schuhe, Wirbel. Die Berlinale ist eine öffentliche Veranstaltung, die ohne öffentliche Geldgeber nicht existieren könnte. Als solche hat sie eine politische Neutralität zu wahren, was eben bedeutet, daß sie sich in keine Richtung äußern darf. Die Berlinale ist keine Partei- oder Regierungsveranstaltung.
          Was ein Kioskbetrreiber in sein Sortiment aufnimmt, ist dessen Sache. Und wenn er nur Pittiplatsch-Hefte veräußern/anbieten würde, wäre das immer noch seine Sache. Ein Kioskbetreiber ist privat und muß keineswegs alle politischen Spektren in seinem Angebot abbilden.

          Und wenn sie sich auf der Berlinale dann wieder gegenseitig feiern, möchte ich ihnen, dem Establishment, zurufen: rattle with your jewelry. Wir hier unten pfeifen.

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          • #50
            Sollte man sich mal in Ruhe durchlesen und drüber nachsinnen .... bevors hinter der Bezahlschranke verschwindet:

            https://www.cicero.de/innenpolitik/s...iwanger-guerot

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            • #51
              Liest man in diesen Tagen die Gazetten und verfolgt die Nachrichten, dann drängt sich der Eindruck auf, als wären wir kurz vor einem großen Krieg. Natürlich mit Putin. Die Rüstungsprofiteure haben Hochkonjunktur, die 'warnenden' Stimmen vor dem unersättlichen russischen Bären, der sich ein europäisches Schaf nach dem anderen einverleiben wird, die kalten Krieger der Münchener Sicherheitskonferenz - Unsicherheit wäre passender -, die ukrainischen Hilferufe nach mehr Waffen und Munition, die apokalyptischen Meldungen von russischen Atomwaffen in Satelliten, die Forderungen nach eigenen Atomwaffen für Europa - wissen diese Stramm-Zimmerfrauen nicht, dass Frankreich und GB längst atomar bewaffnet sind? - usw. Das alles stinkt mir sehr nach Kriegslüsternheit. Und die Grünen in vorderster Front. Petra Kelly, Herr Bastian und v. a. aus der grünen Vorzeit rotieren im Grabe.

              Was soll ich davon halten? Ich sehe Putin weder als Friedensengel, noch als naiven Nationalisten, noch als kriegsgeilen Diktator. Ich glaube, er ist ein verblendeter Egomane, der glaubt eine historische Mission zur Rettung Russlands vor ausländischen Feinden erfüllen zu müssen. Vielleicht irre ich. Ich sehe aber auf Seiten der NATO wenig guten Willen und Bereitschaft nichtmilitärische Lösungen zu suchen.

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              • #52
                Zitat von eulenspiegel Beitrag anzeigen
                Was soll ich davon halten? Ich sehe Putin weder als Friedensengel, noch als naiven Nationalisten, noch als kriegsgeilen Diktator. Ich glaube, er ist ein verblendeter Egomane, der glaubt eine historische Mission zur Rettung Russlands vor ausländischen Feinden erfüllen zu müssen. Vielleicht irre ich. Ich sehe aber auf Seiten der NATO wenig guten Willen und Bereitschaft nichtmilitärische Lösungen zu suchen.
                Ersetze „glaubt“ durch „weiß“, das kommt der Realität recht nahe und klärt das Bild über ihn auf, bspw. hinsichtlich der vermeintlichen „Verblendung“.

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                • #53
                  So sehr ich mich auch darum bemühe objektiv zu bleiben...ich komme immer wieder zu dem Ergebnis, dass ich wie Putin gehandelt hätte. Also entweder bin auch ich ein irrer Egomane...oder Putins Überfall war/ist tatsächlich alternativlos. Ein Kumpel von mir hat die Häuser links und rechts von seinem Haus gekauft - das eine schon vor Jahren, das andere gerade vor ein paar Tagen. Das tat er aus Angst...aus Angst es hätten dort Leute einziehen können, die ihm ganz und gar nicht passen. Nichts anderes hat Putin gemacht...als er die Ukraine überfiel. Und die Amis hätten an Putins Stelle auch nicht anders gehandelt. Die Ukraine bezahlt den Preis für die Ost-Erweiterung seitens EU und Nato. Und keine Sorge, es wird keinen großen Krieg geben...es sei denn Putin plant seinen Selbstmord. Putin wird vielleicht austesten...wie weit er gehen kann...aber er wird nicht gegen die Nato in den Krieg ziehen....weil da seine Chancen...zu gewinnen...bei 0,0% liegen.

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                  • #54
                    Ich weiß es ja auch nicht. Mein Informationsstand über die Sache ist nicht ausreichend, um mir ein Urteil zu bilden. Auf der einen Seite wird Putin verteufelt als eiskalter, über Leichen gehender, machtbesessener Narzisst, der am liebsten ein Land nach dem andern einkassieren will .... so die Erzählungen der Strack-Zimmerfrauen, der polnischen, baltischen, schwedischen, finnischen und anderer Regierungen, der NATO-Spitzen usw. Tatsache für mich ist, dass die NATO-Osterweiterung seit dem Fall der Mauern und Vorhänge ohne Not und rein aus machtstrategischen Gründen vorangetrieben wurde, dass Obama und Co. keine Gelegenheit ausließen, Russland zu demütigen, zu verhöhnen und provozieren. Dass es eine Reihe von politischen, militärischen Provokationen - vor allem aus der Ukraine - gab usw.

                    Handelt Putin wirklich aus Notwehr oder nur um dem Westen zu signalisieren bis hierher und nicht weiter?

                    I don't know. Wie er innenpolitisch gegen jegliche Opposition vorgeht, ist natürlich kein Ruhmesblatt, sprich eine Riesensauerei. Siehe Nawalny, Chef der Wagner Gruppe, die Jounalistin Poitkowskaya etc. Kann man sich in Russland nicht anders (ver)halten an der Macht?

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                    • #55
                      Keine Ahnung, ob die „Außenstehenden“ das sehen können, aber hier mal ein alter Beitrag aus der Tagesshow vom Dezember 1994, wo über die Debatte RU vs. NATO/Europa/USA zum Thema Osterweiterung berichtet wurde. Heute wird ja gerne behauptet, dass es diese Forderung seitens Russland und das entsprechende Versprechen des Westens als Bedingung zur „Aufgabe“ der DDR nie gegeben hätte. Das beweist das Gegenteil. Die Russen wären auch reichlich dämlich gewesen, eine der Top20-Wirtschaftsnationen der Welt (unter diesen befand sich die DDR 40 Jahre lang) als „Arbeitslager“ für nichts aufzugeben. Ich habe das deshalb nie geglaubt. Auch hatten die Russen vor einiger Zeit mal Dokumente veröffentlicht, die das beweisen sollten. Wegen meiner äußerst mangelhaften Russischkenntnisse konnte ich das auch nicht selber verifizieren, war mir aber trotzdem sicher, dass die Russen in der Hinsicht keinen Fake raushauen würden. Hier bei Beitrag aus der Tagesshow:

                      btw: wann immer unsere „Qualitätsmedien“ nachweisliche Lügen als „Beweis“ für ihre Ideologien anführen, bin ich immer geneigt, der „belogenen Partei“ Glauben zu schenken. Denn - so meine Logik - wenn es ECHTE Beweise für ihre Aussagen gäbe, würden sie der Öffentlichkeit eben diese präsentieren, statt sich Lügen zurechtzustricken. So gab es bspw. so ziemlich zu Beginn des „Konfliktes im Donbass“ (so die mMn korrekte und va neutrale Bezeichnung des in der #lügenpresse gebetsmühlenartig als „Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine“ bezeichneten Ereignisses) einen Bericht über eine angeblich von den Russen zerstörte Fabrik (oder sollte es ein Kraftwerk sein?) in der Ukraine, der mit einem Video von einer gigantischen Explosion visuell „belegt“ wurde. Allerdings fanden findige Nerds exakt dieses Video schon kurz darauf auf Youtube: es zeigte die Explosion einer Chemiefabrik in China. Hochladedatum: irgendwann 2012 😎

                      Und auch in einem anderen Fall wurde schon mal über einen Zwischenfall im Nahen Osten berichtet mit brutalen Videos, das ein Reporter angeblich unter „Gefahr für das eigene Leben“ aus dem Land geschmuggelt hätte, nur damit die Welt sehn könne, wie rücksichtslos Partei A gegen Partei B vorginge. Blöd nur, dass genau dieses Video schon kurz darauf im Internet gefunden wurde, dort einen völlig anderen Zwischenfall in einem völlig anderen Land zwischen völlig anderen Parteien und einem völlig anderen Konflikt bzw. Kontext zeigte und bereits etliche Jahre alt war.

                      Solche Beweise, einzelne Kleinigkeiten können manchmal die ganze Geschichten über den Haufen werfen. Wie bspw. auch damals am 11.9.2001, als die BBC um Punkt 17:00 vom Einsturz des WTC7 berichtete und WTC7 auch tatsächlich in sich zusammenfiel…


                      …um Punkt 17:20 😏

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                      • #56
                        Putin gewährte einem freelancer ein Interview. In diesem Interview stellte er seine historischen Ansichten zum Ukraine-Konflikt dar, der sich ja nun zu einem handfesten Krieg entwickelte. der freelancer attackierte den meistgehaßten Russen nicht, sondern unterließ weitgehend kritische Fragen. So geriet Putin nicht in eine Rechtfertigungssituation, sondern konnte das Interview als Kommunikationsplattform nutzen. So konnte Putin letztlich nicht antizipieren, sondern sein Reden gegenüber dem Journalisten zu einer Darstellung seiner grundsätzlichen Ansichten nutzen. Wurde er vom freelancer dazu gedrängt, das Offensichtliche zuzugeben, daß er nämlich als Angreifer in diesem Krieg einen Gutteil Schuld am Konflikt trägt? Bestand in diesem Interview überhaupt die Möglichkeit, daß Putin irgendwie hätte festgenagelt werden können? Warum bestimmt der Russe nicht von sich aus eine Feuerpause?

                        Nachdem ich mir das Video noch einmal angeschaut habe, möchte ich folgende Punkte (als Historiker) kritisch anmerken: Putin unterschätzt den Einfluß Konstantinopels auf die russische Geschichte; er ist mindestens so groß wie der der Waräger. Richtig ist, daß die Russen noch lange an der Erbformel festhielten, die wir mit den Ottonen überwunden hatten, nämlich die Teilung der Herrschaftsgebeiete unter den Söhnen des Fürsten. Das bewirkte in dem weiten Rußland eine Machtzersplitterung, die erst unter Iwan dem Schrecklichen überwunden wurde. Damit wanderte der Kern Rußlands in das moskowiter Fürstentum, weg vom Kiewer Rus, zugleich prägte sich über das moskauer Patriarchat eine Zentralkirche aus, die sich zwar an Konstantinopel orientierte, aber nach dem Verlust an die Osmanen im 16. Jahrhundert schnell auf sich selber bezog. Zugleich erfolgte damit die strategische Zielstellung des Russentums: die Rückeroberung Konstantinopels. Auch darüber schwieg Putin beredt.
                        Den größten Lapsus erlaubte er sich, als er den Frieden von Brest-Litowsk einseitig interpretierte. Die damit verbundene Gründung der Ukraine als Staat erfolgte auf Kosten Rußlands und Polens. Das war einer der Kriegsgründe 1920. Der Krieg endete damit, daß Polen westliche Gebiete der Ukraine erhielt, aber keinen Zugang zum Schwarzen Meer, den es insinuiert hatte. (gelb und orange: Polen heute; orange, weiß-rot und mondgrün: Polen 1939) Die mondgrünen Gebiete will Polen heute immer noch.

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DWO-KU-Polen-1-WK-Weltkrieg-sk-jpg-1289608016.jpg Ansichten: 0 Größe: 57,6 KB ID: 3079

                        Die tatsächlich relevanten Ereignisse für die russisch-ukrainische Geschichte sind folgende:
                        Rußland ist weit, waldreich und weitgehend flach. Der Wald beherbergt wilde Tiere, legt sich aber auch wie ein Schutz um die Lichtungen, in denen die Russen ihre Städte anlegten. Die Russen entwickelten keine besondere Beziehung zum Wald, wie es die Deutschen taten, sondern zu den großen Flüssen, auf denen ihre erste Herrscherschicht einst aus dem hohen Norden Europas gekommen waren (die Waräger, „durch Eid aneinander gebundene Schutzbürger“, um 860) und durch sie Zugang zum Weltmeer fanden. An der Nahtstelle zwischen dem Schwarzen Meer und dem Zugang zum Kernmeer des Altertums, dem Mittelmeer, liegt Konstantinopel, die große Sehnsuchtsstadt der christianisierten Russen, das geistige Zentrum des Russentums und der Zielpunkt aller ihrer politischen Bestrebungen bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein.
                        Ankunft der ersten Waräger am Ostufer des Ladogasees. Heidnische Slawen heißen sie willkommen. (Gemälde des russischen Symbolisten Wasnezow aus dem 19. Jahrhundert)
                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: dataurl903409.jpg Ansichten: 0 Größe: 109,4 KB ID: 3078 Rußlands Geschichte begann durch das Einsickern fremder Völker aus zwei Richtungen. Aus dem Norden drangen über die vereisten Seen und die Wolga die Wikinger allmählich nach Osten und Süden vor; aus dem Süden drangen Griechen den Dnepr entlang nach Norden. Der Dnepr war der erste Strom, an dem sich Herrschaftsstrukturen ausbildeten. Das Fürstengeschlecht der Rurik gewann die Herrschaft über die Ufer und sammelte aus dem Hinterland Naturalien ein, die es über den Strom bis zur Mündung verfrachtete, von da aus übers Schwarze Meer bis nach Konstantinopel verschiffte und dort verkaufte. Auf die Rückfahrt kamen Missionare mit, griechisch-orthodoxe[1], die ihre Arbeit taten und die heidnischen Slawen mitsamt ihrer skandinavischen Herrenschicht allmählich missionierten. Mit diesen Missionaren kamen auch griechische Adlige nach Rußland resp. ins Kiewer Rus, wie diese Frühform Rußlands heute bezeichnet wird; es dauerte nicht lange, bis sich die Oberschicht, über den Einfluß der Frauen vornehmlich, christlich bekehren ließ. Wladimirs Frau sei hier genannt, die ihren Mann mit sanftem Druck zum Begründer der russischen Kirche werden ließ. Über diese Prinzessin ist auch eine Verbindung zu den Ottonen zu konstruieren.
                        Die Ruriks vererbten ihr Imperium in Blutlinie, was in der Folge zu vielen Fehden führte, die die Hackordnung bestimmten. Das kennen wir bereits aus West- und Mitteleuropa, wo dieses Prinzip auch über Jahrhunderte Anwendung fand und eigentlich erst mit der Goldenen Bulle 1356 zumindest hinsichtlich der Einsetzungsregularien des Königs sein Ende fand. Es gibt aber ein paar Unterschiede in der Entwicklung Rußlands gegenüber der in West- und Mitteleuropa:
                        • das Land ist dünner besiedelt und sehr viel größer;
                        • in den wenigen, aber großen Städten entwickelte sich Selbstverwaltung (Kommunalismus) auf breiter demokratischer Basis, die zur Entstehung eines Großbürgertums führte, das mit seiner errungenen Stellung in der örtlichen Gemeinschaft zufrieden ist und keine monarchischen Gelüste entwickelt;
                        • es gibt keine Lehnsverfassung, da die zentrale Macht auf die Gebiets­fürsten zählen kann, die der zentralen Macht mehr bedürfen als umgekehrt;
                        • die Gebietsfürsten festigen ihre Stellung nicht gegen die Zentralmacht;
                        • die orthodoxe Kirche tritt nicht gegen den Staat auf, sondern ist integraler Bestand­teil desselben;
                        • die russischen Wissenschaften und das russische Mönchtum waren nicht auf den Austausch mit dem Ausland orientiert, sondern entwickelten sich sehr langsam ohne Fremdeinflüsse;
                        • es gibt neben den Gebietsfürsten Großgrundbesitzer, die meist nur wirtschaftlich orientiert sind und sich nicht gegen die Zentralmacht oder die Gebietsfürsten stellen.
                        Im Grunde genommen hat sich an dieser Struk­tur in Rußland bis heute nichts geändert.
                        Neben der Entwicklung Rußlands im Gebiet der heutigen Ukraine drangen die Russen auch nach Nordwesten vor, besiedelten die Gegend am Ladogasee (Nowgorod, z.dt. Neustadt) und vermischten sich mit den Finnen. Diese Großrussen, wie man sie später nannte, wandten sich dann nach Osten in die russische Ebene und begründeten mit Moskau ihr politisches Zentrum. Der Kampf um neue Gebiete währte lange. Die nomadischen Völker östlich Moskaus ließen sich nur ungern assimilieren. Hunnen und Tataren hinderten für Jahrhunderte den russischen Expansionsdrang nach Osten und brachten Rußland an den Rand der völligen Zerstörung.
                        [1] Das bis heute anhaltende Kirchenschisma hat seinen Grund in einem differenzierten Betrachten des Evangeliums: die westliche Kirche trennt die Welt weitgehend vom Glauben. Die östliche Kirche betrachtet in der ganzheitlichen Befolgung der Überlieferung bereits den religiösen Akt. Sie ist starrer. Aufgrund der Regelbefolgung ergibt sich alles andere: Lebensregeln, Ethik, Glaubenswissen.

                        Der Frieden hing an der Person Lenins, dessen Friedenswille ehrlich war, nicht aber an dem der Bol­schewiken, in deren Kreisen die fata der Weltrevolution (Trotzki) stark vertreten war, anteilig weitaus stärker als die imperialen Phantasien der Alldeutschen auf Reichsseite.[1] Im Frieden von Brest-Litowsk hatten sich jeweils die Minderheiten durchgesetzt und dementsprechend ein ephemeres Werk geschaffen, ein substanzloses, weil es nicht der wirklichen Mehrheits- und Machtverhältnissen entsprach. Der politischen Führung des Reiches muß hier ein Tadel ausgesprochen werden, eben dies nicht erkannt zu haben und sich des Spatzes in der Hand (Landgewinne mit wenig deutscher Bevölkerung) statt der Taube auf dem Dach (dauerhafte Friedenslösung im Osten) zu versichern und diesbezüglich zu handeln.
                        Nach dem Tatarensturm 1571, der die Krimtataren, obgleich den Osmanen tributpflichtig, bis nach Moskau geführt hatte und Iwan den Schrecklichen dazu zwang, ihnen Tribut zu geben, waren die Grenzgebiete zwischen Rußland und Polen-Litauen verwüstet. Dort siedelten sich in der Steppenregion zwischen Dnjepr, Don und Jaik (Ural) russische Flüchtlinge an, die die Lebensweise der Tataren übernahmen und sich dem Druck der russischen Zaren und polnischen Adelsherrschaft gleichermaßen entledigen wollten. Sie nahmen den tatarischen Namen Kosaken an, blieben aber griechisch-orthodoxen Glaubens. Die bedeutendsten saßen im Gebiet der Ukraine, dem Grenzland zwischen Polen-Litauen und den Krimtataren. (Vogel, S. 110.)
                        So wurde im Frühjahr 1918 ein Korridor von Finnland bis zur Ukraine gezogen. Österreich-Ungarn brauchte diesen Brotfrieden für seine hungernde Bevölkerung, das Reich nicht weniger. Nur das Baltikum wollten die Bolschewiken behalten, aber genau dieses beherbergte die meisten Deutschen, also brachen die Mittelmächte die Verhandlungen ab und besetzten das Baltikum, von den Einwohnern dort jubelnd empfangen. Die Bolschewiken sahen Petrograd (so hieß St. Petersburg zwischen 1914 und 24) bedroht, aber die deutschen Truppen wurden im Westen benötigt und griffen die russische Hauptstadt nicht an. Rußland stimmte unter diesen Umständen den Gebietsforderungen des Reiches zu.
                        Nebengeräusche: Polen wollte Gebiete um Cholm (Nordwestrußland), die Ukrainer eine eigene Republik. Beide Völker lebten durcheinander, also nicht in klar definierbaren Siedlungsgebieten. Die Schwierigkeit eines Selbstbestimmungsrechtes der Völker zeigte sich schon in den Anfängen. Jedes Völkchen wollte ein möglichst großes Gebiet zur Staatsgründung, auch gegen Minderheiten, die ihrerseits Selbstbestimmungsrechte geltend machten. Die territorialen Fragen bezüglich Rumäniens faßte der Frieden von Bukarest im Mai 1918. Bulgarien und das Osmanische Imperium sahen sich hierin um den Lohn ihrer Mühen gebracht, denn die von beiden geforderte Dobrudscha (Trans-Danubien) blieb bei Rumänien, womit Rumänien Anrainer des Schwarzen Meeres blieb.
                        [1] Lenin lehnte die Organisation der Weltrevolution nicht vollends ab. Nach dem Marsch auf Rom glaubte er in der erstarkten Faschismus-Bewegung einen Helfershelfer zu erkennen, der den Bolschewiki gegen den Weltkapitalismus wertvolle Dienste würde leisten können, v.a. betonte er, daß die italienischen Kommunisten viel von den Fascista lernen könnten, was Organisation und Zielgerichtetheit bedeuten. Daß die italienischen Faschisten „keinen Wert [darauf] legten, demokratisch zu sein“ (Schmitt), war Lenin offenbar gleichgültig. Er betrachtete die Faschisten in etwa wie die Sozialdemokratie, als eine von bürgerlichen Elementen durchzogene Zwitterbewegung. Der Vorsitzende der Kommunistischen Internationale, Sinowjew, dagegen glaubte, daß die Faschisten eine gegenwärtige [1922] erfolgreiche Erscheinungsform des Kapitalismus seien und ebenso von den Kommunisten bekämpft werden müßten wie die Sozialdemokraten. (Protokolle des Vierten Kongresses der Kommunistischen Internationale. Petrograd/Moskau vom 5. November bis 5. Dezember 1922. Hamburg 1923. S. 57.)

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