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Krieg in der Ukraine II (Vertiefungsordner, Hintergründe, Aussichten)

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  • #16
    Erst der offene Brief von Alice Schwarzer, Konstantin Wecker, Dieter Nuhr und anderen bekannten Leuten gegen die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine. Dann die 'Antwort' von Herta Müller, Maxim Biller und Co. für die stärkere und massivere militärische Unterstützung der Ukraine durch Deutschland und den 'Westen'

    Beide gelesen, muß ich sagen, beide enthalten vieles, was ich unterschreiben würde. Und beide enthalten problematische Standpunkte, die ich nicht unterstützen würde.

    Ja, man darf und soll einem Angreifer Widerstand leisten, ein angegriffenes Land hat das Recht zur Verteidigung und es darf auch von Dritten unterstützt werden.

    Und ja, man kann auch der Meinung sein, dass die militärische Unterstützung ab einer gewissen Grenze als Kriegseintritt gewertet werden kann. Dass eine Abwägung von Risken, die zur Eskalation in Richtung WK III gehen, gleich als Appeasement und Kapitulation vor dem Aggressor denunziert wird, zeigt, wie gespalten und emotional die Debatte geführt wird.

    Ich habe auch keine eindeutige Patentlösung für den Ukrainekrieg. Aber etwas mehr kritische Reflexion und viel weniger Kriegsbegeisterung auf der einen wie auf der anderen Seite wären kein Fehler.

    Klar ist: Die BRD und andere Natostaaten sind längst Kriegsteilnehmer und es ist nur eine Frage der Zeit, bis Putin das als Vorwand für weitere militärische Eskalation nehmen wird.

    Und klar ist (für mich) auch, dass dieser Krieg wohl kaum durch Verhandlungen, sondern nur durch Sieg und Niederlage enden wird. Putin kämpft nicht gegen die Ukraine, sondern gegen eiine Allianz aus USA-Nato-EU. Die Ukraine ist nur das Schlachtfeld. Das hatte sich Putin wohl anders vorgestellt. Und in dieser Fehlkalkulation liegt das größte Risiko für eine Ausweitung des Kriegs bis hin zum WK III.

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    • #17
      Lesenswertes zum Thema Propaganda:
      https://www.spiegel.de/kultur/ukrain...5-2e30757a7492
      Was aber soll das Auftürmen immer neuer Wortkaskaden des Abscheus bewirken? Was erklärt, ordnet, bestimmt es, die Kriegsgewalt erst furchtbar, dann grausam, dann verbrecherisch, dann grauenerregend, dann abartig, dann alle menschlichen Maßstäbe sprengend zu nennen? Welchen Sinn hat es strategisch oder auch nur taktisch, Russland »Putin« zu nennen, eine Teufelsfigur für die Dummen und Angstvollen zu erfinden, das Zerfallen der Welt in Reiche des Guten und des Bösen zu konstatieren, wo doch in Wahrheit alles erfüllt ist von Widerspruch, Ungleichzeitigkeit, Differenzierung? Welcher Sog treibt es voran, die Feinde so lange einer vorbereitenden Propaganda für den Weltkrieg zu beschuldigen, bis die eigene Bevölkerung sich daran gewöhnt hat, ihn für unvermeidlich zu halten?

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      • aerolith
        aerolith kommentierte
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        Ja, das athmet ein wenig nach dem Geist des SPIEGELs aus frühreren Zeiten, den ich seinerzeit sehr mochte.
        Die politisch mächtige Kaste im Westen eskaliert, wie hier beschrieben, zuerst rhetorisch, dann mit finanzieller und militärischer Hilfestellung, um schließlich was tun zu müssen? Richtig, sie müßte eingreifen.
        Es sollte mich freuen, wenn dieser Text des SPIEGELs auch ein Umdenken in der SPIEGEL-Polit-Redaktion nach sich zöge. Ich glaube das allerdings nicht. Seit ich Wolin gelesen habe, weiß ich, daß es einen schmalen Meinungskorridor innert der kapitalistischen "Demokratie" gibt, den der SPIEGEL nicht verlassen wird. Man versteckt scheinbar vom mainstream abweichende meinungen als nicht weiter nach oben dringende Meinungen als essayistischen Aspekt unterhalb des medialen Wirkungsquantums, reibt sich selbstgerecht den Bauch und hetzt auf Seite 1 weiter.

    • #18
      Manche Dinge sind in diesem Krieg schon erstaunlich, vielleicht aber sind sie auch nur schlichtweg Folgen einer medialen und politischen Verwahrlosung.
      So macht es mich sprachlos, mit welcher Arroganz der ukrainische Botschafter auftritt und im Tone eines Besatzers Forderungen an die BRD-Regierung stellt. Er handelt so, als ob die Ukraine keinen Iota Schuld an der russischen Aggression trüge, als ob die Ukraine nicht selber seit beinahe zehn Jahren ohne Rücksicht auf zivile Verluste schweres Artilleriefeuer in die Separatistengebiete lanciere, so, als ob sie nicht insgeheim eine Fronststellung (mit Hilfe der USA) gegen Rußland aufgebaut hätten und und und. - Wäre ich Kanzler, hätte ich diesen Kriegstreiber schon längst aus dem Lande geworfen und von der ukrainischen Regierung eine andere Politik, eine Kehrtwende hin zur Erfüllung der Versprechen von Minsk erwartet.
      Die nächste Erstaunlichkeit befällt mich, wenn ich mir die Einhelligkeit anschaue, in der im Bundestag und in den ÖR der Krieg einseitig betrachtet und Einhelligkeit behauptet wird, was die Lieferung von schweren Waffen betrifft. Die Bundesdeutschen sind aber keineswegs einhellig in dieser Meinung. Sogar im Westen gibt es viele, die das nicht wollen (im Osten sowieso, weil wir sind hier immer für den Frieden), aber diese Meinung findet sich im öffentlichen Diskurs so gut wie nicht wieder. Demokratisch ist was anderes.

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      • #19
        Es ist vieles vielleicht gar nicht so erstaunlich, wenn man bedenkt, wer die Akteure in diesem Krieg sind und welche Interessen sie verfolgen. Und vielleicht noch gar nicht abzusehen, welche Folgen dieses Politikversagen auf allen Seiten für uns in Europa haben kann.

        Ukraine: bis vor kurzem galt dieses Land als durch und durch korrupter Staat, Lichtjahre entfernt von einer EU-Reife. Ein Staat, der den Westen wiederholt durch Drohungen, den Gastransit zu unterbrechen, erpresst hat, ein Land, das das Minsker Abkommen von Anfang an boykottiert und in den Separatistengebieten permanent Krieg geführt hat. Ein Land in dem Nazisöldner die Drecksarbeit für die Regierung erledigen und nun auch noch vom Westen mit Waffen beliefert werden. Dieses Schmuddelkind ist plötzlich durch die westliche Medienmaschine reingewaschen zum Hort der Verteidigung westlicher Werte mutiert und wird uns als Brückenkopf präsentiert, hinter dessen Ostgrenze die Barbarei, die Unmenschlichkeit in Form des 'Russen' zuhause ist.

        USA: die haben seit dem Zusammenbruch der SU und der Auflösung des WP nicht nur eine konsequente Osterweiterung der Nato betrieben, jegliche fragwürdige 'Unabhängigkeits- und Demokratiebewegungen' in und rund um Russland finanziert und befeuert, haben von Anfang an gegen NS2 intrigiert und agitiert - die Ankündugung, NS2 dürfe nicht in Betrieb gehen, haben wir nicht Ernst genommen; ich behaupte gar, NS2 war mit ein Grund für den jetzigen Krieg - und haben Angst vor einer Annäherung und Zusammenarbeit Russland-EU. Da war jedes Mittel recht, dies zu verhindern.

        EU: Ohne Worte. Trottelige Unterwerfungspiolitik gegenüber USA, Angsr vor der eigenen Souveränität und ein Politpersonal, das nichtmall für eine Provinzbühne reichen würde.

        Nato: Williger Erfüllungsgehilfe amerikanischer Interessen.

        Russland: Leider auch durch und durch korrupt, hat sich in Person Putins völlig verrannt, isoliert und kann kaum ohne Niederlage politisch und militärisch aus diesem Krieg herauskommen. Wirtschaftlich für Jahre sanktioniert. Dieser Krieg wrid entweder zum regime-change in Russland führen, ganz nach US-Wunsch oder eskalieren zu einem mindestens europäischen Krieg.

        Zu Melnyk ist nichts zu sagen, als dass er sein Land bestens repräsentiert: dreist, unverschämt in seinen Forderungen, auf Eskalation aus, weil man sich dadurch natürlich 'Vorteile' erhofft, militärisch und politisch. Der EU-Beitritt zum Nulltarif ohne Erfüllung jeglicher Kriterien, die für andere Kandiaten selbstverständlich, ist Ziel dieser Unverschämtheit. Und natürlich lässt sich die EU von diesen Leuten (Melnyk, Klitschkobrüder, Selensky) am Nasenring durch die Arena ziehen.

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        • #20
          finanzielle Folgen des Krieges
          Rußlands Wirtschaft organisiert sich um. Im Westen glaubt man an einen Zusammenbruch. Aber der ist nicht zu erwarten. Im Gegenteil. Der Rubel liegt in seinem Wert über dem Stand vom Vorkriegsabend. Die Inflation in Rußland ist zwar hoch, aber lange nicht so hoch, wie es von westlichen Analysten erwartet worden war. Die russische Wirtschaft paßt sich den neuen Bedingungen an. Russische Analysten glauben, das sei bis zum Ende des Jahres gelungen. Indien und China, zahlreiche afrikanische und südamerikanische Staaten wollen die Zusammenarbeit mit Rußland erweitern.
          Ich denke, vieles wird vom Ausgang des Krieges abhängen. Sollte die russische Armee ihre Ziele erreichen (Durchgang bis Mykolajew, Schutzzone um Donezk und Eroberung des Asowstahl-Werkes samt Tötung der dort verschanzten Soldaten und damit des Kerns der ukrainischen Armee), so dürfte das Rußland auch wirtschaftlich und finanziell stärken. Eine Niederlage würde nicht nur Putin so schwächen, daß er gehen müßte, sondern auch Rußland in eine tiefe Krise stürzen, dessen Folgen für die Welt unübersehbar wären - bis hin zum atomaren Krieg.

          Eines aber ist sicher, was die finanziellen Folgen des Krieges betrifft: der Dollar wird an Kraft verlieren. Viele Staaten, die bislang ihre Reserven in Dollar aufbewahrten, werden sich vom Dollar lösen. Das Einfrieren von russischen Milliarden und die beispiellose Beschlagnahme fremden Eigentums durch westliche Staaten hat das Vertrauen in den Dollar erschüttert. In den Euro wird sich auch niemand stürzen, denn die Politik der EZB läßt für die nächsten Jahre Schlimmes erwarten. Also werden andere Dinge an Wert gewinnen. Ich frage mich nur, welche. Bitcoin? Sieht im Moment nicht so aus, aber ich glaube, der wird sich wieder erholen und an Wert zulegen. Rohstoffe? Sehr wahrscheinlich. Aber wer kann so viel Gold horten?

          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: rubel_140522.png Ansichten: 0 Größe: 22,7 KB ID: 235


          Erklärung: Diese Graphik zeigt, wie viele Rubel man für einen € bekommt/bekam. Der Spitzenwert liegt in der Zeit kurz nach dem Krieg, als man 155 Rubel für einen € bekam. Inzwischen bekomt man nicht einmal 70 Rubel für einen €, Tendenz: weiter sinkend.

          erstellt von faz:

          Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba hatte Deutschland und die anderen G7-Staaten bei dem Treffen in Schleswig-Holstein gebeten, Gesetze zu verabschieden, um Vermögenswerte des russischen Staates zu beschlagnahmen und der Ukraine für den Wiederaufbau des Landes zur Verfügung zu stellen. „Wir sprechen über hunderte Milliarden US-Dollar in Europa“, sagte er. Russland müsse politisch, wirtschaftlich, aber auch finanziell für den Krieg bezahlen. In Europa werden unterdessen neben rechtlichen Schwierigkeiten auch politische Risiken gesehen. So wird befürchtet, dass Länder wie Russland und China in Reaktion auf Enteignungen ein alternatives internationales Finanzsystem aufbauen.

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          • #21
            Zitat von aerolith Beitrag anzeigen
            Sollte die russische Armee ihre Ziele erreichen (Durchgang bis Mykolajew, Schutzzone um Donezk und Eroberung des Asowstahl-Werkes samt Tötung der dort verschanzten Soldaten und damit des Kerns der ukrainischen Armee), so dürfte das Rußland auch wirtschaftlich und finanziell stärken.
            Eine Stärkung Russlands liegt nicht im Interesse der NATO. Die wird die Gebiete, die Russland erobert hat, nicht akzeptieren und auf ukrainische Gegenangriffe drängen. Ziel ist eine Schwächung Russlands.

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            • #22
              Ziel ist eine Schwächung Russlands.
              *Grins*

              Ziel ist die Ruinierung Russlands! Und Putin der Idiot ist den US-Imperialisten auf den Leim gegangen und hat die Ukraine angegriffen. Dümmer geht nümmer.

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              • #23
                Die Erklärung für die totale Verteufelung Putins dürfte im neoliberalen Weltblick der Medienschickeria liegen. Dieser totale Blick kennt keine Grautöne mehr, sondern weist Freund und Feind zu. Freund ist, wer dem Totalitätsanspruch der westlichen Zivilisation genügt oder genügen will; als Feind gilt der, der sich dem verweigert oder eine eigene Lesart des Lebens entwickelt. Am heftigsten werden diejenigen bekämpft, die Alternativen politisch durchsetzen wollen.
                Diese Erklärung, nennen wir sie einmal eine These, würde auch erklären, warum bei einer Parisituation in bezug auf die Belieferungspflicht die Medien beinahe einseitig diese Pflicht betonen und propagieren. Eine alternative Fragestellung verdient kein Halbes, also das Ganze, ein Ja.

                Ich glaube immer noch, daß der Krieg in etwa dem Zeitplan entspricht, den man sich in Moskau eben überlegt hat. Man kennt dort das Gelände und weiß, welche Verteidigungstaktik die Ukraine wählen würde. Es liegt auch nicht in der russischen Art, Blitzkriege zu führen, eher geht es langsam, aber beständig in die vorgegebene Richtung. Außerdem muß man bedenken, daß die Russen nicht eben für geniale Organisation bekannt sind. Das hat sich seit den Zeiten vom Krimkrieg 1855 auch nicht geändert, denke ich, wenn ich Tolstoi da glauben soll.
                Hier ist ein interessantes Video, in dem ein General erklärt, wie die russische Taktik aussieht und warum es eben so lange dauert, bis sich der Krieg entscheidet:

                https://youtu.be/hK-ud6twXFM?t=391

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                • #24
                  https://www.spiegel.de/ausland/mariu...f-e4943673efeb
                  Über Wochen hielten sie sich verschanzt – unter katastrophalen Bedingungen: Nun wurden rund 260 ukrainische Soldaten aus dem umkämpften Stahlwerk in Mariupol evakuiert. Busse brachten sie vom Gelände.
                  Die Berichterstattung ist eigenartig. Ein Teil der Truppen im Stahlwerk hat sich ergeben und sind jetzt Kriegsgefangene der Russen und die deutsche Presse redet von Evakuierung, oder davon, dass die ukrainischen Truppen das Asow-Stahlwerk verlassen hätten; mache fabulieren sogar von einer "Befreiung". Man vermeidet die Dinge beim Namen zu nennen. (Ausnahme ntv: Da wurde von einer Kriegs-Gefangenschaft der Kämpfer geschrieben.)

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                  • #25
                    Feindstaat Deutschland
                    Der Krieg in der Ukraine ist nicht der erste seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Bereits in den 1990er Jahren fand ein Krieg in Europa statt, auf dem Balkan. Dieser Krieg hatte die Auflösung Südslawiens zur Folge. Zählt man Georgien zu Europa, was die UEFA offenbar tut, so gab es sogar zwei Kriege vor dem itzigen. 2008 fand in Georgien ein erster Stellvertreterkrieg der USA gegen Rußland statt, weitere folgten, nun der in der Ukraine.
                    Der Krieg in der Ukraine begann spätestens 2013 mit dem Maidan-Aufstand gegen das korrupte Regime in Kiew. Mit dem Aufstand wurden Leute an die Macht gespült, die alles andere als demokratisch dachten und nach westlichen Vorstellungen als Faschisten, bestenfalls als Extremnationalisten gelten müssen. Diese Leute wurden vom Haß gegen alles Russische getragen. Sie verboten dementsprechend alles Russische in einem Land, das sich zur Hälfte aus Russen zusammensetzt. Bürgerkrieg. Im Osten und Südosten (wie die Ukrainer die Separatistengebiete Donbaß und Krim gern nennen) erhob man sich, wollte nicht von Kiew aus regiert werden, weil das Tod und Unterdrückung bedeutete.
                    Die USA erkannten die günstige Situation - böse Zungen behaupten, sie hätten schon den Maidan organisiert -; Joseph Biden sagte 2014, man wolle Rußland ruinieren, wenn es sich nicht den westlichen Kapitalinteressen öffne. - Nun, das ist nicht neu, diesen Kampf führt die USA schon 120 Jahre. Minimum. Und nicht ganz exakt. Man führt den Kampf gegen das Reich, gegen den europäischen Mittelstaat, dessen Intelligenz und Entwicklungsverständnis zusammen mit den russischen Rohstoffen die Hegemonie der USA beenden würde. Nun hat man die BRD im Sack, dort regt sich kein Widerstand mehr gegen die amerikanische Hegemonie. Also geht es nun gegen Rußland. Nichts weiter ist dieser Krieg.
                    Aber die Russen sind nun auch nicht schlau. Warum greifen sie auch an? Gab es keine andere Möglichkeit?

                    Aber dazu morgen mehr. Ich habe eine interessante Diskussion in Bärlin verfolgt, die ich morgen hier wiedergeben und kommentieren möchte.


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                    • #26
                      Sag ich ja, der Krieg in der Ukraine ist ein Krieg USA-Russland. Was Biden 2013 sagte, wiederholte Bärbock 2022: Man will Russland ruinieren, damit es den US-Kapitalinteressen in den Schoß fällt wie eine reife Frucht. Oder eine faule.

                      Es bleibt allein die Frage, warum Putin sich zu einem Angriff hinreissen ließ - was den Interessen der USA zu 100% entgegenkommt. War es Fehleinschätzung, Selbstüberschätzung, Dummheit oder Verzweiflung?

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                      • #27
                        Der angekündigte Bericht von einer Konferenz am 9. Mai in Bärlin. Eine linke Konferenz, also eine wirklich linke Konferenz, die den Namen auch verdiente. Da kamen keine Salonlinken zusammen, sondern Leute, die den Marxismus zur Lebensmaxime gemacht haben und die dennoch in vielen Dingen sehr unterschiedlicher Meinung sind. Das ist auch gut so. Ich bin nun kein Marxist, aber ich respektiere den schneidigen Verstand einer Marxistin wie Sahra Wagenknecht, der immer wieder gute Analysebefunde generiert, allerdings keine Lösung für Lebensfragen bereithält. Deshalb betrachte ich die Konferenz auch nicht als Hort für Lösungen, wohl aber als einen, der die Situation gut erklärt. Und das ist ja wohl der Anfang von allem, ein Analysebefund.


                        Huth (jw) thematisiert die Uneinigkeit in der Friedensbewegung. Er fragte, warum viele Sympathisanten der Friedensbewegung die Seiten wechselten und sich für den Krieg entschieden, indem sie nicht nur die Ukraine in ihrem "Verteidigungskrieg" unterstützten, sondern sogar Waffenlieferungen befürworteten.

                        Kommentar: Der Grund liegt in dreierlei: 1. Das Herz des Menschen schlägt in neun von zehn Fällen für denjenigen, der angegriffen worden ist. 2. In der Geschichte hat sich Rußland gegenüber seinen (kleineren) Nachbar- und Brudervölkern nicht eben zurückgehalten. Auch für die Ukraine besteht ein panslawischer Ansatz, den Putin auch nicht verhehlt. Im Zeitalter postnationalistischer Erregung gerade bei den in den letzten Jahrhunderten nicht zur Blüte gekommenen Völkern besteht im Westen so etwas wie ein Beschützerinstinkt, auch gegenüber den Ukrainern. Verdrängt werden deren faschistoide, antisemitische und nationalistische Strukturen, die gegenüber dem russischen Imperialismus als akzidentiell wahrgenommen werden. 3. Die bundesdeutsche/westliche Propaganda läßt russische Argumente nicht durch. Viele belassen es beim dogmatischen Blick auf die Ereignisse und werden durch schreckliche Bilder (plus deren oberflächliche und vorschnelle Auslegung), die jeder Krieg nun einmal erzeugt, immer wieder bestätigt.

                        Kaya (DIDF-Jugend) betonte den Uniformierungsdruck durch die Staatsorgane und die Jugendorganisationen der staatstragenden Parteien, die steigende Preise, Aufrüstung und den Verlust von Arbeitsplätzen als Opfer für die Freiheit verkauften und letztlich eine Form solidarisches Handeln von den Jugendlichen verlangten, was diese gern annähmen. Das könne auch gelingen, weil die Friedensbewegung einen großen Fehler gemacht habe und den Krieg Rußlands gegen die Ukraine nicht als imperialistischen Raubkrieg verurteilt habe.

                        Kommentar: Das ist richtig. In der Friedensbewegung gibt es keine klare Ablehnung des Krieges, nur partielle. Ich glaube, man befürchtet, hier allzusehr ins politische Fahrwasser der AfD zu gelangen, die selber Schwierigkeiten damit hat, den russischen Angriff klar zu verurteilen, zugleich aber auch Waffenlieferungen abzulehnen. Der ihr gemachte Vorwurf des wirklichkeitsfremden Pazifismus liegt der AfD (jedenfalls ihren westlichen Landesverbänden und den auf Lobbyismus hinarbeitenden Vertretern des Straff-Militaristischen) schwer im Magen und wird die Partei noch zu einer Zerreißprobe bringen, wenn das nicht bald ausgeräumt wird. Die LINKE ist daran bereits zerrissen.

                        Köbele (DKP) widersprach Kaya und betonte statt dessen, daß es zwischen Rußland und dem Westen (NATO) keineswegs gleichlautende imperialistische Ziele gäbe. Es sei die BRD, die Rußland zur Rohstoffquelle machen wolle. Die russischen Interessen seien diesem Monopolkapitalismus gleichgültig. Man müsse in der Friedensbewegung klar erkennen, wer der Hauptgegner sei, das sei nun einmal der imperialistische Staat namens BRD. Der Hauptaggressor sei die NATO, Rußland habe nur reagiert. Der systemische Widerspruch liege zwischen der USA/BRD und China. Die USA brauchen eine hochgerüstete BRD, um für den kommenden Krieg gegen China vorbereitet zu sein. Das bedeutet auch, daß die deutsche Arbeiterschaft fügig gemacht werden müsse. Schon deshalb werde jeder Antiimperialismus und Antifaschismus als prorussische Kriegsunterstützung diffamiert.

                        Kommentar: So eine Sicht übt auf mich Verschwörungstheoretiker eine ungeheure Anziehung aus, aber ich widersetze mich. Es liegt im deutschen Interesse, mit Rußland Frieden zu halten. Es liegt im russischen Interese, mit Deutschland enge Beziehungen zu pflegen. Wir können einander sehr befruchten. China, Indien und Rußland passen nicht zusammen. Die Unterschiede sind einfach zu groß, da bleibt nur ein Nebeneinander. Aber wir und Rußland - das paßt in vielerlei Hinsicht zusammen. Der Hauptgegner einer solchen Allianz wäre Amerika. (Aber warum soll man mit Amerika nicht friedlich koexistieren können?) Geht wohl nicht. Ergo: Hauptgegner sind Britannien und Amerika. Die wollen keine deutsch-russische Brüderschaft. Die BRD, sofern möchte ich Köbele aber zustimmen, ist der Handlanger der USA. Deutschland aber ist es nicht. Das muß man unterscheiden. - Doch da die Mehrheit der Deutschen lieber mit Amerika/Britannien statt mit Rußland,zusammengeht, hat das alles sein Richtigkeit. Achtpanther gäbe an dieser Stelle sein Bonmot der der Scheiße, die schmecken muß, weil sich Millionen Fliegen nicht irren können.

                        Huth (jw) ging darauf nicht ein, arbeitete sich statt dessen an dem Verhalten der Liberalen ab. Er kritisierte, daß auch die Linksliberalen vollends auf NATO-Kurs umgeschwenkt seien, was man u.a. am Tonfall in der ZDF-Sendung "Die Anstalt" bemerken könne. Vor Jahresfrist war diese Sendung noch auf Friedenskurs, nunmehr bediene sie die Kriegsrhetorik.

                        Kommentar: Das mit dem ZDF kann ich nicht beurteilen, weil ich das ZDF nicht schaue. Das mit den Liberalen verwirrt mich. Seit wann ist die FDP nicht auf Westkurs? Ich glaube, in den 1960ern Jahren haben sie ihren großdeutschen Impetus aufgegeben.

                        Witt-Stahl ("Melodie & Rhythmus") bestätigte, daß es eine Zeitenwende gebe. Die Bundesregierung liege richtig mit dieser Lageeinschätzung. Die BRD stehe mit einem Bein im Krieg, also habe die Regierung auf krisenmodus umgeschaltet, den Korporationsgeist der Öfentlichkeit beschworen (Burgmentalität), was für die Künstler und anderen Öffentlichkeitsarbeiter bedeute, daß sie sich diesem Geist unterzuordnen hätten. Die Medien seien die Cheerleader dieses Einhelligkeit zu schaffenden Uniformismus.

                        Kommentar: Das könnte ich als zutreffend bezeichnen, wenn diese Tendenz des engen Meinungskorridors nicht schon seit wenigstens 2015 bestünde.

                        Lühr Henken (Friko) lenkte das Bewußtsein auf die Gewaltspirale, die drohende Eskalation, zuder sich die eine oder andere Seite veranlaßt sehen könnte. Rußland als Atommacht dürfe das Gesicht nicht verlieren. Er erinnerte an die Worte des amerikanischen Präsidenten, der aus Rußland einen Pariastaat machen wolle. Die Ukraine sei genau das, was die USA dafür brauchten, denn man könne in der Ukraine Hyperschallraketen stationieren, die in fünf Minuten Moskau erreichten. Die BRD diene als Kommandozentrale, Wiesbaden. Damit seien die Kriegsziele markiert.

                        Kommentar: Das ist wohl so und Teil imperialistischen Machtverhaltens. Solange die BRD vertraglich an die USA gekettet ist und fremde Truppen mit Atomwaffen und anderem Netten Gerät auf ihrem Territorium duldet/dulden muß, wird sich am Verhalten der Amerikaner gegenüber Europa auch nichts ändern. Aber es gibt keine Sicherheitsalternative, also wird es wohl so bleiben. Außerdem ist es mehrheitlich von den Bundesdeutschen so gewollt. Machen wir uns da nichts vor.

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                        • #28
                          Lohnt sich anzusehen. So einen scharfsinnigen Kommentator politischer Ereignisse haben wir leider nicht mehr.
                           

                          Kommentar


                          • #29
                            Solche Stimmen der Vernunft und des Realismus sind heute nicht gefragt. Der Informations-Müll, den die ÖR und die meisten kommerziellen Medien täglich auf uns schütten, lässt einen klaren Blick kaum mehr zu. Der Mann weiß, wovon er spricht, die Info-trash-call-böys-and-girls von Lanz bis Will, von Plasberg bis sogar Phoenix-Runde - habe ich früher geschaut, schon lange nicht mehr - wissen ja gar nicht worüber sie reden und reden lassen.

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                            • #30
                              Zitat Streusalzwiese

                              So einen scharfsinnigen Kommentator politischer Ereignisse haben wir leider nicht mehr.

                              Kopiert aus dem Wolkenstein Forum:https://forum.vonwolkenstein.de/foru...ssichten/page2

                              Kann man so nicht sagen...schließlich erzählt er hinsichtlich der Ukraine nichts anderes...als das...das ich hier seit Wochen und Monaten....und hinsichtlich Syrien seit Jahren erzähle.

                              Scholl-Latour kann sich das erlauben...denn er steht schon alleine aufgrund seines Alters über den Dingen...muss sich nicht anpassen...nicht mehr ein oder unterordnen. In der BRD sind sie doch inzwischen alle Opportunisten. Haltung zählt nicht mehr...es reichen Likes.

                              a.d.

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