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Karl May: Friedenskämpfer, Nationalist und Schundler

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  • Karl May: Friedenskämpfer, Nationalist und Schundler

    Wer las ihn nicht gerne? Meist lasen ihn Jungs. Die männliche Entsprechung zu Ebner-Eschenbach oder Courths-Mahler.
    May, ein Autrodidakt ohne akademische Ausbildung, ein Betrüger, ein nKnasti, einer, der es sich lange gefallen ließ, als Weltenbummler zu gelten, derweil er "nur" Reiseberichte Fremder zu kolportieren wußte. Ich glaube, kurz vor seinem Tod bereiste er die Schauplätze, die er mit fiktiven Handlungen zu füllen verstanden hatte, und erkannte, wie nah seine Phantasie an der Wirklichkeit gewesen, kehrte heim, um fortan als Pazifist in einer Zeit zu wirken, die Hurrapatriotismus für eine Medizin hielt. Lebensverlängernd. Allerdings war das ein Irrtum. Wie so vieles von dem, was Karl May dachte und beschrieb. Vieles aber bleibt auch in Erinnerung: sein Humanismus, den er gegen den Zeitgeist auch bei "Wilden" fand; die Fundamentalkritik des Kapitalismus, die ihn das plutokratische Geldmachen der puritanischen Yankees verurteilen ließ und sein geradezu pietistische Frömmigkeit, die obzwar ein wenig eifernd doch immer jeden Menschen als eine Idee Gottes begreifen ließ, zugleich aber auch nur gute/schlechte Menschen kannte, wenig dazwischen.
    Was ich als Kind verschlang, findet heute keine Gnade mehr vor meinem Urteil. Ich las kürzlich wieder mal eines seiner Werke, aber es watr mir zu langathmig, zu vorhersehbar, zu platt . May ist einer, der seine Zeit hatte und vielleicht noch hat. Man weiß wirklich nicht, wie so eine Kinderseele tickt, was sie aufnimmt, was sie verwirft.

  • #2
    https://www.tagesschau.de/kultur/win...urger-101.html
    Wegen "verharmlosender Klischees" hat der Ravensburger Verlag den Verkauf mehrerer Kinderbücher zu dem Film "Der junge Winnetou" gestoppt. Die Entscheidung löste Unverständnis aus, fand aber auch Zustimmung.
    Die Verlage knicken vor den Woken ein. Woher kommt diese Verzagtheit?

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    • #3
      Wie ich schon andernorts schrieb, kann ich das nur noch als völlige Skurrilität bis zur Vertrottelung einstufen. Was ist bloß los in diesem Land? Unter dem dämlichen Begriff 'kulturelle Aneignung' kannst du alles und jedes diffamieren und denunzieren. Ich habe dutzendweise Karl May gelesen und fand dort immer - sehr romatisch und naiv-christlich verklärt - viel Sympathie für die Indianer (darf man auch nicht mehr sagen) und immer ein Ethos des 'das Gute siegt am Ende'. Über den literarischen Wert von Mays Massenschreiberei kann man durchaus streiten, sie als 'rassistsich' und 'kolonialistisch' zu diffamieren, ist nur noch dämlich. Schwachsinn und bösartige 'cancel culture' haben endgültig die Oberhoheit im medialen Diskurs übernommen. Was ist da los?

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      • #4
        Ich empfand die Winnetou-Romane immer als Paradebeispiel für die Verbindung von Bildung (hier Ethikunterricht) und Unterhaltung, ich war gerade 10, als die Winnetou-Bücher in der DDR wieder verkauft wurden (die waren bis dahin irgendwie nicht gewünscht/verboten/was auch immer >>> Robert, übernehmen Sie 😎), alle Kids in meiner Altersklasse verschlangen die Bücher geradezu und alle wollten solche ehrenwerte Personen wie Winnetou und Old Shatterhand sein. Selbst die Mädchen spielten bei den Cowboy und Indianerspielen am Pechauer Platz mit. Irgendwelche negativen Auswirkungen? Allein der Gedanke maßt lächerlich an!

        Sicher sind die literarisch gesehen kein Meisterwerk, aber darum geht bei bei Belletristik nun mal nicht fordergründig, sondern um unterhaltung, um Ablenkung und darum, den Leser aus dem „hier und jetzt“ zu reißen und mit in eine imaginäre Welt zu entführen. Ich finde, das ist bei ganz wenigen Büchern in meinem Leben so gut und nachhaltig gelungen wie bei Winnetou!

        ich habe gesprochen, Hough!

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        • #5
          Über Mays literarische Qualitäten braucht man nicht streiten. Es ist Unterhaltungsliteratur, Jugendliteratur, nur aus ihrer Zeit heraus zu verstehen. Um es mit Udo Jürgens zu sagen: Unterhaltung mit Haltung. Die heutigen Kids werden ihn kaum noch lesen, zu lang, zu weit weg von ihrer heutigen Realität. Wildwestromantik ist heute kaum noch attraktiv. Apropos Wildwestromantik, bevor man Mays Schmöker aus den Regalen verbannt, sollte man mal auf die unzähligen Hollywoodschinken zum Thema ein Auge werfen. Mehr Klischee, mehr Geschichtsklitterung, mehr Verzerrung des Indianerbilds geht nicht. Ausnahmen bestätigen nur die Regel. Der weiße Mann - hier wird er in seiner abstoßendsten Form als Held, Pionier, Freiheitskämpfer gefeiert. John Wayne steht idealtypisch für diese Figuren und wurde zum Idol und Star. Da könnten unsere Abkanzeller mal aktiv werden.

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          • #6
            Also ich hatte ja seinerzeit auch zuerst die May-Filme mit Pierre Brice und Lex Barker gesehen. Danach wollte ich unbedingt auch die Bücher lesen! Zumindest, wenn du das in der Reihenfolge machst, kriegst du auch heutige Kinder dazu, die Bücher zu lesen. Sollte man allerdings recht frühzeitig tun, ehe sie mit gangsterrap, modernen Action-B-Movies und call of duty versaut werden 😎

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            • #7
              Die Romane vom jungen Winnetou verteufeln...während man fast zeitgleich die Wagner-Festspiele feiert...das ist nicht mehr zu vermitteln. Auffällig, dass es sich bei fast allen Verboten um Kultur fürs gemeine Volk handelt, während die Eliten ihre zwielichtigen "Helden" weiterhin feiern dürfen.

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              • #8
                Ja, Gast (bitte das nächste Mal eine wiedererkennbare Selbstbenennung nutzen), stimme Dir zu. Besonders gravierend empfand ich kürzlich eine beiläufige Erklärung einer linken Feministin im DLF (Klassik, Pop etc.), die von Wagner schwärmte, zugleich aber differenzierte: Zwar (sic!) sei Wagner ein unsäglicher Antisemit und Frauenfeind gewesen, aber seine Musik sei doch wunderbar. Dann spielte sie die Todesszene Isoldes.

                Mein Kommentar: Widerlich! Wagner war kein Frauenfeind. Er liebte seine Cosima und hätte wohl kaum herrliche Texte und Musiken geschrieben, wenn er Frauen gehaßt hätte. Daß er Antisemit war, hatte v.a. ästhetische und antimodernistische Gründe: Wagner haßte den Zeitgeist seines Zeitalters, den er vor allem von jüdsichem Plutokratismus affiziert zu erkennen glaubte. Er war gewissermaßen ein Linker. Er war kein Freund des Nationalismus, den er als eine Depravation des LIberalismus begriff, den er auch nicht mochte. Demokratismus und Nationalismus waren für ihn die Kehrseiten von Sozialdemokratie und Liberalismus. (Allerdings war Wagner ein komplexer Charakter: Er stand auf den Barikaden 1848, allerdings nicht, um Demokratie oder Kapitalismus durchzusetzen, sondern im Sinne einer Volksherrschaft, wie sie dem Kern des Wortes nach Bedeutung haben soollte, was etwas anderes ist als die demokratiziden Formen, die man seinerzeit aus Frankreich oder Amerika kannte. Tocqueville war schon bekannt.) All das zog Nietzsche magisch an. Doch als Nietzsche Cosima nicht für sich gewinnen konnte und er in Wagner eine verheidete Rückverdrehung zum Christentum mutmaßte, trennte er sich geistig von Wagner, der am Ende seines Lebens eine merkwürdige Wendung zu einem auf Königtum, Sozialismus und germanischem Christentum basierenden Wertesystem lebte. Das ist so ungefähr das Gegenteil von postmodernem Feminismus und Gendergaga. Es ist also kein Wunder, daß genau diese Leute Wagner "lieben". Sie haben seine Inhalte, die von seinen Texten weder ästhetisch noch dramaturgisch zu trennen sind, nicht verstanden, aber man trifft sich ja im Sommer in Bayreuth.

                Dumpfbacken.

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                • #9
                  Vorab, ich finde Wagners Musik grässlich, bizarr, bombastisch, fast immer langweilig bis öd. Aber das ist bekanntlich Geschmacksfrage. Ansonsten halte ich ihn für einen Egomanen, weiß aber zu wenig, als dass ich mir so ein Urteil erlauben dürfte. Ein sympathischer Zeitgenosse war er jedenfalls nicht.

                  May - Wagner, das ist wie McDonalds und ein 4-Hauben-Tempel. Oder anders, May für den Pöbel, Wagner für die Elite. Bei McDonalds weisst du, was du kriegst, im Haubenkobel wirst du beschissen, fühlst dich aber super dabei, überlegen und ganz oben angekommen.

                  Wenn ich die Wahl habe, einen Mayschinken zu lesen oder eine Wagneroper zu hören, dann steht mein Entschluß von vornherein fest. Dreimal darfst du raten.

                  Sorry, ich muss mich korrigieren. May mit McDonalds gleichzusetzen, ist eine Beleidigung für den Sachsen. Ich nehme alles zurück und verorte ihn irgendwo zwischen bürgerlicher Küche und Hausmannskost mit einem Schuss Fast-Food.
                  Zuletzt geändert von eulenspiegel; 25.08.2022, 10:00.

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                  • #10
                    Der Großvater von Winnetou war Rousseau. Denn der hat die Figur des "edlen Wilden" popularisiert. Den edlen Wilden hat es nicht in der Realität gegeben. Rousseau wollte unsere Zivilisation kritisieren und brachte den Menschen im Naturzustand gegen den verkommenen Europäer in Stellung. Karl May hat dieses romantisierende Bild übernommen.

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                    • #11
                      Zitat von eulenspiegel Beitrag anzeigen
                      Vorab, ich finde Wagners Musik grässlich, bizarr, bombastisch, fast immer langweilig bis öd. Aber das ist bekanntlich Geschmacksfrage. Ansonsten halte ich ihn für einen Egomanen, weiß aber zu wenig, als dass ich mir so ein Urteil erlauben dürfte. Ein sympathischer Zeitgenosse war er jedenfalls nicht.

                      May - Wagner, das ist wie McDonalds und ein 4-Hauben-Tempel. Oder anders, May für den Pöbel, Wagner für die Elite. Bei McDonalds weisst du, was du kriegst, im Haubenkobel wirst du beschissen, fühlst dich aber super dabei, überlegen und ganz oben angekommen.

                      Wenn ich die Wahl habe, einen Mayschinken zu lesen oder eine Wagneroper zu hören, dann steht mein Entschluß von vornherein fest. Dreimal darfst du raten.

                      Sorry, ich muss mich korrigieren. May mit McDonalds gleichzusetzen, ist eine Beleidigung für den Sachsen. Ich nehme alles zurück und verorte ihn irgendwo zwischen bürgerlicher Küche und Hausmannskost mit einem Schuss Fast-Food.
                      Ja so würde ich das auch einordnen. May ist gute alte Hausmannskost: einfach, aber lecker und sättigend. Wie ein Leberwurstbrot oder eine Linsensuppe mit Butterstulle oder Omas Hackbraten. Im Grunde das Gegenteil von Designerfood, das zwar toll aussieht und klingt, auch durchaus Gaumenfreuden auslösen kann, aber eben auch nur für den Moment. Aber weil man weiß, dass das nur mal ein Abenteuer ist und kein Standard und auch nicht wirklich sättigt, bleibt es doch nur ein Randerscheinung 😎 Am Ende kommt man doch immer wieder zur Lebberwurschtbemme zurück 😎

                      btw: ich hatte mir 2020 in der Coronapause mal wieder die drei Bände einverleibt und muss sagen: es geht doch nichts über eine Linsensuppe und ein Butterbrot dazu 👌😎
                      Zitat von Streusalzwiese Beitrag anzeigen
                      Der Großvater von Winnetou war Rousseau. Denn der hat die Figur des "edlen Wilden" popularisiert. Den edlen Wilden hat es nicht in der Realität gegeben. Rousseau wollte unsere Zivilisation kritisieren und brachte den Menschen im Naturzustand gegen den verkommenen Europäer in Stellung. Karl May hat dieses romantisierende Bild übernommen.
                      Mmmhhh, ob es den „edlen Wilden“ in der Realität nicht gab, wage ich zumindest zu bezweifeln. Sitting Bull soll schon so einer gewesen sein und könnte durchaus auch Vorbild für Winnetou gewesen sein.

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                      • #12
                        Zitat von WirbelFCM

                        Mmmhhh, ob es den „edlen Wilden“ in der Realität nicht gab, wage ich zumindest zu bezweifeln. Sitting Bull soll schon so einer gewesen sein und könnte durchaus auch Vorbild für Winnetou gewesen sein.
                        Das Bild, das wir von Sitting Bull haben, ist sicher verklärt.
                        Tragisch finde ich, dass er in Buffalo Bills Wild West Show auftrat. Ausgerechnet in der Show eines Typen der Indianer bekämpfte und ihnen die Lebensgrundlage entzog, indem er er tausende Bisons abknallte.

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                        • #13
                          Die Farce um die Karl May-Bücher ist ein perfektes Beispiel wie ver-rückt die ganze Gender- und Rassismusdebatte inzwischen geworden ist. Was anfänglich gut gemeint und sogar gut war, ist inzwischen nur noch ideologisch aufgeheizt, skurril und abstrus. Mit Schlagworten wie 'kulturelle Aneignung', Rassismus, Klischee, xxxx-feindlich (für x von A wie Amerika bis z wie Zuwanderung) wird heute alles niedergeknüppelt, was nicht ins zeitgeistige Disziplinierungsregime passt. Im Namen von Feminismus, Antirassismus, Genderismus, Diversität etc. wird mindestens genauso viel und heftig diskriminiert, ausgeschlossen und ab-gecancelled, wie den Gegnern unterstellt wird. Aus Klassenkampf wurde Phrasenkampf. Und wie wir wissen, werden aus Worten irgendwann mal Taten.

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                          • #14
                            Aus klassenkampf wurde phrasenkampf
                            zitat des tages 👌

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                            • #15
                              Witzige Diskussion, die mal wieder zeigt, auch zeigt, wie sehr sich mancheiner von anderen in seiner Meinungsbildung beeinflussen läßt. Mir ist das alles wurscht: ich sage Neger, Eskimo, Winnetou oder Inselaffe, wenn ich entsprechende Leute meine. Rassistisch? Wie denn? Ja, ich weiß, es hat eine abwertende Funktion. Nein, nicht immer. Mancheiner legt diese Wertung hinein, weil er selber so denkt. Wenn ich jemanden abwerten will, dann sage ich: Bergaufbremser, St.-Pauli-Anhänger oder Vollpfosten. Rassistisch? Ja, ne, is klar. Jede Beleidigung ist dann rassistisch. Das nenne ich Soloecismus.

                              Schöner Kommentar heute von einem Sioux:

                              erstellt von jf:
                              "Ich bin auf Winnetous Seite. Ich unterstütze seine Geschichten und bin verärgert, daß man versucht, ihn auszuradieren", meinte Robert Alan Packard vom Stamm der Sioux am Donnerstag verständnislos und auch ein bißchen wütend. Er fühle sich weder herabgewürdigt, noch könne er bei dem Thema Rassismus erkennen. Die heutigen amerikanischen Ureinwohner wüßten nicht einmal wer Karl May ist.
                              Jo, so sind's, die alten Indianersleut.

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