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    Ich oute mich jetzt mal wieder als unverbesserlicher Pessimist. Oder unbestechlicher, hellsichtiger Realist, wie ich sagen würde. Jedenfalls als total aus der Welt gefallen. Die ist mir schon lang abhanden gekommen. Meine Mitmenschen werden das andersrum sehen. Ich wäre der Welt abhanden gekommen. Ein Geisterfahrer gegen den Zeitgeist. Und der ist in Zeiten von Energiewenden, Ukrainekrieg, Pandemiehysterie und Genderei doch irgendwie aus den Fugen, wie ich meine. Und ich bin nicht in die Welt gekommen, ihn wieder einzurichten. Bin also eine Art invertierter Hamlet. Ein passiver, untätiger Held. Aber worum geht es hier eigentlich?


    Wenn ich das wüsste. Ich beobachte ja nur. Schlüsse ziehen ist so eine Sache. Eine Sache für Durchblicker, Hätte-ich-dir-gleich-sagen-können-Typen. Ich aber weiß es immer erst hinterher. Und das nicht immer. Also ich reib mir die Augen und beobachte Scharen aufgeregt gackernder Hühner vorallem in deutschen und österreichischen Vor- und Hinterhöfen, ja selbst in den Hochhöfen der Entscheider und Verantwortungsträger*innen herrscht eine fiebrige Erregung als ginge es jetzt ums Ganze. Von Zeitenwende ist die Rede und von Energiewende und wenn nicht, vom Ende. Wende oder Ende, Wende ohne Ende, Ende ohne Wende. Endlich Ende mit Abhängigkeit von russischen Fossilien, egal ob Gas, Kohle oder Öl. Wendezeit ist Endzeit. Als wären wir schon in Armageddon angelangt. Vielleicht sind wir das ja auch, den Evangelisten Johannes können wir nicht mehr befragen. Und sein Chef schweigt überhaupt seit Unzeiten. Was für eine verlotterte Führungskultur. Keine Leadership, nicht mal eine e-mail zu Weihnachten von dort oben. Wo war ich? Ach Wende, ja, von nun an Wende ohne Ende, Wende der Zeiten zum Guten. Endgültig und fortwährend. So verkünden es die grünen Engel, energetischen Mut- und Saubermacher. Raus aus Kohle, raus aus Öl, raus aus Gas. Rein in Erneuerbare. Was die Physiker für unmöglich halten, das schaffen unsere Energiewendehälse mit ein paar Gesetzen und Verordnungen: Energie ohne Ende fällt praktisch vom Himmel. Jeder Sonnenstrahl ein Stromstoß. jeder Windhauch ein Watt. Und wenn das nicht reicht, destillieren und fermentieren wir Biomasse zu Biosprit und Biogas. Gibt ohnehin genug Schadholz und Stroh, Gülle und Scheisse. Und wo einst Wälder standen, pflanzen wir Mais und Raps. Das verstromen wir und die Energiewende schafft Energie ohne Ende.


    Spaßbremse, die ich bin, stell ich mir schon mal die grüne Wunderwelt vor. Nicht weniger, sondern noch mehr Autos verstopfen mehr und mehr in die Landschaft gestanzte Straßen und Autobahnen. Aber das macht ja nix. Denn das sind ja alles grüne Autos, also energetisch. Weil die fahren mit Strom oder Wasserstoff. Oder in ferner Zukuft solarbetrieben oder überhaupt aus dunkler Energie gespeist oder mit Warpantrieb. Nichts ist unseren grünen Männchen, Weibchen und Diversen unmöglich. Merk dir das alter, weißer Miesmacher.


    Ich stelle mir weiter vor, wie statt Bäumen lauter kleine und große Windräder in der Gegend herumstehen, auf festen Betonfundamenten, mit lustig im Wind sich drehenden Flügeln, voll verkabelt und grün gestrichen und unablässig Strom generierend. Also, wenn der Wind will. Und diese Windkraftplantagen sehen aus wie Wälder, nur viel praktischer und nützlicher. Kein Borkenkäfer nagt an ihnen, die brauchen keinen Regen, fürchten keinen Sturm - im Gegenteil, überhaupt sind sie vollkommen schädlingsresistent, kein Laubfall im Herbst, immergrün, frostfest, hitzebeständig und biologisch abbaubar. Neigt sich der Lebenszyklus so eines Windrads mal seinem Ende zu, dann kommt ein großer Kran angefahren, hebt das ganze Perpetuum mobile auf einen Transporter, der bringt das zum Biohof, wo das sein Lebtag so emsig Strom spendende Faktotum zerlegt, gehäckselt und auf einer speziellen Halde zu bestem Humus kompostiert wird. Tja, ganz schön clever unsere grünen Erdmännchen. Und Weiblein natürlich. Die Diversen auch nicht vergessen!


    Weiters sehe ich der schönen, neuen, grünen Traumwelt unübersehbare agrifotovoltaische Anlagen, die gleichsam die Dreifaltigkeit der Grünlichkeit repräsentieren: tausende Hektar bedeckende Fotovoltaikpaneele, der ungetrübt vom inzwischen auch grün gewandeten Himmel dauersengenden Sonne zugewandt, spenden grünen Strom, darunter, durch die fotovoltaischen Schirme vor Sonnenbrand geschützt, glückliche Hühner, Schafe, Rinder, Schweine, pickend, grasend, wühlend, grünes Bio-Fleisch produzierend. Die Weiden und Wiesen bewässert aus Meerwasserentsalzungskombinaten, die wiederum vom grünen Strom aus den PV-Anlagen gespeist, nunmehr Süßwasser aus unterirdisch verlegten Bewässerungsnetzen an die Wurzeln der Gräser pumpen, die unsere lieben Viecher ernähren. Der immergrüne Kreislauf ist geschlossen. Das Ökoparadies auf Erden geschaffen. Strom, Wasser, Fleisch ohne Ende. Und das nachhaltig, erneuerbar und bio. Heiliger Pater Bio!


    Mancherleine wird mich jetzt fragen, und was iss, wenn keine Sonne scheint, Nacht ist, Flaute herrscht und überhaupt alle Windräder still stehen und alle Fotoplatten im Dunkeln verharren? Kein Problem, unsere grünen Alleskönnerleins und Wunderwuzzileins haben auch daran gedacht. Sie speichern den in Sommermonaten und windigen Zeiten überschüssig produzierten Strom einfach in riesigen, natürlichen Speichern. Also nicht in Batterien und Akkus, die brauchen wir eh für die Mobilität, da bleiben kein wertvolles Element wie Kobold oder noch so seltene Erden übrig. Alles wird verwertet. Für die großflächige und großtechnische Speicherung der erneuerbar gewonnenen, grünen Energien ist uns kein Hindernis zu hoch, keine Mühe zu groß und keine Idee zu gewagt. Wir pumpen Kubikkilometer Wasser, egal ob süß, sauer oder salzig hoch in die entlegensten Bergregionen. Platz ist da ja genug, da die Gletscher ohnehin alle geschmolzen. Tausende Talsperren und Staumauern verzieren unsere Alpen und Bergrücken mit grünen Betonketten - Beton aus biologischer Produktion versteht sich. Wenn wir dann diese Wassermassen gen Tal brausen lassen, betreiben wir damit grüne Stromgeneratoren und erzeugen erneuerbare grüne Energie für unsere nachhaltigen E-Mobile, Bahnen, Öko-Industrien, Flugzeuge, Klimaanlagen, Wärmepumpen und überhaupt alles, was man so braucht.


    Alles grün, alles klar? Wer findet den Fehler? Ich hab da so eine Idee. Kann es sein, dass unsere grünen Weltretter eine Kleinigkeit übersehen haben? Nein, niemals schallt es aus meiner subjektiv-imaginierten Grüninnenechokammer entgegen. Also wie ich mir vorstelle, dass mir Robert Habeck oder seine feministische Kräuterhexe Annalena erwidern würden. Wir haben alles durchrechnen lassen, alles doppelblindstudienbasiert abgesichert und ohnehin alternativlos. Na denn, was will ich dann noch? Vielleicht ganz bescheiden und kleinlaut drauf hinweisen, dass diese grüne Energiewende noch mehr elektrische Energie, noch mehr großtechnische Anlagen, noch mehr Eingriffe in bestehende Reste natürlicher Räume, noch mehr Technologie benötigen wird, als jetzt. Dieses grüne Pardies bedeutet ein weiter so, wie bisher. Nur mit grün angestrichenen Betonklötzen, Straßennetzen, endlosen Leitungssträngen, Wäldern von Windrädern, Feldern von PV-Platten, Geologie und Landschaft verändernden Stromspeichern und was weiß ich noch alles. Da reicht ja meine Fantasie nicht annähernd aus. Ein Rattenschwanz an Problemen und Lösungen wird dieser Wende folgen. Wenn, ja wenn so getan wird, als könnten wir dann einfach so weiter produzieren, konsumieren, wachsen, uns vermehren und die Früchte des Fortschritts genießen.


    Wenn du ein Problem mit den Mitteln lösen willst, die das Problem schaffen, dann biste auf dem Holzweg. Wortwörtlich. Der Borkenkäfer, Trockenheit und Hitzewellen werden dir zwar eine Zeit lang billiges Schadholz liefern, das du dann CO2-neutral verheizen oder zu Biogas kompostieren kannst, doch irgendwann ist Schluß damit. Dann ist der Ofen aus. Gleiches gilt für die E-Mobilität. Solange das individuelle Auto weiter zum Symbol der persönlichen Freiheit pervertiert wird und jeder Depp ein eigenes Gaspedal - pardon - Strompedal und einen Parkplatz vor seinem Wigwam beansprucht, wird die E-Mobilität nix bringen, ausser noch mehr Verkehr, Straßen und Rohstoffverbrauch. Was nützt es uns, wenn wir das Klima retten, aber Boden, Artenvielfalt, unsere Ernährungsgrundlagen und die dafür nötigen natürlichen Kreisläufte zerstören?


    Weniger ist mehr. Noch weniger ist noch mehr. Es geht in unsere Schädel einfach nicht rein, dass wir nur eine Erde bevölkern, dass wir sie überbevölkern, ausplündern, schinden, schänden. Ich glaub ja weder an Himmel und Hölle, weder an den lieben Himmelvater, noch an den nach Schwefel riechenden, mit Pferdefuß behafteten Teufel, aber von einem bin ich überzeugt: wir sind zu viele, wir sind zu gierig, wir sind zu egoistisch, wir sind zu fantasielos und viel, viel, viel zu dumm, um die Folgen unseres Handelns zu begreifen. In diesem Sinne, macht nur weiter so, gute Reise auf dem Highway to hell! Ich weine euch keine Träne nach.


    Bald haben wir alle Farben durch. Politisch und heilstechnisch. Ich bin zu ungebildet, zu wissen, ob den Monarchien, dem Adelsgesocks eine Farbe zugeordnet wird, aber fangen wir mal mit schwarz an. Im 19. Jahrhundert nach Christi Geburt, Kreuzigung, Auferstehung, Verklärung, Himmelfahrt und Sitzen Seit an Seit mit dem Vattern, also vor gut 180 Jahren und auch in den Jahrhunderten davor, da waren die Schwarzen die Pfaffen, der Klerus, Rom und der Papst, dieser Stellvertreter des Alten Mannes da droben. Diese Schwarzen haben nichts als Elend, Unterdrückung, Versklavung und Doppelmoral gebracht. Abgehakt. Dann kamen die Roten. Die revolutionierten die Welt, versprachen Freiheit, Befreiung vom Joch des Adels, des Kapitals, der Kirche. Sie brachten nichts als Elend, Unterdrückung, Versklavung und Doppelmoral. Dann kamen die Braunen, die Blut- und Bodenpropheten, die Heimatretter und Volksverräter. Sie brachten nichts als Elend, Unterdrückung, Versklavung und Doppelmoral. Und nach zwei Weltkriegen und all den darauf folgenden heiligen, unheiligen, ehrlichen und heuchlerischen Schwüren und Eiden, dass sich die Vergangenheit nie und niemals wiederholen dürfe und so weiter, also nach 70 Jahren Freiheit, Demokratie, Menschenrechten, Rechtsstaat und Chancengleichheit, da stehen wir vor dem Abgrund. Doch dank ungebrochenen Fortschrittsglaubens, werden wir den entscheidenden Schritt vorwärts auch noch schaffen. Da bin ich mir ganz sicher.


    ***



  • #2
    Bezug zum alten Forum

    Kommentar


    • #3
      Höchste Zeit mal was Positives zu schreiben. So was wirklich Positives! Und was fällt mir da als Erstes ein? Also erst mal nichts. Weil, so schnell fällt meinereins altem weißen ... ja, ja, ich wiederhole mich, also es wird mit den Einfällen zunehmend schütterer, so wie mit dem Haar auf dem Dickschädel. Die Einfälle fallen nicht mehr so leicht ein ins Hirnrevier. Dieses entwickelt sich - entwickeln deutet eher auf das Gegenteil - also das Hirnrevier verkümmert mehr und mehr zu einem verdorrenden, vertrocknenden Trockenrasen, wo früher eine saftige, grüne Blumenwiese erblühte oder ein kühler blätter- und nadelbewehrter Forst Schatten und Gedanken spendete. Der Einfallsreichtum meines Hirns gleicht sich dem Artenreichtum meiner Umgebung an. Auch da verschwinden Jahr für Jahr viele Arten aus Flora und Fauna. Weil der Boden austrocknet wie die graue Masse unter meiner Schädeldecke. Weil die Landwirtschaft jedes unerwünschte Pflänzlein in ihren öden Retortenfeldern totspritzt. Weil alles, was in irgendeiner Form kurzfristig Rendite mindert, weg muß: Unkraut, Schädling, Nützling. Egal. Die Äcker sind Totenäcker. Die nur das tragen dürfen, was der Agroparasit auf seinem monströsen Traktor zulässt. Aber Mutter Natur lässt sich nicht bescheissen. Sie rechnet unbestechlich zusammen und präsentiert uns die Rechnung: Extremwetter, Sturm, Hagel, Dürre, Flut. Hier bei mir vor allem Trockenheit. Verdorrende Landschaften.Sindkende Grundwasserspiegel. In Wiener Neustadt sitzen tausende Besitzer von Kleinparzellen an Badeseen buchstäblich auf dem Trockenen. Die Seen sind verschwunden. Übrig blieben Schottergruben gesäumt von Bungslows und Gartenhäuschen. Eine gespenstische Ansicht.
      (ausnahmsweise ein link - solange er noch linkt: https://noe.orf.at/stories/3152820/)Trocken geht die Welt zugrunde. Prost. Darauf einen guten Roten!


      Jetzt hab ich mich zeilenlang herumgedrückt um meine Verlegenheit, dass mir immer noch nichts Positives eingefallen ist. Dabei ist die Welt voll der Schönheit, der Hoffnung, des Fortschritts, der Höherentwicklung. Schau ich aus dem Fenster sehe ich eine Natur, die trotz aller Widrigkeiten wie Trockenheit, Bodenversiegelung, Monokulturen auf den Äckern usw. unbeirrt knospt, spriesst, triebt und blüht. Als gäbe es kein Morgen, keinen Hitzesommer, keine Dürremonate, kein Glyphosat und keine grünen Klimaretter, die alles verstromen wollen. Der Frühling lässt sich nicht beirren, auch wenn die Umstände widrig. Und das ist gut so. Muß selbst ich anerkennen. Die Natur kennt kein Morgen, nur das Heute. Sie blüht, selbst wenn morgen die Welt unterginge. Wie im bekannten Bonmot von Martin Luther. Oder war es Karl Valentin? Das mit dem Pflanzen des Apfelbäumches angesichts des morgigen Weltuntergangs. Übrigens hörte ich das zum ersten Mal nicht im Religionsunterricht oder in der Deutschstunde, sondern in einem der unsäglichen Karl May-Filme. Ich schweife ab.


      Also eigentlich, so wirklich grundsätzlich, global, auf den ganzen Planeten gesehen, so richtig katholisch umfassend betrachtet, mach ich mir um die Erde keine Sorgen. Also auf die nächsten 1000 Millionen Jahre gesehen. In dieser Zeit wird die Terra mehrfach vereisen, verdorren, erblühen und beinah steril dahinschlummern, aber es wird immer wenigstens eine lebende Zelle überleben und Ausgangspunkt einer weiteren Runde Evolution sein. Ja, so wird es kommen. Kein Hahn wird nach Homo sapiens krähen, keine Träne wird um Jehova, Buddha, Manitu oder Putin vergossen werden. Wir haben nicht die passende Dioptrienzahl im Visier, im Gesichtsfeld unserer trüben Augen, um auch nur annähernd die kosmischen Zeitläufte zu erfassen und die Stufen ihrer Entwicklungsphasen zu erahnen. Wir sind extrem kurzsichtige Wesen, fixiert auf unsere irrelevante Existenz, grad noch fähig zur Erforschung unserer ein paar lächerliche Jahrtausende umfassenden Geschichte. Das ist, als ob ich ob der Ansicht eines Quadratmeters Bodens auf die gesamte Oberfläche des Planeten schließen würde. Wir sind ahnungslos. Überfordert, auch nur ansatzweise diese Erde zu begreifen, erst recht total unfähig die Dimension und Dynamik des Universum zu erahnen. Aber ich kann irren. Vielleicht bin ja nur ich so beschränkt. Vielleicht gibt es ja Weise, Adepten, Gurus, Allwissende, Durchblicker, Checker. Maybe. Ich kapier ja nicht mal die Quantenphysik oder die Allgemeine Relativitätstheorie. Verstehe nichts von Ereignishorizonten, Beobachtungshorizonten, Teilchenhorizonten und Lichtbirnen. Ich kapier überhaupt nix. Aber auch das ist egal. Eins weiß ich trotz aller Dummheit und Beschränktheit: die Durchblicker, die Checker, die Genies, sie wissen nur unbedeutend mehr als ich, überblicken nur ein paar Millimeter mehr auf der Skala desWissens. Ich beneide sie nicht. Nicht mehr. Ich wünsch ihnen viel Spaß mit ihren Differentialgleichungen, Tensoren, Vektoren und ihren Integralen. Der Kosmos nimmt keine Notiz davon, das Universum zuckt mit keiner Wimper.


      Ich schwafle schon wieder. Rede um den sprichwörtlichen heissen Brei. Wenn ich nur wüsste, was der heisse Brei beinhält. Hab wirklich Null Ahnung, was ich hier soll. Auf diesem Planeten, zu dieser Zeit. Das Gefühl der völligen Überflüssigkeit schwappt über mein bedeutungsloses Dasein. Existenz wird mir zur Peinlichkeit. Ich atme Luft, verbrenne Kalorien und hab keine blasse Ahnung wozu, wofür und warum. Mein Dasein ist eine einzige Zumutung. Für mich und andere. Ich möcht jetzt niemandes Lebenslust, Selbstverständnis oder Existenzberechtigung anzweifeln oder madig machen. Für mich aber nehme ich die Freiheit in Anspruch, meine Inkarnation für überflüssig, irrelevant und höchst, allerhöchst peinlich zu befinden. Das ist kein fishing for compliments oder Koketterie. Nur kann ich beim allerbesten und gnädigsten Willen und Wohlwollen keinerlei Sinn, Zweck oder Grund für mein lächerliches Hiersein erkennen. Dieses Universum ist total bescheuert, meschugge. Eine Tierquälerei. Die Nichtexistenz ist doch die höchste Vollkommenheit jedes Daseins. Das Nichtsein, das Nirvana ist das einzig erstrebenswerte Desideratum. Nichts, absolut nichts ist es wert, die Zumutungen eines Lebens zu ertragen. Somit ist das ganze Universum eine einzige Zumutung, eine Quälerei und Beleidigung meines beschränkten Verstands. Ich spreche ihm jede Existenzberechtigung ab. Dem Universum. Vielleicht auch dem Verstand. Punkt.


      Leider oder besser gesagt: natürlich scheisst es sich keinen Dreck um mein Urteil. Leibniz war - trotz aller mathematischen und sonstigen Verdienste - ein Vollkoffer, ein Vollidiot, was seine Theodizee betrifft. Blöder und dämlicher kann man gar nicht argumentieren. Lieber Leibniz, du warst trotz aller intellektueller Brillanz ein existenzieller Trottel. Sorry, du reihst dich ein in die lange Reihe korrupter Denker und heuchlerischer Weltversteher von den antiken Nachsokratikern über die christlichen Kirchenväter, Kant - ein tragisches Genie - bis hin zu den romantisch verblödeten Schwarmgeistern von Goethe bis Hesse und den heutigen Irren, die so zahllos wie unbedeutend, dass Namen zu nennen, reine Platzvergeudung wäre. Wenn ich auch die Leistungen und Sophistereien moderner Physik - Quantenphysik, Relativitätstheorie - einerseits offenen Mauls bewundere und zugleich mangels Verständnis als höchst dubios und verrückt abtue, so ist mir deren Weltdeutung doch näher als die der Idealisten. Materialismus ist out, überholt, sowas von gestrig, weil Materie sich als reine Illusion oder Wirkung bloß energetischer Felder und Schwingungen erwiesen hat, dass man von festen Körpern nicht mehr reden kann. Wo bin ich, wo war ich? Schon wieder hoffnungslos abgedriftet. Hirnlos, planlos, orientierungslos.


      Der klassisch, katholisch, vernünftig, akademisch gebändigte und dressierte Intellektuelle wird mir jetzt erwidern, dass ich ein ungebildeter, wirrer Schwachkopf sei. Was der Wirklichkeit ziemlich nahe kommen dürfte. Nur, liebes gelehrtes, zivilisiertes, kultiviertes, umfassend gebildetes Großhirn, deine Ordnung ist so brüchig und hinfällig wie meine desorientierte Gedankenlosigkeit. Du fällst ins Bodenlose mitsamt deines Gerüsts, ich halt ohne Halt im freien Fall. Am Ende ist unser Dasein eine einzige Eitelkeit, Überflüssigkeit, Peinlichkeit. Das Universum ist eine Zumutung. Ein Unding. Unnötig wie ein Kropf, ein Ärgernis. Wer versucht, es zu verstehen, ist schon auf dem Irrweg. Da gibt's nix zu verstehen. Weil allein der Versuch schon ein fataler Irrtum, ein Missverständnis ist. Da gibt es nix zu verstehen und zu begreifen. Begreift das doch endlich.


      Das ist eines der größten Mysterien und eine der verblüffendsten Irritationen menschlichen Strebens, dass wir nicht locker lassen bei dem Versuch, das Universum, die Existenz von überhaupt etwas verstehen zu wollen. Obwohl wir längst wissen, dass das unmöglich ist. Bleibt dennoch die Neugier als unstillbares Verlangen. Warum? Sinnlose Frage. Wie überhaupt alle Fragen nach woher, wohin, warum und wozu sich als sinnlos erwiesen haben. Es gibt weder ein woher, noch ein wohin, noch ein warum oder wozu. Und dennoch lassen sie sich nicht einfach abschalten, abdrehen wie ein Stromkreis. Irgendein verdammtes Gen, Molekül oder Oxidans in unserem verflixten Hirn lässt nicht locker. Und stellt dämliche Fragen. Die so unnötig und überflüssig sind wie meine Schamhaare oder die Warze auf meinem rechten Fuß. Und das ganze Geschreibsel hier. Zeitverschwendung, Energievergeudung, Hirnwichserei. (Wenn das menschliche Hirn - wie behauptet - das komplexeste Ding im ganzen Universum sei, warum ist es im praktischen Leben so unendlich dumm, beschränkt und dämlich? Was nur den Schluß zulässt, dass mit zunehmender Komplexität (= Ordnung) immer mehr Chaos und Unordnung entstehen. Die Entropie beisst sich in den eigenen Schwanz. Übrigens, wer behauptet, er verstünde was Entropie sei, der ist mir genauso suspekt wie jemand, der von sich sagt, er verstünde die Quantenphysik. Beides ist unmöglich!).


      Und eigentlich, also wirklich, wollte ich doch was Positives chronifizieren, dokumentieren. Bin ich halt wieder gescheitert, im Sumpf des Zweifels versunken, hab mich im Labyrinth sinnloser Fragen verirrt. Wenn es wirklich so was wie eine summa cognitionis gib, eine letzte Erkenntnis, dann allein die: jede Existenz, jedes Leben, jedes Bewusstsein ist eitel, überflüssig, leidvoll und summa summarum ein Verlustgeschäft. Das Optimum wäre der Nullsaldo. Und der wird nur mit der Nichtexistenz, dem Nichts, dem Nirvana, der absoluten Null erreicht. Aber die gibt es nicht. Weil es etwas gibt. Letzlich ist das Nichts der unwahrscheinlichste Fall aller Fälle. Weil alle unendlich vielen mögliche Fälle eben nicht Nichts sind. Ganz ohne Gott, ohne unbewegten Beweger, ohne Teleologie: nur aus nackter Wahrscheinlichkeit.


      Das Nichts, dieses einzig Vollkommene, ist nicht. Die Unvollkommentheit ist unendlich wahrscheinlicher. Und deswegen bin ich da. Und wir allesamt, die wir da sind. In diesem absurden, leeren, unendlich weiten Universum. So heimelig wie eine sturmgepeitschte Eisklippe in der Antarktis. Ach was. Im interstellaren Raum herrschen Temperaturen von minus 270 Grad. In der Nähe von Sternen Zigtausende Grad, im Innern Millionen Grad. Das Leben verträgt grad mal eine Spanne von vielleicht 100 Grad im Extremfall. Sehr gemütlich dieser Kosmos.


      Und wenn mir jetzt einer mit Gott kommt. Der kommt mir gerade recht. Wir kennen kaum 5% des physikalischen Universums. Die größten Geister verzweifeln angesichts der mathematischen, physikalischen, quantenmechanischen, relativistischen und sonstigen Ungeheuerlichkeiten. Und dann kommst du mir einem Gott oder Göttern. Die den Menschen sich zum Ebenbilde geschaffen. Wer findet den Fehler?


      ***

      Kommentar


      • #4
        Information. Im Deutschen häufig auch Informationen. Wogegen sich englischsprachliche Puristen verwehren. Weil es den Begriff eben nur im Singular gäbe. Was die interessante Frage aufwirft: Was ist Information, ist sie eine physikalische Größe, hat sie eine Einheit, eine kleinste Größe, kann man diese Informationseinheiten aufsummieren zu mehr Information, etwa gar zu Informationen???? Die, wenn der Plural Sinn machen sollte, sich aus mehr als einer Information zusammensetzen müssten, um daraus eine neue, komplexere, umfassendere Information zu generieren. Gilt für die Information der traditionelle Philosophenkalauer 'das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile'? Viele Fragen wie immer und wenig Antworten. Oder heisst es hier gar viel Frage und wenig Antwort? Aber der Reihe nach.


        Information ist ein viel gebrauchter Begriff, der zahllose Bedeutungen haben kann. Je nach Disziplin - Naturwissenschaft, im besonderen Physik, Informationstechnik, Übertragungstechnik, Geisteswissenschaft, Kybernetik, Datenverarbeitung usw. - versteht man etwas anderes unter Information. Im Alltag steht Information für einen Zuwachs an Wissen. Etwa die Abfahrtszeit eines Busses oder Zugs, ein Geburtsdatum, eine Adresse. Wenn ich etwas nicht weiß, was ich wissen will oder sollte, muß ich mir die entsprechende Information beschaffen. Diese Art von Information ist immer mit Bewusstsein verbunden. Information wird mit einem Bewusstseinsinhalt gleichgesetzt. Früher sagte man dazu Wissen. Ist nun Bewusstsein eine Voraussetzung für Information? Eindeutig Nein. Wissen ist bewusste Information, doch Information existiert auch ohne Bewusstsein. Überraschend für manche vielleicht. Aber man nehme nur eine einfache Pflanze wie eine Flechte oder ein Moos. Die haben - allerhöchstwahrscheinlichst - kein Bewusstsein. Dennoch verfügen und verarbeiten sie fortwährend Information. Etwa ob die Sonne scheint, ob ausreichend Feuchtigkeit verfügbar, ob es zu kalt, zu warm, ob es Zeit zu blühen, zu wachsen oder zu ruhen ist. Wem das noch nicht genügt, der bedenke, wie sein Körper funktioniert. Jedes Organ arbeitet unaufhörlich ohne mein Wissen, verarbeitet unzählige Reize auf so komplexe Weise, dass die Wissenschaft nie alle Zusammenhänge klären kann und ich nicht das Mindeste davon verstehen könnte. Allein mein Immunsystem ist ein eigener Kosmos, schützt mich vor Myriaden Keimen und Erregern, ohne dass ich den blassesten Schimmer hab, wie es das tut.Wem das noch immer nicht genügt, dem zeigt ein Schritt ins Anorganische, dass die gesamte Chemie - organisch oder anorganisch - eine einzige Informationsverarbeitungsmaschine ist. Wasser - HzweiO - entscheidet auf Grund der Temperatur seinen Aggregatzustand. Klassischer Fall von Informationsverarbeitung. Ganz ohne Bewusstsein.


        Halt! wird der Zweifler nun einwenden. Wasser verarbeitet keine Information, sondern das Naturgesetz entscheidet, wann Wasser friert oder kocht, kondensiert oder verdampft. Und da sind wir schon bei einer der verdammten Sollbruchstellen des Informationsbegriffs. Was ist denn eine Information? Auch Naturgesetze müssen miteinander kommunizieren, also Information austauschen. Im Fall des Gefrierpunkts des Wassers muß die Größe Temperatur irgendwie vom Wasser aufgenommen werden, um zu frieren. Ganz ohne Bewusstsein. Ist einfach Energieaustausch kann man sagen. Temperatur ist ein Maß für die Geschwindigkeit mit der die Wassermoleküle aufeinanderstoßen. Je schneller, desto wärmer, je langsamer, desto kälter. Und ab einer gewissen mittleren Geschwindigkeit der Moleküle friert das Wasser eben, schmilzt, kondensiert oder verdampft es. Ja nun, schön und gut. Ist da nun Information im Spiel oder nicht?


        Kommt drauf an, wie man Information versteht. Ist die bloße Syntax der Naturgesetze, wie sie in den Formeln und Relationen der Physiker niedergelegt ist, bereits Informationsaustausch, Informationsöbertragung, oder bedarf es dazu der Semantik, also einer Codierung und Decodierung? Von Bedeutung, Deutung will ich gar nicht reden, setzt diese doch ein Bewusstes, ein Subjekt voraus. Bleiben wir ganz unten bei der Informationsmechanik. Wem das jetzt zu verschwurbelt, hermetisch oder esoterisch klingt, den kann ich beruhigen, es geht immer noch um Begriffsklärung. Und die Wissenschaften sind dabei wenig hilfreich, benutzen sie den Begriff doch nur so, wie er für ihr Fach nützlich.


        Ich sag's mal so, die Physik, also die Gesetze und Relationen der physikalischen Welt - im wesentlichen Energie und Materie - sind Syntax. Ohne Bedeutung, ohne Wissen, ohne ein Subjekt, ohne Empathie, Moral oder sonstwas Menschliches. Die Semantik beginnt nicht beim Bewusstsein, beim Subjekt, die ist viel früher da. Die Semantik ist für die Codierung und Decodierung verantwortlich. Etwa dafür, dass der genetische Code einer Pflanze vom Organismus der Pflanze decodiert und exekutiert wird. Was wir Beobachter als Erscheinung wahrnehmen, untersuchen, systematisieren (Familie, Gattung, Art, Größe, Farbe ...). Und wo kommt jetzt die Information ins Spiel? Da scheiden sich die Geister, streiten sich die Gelehrten. Es gibt keine selbstverständliche, offensichtliche Grenze, wo Information beginnt und endet. Was ist denn überhaupt das Gegenteil oder besser das Komplement von Information? Sicher nicht Desinformation oder Chaos, auch nicht Ignoranz oder Redundanz. Diese Begriffe setzen bereits viel zu hoch an, nämlich schon auf der Codierungs-/Decodierungsebene, also der Semantik. Bleiben wir auf der Syntaxebene, könnten wir alles als Information bzw. Informationsübertragung/-austausch werten,die Naturgesetze umfassend, die klassische Mechanik, die Relativistik und die Quantenphysik. Und da kommen wir wieder ins klassische Dilemma: je umfassender ein Begriff gefasst wird, desto leerer ist er. Der leerste Begriff ist Gott. Da ist alles drin und zugleich nichts. Wollen wir der Information ein ähnliches Schicksal bescheren wie dem Himmelvater? Wo könnte ich eine Grenze ziehen zwischen den basalsten physikalischen Größen wie Energie, Masse, Länge, Zeit, deren Relationen bzw. Wechselwirkungen und Information? Wann kommt Information ins Spiel? Mir scheint dort, wo die Entropie von ihrer allgemeinen Tendenz, immer zu wachsen (2. Hauptsatz der Thermodynamik), in ihr Gegenteil verkehrt wird, also abnimmt.


        Der 2. Hauptsatz der Thermodynamik sagt, dass in einem abgeschlossenen System - das ist eine physikalische Anordnung ohne Verbindung mit der Umwelt, also etwa ein völlig isolierter (thermisch, elektrisch, magnetisch usw.) Kasten in dem sich ein heisser und ein kalter Körper befinden mögen, dass in einem solchen System die Entropie immer zunimmt und nie abnimmt oder bestenfalls gleich bleibt. Was in unserem Fall bedeutet, die beiden Körper gleichen ihre Temperaturdifferenz aus. Wenn beide Körper gleiche Temperatur haben, alle Energiedifferenzen ausgeglichen sind, bleibt unser System im Zustand des völligen Gleichgewichts. Das nennen die Physiker maximale Entropie. Es wurde noch nie beobachtet, dass zwei Körper mit gleicher Temperatur anfingen Wärme vom einen zum anderen zu leiten, wodurch die Quelle kälter, die Senke wärmer würde. Die Physiker interpretieren ein derartiges Szenario mehrheitlich mit einer Umkehrung des Zeitpfeils. Da die Zeit in unserer Welt aber offenbar nur in eine Richtung eilt, ist eine Abnahme der Entropie in einem geschlossenen System noch nie beobachtet worden - und wird sie wohl nie. Man ist geneigt zu sagen, die Entropie bestimmt die Richtung der Zeit.


        Einschub: Hier tut sich mir ein Widerspruch auf, den ich noch nicht auflösen konnte. Die Thermodynamik (siehe Beispiel oben) sagt, dass die Entropie in einem abgeschlossenen System nur wachsen kann, also größer wird. Und dass die Entropieänderung bei Wärmezufuhr von aussen zunimmt, bei Wärmeabfuhr nach aussen sinkt. Sprich, wird von aussen Energie zugeführt, steigt die Entropie, wird Energie aus dem System abgezogen, sinkt die Entropie. Wo da der Widerspruch sei? Nun wird oft erklärt, dass das Entstehen von Leben auf der Erde der erwartbaren Zunahme der Entropie widerspricht. Weil ja Leben eine höhere Ordnung und Organisation von Materie bedingt, was ja einer niedrigeren Entropie entspricht. (Nicht vergessen, Zunahme der Entropie bedeutet auch Zunahme der Unordnung). Erklärt wird diese Abnahme der Entropie, die höhere Organisation und Ordnung der Materie im Falle des lebendigen Organismus mit der Energiezufuhr durch die Sonne. Nur durch die Sonneneinstrahlung konnte sich Leben entwickeln, also im wesentlichen durch Energiezufuhr von aussen. Und das ist ein Widerspruch zur Aussage, dass die Entropie (Ordnung, Organisation) durch Energiezufuhr zunimmt.


        Gut, ich muß das noch klären. Das Missverständnis liegt sicher bei mir. Ich glaub nicht, dass sich Legionen von Physikern in so einem einfachen, offensichtlichen Fall irren.


        Wo war ich? Information, ja. Ist bloße Enegieübertragung schon Informationsübertragung? Ist Energie Information? Es ist Definitionssache. Wie immer. Oder fast immer. Für mich ist die bloße Wechselwirkung zwischen zwei Feldern, Kräften, Teilchen allein noch kein Informationsaustausch. Da muß noch was dazu. Doch für die meisten Physiker ist jede Wechselwirkung Austausch von Information. Es kommt wie immer auf die Sichtweise an. Wir Menschen verstehen unter Information eine Menge an Daten, die unser Wissen erweitert. Das kann schon ein einzelnes Bit sein, also die Stellung eines Schalters: Licht ein, Licht aus. Mein Auge sieht auch ohne Blick auf den Schalter - Lampe leuchtet oder leuchtet nicht.


        Jetzt habe ich doch die beiden Begriffe ins Spiel gebracht, die ich vermeiden wollte: Bit und Daten. Und jetzt wird es erst richtig mühsam. Denn in unserer datenbesoffenen und bitfixierten schönen, neuen Informationsgesellschaft, sind diese nicht mehr wegzudenken. Dabei haben weder Bits noch Daten unmittelbar etwas mit Information zu tun. Das mag überraschen, ist aber so. Ein Bit enthält einen von zwei möglichen Zuständen. Und Daten sind Mengen von Bits. Sonst nix. Ein Sandkorn am Strand ist da oder nicht da. Und viele, viele Sandkörner ergeben einen Sandstrand. Die größte Menge von Daten enthält genau Null Information, wenn ich ihre Codierung, Struktur und Semantik nicht kenne. Genauso könnte ich den Sand am Strand durch meine Finger rieseln lassen. Ich hätte keinen Informationsgewinn ausser dem, ob der Sand heiß oder kalt, feucht oder trocken, grob oder fein sei. So ist es mit den Daten. Noch so viele Mega-, Giga-, Terabytes verraten mir nichts. Wenn ich nicht weiß, wie sie zu decodieren, zu strukturieren und zu deuten sind. Ist so wie ein altes, dickes, schweres Telefonbuch für einen Bücherwurm. Er frißt sich durch, hat aber keine Ahnung von den Namen, Adressen, Telefonnummern, die er da verdaut.


        Wo bin ich, wo war ich? Ach ja, Information. Wie es aussieht, besteht Information nur im Verständnis zwischen Sender und Empfänger. Alles ist Information, doch alles ist nichts, wenn die Codierung und Decodierung nicht bekannt. Deshalb störe ich mich auch an den Quantenfuzzis und fundamentaltheoretischen Physikern, die ein Informationsparadoxon bei Schwarzen Löchern orten. Was das ist? Also, Schwarze Löcher (SW) schlucken alles bis hin zum Licht und geben nix mehr her. (Ausnahme Hawking-Strahlung, etwas, was ich Depp nix verstehen). Und jetzt gibt's da ein paar Gscheiterleins unter den Physikern, die sagen: nach dem Energieerhaltungssatz, der auch Information umfasst, darf und kann keine Information verloren gehen. Es muß also alles, was in einem SW verschwindet, irgendwie erhalten bleiben: Masse, Impuls, Ladung, Geschwindigkeit, Richtung etc., was weiß ich. Ich halte das für Unsinn.


        Weil:


        1. Es gibt keine notarielle, moralische oder sonstige Verpflichtung eines SW, alle Informationen über verschluckte Objekte zu konservieren.


        2. Was sich irgendwelche Physiker wünschen, vorstellen oder fordern, ist für das Universum weder verbindlich, noch relevant.


        3. Selbst der Energieerhaltungssatz ist eine Anmaßung der Naturgesetzpriester. Er mag für unsere beschränkte Wahrnehmungs- und Experimentiermöglichkeiten gelten. Für das Universum als Gesamtes, Totales können ganz andere Bedingungen gelten. Oder gar keine. Who knows? - Wo war der Energieerhaltungssatz beim Urknall? Da hatte er wohl Urlaub.


        Fazit: Jetzt hab ich wieder viel fantasiert, imaginiert, konkludiert, induziert und deduziert und doch nix als Verwirrung gestiftet. Viele Buchstaben, wenig Information. Das ist vielleicht doch noch eine Erkenntnis zum Thema. Viel Lärm um nichts.


        ***

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        • #5
          Nase und Ohr. Geruchssinn und Gehör. Duft und Ton. Aroma und Klang. Riechen und Hören. Was ist eigentlich die Entsprechung zu Musik? Duftwelt, Riechunviersum oder Aromenkosmos? Ich frage mich allen Ernstes, ob mein Geruchssinn was mit meiner Affinität zu mancher Musik zu tun hat. Da geistert sofort der Fachbegriff Synästhesie durchs Großhirn. Damit meint die Wissenschaft, die Kopplung zweier an sich unabhängiger Sinneserfahrungen, die bekannteste ist Hören nach Farben. Also dass Leute beim Hören von Musik gewisse Farben 'sehen' oder visuelle Sensationen erleben. Es gibt angeblich über 60 sinnliche Querverbindungen unserer Sinneswahrnehmungen. Manche sehen auch Zahlen nach Farben. Und die meisten sehen bei Zahlen überhaupt Rot. Aber das ist eine ganz andere Geschichte und hat mit Synästhesie nix zu tun.


          Mir geht es hier aber weniger um Synästhesie, als um die Sensationen, die Geruchssinn und Musikempfinden bewirken. Vom Geruchssinn wissen wir dank unserer Neurowissenschafter und Nervengeometer, dass der Geruchssinn der einzige unserer 5 Sinne ist, dessen Reize direkt - ohne Umweg über den sogenannten Thalamus (Zwischenhirn), sagen wir mal ohne Filter - ans limbische System geleitet werden. Und dieses ist bekanntlich der älteste Teil unseres inflationär gewachsenen Reptiliengehirns und beherbergt unter anderem Triebe, Gedächtnis und Emotionen. Gerüche wirken also direkt, sickern unmittelbar ins Bewusstsein. Im Gegensatz zu den übrigen Sinneswahrnehmungen. Die werden erstmal gesammelt, müssen gewisse Siebe und Filter passieren, werden decodiert, zerlegt, wieder zusammengesetzt, bis wir ihrer bewusst werden. Geruch geht unmittelbar ins Gemüt. Und erzeugt dort diverse Sensationen, so etwa die Verlebendigung lang verschütteter und vergessener Erlebnisse aus frühester Kindheit. Ich durfte selbst mehrere solcher Auferstehungen längst vergangener Bewusstseinsinhalte erfahren. Ausgelöst durch einen Duft, einen Riechreiz.


          Und was hat das alles mit Musik zu tun? Weiß ich doch auch nicht, sonst würd ich mich ja nicht damit abquälen. Ausser dass bei mir Musik - also manche, nicht jedes Gedudel, Gejaule oder Geschrammel - scheinbar gleich direkt, ungespitzt und ungehobelt ins tumbe Gemüthe einfährt. Wie der Kumpel in den Schacht oder das schlechte Gewissen ins Ruhekissen. Etwas haben se doch gemeinsam die Gerüche und das Getöns. Gehirnphysiologisch vielleicht noch nicht erklärbar. Und auch nicht bei jedem gleich ausgebildet. Also ich kenne Zeitgenossen, denen jede Art von Musik als Geräuschbelästigung vorkommt. Total amusikalische Verohrtete. Denen das Ohr bloß dazu dient, die Brillenbügel zu tragen. Macht ja nix. Musik wird ohnehin überschätzt. Im Allgemeinen und in Wien besonders. Aber das ist eine sehr lange, andere Geschichte.


          Während der Geruch also direkt ins Unterbewusstein dringt und von dort ins Bewusstsein aufsteigt, gelangen die Töne über Ohrmuschel, Gehörgang, Mittelohr, Hammer, Amboß und Steigbügel, Nervenbahnen und und und erstmal an die Rezeption, den Thalamus. Das Zwischenhirn. So eine Art Posteingangsstelle. Wie es von dort weiter geht, ist wohl intressant, aber für meine Betrachtungen zweitrangig. Bin ja kein Neurophysiologe. Tatsache ist, dass die Schallwellen vom Ohr aufgefangen, irgendwie verarbeitet über Nerven ans Gehirn gelangen und dort über eine - mathematisch unendlich komplizierte - unverständliche Art und Weise zu einem Klangerlebnis synthetisiert werden, das uns bewusst wird und das in uns bisweilen starke bis heftige Gemütsbewegungen auslösen kann. Schaut man sich den Weg an, wie Luftschwingungen zu einem emotionalen Erlebnis werden, kann man nur staunen, sich wundern und kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen, dass es so ist, aber nicht im Entferntesten auch nur vorgeben, dieses Wunder zu verstehen. Wobei ich Wunder nicht als göttliche Intervention verstanden wissen will. Meine unerhebliche, irrelevante, überflüssige und absurde Existenz ist ein Wunder schlechthin. Mehr schlecht und hin, als recht. Aber was soll's, ich hab mich ja nicht freiwillig gemeldet, geboren zu werden. Mich hat ja keiner gefragt. Auch der Alte mit dem Rauschebart dort oben nicht. Also bin ich auch nicht zu irgendeiner besonders vorzüglichen Performance hier auf Erden verpflichtet. Es genügt, wenn ich versuche, mein Bestes zu geben.Aber lassen wir das mal so stehen.


          Geruch und Gehör. Es verbindet sie manches. Vor allem die Intensität und Unmittelbarkeit mit der diese beiden Sinne in uns einfahren, uns bewegen und betören können. Wir kennen ja alle den Spruch 'Die oder den kann ich nicht riechen'. Was auf den ersten Blick wie eine metaphorische Floskel aussieht, darfst du einfach wörtlich nehmen. Der Geruch eines Menschen signalisiert, ob er/sie zu dir passt oder nicht. Rein physisch, physikalisch, chemisch, biologisch, genetisch, also reproduktionstechnisch. Leute, die sonst nichts besseres zu tun haben, wollen herausgefunden haben, dass Gerüche über die genetische Kompatibilität von Sexualpartnern Auskunft geben. Ein Weibchen, dessen Geruch - und ich meine nicht ihr Deo oder ihr Parfum - mich anmacht, anzieht, wild macht, dieses Weibchen passt zu mir. So einfach ist das. Sagen die Genetikerchemiker. Und ich glaub ihnen. Weil es die Erfahrung ist, die ich gemacht habe. Bin zwar nicht Casanova, doch ich traf Frauen, deren Geruch mich abstieß und dann solche, deren körperliche, ja was denn nun, gibt's im Deutschen kein adäquates Wort dafür ausser Duft? Also, es gibt Frauen, deren Duft, also körperliche, olfaktorische Emanation mich umwirft. Positiv gesehen, pardon gerochen. Und es gibt solche, die ich nicht riechen kann. Und das ist nicht meine Erfindung, das ist Mutter Naturs Einrichtung. So weit, so gut. Punkt.


          Die Biologie kennt das ja auch aus dem Tierreich. Da wird das Sexualverhalten wesentlich von den sogenannten Pheromonen bestimmt. Und nicht nur das. Auch andere Signale an die Artgenossen, Feinde oder Rivalen werden mittels Duftstoffen ausgesendet. Kater markieren ihr Revier mit eigens dafür abgesondertem Drüsensekret, Weibchen verströmen ihren Paarungsbereitschaft und selbst Insekten kommunizieren mittelsduftender Botenstoffe.


          Der Mensch gilt allgemein als Augentier. Das könnte ein Irrtum sein. Unser Sehsinn unterscheidet laut Wissenschaft ca. 20 Millionen Farbtöne, unser Geruchssinn mindestens 1 Billion verschiedene Aromen und Gerüche. Das sind um den Faktor 50 000 mehr Geruchsempfindungen als Farbtöne. (Andere Quellen sprechen allerdings nur von 10 000 unterscheidbaren Gerüchen. Also was denn nun?).Was natürlich nichts über die Komplexität der Verarbeitung durch das Gehirn aussagt. Die Lichtreize des Auges zu einem Bild zusammenzusetzen erfordert wohl wesentlich mehr 'Rechenleistung' unseres Denkeisens als eine Geruchsempfindung zu detektieren. Dabei ist die Anzahl der Farbtöne nur ein Parameter von vielen. Wir besitzen etwa 380 verschiedene Geruchsrezeptoren, aus deren Mix an Eingangsreizen bis zur genannten Billion unterschiedliche Geruchssensationen decodiert werden. Beim Auge ist die Lage wesentlich komplizierter, da aus den Lichtreizen auf der Netzhaut ein Bild zusammengebaut werden muß. Die Anzahl der Photorezeptoren auf der Netzhaut ist gewaltig. Etwa 6 Millionen Zapfen und über 100 Millionen Stäbchen bevölkern die Retina, wobei die Zapfen für das Tageslichtsehen (= Farben), die Stäbchen für das Nachtsehen (hell-dunkel) verantwortlich zeichnen. Aus diesen über 100 Millionen Sehreizen wird über unendlich komplizierte, noch nicht ganz verstandene Verarbeitung ein Bild zusammengebaut, das uns im Bewusstsein als Blick auf und in die Welt erscheint. So gesehen, ist unser Sehsinn tatsächlich wesentlich komplexer und elaborierter als der Geruchssinn. Stell ich mir als Laie und wissenschaftlicher Dilettant wenigsten vor.


          Und was sagt mir das alles? Erstmal so viel, dass ich kapier, dass ich die Sinneswahrnehmungen nicht verstehe, verstehen kann. Dieses Geflecht an Rezeptoren, Reizweiterleitungen, Verarbeitungen, Codierungen, Decodierungen, Gehirnaktivität und schließlich Bewusstwerdung der empfangenen Signale in Form von Bildern, Tönen, Geräuschen, Gerüchen, Geschmaks- und Tastempfindungen, das geht über mein beschränktes Auffassungsvermögen hinaus. Und das Beste ist, dass das alles trotz oder wegen meiner Ignoranz funktioniert! Und das ist nur ein kleiner, kleinster Teil dessen, was mein Organismus so leistet. Jedes Organ, jede Faser, jede Zelle weiß, was sie zu tun hat. Alles zusammen ungefähr so komplex und kompliziert wie das ganze Universum. Und ich trotteliger, ahnungsloser Verstandeskrüppel wähne mich als intelligent, Krone der Schöpfung oder der Evolution. Dabei leistet dieser mein Körper in einer Millisekunde mehr an Organisation, Kontrolle, Steuerung und Exekution als mein Verstand in seinem ganzen Leben. Wir sind biologische Wunderdinge, Riesen, Giganten, dagegen erkenntnismäßige Zwerge, ja Einzeller, Nullen. Meine Bewunderung, mein Staunen über die natürliche Intelligenz von Organismen, gleich ob Einzeller, Pflanzen oder Tiere ist grenzenlos. Mein Verstand sagt mir, dass das alles Ergebnis millionenjahrelanger Anpassung ist - sprich Evolution -, mein Gefühl raunt mir zu, dass das allein nicht genügt. Dass noch irgendein Agens mitbeteiligt sei, von dem ich nichts wissen kann, über das ich nichts aussagen kann. Manche nennen es Seele, andere Vitalkraft, Geist, Orgon oder geben ihm sonstwelche Phantasienamen. Diese unübersehbar komplexe Organisation, Ziel- und Zweckausrichtung ist in der Tat mit Zufall und Anpassung kaum erklärlich. Für mich. Aber geschenkt, dass mein Körper unendlich besser organisiert, effizienter und umsichtiger funktioniert als mein Erkenntnisvermögen, sagte ich bereits.


          Und nun? Immer wieder der motivierende und inspirierende Schluß, dass wir nie erkennen werden, was die Welt. Schon gar nicht, was sie zusammenhält. Ignorabimus. So weit, so gut. Und Schluß.


          ***

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          • #6
            Psyche. Psychologie. Untrennbar damit verwoben Psychologen und Psychologinnen. Letztere müssen unbedingt erwähnt werden, generisches Maskulinum hin oder her. Weil, ja weil Psychologinnen noch eine Steigerungsstufe von Psychologen darstellen. Einige wenigstens. Aber ja, schön der Reihe nach.


            Da hab ich ja ein Faß aufgemacht. Eines ohne Boden, ein bodenloses. Viel zu groß für eine kleine anekdotische Betrachtung, einen kurzen Besinnungsaufsatz. Psyche, ein weites Land wie Schnitzler schrieb. Oder war es Fontane, oder doch Stifter, oder gar Grass? Vielleicht war es ja auch bloß ein weites Feld, wer weiß. Psyche, nicht zu verwechsern mit Seele. Das ist nochmal ganz was anderes. Jedenfalls für mich. Ich stelle mir Psyche als junge, sehr attraktive, verführerische Frau vor, die gern mit mir spielt, mich lockt, foppt und meist enttäuscht, viel versprechend und wenig haltend. Seele hingegen verbinde ich mit einer alterslosen, weiblich-geschlechtslosen - ja, so ist es, was soll ich machen? - Fee, tief und unauslotbar wie der Ozean. Oder so ähnlich. Manchmal Hexe, manchmal verwunschene Prinzessin, manchmal Elfe. Beide Damen sind jedenfalls auf ihre Art femmes fatales, jugendliche Verführerin oder weise Übermutter, Lulu oderHildegard von Bingen. Immer aber rätselhaft wie die Sphinx.


            Die Psychologie hat ihren Namen von der Psyche. Diese ist eine Figur aus der griechischen Mythologie, Prinzessin, die allerhand Prüfungen bestehen muß, Heldin einer unvergleichlichen Liebesgeschichte mit happy end. Psyche und ihr Geliebter, der illustre, schillernde Eros, ja der, werden ein Paar, Psyche wird in den Götterstand erhoben und wenn sie nicht gestorben sind .... Zugleich stand das Wort Psyche für Atem, Hauch - vergleiche das hebräische 'Ruach', das zugleich Geist, Seele wie auch Wind, Hauch, Atem Gottes bedeuten kann. Man sieht, die Alten hatten eine wesentlich konkretere, materiellere Vorstellung von Geist und Gott als die späteren Dogmatiker, Scholastiker und Romantiker. Geist und Seele als bewegte Luft, Atem, Windhauch, das überzeugt doch mehr, als der aussichtlose Versuch, sie als Kopfgeburten in irgendeiner kategorischen, systematischen Schublade abzulegen. Wie es die Scholastiker und europäischen Philosophen versuchten. Aber zurück zur Psychologie.


            Sie ist also die Wissenschaft von der Seele. Und ich lass im Folgenden meine unterschiedlichen Assoziationen zu Psyche und Seele außen vor. Oder besser innen drin. Bleiben wir bei der Seele als umfassenden Begriff für das bewusste und darüber hinaus gehende Gesamtwerk menschlicher Wahrnehmung - emotional, rational, kognitiv, sensorisch usw. Von jeher mühten sich die Menschen um ein Verständnis dieser Phänomene. Im Grunde also ein Versuch, mittels Seelenfunktionen eben diese selbst zu begreifen, erklären. Nicht wenige kluge Köpfe halten das für vergeblich, ja unmöglich. Und gefühlsmäßig würd ich ihnen beipflichten. Ich bin mir meiner Existenz zwar bewusst, kann mir manches über die Welt denken und auch über mich selbst, ziehe Schlüsse und ordne Sinneseindrücke, skizziere und konstruiere mir eine Außen- und Innenwelt, bleibe am Ende doch immer ratlos zurück. Weil ich zu wissen glauben mich genötigt fühle - oder heißt es, weil ich mich genötigt fühle,glauben zu wissen oder zu wissen zu glauben, egal - dass all mein Erkenntnisstreben nie und nimmer auch nur an der Rinde der Realität ritzen kann. Aber was haben wir anderes? Nichts. Selbst die von romantischen Geistern vielgerühmte Intuition bis hin zur vorgeblich göttlichen Eingebung, der Inspiration, trägt nichts weiter dazu bei, als was uns der im Viereck oder Kreis springende und sich dabei stets an einer unüberwindlichen, undurchdringlichen Wand den Schädel blutig stoßende Verstand zu leisten vermag. Also, dieses Satzungetüm auf ein Wort reduziert: Ignorabimus. Oder Agnostizismus. Wir wissen nix und können nix wissen. Das ist wohl die höchste Weisheit zu der wir gelangen können. Die summa scientia. Nicht umsonst sagten schon die Alten 'summa scientia nihil scire'. Nix wissen als höchstes Wissen. Wobei es bei den Agnostikern auch Abstufungen gibt. Die laxen, wankenden Zweifler, die nur die Erfahrung übersteigende, transzendente Begriffe wie Gott, Wahrheit, Wirklichkeit als prinzipiell unerkennbar ansehen, während die harten, rigorosen Agnostiker alles Erkennen und Wissen für prinzipiell unmöglich halten. Was das alles mit der Seele zu tun hat? Nun, es ist dieses Etwas, das wir Seele nennen, das uns erst in diese Zwickmühle zwischen Erkennen(-wollen) und Resignieren bringt. Ohne mein Denken keine Zweifel, keine Abstraktion, keine Begriffe, keine Vorstellung von Welt. Wobei, ob das, was ich als unbelebt ansehe - Steine, anorganische Materie überhaupt etc. - keine Vorstellung von der Welt besitzt, auch das ist bloß eine unbeweisbare Annahme meines Denkens. Es gibt ja Leute, die alles, was existiert, als beseelt und damit irgendwie wahrnehmungsfähig ansehen.


            Von solchen Spitzfindigkeiten mal abgesehen, kann ich mich winden, wie ich will, ich entkomme dem grundsätzlichen Gefängnis der Subjektivität aller Wahrnehmung und Erfahrung nicht. Selbst in der Naturwissenschaft renne ich andauernd im Kreis, an der Leine meines Verstands, an der Kette meines Erkennens. Nur was mir bewusst wird, kann ich verstehen, begreifen. Und was mir bewusst wird, ist immer Interpretation und nicht Identifikation mit der Natur. Also ist Naturwissenschaft auch immer Seelenaktivität. Wie immer ich Seele auch fasse. Also ist physikalische Forschung auch immer psychologisch grundiert. Der geniale Physiker denkt sich schließlich Versuchsanordnungen aus, entwickelt Formeln und zieht Schlüsse. Alles Gedankentätigkeit. Und doch, eine unabhängig von meinem Bewusstsein existierende Außenwelt vorausgesetzt, auf diese Art des Befragens der Natur erfahren wir mehr über sie, über unsere Welt. Nur der Solipsismus, dieser Kurzschluß des Denkens, macht aus aller Wissenschaft bloßes Wähnen. Aber der Solipsismus ist - obwohl logisch unwiderlegbar - empirisch nicht haltbar. Denn wie käme mein Selbst auf Erkenntnisse der Mathematik und Physik (höhere mathematische Kalküle und Beweisführungen oder Relativitätstheorie, Quantentheorie etc.), die mein Verstand, mein Bewusstsein nicht annähernd begreifen? Wie kämen Neuigkeiten, Entdeckungen über die Welt in mein Wahrnehmen, wenn sie aus mir selbst stammten, von deren Existenz und Beschaffenheit ich aber nicht die geringste Ahnung haben könnte? Einsteins bahnbrechende Erkenntnisse, Maxwells Gleichungen, unzählige höhere mathematische Kalküle und Beweisführungen, die nur wenige Menschen auf der Erde verstehen, usw., all das wäre Produkt meines Bewusstseins? Völlig gaga. Ich kann also guten Gewissens eine reale Außenwelt annehmen, die unabhängig von meinem Dasein und Denken existiert. Im Umkehrschluß wird wohl ein Schuh draus: mein subjektives Denken, meine vorübergehende individuelle Existenz sind bloß eine Laune der Natur, ein zufälliges Aufblitzen bewusster Weltwahrnehmung ohne Relevanz und Substanz.


            Mit dem Solipsismus habe ich eh schon abgeschlossen, er ist eine vertrocknete Quelle, ein staubiges Bachbett, ein öder Planet ohne Luft und Wasser. Kein Wort mehr darüber. Und Seele? Ist sie nicht auch bloß ein Gedankenkonstrukt, eine Schlußfolgerung, ein synthetisches Urteil, gebildet aus der Erfahrung, dass da etwas sei, das zweifellos zu mir gehört, mich fühlen, wahrnehmen und denken lässt, dessen Wesen, Substanz oder Erscheinung mir aber unbegreiflich, unzugänglich sind? Deren Existenz genauso unbeweisbar ist, wie die verwegene These des Solipsismus? Seele ist ein Sammelbegriff für alles, was als Wahrnehmung der Welt durch ein Individuum, ein von der Welt sich getrennt Wahrnehmendes, ein Lebewesen zusammengefasst werden kann. Ob nun alle Lebewesen eine Seele haben oder nicht, sei dahingestellt, ist erstmal ohne Belang. Es geht ja um die Seel an sich. Ist sie ein Produkt meiner Urteilskraft, meiner Fantasie oder gar ein leerer Wahn oder ist sie etwas Reales, Substanzielles, unabhängig von meiner Vorstellung Existierendes? Das ist wohl die Frage. Doch eine Antwort werde ich nicht liefern können. Will ich auch nicht, wäre ja töricht. Kann kein Mensch. Umso befremdlicher für mich, dass große Geister, viel intelligentere, denkmächtigere Leute als ich, sich in dieser Frage zu einem Urteil verleiten ließen, die Existenz einer Seele bejahten oder verneinten. Waren die allesamt Toren? In diesem Punkte wohl schon. Merke: Klugheit schützt vor Torheit nicht!


            Endgültig unbeantwortbar muß die Frage nach der Seele nicht für immer bleiben. Es gibt keinen denknotwendigen Ausschluß der Lösung des Problems. Es mag ja sein, dass naturwissenschaftliche Verfahren entdeckt werden, die einen Nachweis liefern können, ob eine Seele real oder nicht. Wenn die Seel eine reale Existenz wär', mpsste sie auch physikalisch Spuren hinterlassen, ja selbst physikalischer Natur sein, also materiell oder wenigstens energetisch nachweisbar sein. Ein rein Geistiges ohne physikalische Komponente könnte ja auch nicht auf die Physik/Chemie des Körpers einwirken, also auch nicht aufs Gehirn, die Drüsen, Blutdruck etc. Womit der Schluß zulässig, ja notwendig, dass Geist/Seele, wenn sie real und existent, physikalisch meßbar sein müssen! Andernfalls könnten sie nicht auf mich und meinen Körper wirken! Da bisher jeder Versuch Geist/Seele physikalisch zu erfassen erfolglos blieb, könnte man geneigt sein, deren Existenz als Wunschvorstellung abzutun. Aber lassen wir das mal offen. Wir wissen so viel nicht, kommt es auf ein offenes Problem mehr oder weniger auch nicht an.


            Was war das Thema? Ach ja, Psychologie. Die Wissenschaft oder Lehre von der Seele. Sie ist ein Zwitter, weder gänzlich den Geisteswissenschaften, noch den Naturwissenschaften zuzuordnen (Sozialwissenschaften etc. mal auch überwiegend zu den Geisteswisschenschaften gezählt). Die Psychologie bedient sich beider Disziplinen und beschäftigt sich mit dem Verhalten, dem Erkennen und dem Empfinden des Menschen. Dazu kommen noch Einflüsse aus den Neurowissenschaften. Das nur zur Einordnung der Psychologie. Ich will hier keine Diskussion über Wissenschaftstheorie oder akademische Disziplinen abhalten, könnte ich auch gar nicht. Es reicht, den multidisziplinären Charakter der Psychologie im Hinterkopf zu behalten.


            Dabei ist der Begriff der Seele zweitrangig. Die Psychologie beschäftigt sich mit dem Verhalten, dem Erkennen, dem Empfinden, gleichgültig, ob als Trägerin hinter diesen Phänomenen eine spezielle Seele oder allein das Gehirn und Nervensystem stehen. Es spielt für die meisten Psychologen tatsächlich keine Rolle, ob die Seele rein körperlich instanziiert und organisiert ist, oder nicht. Es geht um Erkennen, Empfinden, Verhalten und das komplizierte Wechselspiel dieser Funktionen. Was noch für die Psychologie spricht, ist die Möglichkeit des Experiments. Sie wabert also nicht nur im Beliebigen, Subjektiven, sie bietet auch die experimentelle Prüfung von Annahmen, die statistische Erfassung psychischer Phänomene. Das erlaubt interessante Einblicke über Unterschiede im Verhalten und der Verarbeitung von Reizen bei verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen, Ethnien, religiösen Gemeinschaften etc. Berühmt wurde etwa das Milgramexperiment, das die Hemmschwelle testete, wie leicht oder schwer der einfache Bürger durch Befehle zu Überschreitung legaler, gesellschaftlicher und persönlicher ethischer Grenzen (Gewissen)verleitet werden kann. Es zeigte sich: erschreckend leicht. Aber das war nicht wirklich überraschend. Ein Blick in die Geschichte hätte genügt.


            Tatsächlich sind viele sog. Erkenntnisse der Psychologie nichts als Binsenweisheiten, Nona-Aussagen, die vielleicht für Theoretiker von Interesse sind, für die Praxis kaum taugen. Und das ist eine der Schwächen der Psychologie: die bescheidene praktische Wirksamkeit. Dazu kommt die unübersehbare Vielzahl von psychologischen Schulen, Theorien und Therapieansätzen. Das führt zu einer Qual der Wahl, welche Therapieform für welche seelischen Störungen die geeignetste sei. Hilfesuchende sind dabei meist überfordert, abgesehen davon, dass die Anzahl guter und leistbarer Therapeuten überschaubar ist. Grob kann die Psychologie/-therapie in die analytischen und die behavioristischen Schulen unterteilt werden. Zu ersteren gehören etwa die illustre Psychoanalyse mit Couch und zigarrerauchendem, traumdeutendem Therapeuten. Aus Freuds Psychoanalyse sprossen später die tiefenpsychologischen, individualpsychologischen und andere Zweige der analytischen Psychotherapie. Meist langwierige, langjährige Verfahren mit äussert überschaubaren Erfolgsaussichten. Eher sowas wie seelische Wellnesskuren für die gelangweilte Ehefrau des immer abwesenden Topmanagers, Geschäftsmanns, Erfolgstypen. Ist ja auch schon ein wenig in die Jahre gekommen und hat daher viel an Attraktivität verloren die Psychoanalyse. Und allmählich scheint sich ja auch die Erkenntnis selbst bei Therapeuten dieser Schulen durchzusetzen, dass Psyche nur sehr unvollständig analysierbar und mit Analyse kaum therapierbar ist. Wesentlich effektiver und wirksamer sind da die verhaltenstherapeutischen Ansätze. Sie gehen davon aus, dass das aktive Erleben und Erfahren mehr wirkt, als die bloße kognitive Einsicht. Behavioristische Therapieformen basieren im Wesentlichen darauf, als negativ, angstauslösend empfundene Situationen und Erfahrungen durch Exposition und Konfrontation mit eben diesen zu überwinden. Ängste, störend empfundene Gedanken, gefürchtete Situationen, belastende Gewohnheiten etc. werden demnach als negativ Erlerntes angesehen und können also durch das Erlernen neuer Denk- und Verhaltensschemata überwunden werden. Wie für alle Psychotherapieformen gilt: hilft nicht für alles, hilft nicht bei jedem und kommt immer drauf an.


            Hab ja eigene Erfahrung mit kognitiver Verhaltenstherapie gemacht. Wollte (m)eine soziale Phobie wegtherapieren. Was das ist, eine soziale Phobie? Das ist die Angst vor bestimmten sozialen Situationen wie Prüfungen, Reden vor einem Auditorium, Arztbesuchen, Treffen mit Fremden oder Geschäftspartnern etc. Es gibt keine Situation, die du nicht mit Angst besetzen kannst. Selbst den Gang aufs Clo oder unter die Dusche kannst du dir mit Ängsten pflastern. Es gibt keinen Menschen, der keine Ängste vor bestimmten Situationen hätte. Wenn die Angst aber so weit geht, dass du diese Situationen meidest aus Angst vor der Angst, dann wird die Angst immer stärker. Ziel einer Therapie ist es dann, die Mechanismen zu erkennen, die diese Ängste auslösen, Strategien zu erlernen, wie man die Angst beherrscht, kontrolliert und im letzten Schritt durch aktive Konfrontation mit derSituation - also das kontrollierte Begeben in die angstauslösende Situation (Exposition) - die Angst zu überwinden, abzuschütteln, zu verlieren. Soweit die Theorie.


            Mein Psychofritze war ein netter, junger Mann, hätte mein Sohn sein können. Er mühte sich redlich, machte auch keine Fehler - soweit ich das beurteilen kann -, doch mein unbewusster Selbstbestrafungsmechanismus war stärker, trotzte aller Therapie und hohnlachte allen Ansätzen, mir die Angst zu nehmen. Wahrscheinlich bin ich doch eher ein Fall für die Analyse als die Verhaltenstherapie. Denn, obwohl auch ich mir alle Mühe gab, der subcutane Trotz, der subconcius Widerstand gegen den Erfolg der Therapie, diese lustbetonte, paradoxe Selbstbestrafungstendenz, die war stärker als mein Wille! Wohl eine Form der Sanktion gegen Übertreten von Geboten des Über-Ichs, was weiß ich! Vielleicht ein ödipaler Schuldreflex, ein masochistisches Spaß-an-der-Angst-Syndrom oder nur senile Blödheit. Keine Ahnung.


            Ich hab abgebrochen, kostete viel Geld und brachte wenig Erfolg. Immerhin die Erkenntnis, dass tiefsitzende Psychodisfunktionen nicht einfach durch positive Gedanken, ein paar Therapeutenweisheiten oder Psychotrainigseinheiten in die richtigen Bahnen gelenkt werden können. Leb ich also weiter mit meinen liebgewordenen Ängsten, die ich im Grunde gar nicht los werden will. Denk ich mir wenigstens. Alles andre macht ja keinen Sinn. Bin halt ein hoffnungsloser Fall, ein Fall chronischer Lernresistenz und Veränderungsblockade.


            Sonst noch was? Nachdem ich mich jetzt schonungslos als neurotischer Spätachtundsechziger - so alt bin ich wirklich - geoutet habe, gehe ich in mich und mach mal auf Analyse. Nur ist da noch nie viel raus gekommen. Vielleicht, weil nix in mir drin ist, was von Bedeutung wär? Bisher fand ich nur Banalitäten, Peinlichkeiten, Alltagskram, Versagen, Absurdes und Selbstbeschädigung. Ja, auch manches Erfolgserlebnis.So ein Wühlen in sich selbst, ein Ausgraben längst verschütteter Eindrücke, Erinnerungen kann auch unangenehm, ja gefährlich werden. Vorsicht vot dem Wecken schlafender Ungeheuer. Das kann dein Wohlbefinden und dein inneres Gleichgewicht gefährden und durcheinanderbringen. Ohne den gewünschten heilenden Effekt. Denn bloßes Erinnern und Bewusstwerden vergangener Traumata, Kränkungen und Demütigungen, schafft deren Wunden, Folgen und Bewältigungsstrategien nicht aus der Welt deiner Seele. Das ist vielleicht der größte Irrtum Freuds und seiner Jüngerinnen, dass die Analyse gleichzeitig die inneren Konflikte, Ängste und Blockaden auflöse. So wie die Nennung eines Namens im Märchen den Bann löse. Bewusstmachung ist zwar Voraussetzung dafür, doch lange nicht hinreichend, ja bloß der erste Schritt. Zur Einsicht muß die Erfahrung kommen, die praktische Konfrontation mit den Auslösern der Ängste, Konflikte, Blockaden und der schrittweise Abbau durch aktives Tun. Das kann gelingen, muß aber nicht. Wie überhaupt alles, was mit Psyche verwickelt ist, sehr verwickelt ist.


            Und nun? Egal ob Seele oder Gehirn, Geist oder Nervengeflecht oder sowohl als auch, es ist ganz schön kompliziert. Glücklich ist, wer vergißt. Diese banale Nona-weisheit aus einer Operettenschmonzette ist sowohl wahr wie dämlich, zutreffend und falsch. Es kommt halt immer drauf an, wie meist im Leben. Besonders im psychischen. Das nämlich das alltägliche, banale ist. So einfach ist das. Und wieder auch nicht. Eben.


            ***

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            • #7
              Zitat von eulenspiegel Beitrag anzeigen

              Wenn die Seel eine reale Existenzsie auch physikalisch Spuren hinterlassen, ja selbst physikalischer Natur sein, also materiell oder wenigstens energetisch nachweisbar sein.
              Und die Seele müsste irgendwo herkommen. Sind Spermien und/oder weibliche Eizellen mit einer Mini-Seele behaftet?
              Keine schöne Vorstellung. Der Großteil fände ein unwürdiges Ende in Papiertaschentüchern und ähnlichem.
              Oder flutscht die Seele im Laufe der Embryonalentwicklung in den Körper? Das hieße, dass frei flottierende Seelen herumgeistern, die parasitenartig auf Wirte lauern. Und was passiert, wenn so ein heranwachsendes Leben von keiner Seele beglückt wird? Muss dann dieser Körper sein Dasein als Zombie fristen?

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              • #8
                Hier sieht man wieder, dass die Beantwortung einer Frage - in diesem Fall die hypothetische Annahme einer eigenständigen, realen, vom Körper unabhängigen Seele - eine Reihe weiterer Fragen aufwirft. Die Seelenanhängerschaft gibt ja die unterschiedlichsten 'Antworten':

                - Gott erschafft bei jeder Zeugung eine neue Seele
                - Im Jenseits warten Seelen, deren Karmakonto noch unausgeglichen auf die Chance, wiedergeboren zu werden und schlüpfen dann in einen Embryo (wann?, was wenn mehrere Seelen in den gleichen Embryo wollen - Streitschlichtung? die Schnellste gewinnt?)
                - es gibt einen Seelenpool, aus dem die Seelen in eine befruchtete Eizelle schwimmen/schlüpfen
                usw.

                Wer hat nun recht? Wie erfolgt die Inkorporierung einer Seele in den Embryo? Wie sieht die Kopplung aus? Wie sieht die physikalische Beschaffenheit einer Seele aus (reine Energie, Feinstoffleib, Astralkörper, Quantenfluktuation .....?)? Warum hat man noch keine Seele physikalisch detektieren können, wenn sie doch physikalisch existent sein müsste?

                Fragen über Fragen und keine Antworten. Das hat man davon, wenn man sich auf die Seele einlässt ....

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                • #9
                  Tier und Mensch. Mensch und Tier. Ein Thema wie ein Faß ohne Boden, endlos, grenzenlos wie die Dummheit, unendlich wie die Grausamkeit des Menschen, unbeschreiblich wie die Lust am Schinden und Quälen. Wo soll ich anfangen? Am besten ganz vorne. Am Anfang war das Wort. Und eines der ersten Worte, die der allgütige Schöpfer an sein Ebenbild richtete, war: Mach dir die Erde untertan. Vollständig lautet der Auftrag in 1. Mose, 28:


                  Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.


                  Ist ja noch schlimmer als die Kurzform. Denn ER erlaubt nicht nur, ja er fordert explizit die Herrschaft über alles Getier, das auf Erden kreucht, fleucht und schwimmt. Einer der verhängnisvollsten Sätze der Menschheitsgeschichte. Auch wenn der heutige Papst in seiner Ökoenzyklika diese eindeutige Aussage seines Gottes postmodern - und postmortem, denn der Alte ist ja angeblich tot - beliebig umdeutet in 'macht euch der Erde untertan', also dienet - nicht herrschet, ist das nur ein hilfloser, vergeblicher Versuch, nach tausende Jahre währenden Verbrechen dieser Kirche am Tier und der Natur überhaupt, einem zeitgeistigen Ökotrend zu folgen. Aber es war nicht die jüdisch-christliche Tradition allein, die diese Herrschaftsmentalität predigte. Praktisch alle Völker und Kulturen des Homo sapiens beuteten die Umwelt mehr oder weniger gnadenlos, bedenkenlos, ja selbstzerstörerisch aus. Das Tier ganz besonders. Als Arbeitstier, als Kampfmaschine, als Fleischlieferant und Rohstoffquelle für Bekleidung, Werkzeuge und Kunstgegenstände und als Objekt zur Belustigung und zum grausamsten Spektakel. Unserer Epoche allerdings blieb es vorbehalten, das Tier als Stückgut, Massenware, als Sache, bloße Zahl im Produktionsprozeß zu entwerten. Die industrielle Eiweißproduktion auf tierischer Basis sieht das Tier als Rohstoff wie Getreide, Erz oder fossile Energie.


                  Verharmlosend Nutztiere genannt, werden sie in stinkende Ställe auf Betonspaltenböden ohne Einstreu gepfercht, damit das Kilo Fleisch billiger erstanden werden kann, als ein Kilo Brot. Werden sie auf LKWs gepeitscht und gequetscht und über tausende Kilometer quer über den Kontinent gekarrt, ohne Tränke, ohne Rast. Ein zweistelliger Prozentsatz überlebt diese Horrortransporte nicht, besonders im Sommer bei Hitze. Die verletzten, halbtoten Viecher werden per Baggerschaufel und Kran ohne Rücksicht auf weitere, schwerste Verletzungen irgendwo hingekippt und irgendwann der Resteverwertung zugeführt. Was sich in den Schlachtfabriken abspielt, können Worte nicht beschreiben. Das muß man gesehen haben.


                  Gibt es in diesem ganzen Horror noch eine Steigerung, dann sind es die Zustände auf den Rindertransportschiffen nach Nahost, die Entladung der Höllentanker und die anschließende Zutodeschindung der elenden Kreaturen. Natürlich halal und koscher. Wer je einen Film gesehen hat, wie die aus der EU angeschipperten Schlachtrinder im Hafen von Beirut 'entladen' und anschließend 'geschlachtet' werden, weiß, wovon ich rede. Schlachten ist dabei ein verharmlosender und aufs Höchste beschönigender Begriff. Diese Bilder werde ich nie vergessen. Sie sind nur noch vergleichbar mit den horrenden, verstörenden Aufnahmen anläßlich der Befreiung der KZs durch die Alliierten. Wem das menschenverachtend, den Holocaust verharmlosend erscheint, der schaue sich mal die erwähnten Videos aus Beirut an. In Tripolis, Alexandria oder Latakia sieht es nicht anders aus. Aber Vorsicht, diese Bilder könnten Ihren Schlaf stören und gesundheitliche Schäden auslösen.


                  Die EU, diese wertebasierte Gemeinschaft für Demokratie, Menschenrechte und Humanismus, kümmert sich um die Tierrechte einen Scheißdreck. Diese skandalösen Tierqualtransporte gehen weiter, alle Versuche, etwas mehr Tierschutz im europäischen agroindustriellen Komplex zu etablieren, sind bislang am Widerstand der Bauernverbände und dem feigen Versagen der Politik gescheitert. Statt die Haltungsbedingungen zu verbessern, werden die Verbraucher getäuscht, werden irreführende Qualitätssiegel erfunden, die Tierwohl suggerieren, werden Tierschützer kriminalisiert und lasche Gesetze erlassen, die einen Tierschutz vorgaukeln, der nicht existiert. Weil sie bloß das Tierleid in der industriellen Fleischproduktion festschreiben. Und zudem nichtmal eingehalten und exekutiert werden. Tierärzte schauen weg, nicht die Gesetzesverstöße kommen vor Gericht, sondern die Leute, die diese dokumentieren und öffentlich machen wollen.


                  Nun höre ich schon den Einwand, in der Natur ginge es ja auch nicht zu wie auf dem vielzitierten Ponyhof oder beim Kindergeburtstag. Es stimmt schon, dass es dort auch nicht immer schmeichelweich hergeht, da ist schon was dran. Schauen wir mal hin. Wer je Filme geguckt hat, wie Löwen ein Zebra jagen und erlegen, wie Hyänen ihre Opfer bei lebendigem Leib in Stücke reissen, wie Wölfe einen schwachen Bison zu Tode hetzen, der wird ein aufsteigendes Gefühl von Mitleid nicht unterdrücken können. Ist die Natur also genauso grausam und empathielos wie wir Menschen? Nun, es gibt da entscheidende Unterschiede. Das Raubtier tötet, um selbst zu überleben und seine Art zu erhalten. Massentierhaltungen von Antilopen, Zebras oder anderen Beutetieren bei Löwen, Hyänen und Wölfen sind bislang nicht bekannt. Es mag mal vorkommen, dass bei eingezäunten Schafherden mehr Tiere gerissen als anschließend gefressen werden, was von der Bauernschaft und den Jägergilden dann immer als Freiticket für den Abschuß von Wölfen und Bären in unseren Landschaftsgärtnereien benutzt wird, doch im allgemeinen tötet ein Räuber nur so viel, wie unbedingt nötig. Ein weiterer Unterschied ist das fehlende Profitstreben im Tierreich. Mensch bereichert sich umso mehr, je billiger produziert werden kann. Das gilt auch für die Produktion von Nahrungsmitteln. Fleisch ist in unseren EU-Supermärkten inzwischen vom raren Ernährungswertstoff zu billiger Massenware verkommen, die achtlos weggeworfen wird. In der EU landet fast die Hälfte aller Nahrungsmittel im (Bio-)müll. Ähnliches ist in der Natur bislang nicht entdeckt worden. Und was das alles mit dir und mir zu tun hat?


                  Einiges. Mensch bildet sich eine ganze Menge ein auf seine exklusive Würde, auf seine ihm allein von Gott verliehene Seele, auf Verstand und Vernunft, auf Kultur und Zivilisation, auf Ethik und Moral. Das alles kennt das Tier nicht und wird ihm von uns abgesprochen. Obwohl neuere Forschung vielen Tieren, speziell Säugetieren, Vögeln und einigen anderen Spezies - mit Sicherheit aber all unseren sogenannten Nutztieren - nicht nur ein Bewusstsein und damit Leidensfähigkeit zuspricht, sondern auch in vielen Fällen eine viel ausgeprägtere Sensorik und Sensibilität. Woraus man den Schluß ziehen muß, dass die Schmerzempfindlichkeit dieser Tiere der des Menschen zumindest ebenbürtig ist. Ich behaupte sogar, dass die Leiden der Tiere noch ungleich schwerer und intensiver sein müssen, weil sie den Schmerz nicht wegrationalisieren können und weder wissen, wofür sie leiden und wie lange. Der Mensch, der Schmerz empfindet, weiß in der Regel, warum, meist sogar wofür und wozu und wie lange dieser Schmerz andauern wird. Beispiel Zahnarzt, Notversorgung ohne Betäubung, Schmerzen nach Operationen und beim Heilungsprozeß. Das alles lässt den Schmerz relativieren, Distanz schaffen, leichter ertragen. Dem Tier fehlt diese rationale Schmerzeinschätzung. Es leidet total, unmittelbar, ohne Wissen um Zweck, Ziel und Ende.


                  Man kann - und viele tun das - all das als Gefühlsduselei abtun, als hypermoralische Empörung eines übersättigten Wohlstandsbürgers, der Tiere mehr achtet als Menschen, kann man alles. Es bleibt aber bei mir das ungute Gefühl, dass, solange wir Tiere derart missbrauchen, wie geschehen und geschieht, dass solange die Welt nicht in Ordnung ist. Ich denke nicht, dass die Gluthitze auf der Sonne dieser selbst wehtut, ich glaub nicht, dass die absolute Kälte auf der Rückseite des Vollmonds diesen frieren lässt, ich glaub nicht, dass unbelebte, anorganische Materie ein Bewusstsein und eine Sensorik besitzt. Ich stelle mir vor, dass Leidensfähigkeit Bewusstsein, Selbst-Bewusstsein voraussetzt. Ich spür ja auch bei Vollnarkose keinen Schmerz. Das Rätsel des Bewusstseins mal ausser Acht gelassen, ist es wohl an eine gewisse Komplexität eines Nervensystems gebunden. Ich weiß nicht, ob ein Regenwurm, der sich krümmt, wenn ich ihn anstupse, ob er Schmerz empfinden kann. Vielleicht sind seine Reaktionen ja nur Reflexe. Ich weiß nicht, ob eine Schnecke oder ein Hummer, die ins siedende Wasser geworfen werden, Schmerz verspüren - neueste Studien legen dies nahe, ich weiß nicht, ob ein Fisch am Angelhaken Qualen leidet. Was ich aber mit ziemlicher Sicherheit weiß, dass ein Säugetier wie ein Schwein, eine Kuh oder ein Geflügel wie ein Huhn, dass die sehr wohl körperlichen Schmerz empfinden. So wie du und ich. Noch intensiver, weil unmittelbar, ohne Umweg über die Ratio. Und, es ist auch bei mir nur eine Frage des Schmerzlevels, ab wann jede rationale Überlegung ein Ende findet und nur noch der Schmerz mein ganzes Fühlen und Denken ausfüllt. Und deshalb denke ich, dass Tierschutz grundsätzlich kein Luxus, keine Gefühlsduselei sei, sondern eine selbstverständliche Haltung meinen tierischen Brüdern und Schwestern gegenüber. Für den Löwen in freier Wildbahn brauch und soll ich keine Verantwortung übernehmen. Der sorgt für sich selber, soweit man ihn lässt. Für das Masthuhn, das Zuchtschwein, die Milchkuh, das Nutztier muß ich Verantwortung übernehmen, denn sie sind mir ausgeliefert, auf Gedeih und Verderb. Ja, es gibt sie nur, weil ich sie züchte und mäste. Also ich stellvertretend für uns alle. Wer es also mit seiner Humanitas ernst nimmt und sie nicht nur auf der Zunge zergehen lässt, der ist in Verantwortung für unsere Nutztiere, ja unsere Umwelt schlechthin.


                  Ein besonders trauriges und beschämendes Kapitel im Umgang mit dem Tier ist für die Krone der Schöpfung das Schinden und Quälen von Tieren zur Belustigung, das Martern von Tieren fürs Spektakel, als da wären Stierkampf, das Aufeinanderhetzen von Hähnen und Hunden, aber auch sogenannter Pferdesport vom Traben übers Springen bis hin zum Polo. Und was weiß ich alles noch. Es gibt keine Perversion, die Mensch sich noch nicht ausgedacht hätte. Was soll ich dazu sagen? Da bist du sprachlos. Da bist du nur noch ratlos. Das kann weder die Psychologie noch die Philosophie deuten. Dafür gibt es keine andere Erklärung als die völlige Verirrung, Pervertierung von Verstand und Emotion, die totale Empathielosigkeit. Und die Ansteckung durch die Masse. Wie ich ja immer wieder betone: Mensch als Einzelwesen besitzt einen Rest Anstand und Einsichtsfähigkeit, Mensch in der Masse wird zur unberechenbaren, besinnungslosen Marionette. Was keine Entschuldigung ist, aber immerhin der Versuch zu verstehen, wie solches möglich.


                  Im Grunde geht es um unser Bild vom Tier. Die Religion habe ich schon gestreift, die sah Mensch allein als beseelt und damit würdig an, mit Respekt und Nächstenliebe behandelt zu werden. Tier und Natur überhaupt waren nur da, Mensch zu dienen, zu ernähren, zu bekleiden, nützlich zu sein. Einen Eigenwert besaßen sie nicht. Wer nun glaubt, dass sich das mit der Aufklärung änderte, ist auf dem Holzweg. Schon Descartes sah im Tier bloß einen bewusstlosen, empfindungsunfähigen Automaten. Ein weiter Beweis dafür, dass selbst hochintelligente Menschen fundamental irren, ja die offensichtlichsten Tatsachen völlig falsch einschätzen können. Sein Kollege Kant machte es nicht viel besser, der schreibt gleich zu Beginn seiner Tugendlehre: ´Der Mensch kann keine Pflicht gegen irgend ein Wesen haben, als bloß gegen den Menschen´ und weiter 'Die grausame Behandlung der Tiere ist der Pflicht des Menschen gegen sich selbst entgegen; weil sie das Mitgefühl an ihrem Leiden im Menschen abstumpft, wodurch eine der Moralität im Verhältnis zu andern Menschen sehr diensame, natürliche Anlage geschwächt wird.'


                  Besser als ich es je könnte, antwortete darauf Schopenhauer: 'Also bloß zur Übung soll man mit Tieren Mitleid haben, und sie sind gleichsam das pathologische Phantom zur Übung des Mitleids mit Menschen. Ich finde [...] solche Sätze empörend und abscheulich. Zugleich zeigt sich hier abermals, wie gänzlich diese philosophische Moral, die [...] nur eine verkleidete theologische ist, eigentlich von der biblischen abhängt. Weil nämlich (wovon weiterhin) die christliche Moral die Tiere nicht berücksichtigt; so sind diese sofort auch in der philosophischen Moral vogelfrei, sind bloße ´Sachen`, bloße Mittel zu beliebigen Zwecken, also etwa zu Vivisektionen, Parforcejagden, Stiergefechten, Wettrennen, zu Tode peitschen vor dem unbeweglichen Steinkarren - Pfui!'


                  Damit ist eigentlich alles gesagt. Und auch noch die Verlogenheit offengelegt, mit der die sonst so streng und präzise argumentierenden Aufklärer weiterhin eine theologische, christlich-jüdische Moral hinter dem Mäntelchen der Vernunft versteckten. Kant ist das Paradebeispiel eines großen Denkers, der bei der Umsetzung seiner Gedanken, bei der Ableitung von Forderungen für die Praxis eklatant und vollkommen versagte. Erkenntniskritik vorzüglich mit Auszeichnung, Ethik Totalversagen mit geradezu absurder Unterwerfung unter die christliche Doppelmoral.


                  Wenn schon unsere größten Geister in Bezug auf unser Verhältnis zu Tieren und zur Umwelt schlechthin so fatal irrten, was bleibt da übrig als der Schluß: Mensch ist ein Tier mit besonderen kognitiven Fähigkeiten, mit Hang zu maßloser Selbstüberschätzung und der Unfähigkeit, der Natur, von der er ein Teil ist, mit Demut und weiser Selbstbeschränkung zu begegnen. Was im Besonderen für den Umgang mit Tieren gilt.


                  Fazit? Ernüchternd, hoffnungslos, wir werden es am Ende aber doch selber schaffen, die Erde von uns zu befreien.


                  ***

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                  • #10
                    Gendern, Transgendern, Bipolarität, Wokeness, Aneignen, kulturell Ausbeuten, Übergreifen. Ein kleines Subset an Begriffen, die im politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Umherlaufen (Diskurs) häufig benutzt werden, um Andersdenkenden vom Zeitgeist geächtete oder geforderte Haltungen, Meinungen oder Imperative vorzuwerfen oder von ihnen einzumahnen. Was hat es damit auf sich? Sind das berechtigte Anliegen, längst überfällige Projekte fürs heutige, gedeihliche Zusammenleben oder überkandidelte Zumutungen weltfremder Gutmenschen, wohlfeiler Aktionismus einiger Randgruppen? Ist diese Diversitätsagenda ein Zeichen von Dekadenz oder gesellschaftlicher Reife, demokratischen Fortschritts? Ist Multikulturalität der Anfang vom Ende nationaler Identität, staatlicher Einheit? Oder ein Indiz für die unaufhaltsame Globalisierung? Sind Internet, weltweite Kommunikation zum Nulltarif, Fernreisen für jeden und Freihandel die Auslöser und Treiber supranationaler Konstrukte wie der EU? Ist die Menschheit auf dem Weg ins globale Dorf und in die bunte Vielfalt einer Alle-haben-sich-lieb-Gemeinschaft?


                    Fragen über Fragen und sehr unterschiedliche Antworten, je nachdem, wo man steht. Der Standpunkt entscheidet schließlich über den Blick auf die Welt, was man sieht und was nicht. Wie soll ich da Ordnung reinkriegen in diesen Wust von Ansichten, Meinungen, Postulaten, Imperativen, Verurteilugen, Forderungen, Utopien, Dystopien? Gar nicht. Muß ich ja nicht. Schau mir die Dinge halt mal von verschiedenen Seiten an. Was ist dran an der Genderei, der Diversität, der Multikulturalität?


                    Erstmal vorweg. Der Genderismus auf sprachlicher Ebene ist nichts als infantiler, spätpubertärer Unfug. Punkt. Dass sich inzwischen in der BRD eigene Hochschulinstitute und Fakultäten mit derlei intellektuellen Luftmaschen und Hirnwichsereien befassen, Behörden eine gendergerechte Amtssprache totgebären, die am Ende noch unverständlicher und exkludierender ist, als die schon bestehende, all das sind doch Anzeichen einer totalen Orientierungslosigkeit, Verirrung, gleicht dem atemlosen Nachhasten einem beliebigen Zeitgeist hinterher, ohne zu wissen wohin. All das ist für mich belanglos.Offensichtlich wird die Konfusion im Hühnerhof der diversen Genderbewegungen, Queeraktivisten, Emanzipationsbewegungen, wenn sie aufeinander einhacken, anstatt sich an den üblichen Verdächtigen - alte, weiße Männer, Machos, Patriarchen, Fremdenfeinde usw. - abzuarbeiten. Da zanken Farbige (darf man das noch sagen? Heisst heute wohl PoC) mit Weißen, ob das Buch einer Schwarzen von einem Weißen übersetzt werden darf (kulturelle Aneignung!), da hacken Schwule und Lesben auf Heteros ein, Diverse auf Bipolare, Transmenschen auf biologisch-sexuell Definierte. Den absurdesten Kombinationen, wer gegen wen, sind keine Grenzen gesetzt. Nur ein Beispiel: eine (weiße) Sängerin mit Dreadlocks sollte nicht auftreten dürfen, weil sie doch der Rasse (?, geht gar nicht, aber wie soll man sonst sagen?) der Sklavenhalter angehöre.


                    Komisch, dass einige Fragen nie gestellt, manche Probleme nie an den Haaren herbeigezogen werden:


                    - Dürfen PoC Lieder von Schubert, Brahms, Mahler und Co. singen?
                    - Dürfen PoC europäische Klassik spielen?
                    - Dürfen Weiße Jazz und Blues spielen?
                    - Dürfen/Können PoC Christen sein/werden? Immerhin die Religion der Sklavenhalter.
                    - Darf ich was anderes als deutsch-österreichische Gerichte kochen?
                    - Ist Pizza für einen Österreicher noch erlaubt?
                    usw.


                    Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis man auch die absurdesten Tabus aufstellen wird. Wie wär's mit kein Kaffee/Kakao für Weiße! Nur Malzkaffee erlaubt.


                    Bemerkenswert, dass alle Verbote, Forderungen und Anklagen nur in eine Richtung gehen: Von PoC/Queer/Divers gegen Weiß/Bipolar/Normal, wobei normal schon ein Schimpfwort ist. Als ob die Verpflichtung zu Respekt, Wahrgenommenwerden, Toleranz nur in eine Richtung gelte, quasi eine Einbahnstraße sei. Als ob das Konto der weißen Sklavenhalter und Kreuzzügler so tief rot wäre, dass man da schon noch Einiges an Gutschriften verlangen könne. Solange die Schulden nicht getilgt sind, ist es vielmehr nur recht und billig - meist auch teuer -, Buße zu verlangen. Moralische Unterwerfung statt kultureller Aneignung! Und nicht wenige Angehörige der mit dieser Erbsünde belasteten Nachkommen weißer Eroberer und Unterdrücker üben sich ja auch fleißig in Demutsgesten und verkrümmen ihre Rücken so sehr, dass sie kaum mehr geradeaus schauen können. Die Welt nur noch aus der Perspektive des Kriechens wahrnehmen. Ob das im Sinne des Erfinders?


                    Mal alle Polemik beiseite gelassen, alle Moral ausgeblendet, jede Scheuklappe abgelegt, einfach die Frage, ob diese zeitgeistige Haltung der vermeintlichen, gut gemeinten Korrektheit allen diskriminierten und benachteiligten Randgruppen gegenüber nicht ein Zeichen von Dekadenz sei. Also Dekadenz bezogen auf die bisher in der Geschichte geltenden Maßstäbe des Rechts des Stärkeren, des Willens zur Macht. Es zeigt sich immer wieder in der Historie, dass die Menschen zunächst mal eine Ideologie schufen. Deren gab und gibt es unüberschaubar viele, hier nur ein paar geläufige, wahllos aufgezählte: Judentum, Christentum, Monarchie, Republikanismus, Demokratie, Sozialismus, Kapitalismus, Faschismus, Liberalismus, Nationalismus usw., wobei hier viele Überschneidungen und Überlappungen zwischen den Systemen bestehen, oft eines aus dem anderen hervorgeht. Wo bin ich? Ach ja, Dekadenz.


                    Ich wage nun die These, dass am Anfang jeder Ideologie die Unterscheidung Freund-Feind, Sympathisant-Gegner, Aktivist-Mitläufer steht. Jede Ideologie braucht ihre Anhänger und Gegner. Letztere werden mehr oder weniger rigoros isoliert, ausgesondert, bekämpft, eliminiert oder vertrieben. Es entsteht dabei eine Art imperiales Gebilde, Staat, Reich, welches immer den Drang hat, sich zu erweitern, vergrößern. Allein aus der Angst heraus, sonst nicht bestehen zu können. Nach dem Aufstieg folgt immer eine Phase der Konsolidierung, Abschwächung des territorialen und wirtschaftlichen Wachstums und schließlich der Abstieg, Verfall, Dekadenz. Ich behaupte, dass alle menschlichen Gemeinschaften, gleich ob monarchisch, republikanisch, demokratisch, totalitär, staatlich oder lose organisiert diesem Zyklus folgen. Mit Ausnahme vielleicht von Stammesgemeinschaften, nomadischen Gesellschaften, alle jene, die den Begriff Eigentum nicht kennen. Tja, Eigentum, das ist ein eigenes Thema. Laß ich mal so stehen.


                    Was ist nun unser System, unsere gegenwärtige Phase? Na ganz klar höre ich im Chor: Demokratie, Kapitalismus mit einem Schuß Christentum, Menschenrechte, Pluralität usw. Eines ist klar, das Land in dem ich lebe, die europäische Gemeinschaft als supranationales Konstrukt, dessen Mitglied mein Staat ist, dieses mein Heimatland ist eine Melange aus Nationalstaat mit demokratischer Verfassung, Rechtsordnung, kapitalistischer Wirtschaftsordnung mit eingewobener sozialer Absicherung, katholischer Grundierung und liberalen gesellschaftspolitischen Ansätzen. Und was hat das jetzt mit Dekadenz zu tun? Gemach.


                    Unser heutiges Staatsverständnis, unsere heutige Verfasstheit, unsere heutige gesellschaftliche Ordnung, sie sind geprägt von drei Prinzipien: Eigentum, Wettbewerb und Profitstreben. Die prägen unser Leben von Anbeginn. Noch bevor irgendein Pädagoge an uns rankommt, bevor irgendein Pfaffe uns indoktriniert, bevor der Ernst des Lebens hinter Schulbänken und Werkbänken, Schreibtischen und Fabrikstoren auf uns lauert. Die Eltern und Geschwister leben vor, worauf es ankommt, was wichtig ist, was uns ausmachen soll. Da braucht es weder Belehrungen, noch Predigten, das nehmen wir intuitiv auf und verinnerlichen es: das will ich haben, davon will ich noch mehr haben, das gehört mir. Wie der König im Märchen Rumpelstilzchen wollen wir immer mehr: mehr Spielsachen, mehr Eis, mehr Süßigkeiten, dann mehr Geld, mehr Ansehen, mehr Macht. Und was hat das bitte mit Dekadenz zu tun?


                    Noch gar nichts. Denn die genannten 3 Pfeiler unserer kapitalistischen Weltordnung sind im Prinzip neutral oder ohne Belang in Bezug auf die Phase, in der sich unsere Gesellschaft befindet. Sie wirken fort, in jeder Ideologie, von Anfang bis Ende und darüber hinaus. Wie lange noch, weiß kein Mensch. Begonnen hat diese - ich nenn sie mal kapitalistische - Grundlage menschlicher Zivilisation mit dem Übergang vom Nomadentum zur Seßhaftwerdung, als Mensch vom Jäger und Sammler zum Bauern wurde. Landwirtschaft bedingt Landnahme, plötzlich beansprucht jemand Land, Territorium für sich, er sitzt drauf, besitzt es buchstäblich. Alles andere folgt von selbst: Vorratshaltung, sichere Nahrungsversorgung, Bevölkerungswachstum, damit mehr Bedarf an Land usw. Der Kreislauf fortgesetzten Wachstums hat begonnen. Der Bauer war der erste Kapitalist. Eigentum und Besitz sind die Voraussetzungen für bäuerliche Gesellschaften. Erst viel, viel später folgen der Fabriksbesitzer, die Aktie und die Geldschöpfung. Was ich damit sagen will, das was wir Kapitalismus nennen ist eigentlich nur die Folge der ersten Landnahme. Noch vor dem Kapitalismus kommt und quasi sein Substrat: Eigentum, Besitz. Der Kapitalismus ruht also auf dem Proprietarismus. Juristen unterscheiden zwischen Eigentum und Besitz, ich verwende letzteren Begriff aber so, wie er landläufig verstanden wird: Was ich besitze, ist mein Eigentum. Und auf spitzfindige Eigentumsunterscheidungen: materiell, geistig und andere, gehe ich hier nicht ein. Und was hat das alles mit Dekadenz zu tun? Zugegeben nicht viel. Doch versuch ich mal, die Kurve zu kriegen. Denn irgendwie hängt das alles zusammen.


                    Zuerst: Dekadenz ist nichts Böses, Schlechtes, sie ist die natürliche Phase jeder Entwicklung. Am Anfang steht die Zeugung, der Zusammenschluß von Samen und Ei, die Bestäubung, die Vereinigung zweier ergänzender Teile. Dann Wachstum, Aufstieg an Größe, Umfang, Macht. Dann Höhepunkt, Reife, Ernte. Dann Abstieg, Dekadenz eben. Am Ende der Tod, das Erlöschen. In Betrachtung von Nationen, Staaten gibt es die gleichen Phasen. Zeugung wäre die Ideeder Nation, darauf folgend die Entwicklung eines Staatskörpers, evolutionär oder revolutionär, dann Wachstum, Aufstieg, friedlich oder kriegerisch, der Höhepunkt wäre in diesem Fall Wohlstand, verbunden mit mehr oder weniger Ausbeutung anderer, schwächerer Staaten, natürlicher Ressourcen. Wohlstand macht träge und gierig. Hatten wir schon. Jetzt beginnt die Dekadenz. Mangels echter, existenzbedrohender Probleme schafft sich die Wohlstandgesellschaft Luxusprobleme, liefert sie sich Scheingefechte wie Verteilungskämpfe, Gleichberechtigungsdiskurse, divergiert sie in den Individualismus. Die Gemeinschaft spaltet sich in unzählige Grüppchen und Individuen (Diversität), zersplittert, zerbricht, wird von anderen okkupiert, übernommen, einverleibt.


                    Und? Wo befinden wir uns heute? Wir, also zum Beispiel die BRD als größter bevölkerungsreichster und wirtschaftlicher Faktor in der EU.Mir fallen dazu am ehesten die Begriffe Zersplitterung, Fragmentierung und Individualisierung ein. Je kleiner das Grüppchen, desto lauter und schriller seine Forderungen an die Mehrheit. Desto mehr Beachtung erheischend. Sie nennen sich NGO, Bewegung, Interessensvertretung, Bürgerinitiative, Bürgerrechtler, Aktivisten usw., wobei vom braven Verein bis zur extremistischen Randgruppe alle Spielarten des gesellschaftlichen, politischen Engagements vorzufinden sind. Die meisten nennen sich demokratisch, übersehen dabei, dass sie fast ausschließlich Minderheiten vertreten, was nicht undemokratisch ist, aber für die Mehrheit nicht verpflichtend. Diese fehlende Masse versuchen sie durch Lautstärke, Aktivismus und Spektakel wettzumachen.


                    Langer Schreibe kurzer Sinn: ich denke, wir in der BRD, A, NL, Skandinavien und vergleichbaren europäischen Staaten befinden uns in der Abstiegsphase gesellschaftlicher Entwicklung. Zersplitterung, Eigensinn, Eigenbrötlerei, kleinliche Vereinsmeierei - geriere sie sich noch so progressiv -, beeinflussen immer stärker die kopflose Politik. Aber die Klimakatastrophe auf die wir elektromobil zurasen, wird das alles relativieren. Da geht es dann vielleicht Aug um Aug, Zahn um Zahn, rette sich wer kann. Also zurück an den Start.


                    ***

                    Kommentar


                    • #11
                      Katalog von Forderungen
                      1. alle, die in der letzten Corona-Krise Geld einnahmen/sich bereicherten, müssen dieses dem Gemeinwesen zur Verfügung stellen;
                      2. jeder Mandatsträger, der die letzte Krise managen sollte und dies schlecht tat, soll seinen Posten zur Verfügung stellen und auf jeden Anspruch verzichten;
                      3. die Armut in Deutschland ist sofort zu verbieten, indem eine rigorose Umverteilung erfolgt und Lebensgrundlagen gesichert werden: Frieden mit Rußland, Wiederaufnahme der russischen Erdgas- und -öllieferungen und
                      4. Umkehr vom Irrweg/Umbau der Industrie und Gesellschaft zu einem Regenbogenstaat oder jede Verantwortung fürs Leben und die Freiheit; Priorisierung der Freiheit gegenüber Ideologie.

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                      • #12
                        Katalog von Forderungen, oder Brief ans Christkind, wie man bei uns sagen würde...
                        Je unfähiger ein verantwortlicher, desto mehr klammert er/sie sich an sein Amt.

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                        • #13
                          Ich habe vor kurzem einen Bericht über die offizielle Analyse zur C-Zeit gelesen. Demnach wurden ca. 170 Mio. Impfungen an ca. 60 Mio. Deutschen vorgenommen (also 3 von 4 Deutschen wurden geimpft und zwar je knapp 3 mal pro Kopf). Desweiteren wurden 2,5 Mio. Arztbesuche registriert, die im Zusammenhang mit Nebenwirkungen der Impfung standen!!! Die Dunkelziffer der Schäden dürfte erheblich höher sein, da sicher nicht jeder deswegen zum Arzt geht.

                          Davon abgesehen berichten "dunkle Quellen" (Vorsicht #verschwörungstheorie) von einer Inkubationszeit von 5-10 Jahren. Also wenn in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts plötzlich übermäßig viele unerklärliche Todesfälle auftauchen, könnte dies mit der C-Impfung zu tun haben. Natürlich wird uns das dann als neue Seuche verkauft werden 🤷‍♂️

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                          • #14
                            Leben ist absurd. Individuelles Leben wie Leben als Phänomen an sich. Sowohl physikalisch als auch philosophisch, chemisch wie psychisch. Leben ist zielgerichteter Zufall, planmäßiges Chaos. Leben widerspricht der Entropie, widersetzt sich der Logik, überfordert Verstand und Vernunft. Leben dürfte es gar nicht geben, nach allem, was wir über Physik und Chemie wissen. Was fürs Leben gilt, gilt umso mehr fürs Bewusstsein. Das offenbar an Leben gebunden ist. Für welches Leben die Voraussetzung zu sein scheint. Aber ich will mich nicht schon wieder an Fragen des Bewusstseins verheben. Wie ein kluger Kopf schon sagte, könnten wir Bewusstsein erklären, wären wir zu dumm, Bewusstsein zu verstehen. Oder so ähnlich.


                            Nein, weder Bewusstsein noch Seele und Geist habe ich auf dem Menü. Es geht nur ums Leben. Dieses absurde Phänomen, das scheinbar aus dem Nichts entsteht, wenn ein paar Bedingungen gegeben: Wasser in flüssiger Form und sonst fast nichts. Leben reicht von einfachsten Formen wie simplen Molekülen, Einzellern bis hin zu Organismen, die Billionen Zellen umfassen. Billionen Zellen, die koordiniert, zielgerichtet, adaptiert, strukturiert und planvoll agieren, kooperieren, kollaborieren. Allein, was Biologie und Medizin an Erkenntnissen über die Funktionalität unseres Körpers herausgefunden haben, übersteigt jede Plausibilität, jedes Verständnis, jede Erklärungsmöglichkeit. Ob Stoffwechsel, Zusammenspiel der Organe, Steuerung durch Botenstoffe, Sekrete, Immunsystem oder Heilung von Krankheiten, die Organisation des Körpers ist unerklärlich, übersteigt jedes Verstehenkönnen. Und, das Ganze wundersame Zusammenwirken von Myriaden Zellen geschieht ohne unser bewusstes Eingreifen, ohne unser Zutun. Als 'wüssten' diese Galaxien von Zellen, was sie zu tun, zu leisten hätten. Alle Fragen nach einem Was, Wie, Warum prallen ab an der Betonwand der Absurdität des Lebens. Da entsteht etwas aus dem Nichts toter Materie, organisiert sich, baut und schichtet immer komplexere Zellsysteme in-, auf- und durcheinander, probiert und probiert das scheinbar Unmögliche: immer mächtigere, besser angepasste, komplexere Organismen zu formen. Und das nicht nur ein oder zweimal, nein milliardenfach. Die Anzahl der Arten, die die Erde bis dato bevölkerten ist unübersehbar, unzählbar, weil die meisten schon ausgestorben.


                            Wie kommt es dazu? Was treibt diese absurde Maschine genannt Leben, was bewegt und regt sie an? Die Physik kennt nur eine Richtung: Ausgleich, Vereinfachung, niedrigste Komplexität, Chaos - Entropie. Leben ist das Gegenteil: Aufbau, Differenzierung, wachsende Komplexität, Organisation - Negentropie. Determinismus statt Zufall? Obwohl, Leben spielt mit dem Zufall und bleibt nach jedem Wurf bei der höchsten Augenzahl, von wo aus es weiter würfelt. Leben ist weder deterministisch, noch zufällig. Es ist mehr. Es probiert und probiert und wenn sich ein Wurf bewährt, wird er beibehalten. So schaukelt sich Leben hoch auf dem Pokerspiel der Evolution. Womit das Unwort gefallen wäre. Evolution statt Entropie. Aber was stachelt das Leben an zum Spiel mit dem Zufall? Was motiviert diese Moleküle dazu, sich neu zu organisieren und mit der Umwelt zu interagieren? Was ist der Antrieb, die Motivation?


                            Die Physiker, die an sich nur Entropie kennen, haben eine Erklärung dafür: Energiezufuhr. Speist du Energie in ein abgeschlossenes System, dann kann die Entropie innerhalb des Systems umgekehrt werden, kleiner werden, wird aus Entropie Negentropie. Die Energiequelle der Erde ist die Sonne. Gäb es sie nicht, wär die Erde kalt und unbelebt. Leuchtet ein. Doch bleibt ein Rest Unverständnis, ein Wald von Fragezeichen. Sonnenenergie erwärmt den Planeten, sodaß Wasser in flüssiger Form vorhanden. Wie gesagt, die Voraussetzung für Leben, wie wir es kennen. Wie aber die Brücke schlagen zwischen Wärme und Belebung? 'Es entstehen' organische Verbindungen, die die Vorstufe, die Basis fürs Leben darstellen. Und irgendwann, irgendwo wird aus unbelebter organischer Materie eine lebendige Zelle. Eine Zelle, die aus ihrer Umgebung Stoffe, Energie aufnimmt und zum weiteren Aufbau ihrer selbst nützt. Eine Zelle, die sich teilt, vermehrt, die sich zu einem immer größer, vielfältiger, differenzierter werdenden Zellagglomerat, einem Organismus entwickelt. Warum tut sie das? Wir kennen kein physikalisches Gesetz, das dies begründen könnte. Wir kennen keine chemische Spielregel, die das forderte.


                            Manche machen es sich einfach, zu einfach, wie ich meine. Sie sagen, da springt ein göttlicher Funke über und belebt die Masse, ein geistiges Movens, eine Monade, eine Seele, ein übernatürliches Etwas und schon lebt, strebt, regt und bewegt sich Materie in Richtung immer organisierter, komplexer, intelligenter. Tja, damit wäre dann alles geklärt, oder? Also da sind mir Chaos und Zufall doch lieber, im Verein mit der Sonnenenergie ergibt das immer wieder neue Würfe mit dem Lebenswürfel, endlose Versuche und Experimente, Fragen an die Natur, die zu immer neuen Antworten, hin und wieder fitteren Formen führen, die die weniger fitten ablösen. Ist mir lieber als die Einführung eines weiteren unbegreiflichen Agens wie Geist oder Seele, Gott oder unbewegter Beweger, das das Problem ja nur um eine Etage höher verschiebt. Denn schon lauern die Fragen nach Wesen und Herkunft von Geist und Seele, ihrer Beschaffenheit, ihrer Wechselwirkung mit toter und belebter Materie usw. usw. Nee, das ergibt nur einen endlosen Reigen an zusätzlichen Problemen, Fragen und neuen, unklärbaren Begriffen. Ein Teufelskreis an logischen und un-vernünftigen Verstrickungen ohne Ausweg. Es bleibt eben ein Rest Unverständnis, Unerklärlichkeit - die offene Frage nach dem kleinen, unendlich winzigen Schritt von leblos zu lebendig. Der Anstoß im Match des Lebens, der Ankick. Reicht Sonnenenergie als Erklärung? Reicht flüssiges Wasser als Gebärmutter? Wir wissen es nicht.


                            Es gab ja Meldungen, dass im Labor unter bestimmten Bedingungen das Entstehen von Leben oder Protoleben beobachtet worden wäre. Meine Kenntnisse in Biologie reichen nicht aus, das zu beurteilen, ich kann das nicht überprüfen. Würde die Zufallsthese stimmen, müsste es einstens möglich sein, die Geburt von Leben in steriler Laborumgebung zu beobachten. Dann wäre immerhin klar, dass es nicht nur auf der Erde, sondern auch auf anderen Himmelskörpern zur Enstehung von Leben kommen könnte, müsste. Wenn die Bedingungen passten. Immerhin. Ganz Schlaue werden nun kommen und sagen, der Schritt ins Lebendige sei gebunden an den Eintritt des göttlichen Funkens, einer Monade oder eines Seelenatoms in die leblose Substanz. Das kann man immer behaupten. Und das kann niemand widerlegen. Ist wie mit dem Solipsismus. Unsinnig, aber unwiderlegbar. Doch macht das wirklich einen Unterschied? Eine Seele, einen göttlichen Funken, die per se und prinzipiell nicht beobachtbar, messbar, beweisbar sind, die kann ich ruhig zulassen. Sie sind wie eine Null in einer Addition: sie stören nicht, ändern aber auch nix. Man kann sie zulassen oder weglassen - egal, kein Unterschied. Gott, Geist, Seele - Nullstellen, Leerstellen, leere Mengen. Leere Begriffe, weil alles umfassend, beliebig.


                            Die Enstehung des Bewusstseins ist ein weiterer Schritt, der nicht verstehbar. So wie der Sprung vom Unbelebten zum Belebten. Da wird ein Organismus seiner selbst gewahr. Begreift seine Begrenzung, Abgrenzung zu dem, was nicht zu ihm gehört. Erfährt sich als Subjekt, seiner Existenz mehr oder weniger bewusst, spürt sich, nimmt sich wahr als Etwas, das von seiner Umwelt getrennt ist. Auf sie wirkt, von ihr bewirkt und beeinflusst. Ein Umschlag von Quantität in Qualität. Genügend Komplexität vorausgesetzt und schwupps, sowas wie Bewusstsein ist da. Was das ist, wie es funktioniert - prinzipiell unverstehbar. Obwohl wir es fortwährend erleben, erfahren, ja, diese Fragen und ihre Unbeantwortbarkeit selbst sind ja Ergebnis dieses Bewusstseins. Die Katze, die sich nicht in den Schwanz beisst, weil sie ihn nicht erreichen kann. Der Hamster im Rad, der sich totläuft, weil er nie an ein Ende kommt. Bewusstsein - die Unmöglichkeit an sich. Also die Unmöglichkeit des Verstehens selbigens. Ich bin mir meiner bewusst - solange ich nicht versuche, das zu verstehen. Dann wird mir bewusst, dass ich nichts weiß, wissen kann. Absurd. Quod erat demonstrandum.


                            Leben, jede Amöbe kann es, jeder Farn vermag es. Ohne zu wissen, wie es 'geht'. So auch die höheren Lebewesen, die mit Sinnesorganen, Wahrnehmung, Denken, Fühlen, Intelligenz. Sie alle 'wissen' nicht, welch Kosmos an vielfältigen Prozessen, welch unfassbare Organisation, Zusammenarbeit, Abstimmung, Zielgerichtetheit in ihnen steckt und wirkt. Alles, was Wissenschaft ans Licht bringt, war ja schon vorher da, werkt und wirkt auch ohne unsere Entdeckung, ohne unser Wissen und Verstehen. Mein Körper ist ja noch viel fähiger und komplizierter, als das, was Forscherdrang bisher herausgefunden hat. Ich denke, fühle, nehme wahr, ohne die geringste Ahnung, wie das 'läuft'. Ich stoffwechsle, verdaue, atme, wehre Krankheitserreger ab, lebe, ohne den Hauch eines Schimmers, wie das 'geht'. Dieses Ich ist ja nur ein selbstverliebtes, überhebliches, sich maßlos überschätzendes Produkt eines unübersehbaren, selbstorganisierenden Kosmos an Prozessen von denen dieses Ich bis dato fast nichts kennt und versteht. Die auch ohne M-ich funktionieren. Autonom. Unabhängig vom Erkennen und Wissen darum. Und das ist doch tröstlich. Weil es mir den Stellenwert zuweist, den 'ich' habe: unbedeutend, vernachlässigbar, irrelevant. Sehr befreiend, erleichternd, finde ich. 'Es' braucht 'mich' nicht. Gut so.


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                              So, mal ein paar unzeitgemäße Gedanken zur Weltrettung durch grüne Elektrizität, grünes Gas, grüne Ökonomie, grüne Rezepte, grüne Heilsversprechen, grüne Luftballons, grüne Seifenblasen. Es grünt so grün. Vor allem in Deutschland, das sich mal wieder anschickt, die Welt zu retten. Was dabei bisher rauskam, lässt nichts Gutes ahnen. Alles grünt, bis auf die Wälder und Fluren. Die welken, vertrocknen, gebräunt von einer erbarmunslosen Sonne. Hurra, endlich wieder Sommer jubeln viele Menschlinge, bei denen das Wasser aus dem Hahn kommt und der Strom aus der Steckdose. Fürs e-Mobil, versteht sich. Denn man will ja das Weltklima retten. Das Klima braucht ihr nicht retten, ihr Idioten! Schaut lieber, dass ihr euch selbst, eure Lebensgrundlagen und die eurer Kinder und Enkel rettet! Das Klima ist immer da, wird immer überleben, ihr aber seid abhängig davon, welches Gesicht das Klima zeigt, welche Sprache es spricht, welch Raum zum Leben es euch lässt.


                              Stichwort e-Mobilität. Das Flaggschiff der Klimarettung Made in Germany. Leute kauft Elektroautos, kauft sie ein! Damit könnt ihr euren Beitrag zur CO2-Reduktion leisten. E-Mobilität - die Mobilität der Zukunft! E-bike, e-scooter, e-SUV, e-truck, e-klar! Die Konzernbosse lassen schon die Sektkorken knallen, die Politik subventioniert, fördert, boniert die e-Mobilität. Also vorallem die Automobilindustrie, denn die Förderungen, Boni, Rabatte fließen ja in die Kassen der Industrie und nicht der Käufer. Und die Karren sind teuer. Lieb und teuer. Man gönnt sich ja sonst nix. Warum die Karren so teuer sind, bleibt ein Geheimnis der Konzerne. Denn angeblich sind sie ja viel einfacher zu bauen. Brauchen all das unnötige Zeugs nicht, das die Verbrenner auszeichnet: Vergaser, Zündung, Getriebe, was weiß ich noch. Dennoch liegen die Preise für e-Autos so bei 30 Tausend aufwärts. Und unterm Strich bringen sie für die Umwelt und das Klima so gut wie nichts. Denn erstmal brauchen die e-Kisten genauso viel Straßen, Parkplätze, Garagen, Ladestellen wie die fossilen Stinker. Wie die Ökobilanz der e-Karren gegenüber Petroschlitten aussieht, das ist undurchschaubar. Die Angaben sind widersprüchlich, verwaschen und je nach Quellenlage höchst unterschiedlich. Die Einen behaupten eine klaren Vorsprung der Elektriker, die anderen das Gegenteil. Was wirklich bei der Produktion eines Batterieautos eingespart wird oder nicht, das bleibt offen. Fakt ist, dass ein e-Auto genauso viel Blech, Stahl, Kunststoff, Gummi, Glas braucht wie ein Verbrenner. Dazu kommen die zentnerschweren Batterien, die jede Menge ökologisch höchst problematischer Stoffe, seltener Erden und Elemente wie Lithium beherbergen. Internationale Buddlerkonzerne baggern sich schon die Schaufeln wund in Chile, Australien und anderen Weltgegenden. Die Interessen der regionalen Bevölkerung, meist Indianer, Indigene, Aborigenes und anderer vernachlässigbarer Indentitäten müssen dabei hintanstehen. Fürs Klima muß man halt Opfer bringen. Also woanders, nicht bei uns. Zurück bleiben verseuchte Wüsten. Zum Glück weit weg.


                              An der e-Mobilität wird das Weltklima nicht genesen. Das steht fest. Eher im Gegenteil. Von der Stromproduktion haben wir dabei noch gar nicht geredet. Wo die tausenden Terawatt herkommen sollen, die die Elektrodroschken brauchen, das verschweigen die grünen Heilsbringer diskret. Da nuscheln sie was von Wind, Sonne, Wasser und Innovation. Na gut. Schau mer mal. Tatsache ist, dass die Grünlinge es nicht wagen, ans Eingemachte zu gehen: das System. Nur ja keinen Verzicht, keine Verbote, Einschränkungen oder Infragestellung von Kapitalismus, Konsumismus, Tourismus. Oh je, das geht gar nicht. Könnte ja Wählerstimmen kosten. Es hieß ja mal, die Grünen seien wie Melonen: außen grün, innen rot. Stimmt schon lange nicht mehr. Von grün blieb nur der Name und von rot nur rosa wie Gendern. Die Grünen sind die CDU der Woken. Aber das ist nicht das Thema.


                              Stichwort Energiewende. Da könnt ich die Wände hochklettern. Im Moment sind Habeck, Baerbock &Co. ja damit beschäftigt, einerseits sich bei Putin weinerlich zu beschweren, dass er mit dem Gashahn spielt, andererseits drohen sie ihm aber mit totalem Boykott seines Blutgases und Blutöls und wünschen ihm den totalen Ruin an den Hals. Tja, die einen drehen an der Sanktionsschraube, der anderen am Gashahn. Gleichzeitig kauft man Frackinggas aus dem Land der Freien, Gas, das die Grünen bis vor kurzem noch als schmutzig und ökologisch völlig inakzeptabel auf dem Index hatten. So schnell ändern sich die Zeiten. Auch vor Öl- und Gasgeschäften mit Diktaturen wie Katar und den Saudis schreckt man auf einmal nicht mehr zurück. Plötzlich ist alles grün und moralverträglich, wenn's nur nicht vom Putin kommt. Aber zurück zur Energiewende. Was wird da nicht alles versprochen: saubere und nachhaltige Energie aus Sonne, Wind und Wasserkraft. Das mit der Sonne hat gleich mehrere Haken. Zwar liefert unser Muttergestirn ein Zig-Vielfaches des Gesamtenergiebedarfs der Menschheit, jedoch ist bei der Umwandlung und Weiterleitung an die Verbraucher noch jedwede Nuß zu knacken. Soll man alle Dächer, Freiflächen, Wiesen und Felder mit PV-Platten zupflastern, geht das schwer Hand in Hand mit Artenvielfalt, Naturerhalt und landwirtschaftlicher Produktion. Zudem sind - allem Klimawandel zum Trotz - unsere Wintermonate nicht dazu angetan, ausreichend Sonnenstrom zu produzieren. Da stehen dann diese tausende Quadratkilometer PV-Flächen nutzlos in der Gegend rum. Für mich irgendwie nicht kompatibel mit Naturerhalt und Artenschutz. Nicht viel anders mit den Windparks. Ich bin zwar kein Don Quichote, der gegen Windmühlen kämpft, doch schau ich mir an, welch Unmengen an Beton - eine der größten CO2-Quellen bei der Produktion von Zement - Kunststoff und Stahl da in die Gegend gestellt werden, Lebensdauer begrenzt, Abbau und Recycling ungeklärt bzw. nur mit hohem Energieaufwand möglich, dann scheint mir Windenergie eine recht windige Angelegenheit. Nachhaltig jedenfalls nicht.


                              Und mit der Wasserkraft ist es nicht weit her. Die deckt höchstens eine gewisse Grundlast und nur dann, wenn die Flüsse genug Wasser führen. Und das wird bei uns zunehmend weniger. Sommers wie winters. Grade jetzt häufen sich die Meldungen, dass den Flußkraftwerken zunehmend der ganz besondere Saft ausgeht aus dem sie ihre Energie erzeugen. Optimisten sagen, das wird schon wieder, wenn es nur mal wieder ordentlich regnet. Pessimisten sagen, wir sitzen bald auf dem Trockenen. Realisten sagen, bei der Wasserkraft sind wir am Limit, es kann nur weniger werden. Keine gute Nachricht für die Energiewende.


                              Stichwort Klimawandelleugner. Was für ein Unwort. Hier die grüne Weltenrettung durch Klimarettung. Da die granitgraue, unerschütterliche Überzeugungsmelange, es gäbe keinen Klimawandel, schon gar keinen menschinduzierten, es habe schon immer Klimaänderungen gegeben, das werde alles aufgebauscht, sei mediale Hysterie, nur ein Vorwand zum Abzocken der Leute usw. usw. Was auffällt, bei beiden Lagern überwiegt das Ausblenden der Hälfte der Tatsachen, der Wirklichkeit. Wo die Grünen den Spagat zwischen Nachhaltigkeit und nur-kein-Verzicht - also ein weiter-so beim Produzieren, Konsumieren, Reisen, versuchen, nur grün angestrichen, blenden die Leugner der Klimaänderung alles aus, was ihrer Überzeugung widerspricht. Psychologen nennen das kongnitive Dissonanz. Ich glaube nicht an einen menschlichen Einfluß aufs Weltklima, also kann es gar keinen menschinduzierten Klimawandel geben, also sind alle, die das behaupten Lügner oder Dummköpfe. Alles, was scheinbar für eine Klimaänderung spricht - Extremwetter, Langzeitänderungen bei Temperaturmittel, Niederschlag, Luft- und Meeresströmungen etc., wird ausgeblendet und als Einmalereignis abgetan. Gab es immer schon, sind vorübergehende Schwankungen, Messwerte werden manipulativ verwendet usw. Und schwupps ist sie aufgelöst, die kognitive Dissonanz. Die anderen sind blöd, manipuliert, blind. Ähnlich funktioniert es bei den Gläubigen des menschgemachten Klimawandels. Bloß umgekehrt. Davon unberührt schnurrt das Naturgesetz ab und tut, was es tun muß. Nur Mensch in seiner kindischen, dämlichen Überheblichkeit glaubt, er könne sich über die Natur erheben, obwohl er noch nicht mal einen kleinen Teil der unüberschaubaren Vernetzungen, Abhängigkeiten und Querbeziehungen im Ökosystem auch nur annähernd durchschaut hat. Hochmut kommt vor dem Fall, hätte meine Oma gesagt.


                              Wenn überhaupt, dann hätte nur noch eine globale Ökodiktatur eine Chance, das Ausmaß der Erderwärmung irgendwo zwischen 1,5 und 3 °C zu begrenzen. Aber daraus wird nix. Demokratien, Autokratien, Diktaturen, faschistische Plutokratien, Staatenbünde, Militärbündnisse, der ganze unappetitliche Mix an Herrschaftsformen, wie zufällig über den Globus verteilt, wird es nicht schaffen, die nötigen Maßnahmen zu ergreifen und durchzusetzen. Wie will man auch einem Inder oder Chinesen, einem Afrikaner oder Südamerikaner erklären, er müsse jetzt zurückstecken, mit dem weiteren Wohlstandszuwachs wird es nix, weil wir das Weltklima retten müssen. Wo in USA, EU und anderen 'reichen' Ländern schon die Erwähnung des Worts Verzicht tabu ist. Wo man dort noch immer die politische Agenda verfolgt, wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht naß. Nee, so wird das nix. Womit die Weltrettung erledigt und die Apokalypse gebucht wären. Gute Reise!




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